Inga Rumpf – Second-Hand Mädchen (1975)

IngaRumpfFrontCoverWieder einmal ne Zeitreise:

Inga Rumpf wurde als Tochter eines Hamburger Seemanns und einer ostpreußischen Schneiderin im Hamburger Stadtteil St. Georg geboren. Anfang der 1960er Jahre machte sie ihre ersten Auftritte mit verschiedenen Bluesbands im Jugendheim von St. Pauli. 1965 wurde sie die Sängerin der Folkrock-Gruppe The City Preachers, in der zeitweise Udo Lindenberg Schlagzeug spielte. 1968 nahm sie als Solointerpretin mit dem Titel Schade um die Tränen am ersten Deutschen Schlager-Wettbewerb teil. 1970 nannten sich The City Preachers in Frumpy um (mit Carsten Bohn, Drums, Jean-Jacques Kravetz, Keyboards, Karl-Heinz Schott, Bass, Rainer Baumann, git.), und die erste Schallplatte All Will Be Changed entstand.

1972 entstand aus Frumpy die neue Formation Atlantis, wo neben Rumpf abermals Schott, Kravetz und Lindenberg in Erscheinung traten. Inga Rumpf galt zu dieser Zeit schon als eines der größten Talente der deutschen Rockszene. Es folgten erfolgreiche Konzertreisen durch verschiedene Länder mit wechselnden Besetzungen, u. a. mit Dieter Bornschlegel, Ringo Funk, Alex Conti, Adrian Askew, Rainer Schnelle. 1976 löste sich Atlantis auf. (Qulle: wikipedia)

SchottRumpf

Karl-Heinz Schott + Inga Rumpf

Ein Jahr zuvor startete sie bereits ihre Solokarriere mit „Scond Hand Mädchen“ – ganz sicher auch inspiriert von dem zunehmenden Erfolg, den Udo Lindenberg mit seiner „deutschen“ Rockmusik hatte.

Gemeinsam mit einer hochkarätigen Schar von Musikern entstand ihr erstes Soloalbum – komplett in deutsch gesungen. Kracher wie „Amerika“ sind auch heute noch ein Genuss. Und bei den Song „Superstar“: wer dächte da nicht an jenen Udo Lindenberg ? Und der famose Rockjournalist Jürg Gülden von „Sounds“ schrieb damals:

Das was Inga Rumpf singt und spielt hat mit dem ohnehin üblen Schlagwort Deutschrock soviel zu tun, wie die legendäre Kuh mit dem Trompetenblasen. Inga Rumpf hat eine so mörderische Röhre, dass selbst einige schwarze Bluestanten blaß würden und einige weiße Bluestanten vor ärger schwarz. Würde Inga Rumpf nicht in Hamburg leben sondern z.B. in London oder an der Westcoast, wür würden uns bei einem Konzert von ihr in Deutschland glatt um die Karten prügeln müssen.

Single

Single Auskopplung

Besetzung:
Adrian Askew (keyboards)
Jackie Carter (background vocals)
Frank Diez (guitar)
Ringo Funk (drums)
Linda Fields (background vocals)
Wilton Gaynair (saxophone, flute)
Marz, Rainer März (guitar)
Ack van Rooyen (trumpet)
Inga Rumpf (vocals)
Karl-Heinz Schott (bass)
Jiggs Wigham (trombone)

back

Titel:
01. Amerika (Rumpf) 3.40
02. Ich bin die geborene Langschäferin (Rumpf) 3.37
03. Superstar (Rumpf) 5.03
04. Mallorca (Rumpf) 6.31
05. Speed-King (Rumpf) 3.15
06. Mona (Rumpf) 3.55
07. Schubiduah (Rumpf) 3.18
08. Spielen verboten (Rumpf) 3.34
09. Second Hand-Mädchen (Rumpf) 3.08

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Carsten Bohn’s Bandstand – Mother Goose Shoes (1978)

FrontCover1Keine Frage: Ein Urgestein bundesdeutscher Rockmusik:

Carsten Bohn (* 18. August 1948 in Hamburg, Spitzname CeBee) ist ein deutscher Musiker aus Hamburg und früherer Schlagzeuger der City Preachers sowie einer der Gründer der in den 1970er Jahren populären Band Frumpy. Bekannt ist er vor allem für seine Musik älterer Europa-Hörspiele.
Carsten Bohn bei einem Auftritt mit der Band Frumpy in Hamburg (1971)

Carsten Bohn betreibt das Plattenlabel BigNote-Records; sein Sohn Dennis Bohn ist der Produzent der deutschen Dance-Formation Brooklyn Bounce. Unter anderem betreibt Dennis das Plattenlabel Mental Madness Records.

Carsten Bohn komponierte von 1979 bis 1983 98 Musikstücke für das Miller-International-Label Europa, von denen 78 Kompositionen in deren bekannten Hörspielserien (Fünf Freunde, TKKG, Die drei ???, H. G. Francis Die Gruselserie (neonfarbene), Larry Brent, Macabros, Flash Gordon, Edgar Wallace, Die Funk-Füchse, Pizzabande u. a.) verwendet wurden. Carsten Bohn singt das Titellied der Fünf-Freunde-Hörspielserie („Wir sind die Fünf Freunde, Julian und Dick, Anne und George …“).

