Richard Germer – Seemannsgarn (1974)

FrontCover1Diesem blog kann man durchaus vorwerfen, dass er bei seiner Auswahl der Artefakte einen deutlichen Südstaaten-Schwerpunkt hat; nun das rührt von meiner Herkunft her und der damit verbundenen stärkeren Material-Sammlung.

Aber: ich halte durchaus meine Augen offen, um auch andere Regionen des deutschprachigen Raums angemessen zu würdigen.

Hier nun also wiedeer  ein Doppelalbum, voll mit hanseatischem Frohsinn:

Richard Germer (* 4. November 1900 in Hamburg-Barmbek; † 12. September 1993) war jahrzehntelang einer der populärsten Hamburger Volkssänger und Komponisten. Er war bekannt für seine heimatnahen norddeutschen Texte („Garnich um kümmern!“) und hieß auch Der Mann mit der Laute. Berühmt sind seine Auftritte mit anderen Hamburger Originalen wie Heidi Kabel.

Er war der Stiefvater von Hans-Olaf Henkel.

RichardGermer01

Richard Germer erzählte im Jahr 1950:

„Eigentlich bin ich gelernter Kaufmann. Ich habe mit Zucker angefangen. Aber nebenbei war ich begeisterter Wandervogel. Mit zwanzig Jahren bekam ich bei der ersten Jugendtagung in Heidelberg den ersten Preis, und von da ab rollte der Laden von ganz allein. Überall, wo in Hamburg was los ist, bei Vereinsfesten, Betriebsfeiern, Betriebsausflügen, wollte man mich haben. 1925 kam ich zum Rundfunksender. Es war eine Liebe auf den ersten Blick, und wir sind uns treu geblieben, der Rundfunk und ich. Meine größten Erfolge habe ich immer mit meinen Hamburger Liedern. Es sind plattdeutsche und hochdeutsche Lieder, die ich im Laufe der Jahre in ganz Deutschland bekannt gemacht habe. Viele davon habe ich selbst vertont nach den Gedichten unserer Heimatautoren wie Gorch Fock, Rudolf Kinau, Heinrich Deiters, Otto Franz Grund, Hermann Löns und Hans Leip. In letzter Zeit habe ich auch kabarettistisch gearbeitet, aber meine eigentliche Liebe gehört doch dem Volkslied. Es ist mein großer Kummer, dass das Volkslied, das früher bei jeder festlichen Gelegenheit mit Begeisterung aufgenommen wurde, heute so sehr als Stiefkind behandelt wird. Und so hoffe ich, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitragen kann, meinem geliebten Stiefkind wieder seinen rechten Platz zu erobern.“ (Quelle wikipedia)

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Dieses Doppelalbum ist quasi so ne Art Mega-Best-Of, vornehmlich mit Einspielungen aus den 50er Jahren, aber damit nicht genug:

„Richsard Germer singt vertraute und auch neue Songs zur Laute. Und in Ölzeug und Südwester spielt das Buddelschifforchester“ heißt es so niedlich auf dem Cover.

Eines der „neueren“ Lieder muss wohl „Das Chanson von der Hühnerbouillon“ sein, denn darin weiss Richard Germer zu berichten, dass diese Suppe auch „selbst Hippies und Gammler“ schmeckt.

Hamburg als Tor zur Welt, die Lieder erzählen davon. Daher werden auch so einige exotische Orte thematisiert … aber letzlich nur, um zu verkünden, dass es in der Heimat dann doch am schönsten ist („Einmal noch nachBomby“).

Anders als Heidi Kabel ist Richard Germer mittlerweile eher in Vergessenheit geraten; hier darf er dann noch mal aufblühen …

BackCover1

Besetzung:
Richard Germer (vocals, lute)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

Booklet1

Titel:
01. Die Reise nach Helgoland (Schrammel/Breuer/Köllisch/Germer) 4.48
02. An de Alster, an de Elbe, an de Bill (Strassman/Rothenburg) 2.48
03. Baltimore-Shanty (Traditional/Breuer) 2.45
04. WEnn das man stimmt (Germer/Strandt) 2.52
05. Seeräuber-Ballade (Germer/Reuß/Löwenstein) 3.56
06. Gaanich um kümmern (Germer/Strandt) 3.2
07. Seemannsgarn (Germer/Strandt) 3.17
08. Hering und Makrele (Germer/Strandt) 3.00
09. La Paloma (Yradier) 4.28
10. Die Story von Mary (Germer/Strandt) 3.18
11. Alt- und Neu-Hamburg (Germer/Strandt) 2.40
12. Das wäre noch mal was (Germer/Strandt) 3.32
13. Ständchen an Paula (Germer/Pein) 3.18
14. Das Chanson von der Hühnerbouillon (Germer/Strandt) 4.18
15. Alo-Ahe (Traditional) 2.12
16. So was dummes (Germer/Strandt) 3.00
17. Dat Leed von´n Grog (Prigge) 2.20
18. Die Hamburg-Hessen-Story (Germer/Strandt) 2.38
19. Einmal noch nach Bombay (Germer/Leip) 3.59
20. Rum aus Jamaika (Germer/Tolcke) 3.21
21. An de Eck von de Steenstroot (Richards/Rothenburg) 2.31
22. Das Lied vom Faß Aquavit (Germer/Strandt) 3.20
23. Rolling Home (Traditional) 1.43
24. Un denn segelt wi so langsam rund Kap Horn (Prigge) 3.10

LabelA1

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Ein Gedanke zu “Richard Germer – Seemannsgarn (1974)

  1. Ich hab diese Lieder geliebt als Kind. Da fehlen auch nur ganz wenige, dann wäre das Germers gesamtes für die Schallplatte eingespieltes Werk. Es muss noch etliche Aufnahmen geben, die der NDR mit ihm gemacht hat und die im „Hafenkonzert“ und solchen Sendungen live gesungen wurden. Vielleicht gräbt die ja auch noch mal jemand aus … Wie auch immer, das „Ständchen an Paula“ finde ich nach wie vor unschlagbar. Er stand ja auch als „Lautensänger“ im Telefonbuch. Die er übrigens exzellent beherrschte.

    In irgendeinem Interview sagte er mal, seine Eltern hätten „so ’ne kleine Fabrik“ gehabt. Wenn man dann sieht, wo der Mann gewohnt hat — in einem Riesenkasten an der Elbchaussee, da wo Hamburg am teuersten ist –, dann ist es irgendwie rührend, wenn er sagt „Ich habe mit Zucker angefangen“. Das ist das echte hanseatische Understatement.

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