Klein Erna – Die frechsten Geschichten aus Hamburg (1967)

frontcover1Es mag ja sein, dass so ein paar (oder gar etliche) Nordlichter mit dem bayerischem Humor der Hot Dogs nix anfangen können …

Deshalb dreh´ ich jetzt mal den Spieß um … Humor aus Hamburg und zwar mit Klein-Erna, die im Jahr 2006 ihren 100. Geburtstag feiern konnte:

Dieser Geburtstag ist ein wahres Phänomen. Die meisten haben Witze über Klein Erna schon nach wenigen Minuten vergessen, und doch leben die Anekdoten der naiv-frechen Göre unverwüstlich fort. Vor 100 Jahren entstanden die ersten Geschichten des Witzklassikers. Inzwischen gibt es ihn in tausenden Versionen.

Es sind immer Mini-Humoresken in höchstens zehn Sätzen wie diese: „Klein Erna döst in der Deutschstunde. Die in die Jahre gekommene Lehrerin nimmt gerade in der Grammatik Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch. Plötzlich ruft sie: ‚Erna – Ich werde heiraten! Was ist das?‘ Klein Erna fährt hoch: ‚Das is höchste Zeit, Frollein!'“ So wie dieser Witz sind eigentlich alle Klein-Erna-Geschichten. Harmlos, ein bisschen langweilig, man kann sogar sagen: angestaubt. Und doch ist es für kleine Kinder meist der erste Kontakt zum deutschen Humor.

Auch wenn viele annehmen, Erna sei eine reine Fantasiefigur: Erna Nissen hat tatsächlich gelebt. Ihre Familie stammt aus dem schleswig-holsteinischen Niebüll nahe der Insel Sylt und aus Preetz bei Plön. Das fand Helmuth Thomsen 1963 in seinem richtungweisenden Forschungsbeitrag „Materialien zur Entstehungsgeschichte von Klein Erna“ heraus. Angefangen hat alles mit einer missglückten Schiffstaufe: Die damals dreijährige Erna sollte ein Boot auf den Namen „Klein Erna“ taufen. Aber die Sekt-Flasche zerbrach nicht am Rumpf, und Ernas Vater musste zur Hilfe kommen. Die allererste Klein-Erna-Anekdote war geboren.
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Diverse Buchausgaben von „Klein Erna“

Doch ohne den Hamburger Jugendclub „Alsterpiraten“ hätte Klein Erna wohl nie eine Karriere als Witzfigur beginnen können. Als Familie Nissen 1906 aus Schleswig-Holstein in die große Hansestadt zog, legte ihr Segelschiff „Klein Erna“ ganz in der Nähe der „Piraten“ an. Ernas Brüder wurden Mitglied in dem Club und trugen das Missgeschick ihrer Schwester weiter. Es war unter den Jungen damals groß in Mode, sich kleine witzige Geschichten – auch Döntjes genannt – auf Missingsch zu erzählen, einer Mischung aus Hoch- und Niederdeutsch.

Die Jungen entwickelten in den nächsten Jahren die ersten Erna-Witze und gaben sie im engsten Kreis zum Besten. Durch Mund-zu-Mund Propaganda wurde die Göre bald stadtbekannt. Unabhängig von den Erlebnissen der „wahren“ Erna wurden immer neue Anekdoten erfunden. Vera Möller begann in den 50er Jahren, die Döntjes zu sammeln und zu veröffentlichen. Kurz darauf, 1958, starb Erna Nissen in Oberbayern.

Was sie nicht mehr erlebte: Die Verfilmung „Klein Erna auf dem Jungfernstieg“ (1969) mit Heidi Kabel und Heinz Erhardt machte die norddeutsche Figur in ganz Deutschland bekannt. Heute gehört Klein Erna ebenso zu den Hamburger Originalen wie der Wasserträger Hummel.
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Aber Klein Erna hat auch Erben: Klein Egon und Klein Fritzchen kaspern sich durch Witze – und neuerdings auch Klein Ali. Wieder geht es um Deutschunterricht: „‚Also Ali, ich brauche von dir noch eine Deutschnote. Sag mir doch mal bitte einen Aussagesatz!‘ Klein Ali überlegt und überlegt. Nach einiger Zeit sagt er: ‚Der Baum ist grün.‘ – ‚Gut‘, meint die Lehrerin, ‚aber zu einer 1 Plus musst du schon noch was drauflegen! Sag mir doch dazu noch einen Fragesatz!‘ Klein Ali überlegt wieder und sagt dann nach kurzer Zeit: ‚Der Baum ist grün. Weißt du?'“ 100 Jahre sind um, die Witze nicht besser.
(Julia Räsch und Christof Bock)

Viel besser sind die Witze auf dieser LP auch nicht …oder anders ausgedrückt … der Humor ist doch ziemlich flach und – ein klein wenig überraschend für die damalige Zeit – ziemlich zotig …
Nicht meine Kragenweite, aber vielleicht kommt das daher, dass ich ein Südstaatler bin.
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Beschilderung im Restaurant Blockbräu, Hamburg

Besetzung:
Klein Erna – Klein Bubi – den Pumeiers, der Hamburger Pankoken Kapelle und viele anderen
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Titel:
01. Die frechsten Geschichten aus Hamburg (Teil 1) 18.99
02. Die frechsten Geschichten aus Hamburg (Teil 2) 18.12

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Heinz Erhardt in einer „Klein Erna“ Verfilmung (1969)

 

 

 

Ein Gedanke zu “Klein Erna – Die frechsten Geschichten aus Hamburg (1967)

  1. Das ist ja ein Ding! Diese Platte befand sich in der recht überschaubaren (stilistisch wie auch zahlenmäßig) Sammlung von Schallplatten meines Großvaters. In ganz jungen Jahren reizte mich jede Vinyl-Scheibe, egal was drauf war. Umso erstaunter war es, dass ich mir diese Platte damals nicht anhören durfte. Natürlich gelang es mir eines Tages trotzdem. Damals wie heute hat sich mir nicht erschlossen, warum meine Altvorderen der Meinung waren, diese Flachwitze könnten das Weltbild eines 10-Jährigen ins wanken bringen. Müsste mir das heute mal mit zweienhalb Atü auf dem Kessel anhören, aber ich befürchte, nein, das erzeugt auch heute keine Lacher… Witzig allemal diese Platte mal wieder zu sehen!

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