CarstenBohn1971

Carsten Bohn bei einem Auftritt mit der Band Frumpy in Hamburg (1971)

1986 wurde recherchiert, dass auf 172 Hörspielen von Europa die Musik von Carsten Bohn zu hören ist (insgesamt 2006 Sequenzen mit einem Durchschnitt von 3:38 min. pro Folge).

2008 komponierte Carsten Bohn exklusiv neue Hörspielmusik für das Hörspiel-Label canora media und deren Umsetzung der Heftromanserie Professor Zamorra aus dem Hause Bastei-Verlag.

Die Musikstücke wurden von Europa damals u. a. unter dem von Miller International geschaffenen Pseudonym Bert Brac veröffentlicht. Weitere von Miller International geschaffene Sammelpseudonyme sind Ralph Bonda, Phil Moss und Betty George. Diese Pseudonyme wurden auch von Heikedine Körting und Andreas E. Beurmann genutzt.

Seit 1988 streiten Carsten Bohn und Sony BMG als Nachfolgerin der Plattenfirma Miller International vor Gericht um Tantiemen und Urheberrechte. Weder Bohn noch Sony BMG dürfen die alten Musikaufnahmen während des immer noch laufenden Verfahrens verwenden. Seitdem wurden die betroffenen Folgen, mit den alten Abmischungen der Hörspiele, durch Neuabmischungen mit Musikstücken anderer Musiker ersetzt. Bei den Drei ??? betrifft dies z. B. die Folgen 1 bis 39, bei TKKG die Folgen 1 bis 33.

Die Original-Kassetten bzw. -Schallplatten mit den alten Musik-Abmischungen haben aus diesem Grund zum Teil einen beachtlichen Liebhaberwert, insbesondere die 1982 veröffentlichte Folge 29 aus der Die-drei-???-Serie (Katalog-Nr. 115 929.1 (LP) und 515 929.6 (MC)) und die Folge 15 Horror Pop Sounds aus der neonfarbenen H. G. Francis Grusel-Serie.

Das Fünf-Freunde-Titellied wurde als Produkt pauschal einschließlich aller Verwertungsrechte verkauft und wird daher auch heute noch verwendet.

Im Oktober 2004 veröffentlichte Carsten Bohn mit Brandnew Oldies Volume 1 die erste CD, auf der er mit seiner Band 18 alte Stücke erstmals in voller Länge neu eingespielt hat.[4] Die Brandnew Oldies Vol. 2 ist im Dezember 2005 erschienen.

Am 31. Oktober 2009 wurde die Brandnew Oldies Vol. 3 veröffentlicht. Zu diesem Anlass fand am selben Tag, — im Anschluss an den Auftritt der Drei-Fragezeichen-Sprecher in der Hamburger Color Line Arena, — Carsten Bohns Veröffentlichungs-Konzert der Brandnew Oldies Vol. 3 im Delphi Showpalast Hamburg statt.

Die aktuelle Bandstand-Besetzung (2009) ist: Carsten Bohn (Schlagzeug/Gesang), George Kochbeck (E-Piano/Keyboards/Orgel), Bernd Schultze (E-Piano/Keyboards/Orgel), Frank Fischer (Bass), Carola Kretschmer (E-Gitarre), Frank Stehle (E-Gitarre), Corinna Ludzuweit (Perkussion). (Quelle: wikipedia)

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Jetzt aber mal ne kleine Zeitreise in ein Jahr, in dem Rechtsstreitigkeiten noch nicht den Ton angaben. Den Ton gab da halt dann die Musik an und zwar auf dieser LP:

„Angeblich haben im Falle männlicher Besitzer zumeist „verflossene Freundinnen“ die Vinylversionen der insgesamt drei LPs von Carsten Bohns Bandstand mitgehen lassen, ohne sie je zurückzuerstatten. Nicht zuletzt deshalb sah sich das Label veranlaßt, die drei Platten als remasterte CDs erneut zu veröffentlichen. Geld will man aber trotz dieser noblen Geste dafür haben.
Nach dem schwächeren Debüt „Humor Rumor“ stellt „Mother Goose Shoes“ den zweiten Anlauf der Mannen um Carsten Bohn dar. Die Platte beginnt mit einem rhythmisch abwechslungsreichen Instrumental und weist sich dadurch – und durch die eröffnenden Sitarklänge – in jedem Fall schon einmal als „progressiv“ aus. Wer zu der Abstraktionsleistung fähig ist, über gewisse Klangkonventionen (z.B. beim Drumming und bei den Keyboards) eines mehr als zwanzig Jahre alten Albums hinwegzuhören, wird feststellen, daß manche Instrumentalpassage bei Neoproggern à la IQ durchaus nicht Lichtjahre von einem Stück wie „Cycle of the 5th“ entfernt ist. („Cycle of the 5th“ bedeutet deutsch übrigens Quintenzirkel, zur speziellen Bedeutung des Begriffs in der Rockmusik siehe den entsprechenden Eintrag in unserem Glossar.) Allerdings fällt bei letzterem eine jazzige Verspieltheit stärker ins Gewicht. Das gilt auch für „Seven Eleven“, das den Hörer mit dem typischen Vocalsound der Bandstand-Aufnahmen vertraut macht. Häufig werden Gesangsspuren übereinander gelegt, zudem auch gerne Backgroundsängerinnen eingesetzt. Hier dient das dazu, einen rhythmisch locker vorangetriebenen Song zum Klingen zu bringen.

