Juliane Werding – Tarot (1988)

frontcover1All die Jahre habe ich mir gedacht, in der Juliane Werding müsste doch eigentlich mehr Potential stecken und immer, wenn ich mit einer Schallplatte von ihr versuchte, kam ich zu dem Schluss: Nein, das war´s jetzt auch nicht …  Um es vorwegzunehmen, so ging´s mir bei dieser Scheibe auch, wenngleich sie hier schon dem, was ich mir unter der Juliane Werding vorstelle, schon sehr nahekommt.

Und die Umstände für diese Aufnahmen waren ja auch recht gut. Sie hatte ein professionelles Team um sich (Harald Steinhauer als Produzent, Michael Kunze als Texter und Begleitmusiker, die über jeden Zweifel erhaben sind).

Und der Titel „Tarot“ entsprach natürlich ganz dem damaligem Zeitgeist einer bestimmten Generation. In den 80er Jahren entwickelten sich esoterische „Anwendungen“ zum Hit (und natürlich auch zum Kassenschlager) …ich erinnere mich noch gerne, wie so ein paar Damen mit ihren Tarotkarten wedelten *schmunzel‘

Unddas Album hatte glühende Verehrer:

In „Starke Gefühle“ wird eine Frau von einem Mann gedemütigt und bringt ihn deshalb um. „Zeit ist ein eisernes Tor“  erzählt die Geschichte von „Drei Jahre lang“ (vom 1984 erschienenen Album „Ohne Angst“) aus der Sicht des inhaftierten Gesetzesbrechers. Er verbüßt seine Strafe, wird entlassen und am Tor von seinem gewartet habenden Schatz in den Arm genommen. Ein schönes Lied. In „Nie mehr“  geht es um den Tod eines geliebten Menschen.

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„Es wird Zeit“  beschreibt das Leben eines Grufties, in „Tarot“ sagt eine Kartenlegerin der Protagonistin voraus, dass ihr Liebster sie bald verlassen wird. Im sechsten Titel, „Nebelmond“, verstirbt eine Beifahrerin während einer nächtlichen Autofahrt an einer Gehirnblutung. „Heute nicht“  kann einen gewissen Zynismus nicht verhehlen: Ein Vater nahm sich dereinst keine Zeit für seinen kleinen Sohn, ein paar Jahrzehnte später dreht besagter Sohn den Spieß um und nimmt sich keine Zeit für seinen alten Vater. Auge um Auge – ein trauriges Lied. Auf welchem Ereignis „Halt mich fest, Liebster“  beruht, ist uns nie so ganz klar gewesen. (Die „lebenden Fackeln“ sprechen für eine Feuersbrunst. Ein Vulkanausbruch? Eine Brandkatastrophe? Es wird eine tief in der Erde gelegene Höhle erwähnt. Ein Bergwerksunglück? Ein Strahlenbunker nach einem Atomkrieg?) Das Abschlusslied,  „Träume bleiben jung“, ließ uns etwas ratlos zurück: Es beginnt in einem fast leeren Kino, in welchem man einen alten Film zeigt und endet in einer überfüllten Kneipe, in welcher die Künstlerin den Wunsch äußert, ein Stein zu sein…Zweifelsohne lassen die Texte dieses Albums Fragen offen. Und das ist gut so. (Luzifer & SpaceGirl)

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Die Single Veröffentlichungen aus diesem Album

Textlich hat das Album also so einiges zu bieten … und vermutlich muss man sich auf so ein Album einlassen können … Denn nach mehrfachem Hören entwickelt sich doch tatsächlich so etwas wie eine Beziehung zum Hören. Und die Juliane Werding hatte damals auch eine wirklich eindrucksvolle Stimme … Und ja, auch etliche der Kompositionen und insbesondere der Arrangements können sich auch heute noch hören lassen.

Und wenn man mich fragt, ist die eindrucksvollste Lied ganz am Ende: „Träume bleiben jung “ … Gänsehaut pur !

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Besetzung:
Peter Bischof (backcover vocals)
Mats Björklund (guitar, bass, keyboards)
Curt Cress (drums)
Johan Daansen (guitar)
Peter Risavy (background vocals)
Juliane Werding (vocals)

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Titel:
01. Starke Gefühle (Steinhauer/Kunze) 5.10
02. Zeit ist ein eisernes Tor (Steinhauer/Kunze) 3.55
03. Nie mehr (Steinhauer/Kunze) 3.46
04. Es wird Zeit (Werding) 4.42
05. Tarot (Steinhauer/Kunze) 4.23
06. Ihr seid nicht allein (Steinhauer/Kunze) 4.09
07. Nebelmond (Kawohl/Daansen/Kunze) 3.52
08. Heute nicht (Steinhauer/Kunze) 3.27
09. Halt mich fest, Liebster (Werding) 4.16
10. Träume bleiben jung (Steinhauer/Kunze) 3.49

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Nachmittags ist das Kino leer
Nur ein Paar und ein Greis
Wirklichkeit traut sich nicht hier her
Nur ein Film in Schwarzweiß
Worte lügen, Pläne trügen
Herzen kriegen einen Sprung
Seltsam, nur die Träume bleiben jung
Zeit vergeht, nur die Träume bleiben jung

Abends sind alle Kneipen voll
Niemand bleibt gern allein
Man weiß nicht, was man sagen soll
Und wär gern wie ein Stein
Worte lügen, Pläne trügen
Herzen kriegen einen Sprung
Seltsam, nur die Träume bleiben jung
Zeit vergeht, nur die Träume bleiben jung

Worte lügen, Pläne trügen
Herzen kriegen einen Sprung
Seltsam, nur die Träume bleiben jung
Zeit vergeht, nur die Träume bleiben jung
Zeit vergeht, nur die Träume bleiben jung

 

 

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2 Gedanken zu “Juliane Werding – Tarot (1988)

  1. Ich habe eine Weile gebraucht, bis mir aufging, dass „Nebelmond“ natürlich nichts anderes ist als eine auf modern getrimmte Version des guten alten „Erlkönigs“. — Schade, dass „Stimmen im Wind“ nicht dabei ist.

  2. Hach ja, die ersten Sätze kann ich sowas von unterschreiben: Da muss doch mehr geh’n, bei der Juliane… – da waren soviele Lieder „kurz davor“ richtig zu gefallen, (stimmen im Wind…Sonne auf der haut und lange Haare…Sei nicht traurig Susann…“

    aber dann war’s doch eher Ulla Meinecke, die wirklich ins Ziel kam:
    …du bist die Tänzerin im Sturm…schieß die Lichter aus, schick sie alle nach Haus…hör auf dich zu drehn und du wirst sehn, alles dreht sich um DICH!

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