James Graser – Der Playboy + I bin der Dudlhofer (1963)

FrontCover1Jetzt wird es mal wieder (dezent) frivol.

Die Rede ist von James Graser:

„Schickeria München“: ein schöner Name, den man früher einmal nicht mit prügelnden Fußball-Rowdies, sondern mit alt- und neureichen Schampus-Schlürfern in Verbindung brachte. Man darf also einerseits getrost sagen, die Münchner Schickeria sei ein bisschen auf den Hund gekommen.

Andererseits wirft das die Frage auf, was ebendiese Schickeria eigentlich ausmacht, seit jenen Tagen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, als dieser Begriff erstmals auftauchte.

Damals gab es noch den legendären Münchner Playboy James Graser, der die vier Grundbestandteile der Schickeria schon früh kongenial verkörperte: wilde Partys, flotte Autos, schneller Sex und saubere Räusche. Von James Graser sind viele seltsame Anekdoten überliefert.

Dass er zum Beispiel stets im Bademantel an den Swimming Pool des Hotels Bayerischer Hof kam mit der obligatorischen Frage: „San Hasen da?“ Im Falle einer positiven Antwort zog er dann den Bauch ein und stolzierte in sein Revier. Geht die Kunde. Manchmal soll er auch direkter zu Werke gegangen sein und die versammelten Blondinen, denn darum handelte es sich bei besagten „Hasen“, salopp mit den Worten begrüßt haben: „Kinder, das Rohr ist da!“ (Süddeutsche Zeitung“ vom 17. Mai 2010)

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James Graser mit dem berüchtigtem Consul Weyer

Und wenn man so lebt, da kommt man auch in die Nähe, der Superreichen (die wohllen sich schließlich ja auch mal was gönnen):

Der bevorzugte Aufenthaltsort des Münchners war lange Zeit seine Yacht „Diana II“. Die holländische Spezialwerft C. van Lent & Zonen hatte das Schiff – 63 Meter lang, 10 Meter breit – für etwa 20 Millionen Mark gebaut. Als Vorbild diente dabei ein ähnliches Schiff des saudiarabischen Königs Chalid.

Mit dem Bau der Yacht verband Flick einen Freundschaftsdienst: Der Münchner Party-Altstar und Flick-Gefährte James Graser wurde mit insgesamt 460 000 Mark dafür entlohnt, daß er die Fertigung des Schiffes überwachte. (Quelle: „Der Spiegel“, 29. Oktober 1984)

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Ralf Lüders, Barbara Valentin, James Graser + Kai Fischer im „James Club“, München

Und auch bei den sog. Gesellschaftsreportern war er natürlich beliebt:

„Er erfand die Klatschspalten für die deutsche Presse. Er wurde zu seinem eigenen Pseudonym („Hunter“). Er bestimmte fast 30 Jahre lang, wer prominent in Deutschland – hier: in München – sein durfte, welcher Zahnarzt, welches Starlet, welcher Playboy, welcher Konsul.

Er hielt regelmäßig hof an seinem Stammtisch, wo die Schönen und die Schicken vorbeiflanierten; und fast jeden Tag traf er sich mit James Graser, der sein Geld nach dem Krieg als Schwarzhändler gemacht hatte und den Hunter in seiner Kolumne ebensooft als „großen Playboy“ vorstellte. Graser, heute weißhaarig und krank, erzählt, wie das so ging: „Der Hannes rief mich an und sagte, Mensch, mach‘ ein kleines Fest irgendwo, lad‘ zwei, drei Frauen ein, und ich schreib was.“ (Quelle: „Spiegel Spezial“, Januar 1995 über den Gesellschaftsreporter Johann Baptist Obermaier, besser bekannt als „Hunter“)

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James Graser bei seiner Lieblingsbeschäftigung

So einer war also der James Glaser … Und vermutlich war ihm 1963 mal kurzfristig langweilig und so beschloss er, sich mal als Sänger zu probieren.

Das skurille Ergebnis kann man hier nachhören …

Und während er auf der A-Seite dieser Single (aus dem Hause „Saba“, die uns später mit dem Label MPS Records beglückte) seine ganz spezielle Philiosophie präsentierte (Text: Fred Rauch) gab er auf der B-Seite dem bayerischen Volk, was es wollte und verdiente: Traditionelle Volksmusik (oder was man damals darunter verstand) mit wenig Sinn und Verstand …

Nun denn, leider ist über den weiteren Werdegang dieses Playboys nichts bekannt (ach ja, er hat dann noch bei diversen Filmen wie „Das Go-Go-Girl vom Blow Up“ (1969), „Käpt’n Rauhbein aus St. Pauli“ (1971)und „Das Geheimnis der Mary Celeste“ (1972) und bei einer „Derrick“ Folge war er auch mal dabei).

Vielleicht sollte ich mich mal wieder auf die Spurensuche machen … denn Typen wie er sind charakteristisch für das Sittenbild der 50er und 60er Jahre … mit all dieser Bigotterie jener Jahre …

Und angehängt habe ich noch ein Interview, das Kurt Dall mit ihm mal geführt hat.

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„Ein Gentleman ist auch nur ein Playboy – allerdings mit mehr Geduld“

Besetzung:
James Graser (vocals)
+
Das Playbott Sextett (bei 01.)
Das James Graser Duo (bei 02.)

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Titel:
01. Der Playboy (Fruth/Rauch) 2.27
02. I bin der Dudlhofer (Traditional) 2.58

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