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Aus „Sounds“, 1979

Das folgende, rockige „Amptown City Dues“ wirkt – gemessen am Gesamteindruck der Platte – etwas ruppig, um so sanfter demgegenüber „Do me no Paradise“, dessen Arrangement einen massiven Bar-Jazz-Touch hat. Weiter geht es instrumental mit „Tabula Rasa“, immer unter Beweis stellend, daß die siebziger Jahre neben so vielem anderen auch das Jahrzehnt des Jazzrocks waren. „Excuse my Weakness“ ist der stärkste Auftritt der in diesem Song sehr lässig daherkommenden Gesangsstimme Carsten Bohns. (Die Lässigkeit hat ihren Grund zweifellos nicht zuletzt im geringen Tonumfang der Melodie, die dennoch äußerst effektvoll ist.) Der nächste Track, „Disco Cisco“, verrät bereits im Titel, worum es geht, ums Tanzen nämlich, und die Discorhythmik ist in gelungener Manier mit den in diesem Song besonders opulent bestückten Gesangsspuren verkoppelt (unter Kopfhörern erschließt sich das am besten, wobei auch dem unaufmerksamsten Hörer klar werden dürfte, daß in diesem Stück Ironie obwaltet). „Mary Truebadour“ ist mit sieben Minuten der längste Track des Albums, und der beinharte Progfan, für den das das Minimum ist, um überhaupt die Ohrmuschel zu heben, wird bitter enttäuscht sein. Das eher hübsche als proggige Stück ist eindeutig viel zu lang geraten. (Hübsch ist es aber trotzdem.) „Mother Goose Shoes“ als Titeltrack setzt wiederum auf Rhythmik und das abschließende „Soap opera“ schließt als erneutes Instrumental den Kreis der zehn Songs.

Dies ist keine „schwierige“, jedoch sehr hörenswerte Platte. Wer angesichts der oben zitierten Freundinnenthese die Befürchtung hegt, das Album könnte progtypisches, musikalisches Muskelprotzgehabe allzu sehr vermissen lassen, dem kann eigentlich nicht geholfen werden. Immerhin sei gesagt, daß der Rezensent männlich ist und die Platte liebt. Seine Lebensgefährtin hingegen findet sie zum Gähnen.“ (Ralf J. Günther).

Ganz so euphorisch bin ich nicht … und das liegt wieder mal am Gesang (das alte Kreuz deutscher Rockmusik) … instrumental wissen aber die Burschen aufzutrumpfen (wobei manche Kompositionen ein wenig seicht sind) … Mein lieber Scholli … da springt der Funke über … ein Instrumentalalbum wäre da allemal besser gewesen.

CarstenBohn

Besetzung:
Joram Bejarano (bass)
Carsten Bohn (drums, keyboards, guitar, vocals)
Thommy Goldtschmidt (percussion)
Manfred Rürup (keyboards)
Richard Schumacher (guitar)
Mick Stickdorn (drums)
+
background vocals:
Claudia Schwarz – Gitta Walther – Renate Mauerer

BackCover1

Titel:
01. Cycle Of The 5th 5.41
02. Seven Eleven 4:28
03. Amptown City Dues 4:16
04. Do Me No Paradise 4:21
05.Tabula Rasa 4:52
06. Excuse My Weakness 3:26
07. Disco Cisco 4:11
08. Mary Truebadur 7:00
09. Mother Goose Shoes 4:16
10. Soap Opera 4.58

Musik und Texte: Carsten Bohn

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Und wieder mal eine Leihgabe aus der großartigen Graugans Sammlung

 

 

Verschiedene Interpreten – Von Wind, Wellen und Matrosen (1967)

FrontCover1Erst habe ich mir gedacht „Na gut, dann knallste mal wieder ne LP von der Waterkant in den blog, damit die regionale Ausgewogenheit zumindest einigermaßen wieder ausgewogen ist … “

Ich hätte diese Präsentation aber auch mit dem Satz „Vom Studentenlied zum Seemannslied – beide musikalische Welten sind mir eher fremd“.

Aber dann wurde mir ganz nachdenklich zu mute.

Zum einen, weil ich überrascht war, wieviele der Lieder mir als Landei aus den Südstaaten vertraut waren (etliche Liederwurden früher mal ganz emsing und mit roten Backen in der Ministrantengruppe gesungen … z.B. „Wir lagen vor Madagaskar“ wir sangen allerdings „Mädel“ und nicht „Madel“).

Und dann noch diese textliche Mischung aus Fern- und Heimweh … dieser Wunsch nach einem „festen Hafen“ (= Frau) … der bei diesem Beruf fast zum scheitern verurteilt ist.

Und dann die brutalen Arbeitsbedingungen an Bord … Romantik ala“Die Schatzinsel“ (ich beziehe mich jetzt mal auf den ZDF 4-Teiler aus dem Jahr 1966): Fehlanzeige !

Und so hat mich diese LP … eigentlich nur mal so nebenbei geplant … sehr nachdenklich über die Lebens- und Arbeitsbedingungen des einfachen Matrosen gemacht. Da kann man dann schon verstehen, wenn der eine oder andere auch mal ne „Ladung Alkohol“ gebraucht hat …und die Ausflüge auf die Reeperbahn … ja, die kann ich dann auch verstehen.
Seemann
Besetzung:
Carl Groß
Die Moderatos
Ein Matrosenchor
Fred Mataschky und sein Ballorchester
Georg Stern
Jonny Taylor
Orchester Alfred Matschat
Robert Pappert
Will Höhne

Eine Zuordnung der Künstler zu den einzelnen Lieder ist nicht möglich … aber eine könnte doch glatt als Freddy Quinn Imitator durchgehen.

