Ina Deter – Ich will die Hälfte der Welt (1987)

frontcover1Die deutsche Frauenbewegung in der 80er Jahren hatte ja mehrere Musikerinnen, die sich als kulturelles Sprachrohr dieser Bewegung verstanden. Eine davon war ganz sicher die Ina Deter:

Ina Deter (* 14. Januar 1947 in Berlin) ist eine deutsche Musikerin und Liedermacherin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihr Lied Neue Männer braucht das Land.

Mit elf Jahren begann Ina Deter, das Gitarrespielen zu erlernen. Ihre erste Band, Lucky Girls, gründete sie im Alter von 14 Jahren. Mit 22 Jahren ging sie 1969 von West-Berlin nach Köln. Deter ist gelernte Grafikerin und arbeitete in einer Werbeagentur.

1974 veröffentlichte sie ihre erste Single mit dem Song „Ich habe abgetrieben“. Der Titel ist ein Tondokument des ersten von Deter selbst geschriebenen Liedes, und er ist geprägt von den Frauenbewegungen der 68er-Generation und Deters Engagement in Frauengruppen.

inadeter1976

Ina Deter, 1976

1976 nahm sie an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest mit demgleichfalls selbst geschriebenen Titel Wenn du so bist wie dein Lachen teil und erreichtPlatz 11. Weil aber der Sieger disqualifiziert wurde (Tony Marshall), erklärte man die zweitplatzierten Les Humphries Singers nachträglich zum Sieger. Ina Deter rutschte also auf Platz 10 nach und erhielt damit ihren ersten Plattenvertrag. 1977 erschien ihre erste LP „Ich sollte eigentlich ein Junge werden“.

Nach weiteren Veröffentlichungen als Liedermacherin änderte sich Deters Musikstil mit der Ina-Deter-Band in Richtung Rock. In den Jahren 1978 erschien „Heute“, 1979 „Wenn wir unsern Neid besiegen“ und 1980 „Aller Anfang sind wir“.

1982 gelang ihr der Durchbruch mit dem Titel „Neue Männer braucht das Land“, der auf der gleichnamigen LP erschien und sie zu einem Star der Neuen Deutschen Welle machte. In Folge bespielte Deter eine Tournee mit 180 Konzerten und erreichte Platz 13 in den Charts.

Es begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Musiker und Produzenten Jo Steinebach. 1984 erschien die ebenfalls erfolgreiche LP „Mit Leidenschaft“, und 1986 folgte „Frauen kommen langsam – aber gewaltig“. Auf beiden Platten blieb sie ihrem Stil treu, deutsche Texte über Liebe, Partnerschaft und auch soziale Themen im Pop-Rock-Stil zu vertonen.

1987 kam ihr erstes Live-Album heraus und die CD „Ich will die Hälfte der Welt“, 1990 „Soll mich lieben, wer will“, 1991 „Ich bereue nichts“ und 1993 „VerRückte Zeiten“.

Nach „VerRückte Zeiten“ verordnete sich Deter bis 1996 eine Pause, um sich ihren anderen Interessen, vor allem dem Theater, Schreiben und Malen widmen zu können.

In den späteren 90ern versuchte Deter ihr Solo-Comeback mit den Alben „Mit früher ist heute vorbei“ (1997) und „Hits & Flops“ (1998). Im Januar 1999 unternahm Deter eine kleine Tour und im Jahr 2000 eine weitere Tournee mit neuer Band. Im gleichen Jahr veröffentlichte sie ihre erste CD im 21. Jahrhundert: „Spieglein, Spieglein“. Im April und Mai 2001 und Herbst/Winter 2002 folgten weitere Touren.

InaDeter1986

Mit einem abendfüllenden Programm Voilà – Lieder von Édith Piaf in Deutsch feierte Ina Deter im Oktober 2001 im Berliner „Chamäleon“ Premiere; an ihrer Seite Die Compagnons, ein achtköpfiges Orchester. Dieses Projekt Ina Deter & Die Compagnons ist ein Tribut an die legendäre französische Chansonsängerin Édith Piaf.

