Verschiedene Interpreten – Werkstattwoche der FDJ Singeklubs (1968)

frontcover1Und nun, am Vorabend zum 1. Advent noch ein paar klassenkämpferische Klänge, und zwar aus jenen Jahren, in denen diese Musik wohl die Alternative zu den aufrührerischen Klängen der Beat- und Rockszene des Westens war.

Und hört man sich diese Aufnahmen heute wieder mal an, kann es sein, dass so ganz unterschiedliche Empfindungen sich breit machen können.

Da kann man erstmal feststellen, dass einem diese „Klampfen-Musik“ ganz schön auf den Wecker gehen kann (ich kenne diesen Stil natürlich erst recht von den westdeutschen politischen Liedermachern jener Zeit), da kann man feststellen, dass die Text mehr als engagiert sind. Da kann man feststellen, dass auch viel Naivität in den Texten stecken mag, da kann man feststellen, dass diese Texte überaus wichtige Texte waren.

Und dann aber kann einem eine ganz große Rührung überkommen, ob all der Träume, Hoffnungen Sehnsüchte dieser damals noch ach so jungen Idealisten (die natürlich auch instrumentalisiert wurden).

Und dann taucht auch noch der Name Kurt Demmler auf … eine zentrale Figur der Liedermacher-Szene in der DDR, der sich dann im Februar 2009 in der Untersuchungshaftanstalt Moabit erhängte … er stand damals vor Gericht, wegen des Vorwurfes, des sexuellen Mißbrauches von Kindern …

Aber was wurde aus all den anderen Musikanten … wenn ich ganz viel Zeit hätte … ich würde mich auf Spurensuche machen …

Und so hinterlässt dieses Album bei mir auch viel an jener Wehmut … frei nach dem Motto: wo sind sie alle geblieben, unsere Träume … und was wurde aus ihnen ?

Wir singen, weil wir jung sind …

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Titel:
01. Folkloregruppe der TU Dresden: Carpe Diem (Nutze den Tag) (Walther) 2.36
02. Wolfgang Grahl + FDJ-Singestudio Müritz: Spottlied auf einen Moskaubesucher (Grahl/Lindemann) 2.32
03. Antje Kankel + Singeclub Rostock: Das ist unser Tag (Kankel) 3.02
04. Folkloregruppe der TU Dresden: Zygan Chodit (Traditional) 2.48
05. Panajota Ruli + Klaus-Georg Eulitz: Kathe Mera (Traditional) 1.53
06. Kurt Demmler: Zart soll es bleiben (Demmler) 2.43
07. Kurt Demmler: Kastanie, Kastanie (Demmler) 1.07
08: Antje Thümmler, Ulrich Stephan + Folkloregruppe der TU Dresden: O lenke durch die Welle (Traditional) 1.44
09. Singklub Leipzig: Abendgedanken (Steffen/Schmeißer) 1.06
10. Herbert Lappe + Folkloregruppe der TU Dresden: …Und darum trägt unsere Welt heut rin neues Gesicht (Herz/Rump) 1.39
11. Nora Löhr + Wolfgang Gregor: Venezolanisches Marktlied (Traditional) 2.02
12. Jörn Fechner + Oktober-Klub Berlin: Mamita Mia (Traditional) 1.44
13. Henry Jäger + FDJ-Singestudio Müritz: Musja Pikinson (Jäger/Taegder) 1.25
14. Barbara Kellerbauer + Folkloregruppe der TU Dresden: Lied von der unruhvollen Jugend (Pachmutowa/Oschanin) 2.05
15. Frank Obermann + Sing-Klub 67, Karl-Marx-Stadt: Unsere Welt hat ein Millionengesicht (Gäbler/Krautz) 2.10
16. Hartmut König + Oktober-Klub Berlin: Die Front der Patrioten ruft (Theodorakis/König) 3.15
17. Panajota Ruli + Folkloregruppe der TU Dresden: Drapetis (aus dem „Mauthausen-Zyklus“) (Theodorakis/Kambanellis) 3.01
18. Nora Löhr + Wolfgang Gregor Vom Oktober-Klub Berlin:  Auseinandergehen (Gregor/Braun) 2.21
19. Dorit Gäbler + Chris Baumgarten: Icke (Baumgarten/Steineckert) 1.30
20. FDJ-Singestudio Müritz: Wir singen, weil wir jung sind (Speezen/Grahl/Kolbe) 2.03

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4 Gedanken zu “Verschiedene Interpreten – Werkstattwoche der FDJ Singeklubs (1968)

  1. Nun ja … anz so pessimistich sehe ich das nicht … in der Tat haben wir momentan eine sehr fragile Entwicklung … aber ich bin großer Hoffnung … dass sich diese Gespenster-Typen in absehbarer Zeit wieder in Luft auflösen … aber ich seh´ja immer das Glas halbvoll und nicht halbleer …

  2. Das hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen … ich teile Deine Auffassung, dass sich just an einer solchen LP die Geister (je nach Ost und West) teilen …

    Und Du hast recht: jene „linken Ideal“, von denen auch auf dieser LP gesungen wird, hat die damalige Generation bei uns jedenfalls z,T. ernsthaft und zwar ganz ernsthaft bewegt … und für meine Person gestehe ich freimütig, dassmich diese Ideale auch heute noch begeistern können: Eine Welt, in der die Schere zwischen arm und reich kleiner wird (statt größer)… eine Welt, in der Ungerechtigkeiten der Vergangenheit angehören … eine Welt, die nicht eine andere Welt (früher hat man gesagt: 3. Welt) ausbeutet …. usw usw. …

    Maybe I´m a dreamer … but I´m not the only one …

    • Tja, rein theoretisch ist Marxismus schon vernünftig; s bräuchte nur völlig andere Menschen, um ihn zu verwirklichen. Egoismus lässt sich nicht weglabern oder wegzüchten. Man müsste sich mit mehr oder weniger faulen Kompromissen zufriedengeben, die blöderweise gerade weltweit aufgekündigt werden. Neoliberalismus sägt an dem Ast auf dem wir letztlich alle sitzen. Keine Korrekturkraft nirgends.

      „Revolution erstickt im Salon …“ F.O.X. (Westberlin)

  3. Hach da ist er wieder der ganz große Unterschied zwischen West und Ost.
    Der Alt-68er (west) – soll jetzt hier NICHT als Schimpfwort gemeint sein – und der jugendliche Ossi jener Zeit, da scheiden sich die Geister an Platten, wie dieser.
    Für Wessis sind das linke Ideale; für Ossis mehrheitlich Propaganda-Dödel, die angeheuert, motiviert oder sanft erpresst wurden, das Zeuch einzusingen, damit ein wenig kaschiert werden konnte, dass Rockmusik zu jener Zeit staatlicherseits noch richtig verpönt war.
    Diese Platten lagen als Ladenhüter ewig herum, wenn nicht gerade eine westdeutsche Reisegruppe auf Kuriositäten-Tour war.
    „Oktober-Club“ war im Alltagssprech zum Schimpfwort geworden.

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