BackCover1

Titel:
01. Heute gehen wir an Bord (Traditional) 1.52
02. Hamburger Veermaster (Traditional) 1.49
03. Hummel Hummel mit Humor (Baumann/Krone) 1.37
04. Wir lagen vor Madagaskar (Scheu) 1.15
06. La Paloma (Yradier) 1.52
07. Schiffsjungentanz (Traditional) 0.54
08. Kleine Möwe (Grasshoff/Schultze) 1.49
09. Zwischen Shanghai und St. Pauli (Engel/Berger/Feltz) 1.01
10. Eine Seefahrt die ist lustig (Traditional) 1.15
11. Ich suche einen Ankerplatz (Henning/Hellmer/Therningsohn) 1.41
12. Kleine Möwe flieg‘ nach Helgoland (Balz/Cowler) 2.00
13. Wenn das Schifferklavier an Bord erklingt (Scheu) 1.13
14. Blaue Jungs von der Waterkant (Krone/Weiß) 1-25
15. Einmal noch nach Bombay (Germer/Leip) 1.20
16. Fahr‘ mich in die Ferne (Pfeil) 1.36
17. Nimm uns mit Kapitän (Grasshoff/Schultze) 1.34
18. Möwe du fliegst in die Heimat (Winkler/Schwenn) 3.01
19. Das ist die Liebe der Matrosen (Gilbert/Heymann) 1.03
20. Über den Wellen (Rosas) 1.02
21. Das Seemannslos (Warner) 1.28
22.Medley 5.15
22.1. Der Junge an der Reeling (Tiedemann)
22.2. Es singt das Meer (Gietz/Henning)
22.3. Das Seemannsgrab (Glory Hallelujah) (Traditional)

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Segelschiff

Engerling – Blues (1979)

EngerlingFrontCover1Die DDR hatte ja nicht nur Rockbands und kritische Liedermacher, sondern natürlich auch das gesamte Spekturm populärer Musik. Und da darf natürlich auch der Blues nicht fehlen. Beginnen wir mal mit der Blues(Rock) Band „Engerling“:

Engerling wurde 1975 als Amateurband von Wolfram Bodag in Ost-Berlin gegründet.

Alle Mitglieder spielten vor Gründung der Band in verschiedenen anderen Amateurbands wie mobil, medoc und Pardon. Während Wolfram Bodag und Heiner Witte eine Ausbildung an der Musikschule in Berlin-Friedrichshain absolvierten, waren alle anderen Bandmitglieder Autodidakten. Der Bandname Engerling wurde ohne tieferen Bezug gewählt und entspricht eher dem urwüchsigen Charakter der Band. Diesem Stil ist die Band bis heute treu geblieben. Sie ist alles andere als eine „Star“-Band. Sie kam von Anfang an ohne aufwendige Bühnenshow und Promotion aus und tat wenig dieses Image zu verändern. Sicherlich ist das ein Grund dafür, dass ihre Titel kaum in Hitparaden zu finden waren.

Engerling

Ein begeistertertes Publikum unter der DDR-Jugend hatten die „Engerlinge“ dennoch.
1977 erschienen mit den Singles Da hilft kein Jammern/Der Zug oder Die weiße Ziege und Schwester Bessies Boogie/Mama Wilson die ersten Plattenaufnahmen bei Amiga (VEB Deutsche Schallplatten Berlin). 1979 folgte dann die erste Langspielplatte names „Blues“, die sich über 100.000 Mal verkaufte.

Nach diversen durchaus erfolgreichen Alben kam dann ab 1994 der Ritterschlag, als sie die offizielle Mitch Ryder Band durch die deutschprachigen Landen tourten und auch an diversen Einspielungen des Urgesteins der amerikanischen Blues-Rock Szene mitwirkten.

Hier nun ihr wirklich enthusiatisches Debütalbum „Blues“ … mit Verbeugung vor der Allman Brothers unds Canned Heat und jede Menge eigener Ideen.

Auszeichnung

Besetzung:
Wolfram Bodag (keyboards, vocals, harmonica)
Bernd Kühnert (guitar)
Rainer Lojewski (drums)
Heiner Witte (guitar)
Jens Saleh (bass)
+
Micha Arnold (bass on 02., 06. + 07.)
Gottfried Klier (saxophone)

BackCover

Titel:
01. Sechs Tage auf dem Rad (Bodag) 3.48
02. Schwester Bessies Boogie (Bodag) 3.22
03. Gleichschritt (Bodag) 3.58
04 Moll-Blues (Bodag) 10.09
05. Die Dünne Haut (Bodag) 5.34
06. Blues vom roten Hahn (Bodag) 4.06
07. Mama Wilson (Bodag) 4.55
08. Montgolfière (Bodag/Kühnert/Lojewski/Witte/Saleh) 7.13

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Burschenquartett Alt Heidelberg – Deutsche Studetentenlieder (1971)

FrontCover1Und jetzt kommen wir mal zu einer Unterkategorie des deutschen Volksliedes, dem deutschen Studenentenlied:

Ein Studentenlied ist ein Lied, das traditionell hauptsächlich oder ausschließlich von Studenten bei studentischen Freizeitveranstaltungen – manchmal mit Instrumentalbegleitung – gemeinschaftlich gesungen wurde und wird.