Nach überstandener schwerer Krankheit (sie litt an Brustkrebs) hat Deter für ihr jüngstes Album „Ein Wunder“ elf ihrer bekanntesten Hits aus der Schaffensperiode von 1976 bis 2007 neu aufgenommen. Dazu kommen drei bisher unveröffentlichte Songs (Lucy, Mutter Unser und Lied an die Engel). Mit einem Auftritt am 23. November 2007 im Kölner „Comedia“ hat sie ihr neues Konzertprogramm der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ina Deter hat sich nach dem Tod ihres Lebensgefährten Manni Holländer (* 8. Mai 1952; † 18. April 2011) aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und lebt heute im Ausland. (Quelle: wikipedia)

InaDeterBand1986

Klingt dann nicht so lustig … und von daher ist der Song „Durch alle Himmel und Höllen“ von diesem Album geradezu prophetisch … nur dass das mit dem Paradies nicht so ganz geklappt hat.

Einen sonderlichen Erfolg hatte dieses Album nicht: So schreibt z.B. das Fachmagain „Audio“:

„Früher suchte sie „neue Männer“ für das Land, jetzt sollte sie vielleicht doch mal Texter suchen. Denn was nützen die progressivsten Texte, wenn sie sprachlich so zerknittelt werden? So macht’s nur wegen der von Edo Zanki gewohnt gut produzierten Musik rechte Freude. Fazit: wirklich ein Fifty- Fifty-Album.“

Für meine Ohren hilft allerdings auch der Edo Zanki nix mehr. Die Musik ist mir zu glatt, stromlininförmig, letztlich eher belanglos. Kurz: Das Album lässt mich einfach kalt. Da helfen auch ein paar gute Textzeilen nichts mehr:

Einmal kommt für jeden der Moment,
wo man feststellt, daß der Reißverschluß klemmt
von der alten Sticky- Fingers- LP,
von den Stones mit der heißen Coveridee.
Man zieht ihn vergebens runter und rauf,
doch er gibt seine Dienste auf,
ein Zahn bricht nach dem andern aus,
ist morsch und bröckelt, die Luft ist raus.

An manchen Tagen träume ich schwer,
ist alles ´ne Ewigkeit schon her,
´ne Ewigkeit schon her.
Oho, ist Jahre schon her,
ich glaub es fast schon selber nicht mehr.

Es war Anfang Ziebzig, die Zeiten war’n laut,
da hab ich die Platte mal bei Hertie geklaut,
Mick Jagger war da noch ´n richtiger Schock,
wie lange Haare und ´ne Handbreit Minirock.
Man hat mich in der Schule für nichts erwärmt,
hab mehr von ´ner „Drei- Minuten- Single“ gelernt,
am Wochenende Tanz im Jugendheim,
und Liebe auf’m Rücksitz im Mondenschein.

An manchen Tagen träume ich schwer,
ist alles ´ne Ewigkeit schon her,
´ne Ewigkeit schon her.
Oho, ist Jahre schon her,
ich glaub es fast schon selber nicht mehr.

Ich verkehrte im Cafe Americain
und mir vis-à-vis saß Bob Dylan,
wir nahmen ´n Drink, wir waren gut dabei,
und ich brachte ihm Gitarrenspielen bei.
Es hat mich erwischt, das ist mein Tag,
von Zeiten zu träumen, die ich heut noch mag,
es war mal auf’m Highway One O One,
es war mal, so fangen alle Märchen an.

An manchen Tagen träume ich schwer,
ist alles ´ne Ewigkeit schon her,
´ne Ewigkeit schon her.
Oho, ist Jahre schon her,
ich glaub es fast schon selber nicht mehr.

Tja, ging wohl schon damals los … jene wehmütigen Rückblicke … nach dem Motto „When I was young“ …

InaDeter2008

Besetzung:
Ina Deter (vocals)
Robby Musenbichler (guitar, background vocals)
Klaus Sperber (bass)
Bert Smaak (drums)
Jo Steinebach (keyboards, background vocals)
+
Lothar Krell (keyboards bei 01., 03., 07. + 08.)
+
background vocals:
Christina Lux – Edo Zanki – Elke Singer – Linda Rocco – Mandy van Baaren – Sabin van Baaren

BackCover1

Titel:
01. Immer wieder (Steinebach) 4.01
02. Durch alle Himmel und Höllen (Steinebach)  4.40
03. Ich will die Hälfte der Welt (Steinebach/Deter) 4.36
04. Unter die Haut (Steinebach/Deter)     3:54
05. Denn wir wissen, was wir zun (Steinebach/Deter) 5.43
06. Jahre schon her (Steinebach/Deter) 4.28
07. Unsterblich verliebt (Steinebach/Deter) 4.12
08. Wenn du mich willst (Steinebach) 4.20
09. Einfach abhaun, einfach gehn (Steinebach) 4.50

Alle Texte: Ina Deter

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