 

Obwohl Textspuren von Studentenliedern bis ins Mittelalter zurückgehen, erschien erst im Jahre 1781 die erste deutsche Studentenliedersammlung im Druck. Im 19. Jahrhundert wurden immer mehr Studenten-Liederbücher veröffentlicht, was eine Standardisierung und Kanonisierung bewirkte. Es entstanden spezielle Liederbuch-Ausgaben, als Textvorlage für das Singen am Biertisch geeignet, die so genannten Kommersbücher.

In dieser Zeit wurde das Studentenlied auch zum Erkennungsmerkmal der seit 1800 neu entstehenden Studentenverbindungen, die eine Liedtradition aufbauten, entwickelten und bewahrten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts strahlte diese Liedkultur auch in benachbarte Länder aus, vor allem in den Benelux-Raum, nach Osteuropa und nach Skandinavien. Um das Jahr 1900 war die Entstehung des festgefügten Corpus von Studentenliedern für den deutschsprachigen Raum im Wesentlichen abgeschlossen.

Liederbuch

Studentenlieder – Titelblatt des ersten gedruckten Studentenliederbuchs Deutschlands von 1781

Auch die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Studentenverbindungen gegründeten Schülerverbindungen nahmen die Studentenlieder für sich an und pflegen sie bis heute.

 

Traditionell behandeln die Studentenlieder vor allem Themen, die junge Leute interessieren, die fern der Heimat, der Aufsicht der Eltern und anderer Autoritätspersonen zumindest für eine gewisse Zeit entkommen sind: Feiern, Trinken, Wandern und andere Freizeitvergnügen spielen die Hauptrolle, aber auch ernstere Themen kommen im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend zur Geltung.

Heute gelten diese traditionellen Studentenlieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Kulturgut fast ausschließlich der Studentenverbindungen, denen in Deutschland zwei bis drei Prozent aller Studenten angehören.

Die Lieder behandeln in ihren Texten traditionell Themen, die junge Männer bewegen, die ihrem Elternhaus zumindest für eine gewisse Zeit entkommen konnten. Typisch für diese soziale Gruppe sind die in früheren Jahrhunderten unübliche individuelle Freiheit und Ungebundenheit sowie eine besonders ausgeprägte Lebenslust. Das spiegelt sich wider in den Themen: Feiern (Essen, Trinken, Rauchen), Liebe/Sexualität – vgl. die filia hospitalis – sowie Freude an der Natur und ihren Jahreszeiten.

Bei gewissen Themen bestand ein fließender Übergang zwischen Studenten- und Volkslied. Auch Soldatenlieder hatten – auf Grund der Biographien vieler Studenten – Einfluss auf das Studentenlied. Die später entstandenen und im studentischen Gebrauch verwendeten Landsknechtslieder sind jedoch eher historisierenden Ursprungs und hiervon abzugrenzen.

Mühlberg - Cantus

Georg Mühlberg: Cantus (um 1900): Verbindungsstudenten beim Singen auf einer Kneipe

Auch trugen fachspezifische Ausbildungsstätten wie Forst- und Bergakademien entsprechendes traditionelles Liedgut bei, so dass bis heute Jäger- und Bergmannslieder, wie zum Beispiel das Steigerlied, zum Repertoire der Kommersbücher gehören.

An Technischen Universitäten hat sich bis heute eine gewisse Nähe zu den Liedern der Handwerksgesellen gehalten. Während das Verhältnis von Studenten und Handwerksburschen an den wissenschaftlichen Hochschulen sehr feindselig war, standen die Studenten an den neuen polytechnischen Hochschulen des 19. Jahrhunderts dieser Kultur näher, was auch zu einem Austausch von Liedgut führte.

Ab etwa 1800 wurden die studentischen Traditionen an deutschen Hochschulen zunehmend von den Studentenverbindungen im heutigen Sinne gepflegt und weiterentwickelt. Das führte dazu, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der allgemeinstudentischen Kultur die Kultur der Studentenverbindungen wurde. Diese Verbindungen verloren ab etwa 1848 den Nimbus der verbotenen Zusammenschlüsse von ungehorsamen Jugendlichen und wurden zu etablierten Institutionen der außerwissenschaftlichen Erziehung der Studenten. Durch die Bildung von Altherrenschaften, also den Organisationen der nicht mehr studierenden Mitglieder, entstand eine neue Art von Studentenlied, die mehr aus dem Alter auf die „schöne Jugendzeit“ zurückblickte (O alte Burschenherrlichkeit).

Mühlberg

Landesvater von Georg Mühlberg (1863–1925)

Durch diese zunehmenden Kontakte zum Bildungsbürgertum entwickelten sich auch neue Themen im Studentenlied. Besonders typisch ist dabei eine Liedform, die sich in scherzhafter Form mit historischen Themen auseinandersetzte. Berühmtester Dichter dieser Liedgattung war Joseph Victor von Scheffel.

Seit den Befreiungskriegen und besonders nach der Reichsgründung 1871 wurden „vaterländische“ Lieder, also Lieder über die deutsche Nation und ihre Wehrhaftigkeit zu beliebten Liedern deutscher Studenten. Sie wurden zum festen Programmpunkt feierlicher studentischer Veranstaltungen. (Quelle: wikipedia)

Ohne die gesangliche Leistung dieses Burschenquartetts schmälern zu wollen (da werden doch glatt 20 Klassiker im Schweinsgalopp gesungen !) … so ganz wohl fühle ich mich nicht bei hören dieser Lieder … zusehr verbinde ich sie mit studentischen Verbindungen (nicht nur der schlagenden Zunft) und dem dort oftmals anzufindenden nationalistischem Gedankengut … oftmals eine Keimzelle für braunen Dreck … und wo das hinführt, wissen wir.

Und Lieder mit rätselhaften Titeln wie „Krambambuli“ oder „Ca, ca, geschmauset“ habe ich ja noch nie gehört.

Ach ja, die sog. „Perl-Serie“ war das Billiglabel von Metronome.

Allers - Beim_Gesang

Christian Wilhelm Allers: Beim Gesang, 1902

Besetzung:
Rolf Behrens (Bariton)
Wolfgang Christian (Tenor)
Konrad Jur (Tenor)
Wolf Nicolai (Baß)
+
musikalische Begleitung

BackCover1
Titel:
01. O alte Burschenherrlichkeit (Traditional) 1.51
02. Wenn man beim Wein sitzt (Traditional/Kopisch) 0.52
03. Im Krug zum grünen Kranze (Traditional/Müller) 1.14
04. Wohlauf, die Luft geht frisch und rein (Müller/v.Scheffel) 1.56
05. Der Jäger aus Kurpfalz (Traditional) 0.39
06. Krambambuli (Traditional) 2.01
07. Burschen heraus (Traditional) 0.56
08. Der Mai ist gekommen (Traditional/Geibel) 1.26
09. Studio auf einer Reise (Traditional) 1.25
10. Wer niemals einen Rausch gehabt (Müller/Perinet) 1.44
11. Vom hohen Olymp herab (Schnoor) 1.30
12. Wem Gott will rechte Gunst erweisen (Fröhlich/v.Eichendorff) 0.53
13. An der Saale hellem Strande (Fesca/Kugler) 1.55
14. Im Wald und auf der Heide (Traditional/Bornemann) 1.34
15. Das Lieben bringt groß´Freude (Traditional) 0.57
16. Einst hat mir mein Leibarzt empfohlen (Traditional/Langbein) 1.27
17. Wenn ich einmal der Herrgott wär´ (Binde/Amthor) 2.24
18. Grad´ aus dem Wirtshaus heraus (v.Müller) 1.00
19. Ca, ca, geschmauset (Traditional) 1.52
20. Gaudeamus Igitur (Traditional/Kindleben) 3.18

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Alte Postkarte

Studentischer Umzug mit einem Zitat von „Gaudeamus igitur“ auf einer alten Postkarte

Rosenstolz – Herz (2004)

FrontCover1Herz ist das am 22. März 2004 veröffentlichte neunte Studioalbum der Berliner Popband Rosenstolz.

Herz wurde vom Januar bis Dezember 2003 in Hamburg aufgenommen. Das Album weist deutliche Unterschiede zum 2002 erschienenen Vorgängeralbum Macht Liebe auf. Während bei diesem eine eher derbe Sprache herrscht und die Rhythmen eher elektronisch geprägt sind, wirkt Herz insgesamt sehr melancholisch. Das Album bietet eine Mischung aus Rock- und Popsongs, hinzu treten Balladen.

Das Album bietet zwei Facetten: eine fröhliche Seite, die besonders in den Pop- und Rocksongs zum Vorschein kommt und Themen wie Sex (Eine Frage des Lichts), Neid (Das gelbe Monster, das stark an die frühen Punkzeiten Nina Hagens erinnert) oder Glück (Willkommen) behandelt, und eine traurige Seite, die vor allem aus Balladen mit tiefsinnigen Texten besteht. Es geht um Partnerschaft (Liebe ist alles), Hoffnung (Gib mir mehr Himmel), aber auch Schmerz (Die Liebe ist tot) und Verlust (Augenblick). (Quelle: wikipedia)

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„Fang das gelbe Monster!“ rockt es aus den Boxen. Wer glaubt, hinter dem CD-Titel „Herz“ verbirgt sich eine triefende Balladen-Lawine von Herz und Schmerz, an deren Endmoräne ein Tränentümpel in der Sonne schimmert, hat sich getäuscht: Das neue Album der Berliner Kultband besticht durch Vielseitigkeit und Reife, die auch lauteren Tracks Raum lassen. Während sich im Keller die Ratten erhängen, heißt das Credo: „Willkommen in unserer Welt.“

Die Singleauskopplung „Liebe ist Alles“ ließ bereits erahnen, was inhaltlich auf einen zu kommt. AnNa R. und Peter Plate lassen tief in ihr Inneres blicken. Dass der Videoclip unter der Regie von Philipp Stölzl (Madonna, Evanescene, James Bond Clips) bei VIVA & Co. so unerhört gut ankam, unterstreicht die Wirkung, die der Stil hat: So sieht die Liebe – auch körperlich – in Wahrheit aus. Da wird geknutscht und gefummelt, und zwar nicht in einer Traumwelt aus Glitter und Glamour, sondern in ganz normalen Schlafzimmern und zerwühlten WG-Betten. Spieglein deckt euch.

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Der unheimlich schöne Song spielte sich nach kurzem Hören in vielen Ohren fest und zeigte rasch, dass er in Einfachheit und Emotion das Zeug für einen hohen Einstieg hat. Erstmals horchten selbst Schmähsender und Teile des Mainstream-Äthers auf, und nahmen den Song in Rotation. Mit Spannung durfte man die CD erwarten.

Nun ist sie da. Für das Album „Herz“ gingen AnNa, Peter und Crew mal wieder neue Wege: sie verließen die geliebte Heimat an der Spree und produzierten in Hamburg, um losgelöst von Umfeld, Freunden und Plattenfirma die zentrale Frage musikalisch zu beantworten: „Was haben wir mitzuteilen nach so langer Zeit und so vielen CDs? Was ist uns wichtig?“ Am Ende blieb die Erkenntnis, dass es an der Zeit ist, über sich selbst zu schreiben. Peter Plate sagt es so: „Ich wurde gefesselt, verschnürt, eingesperrt und zur Wahrheit gezwungen“. Und dann fingen sie an.

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Heraus kam eine Scheibe, die eine Art seelischen Zustandsbericht der Musiker abgibt. Sie spiegelt keine Momentaufnahmen oder zynischen Reflexe wider, sondern dringt zur Substanz vor. Die Musik folgt dem Text und stellt den Körper dar – jedoch der Text bleibt das ‚Herz‘. „Es ist zum ersten Mal in all den Jahren ein merkwürdiges Gefühl, sie anderen Menschen vorzuspielen“, stellen die Berliner zur neuen CD fest.

Welche Gesichter hat die Liebe? Die zwölf Tracks geben hierauf musikalisch gut umgesetzte Antworten: Glück, Sex, Partnerschaft („Liebe ist alles“), aber auch Schmerz („Die Liebe ist tot“), Verlust, Trauer, Hoffnung („Gib mir mehr Himmel“) und ganz profaner Neid („Das gelbe Monster“). Das sind die Gefühlsebenen, um die es geht. Die Texte sind einfach und verständlich, keine schwülstig-puren (sic!) LSD-Wortgebilde, wie so häufig in Balladen. Dennoch – oder gerade deshalb – kommt die Botschaft ungefiltert an. Umschlossen wird sie von dem Körper, der Musik.

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Die einzelnen Songs zu kommentieren oder gar zu zerpflücken, wäre müßig. Denn sie sind allesamt emotional, und Gefühle in Text und Ton kommen bei jedem Menschen anders an. Man kann nur sagen: selber hören und urteilen.

Wie es Rosenstolz immer wieder gelingt, Neues zu schaffen, ist verblüffend. Sie setzen die eigene Messlatte stets noch ein wenig höher und vor allem in anderes Terrain. So viel Kreativität, Eigensinn und positive Energie kann fast neidisch machen. Huch – das gelbe Monster bin ja ich! (Linus Schwanke)

Auch wenn ich nicht zur Zielgruppe von Rosenstolz gehöre … dieses Duo hatte schon verdammt viel Substanz, musikalisch wie textlich !

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Besetzung:
Jens Carstens (drums, percussion)
Daniel Faust (keyboards)
Zoran Grujovski (keyboards, piano)
Thomy Jordi (bass)
Peter Koobs (guitar)
Ralf Lübke (guitar)
Peter Plate (vocals, keyboards)
AnNa R (vocals)
+
Stephan Garde (bass bei 01.)
Oliver Pinelli (vocals bei 09.)
+
Hamburg Strings unter der Leitung von Stefan Pintev

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Titel:
01. Willkommen 4.18
02. Liebe ist alles 3.29
03. Ausgesperrt 4.06
04. Eine Frage des Lichts 3.47
05. Das gelbe Monster 2.22
06. Die Liebe ist tot 3.41
07. Ich will mich verlieben 4.38
08. In den Sand gesetzt 2.34
09. Ich komm an dir nicht weiter 4.40
10. Das Beste im Leben 5.27
11. Gib mir mehr Himmel 4.37
12. Augenblick 4.38

Musik: Peter Plate + Ulf Leo Sommer
Texte: Peter Plate + Ulf Leo Sommer + AnNa R

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Karl Böhm – Nr 40 – Nr. 41 (Mozart) (1968)

FrontCover1Hier mal wieder ein meisterliches Album aus der Welt der Klassik, dargeboten von einem der großen Dirigenten des letzten Jahrhunderts:

Karl Böhm wurde am 28. August 1894 in Graz geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt und daher studiert auch der Sohn zunächst Jura (Promotion 1919), wechselte jedoch zur Musik und studierte Klavier und Musiktheorie in Graz, dann am Wiener Konservatorium bei Eusebius Mandyczewski, der zum engen Kreis um Johannes Brahms gehörte. Erste Anstellungen hatten ihn 1917 als Repetitor an der Oper in seiner Heimatstadt arbeiten lassen, 1919 wurde er dort zum 2.Kapellmeister, 1920 zum 1.Kapellmeister ernannt. Um diese Zeit begegnete er zum ersten Mal dem Dirigenten Bruno Walter, der ihn daraufhin 1921 nach München an das dortige Opernhaus holte. Böhm wurde 1927 zum Generalmusikdirektor von Darmstadt ernannt, 1931 ging er in der gleichen Funktion nach Hamburg. Als Dirigent weitgehend Autodidakt, hatte er sich bereits soweit einen Namen gemacht, dass er 1933 zum ersten Mal in Wien dirigieren durfte („Tristan und Isolde“, Wagner). Er wurde in Hamburg zum Professor ernannt und trat 1934 die Nachfolge von Fritz Busch in Dresden an, der vor den Nationalsozialisten ins Ausland geflüchtet war. Während dieser Jahre verwirklichte Böhm mehrere wichtige Uraufführungen wie etwa von Richards Strauss‘ „Die schweigsame Frau“ (1935 ) und „Daphne“ (1938).

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Der ganz junge Karl Böhm

Im Jahr 1938 wurde Böhm erstmals nach Salzburg eingeladen und dirigierte bei den Festspielen den „Don Giovanni“, 1943 übernahm er für ein Jahr die Leitung der Wiener Oper. Nach dem Krieg verstärkte er seine Aktivitäten im Ausland. Er gab 1948 sein Debüt an der Scala, dirigierte außerdem in Paris und ging 1950 für drei Jahre an das Teatro Colón in Buenos Aires. Wieder machte er sich um Erstaufführungen wie etwa die spanische Übersetzung von Alban Bergs „Wozzeck“ oder auch die Premiere von Gottfried von Einems „Der Prozess“ verdient. Böhm kehrte 1954 an die inzwischen wiederaufgebaute Wiener Staatsoper zurück und brillierte 1957 mit dem „Don Giovannni“ an der Met. Im Jahr 1962 wurde er nach Bayreuth eingeladen, stellte sich dort als Interpret von „Tristan und Isolde“ vor und blieb dem Grünen Hügel bis 1970 regelmäßig verbunden, unter anderem mit dem Dirigat von Wieland Wagners letzter Inszenierung des „Rings“ (1965-67).

Während der sechziger Jahre gehörte Böhm weltweit zu den gefragtesten Dirigenten. Er leitete den „Fidelio“ in Tokio (1965), gab Gastspiele in Moskau, war vor allem als sensibler und perfektionistischer Interpret der Werke von Mozart, Strauss und Wagner bekannt, widmete sich aber außerdem auch intensiv Beethoven und Bruckner. Er dirigierte zahlreiche renommierte Ensembles, behielt aber vor allem zu den Wiener Philharmonikern ein besonderes Verhältnis, mit denen er rund 450 Konzerte und zahlreiche Opernabende, Schallplatten- und auch Filmaufnahmen verwirklichte. 1967 wurde er zum „Ehrendirigenten“ des Orchesters ernannt.

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Karl Böhm, 1969

Zu seinen Alterswerken zählte unter anderem eine vollständige Einspielung der Symphonien von Mozart, die er 1974 verwirklichte. Zu den zahlreichen Preisen, die Karl Böhm während seiner rund sechs Jahrzehnte währenden Laufbahn erhielt, gehörte zweimal ein Grammy Award, zunächst 1965 für die Einspielung von Alban Bergs „Wozzeck“ (Best Opera Recording) mit Dietrich Fischer-Dieskau, Evelyn Lear und Fritz Wunderlich (ein Werk, um das er sich sein Leben lang ausgiebig gekümmert hat), dann 1976 als „Best Recording for Children“ für seine Version von Prokofieffs „Peter und der Wolf“.

Karl Böhm war ein Maestro am Dirigentenpult, der mit unerbittlicher Strenge und Disziplin sich an die Erarbeitung eines Werkes machte, es aber dann mit einer Hingabe und Einfühlsamkeit dirigierte, die seine eigene Persönlichkeit hinter das Wirken der Musik zurückstellte. Er stand bis ins hohe Alter am Pult und starb am 14.August 1981 im Alter von 87 Jahren in Salzburg während der Proben zu Richard Strauss‘ „Elektra“. Sein Sohn Karl-Heinz Böhm machte in der Nachkriegszeit Karriere als Schauspieler. (Quelle: wikipedia)

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Und hier hören wir nun 2 Symphonien von Mozart:

Die Sinfonie g-Moll Köchelverzeichnis 550 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart im Juli 1788 in Wien. Nach der Alten Mozart-Ausgabe trägt die Sinfonie, seine vorletzte, die Nummer 40.

 

Bezüglich Entstehungsgeschichte und Kompositionsanlass vgl. Einleitung bei der Sinfonie Köchelverzeichnis (KV) 543. Mozart hat die Sinfonie KV 550 vermutlich am 25. Juli 1788 fertiggestellt, da er an diesem Tag ihr Incipit in sein Werkverzeichnis einfügte. Sie wurde noch zu Mozarts Lebzeiten aufgeführt: In einem Brief vom 19. Juli 1802 an den Leipziger Verleger Ambrosius Kühnel berichtet der Prager Musiker Johann Wenzel von der Aufführung der Sinfonie im Beisein Mozarts bei Baron Gottfried van Swieten, die jedoch so schlecht ausfiel, dass der Komponist es vorzog, den Raum zu verlassen. Im nachträglichen Einfügen einer Klarinettenstimme (landläufig: „Zweite Fassung“ gegenüber der „Ersten Fassung“ ohne Klarinetten) sehen mehrere Autoren einen Hinweis auf ein Konzert, das am 16. und 17. April 1791 im Rahmen der Tonkünstler-Sozietät unter Leitung von Antonio Salieri in Wien stattfand und an dem auch die mit Mozart befreundeten Klarinettisten Johann und Anton Stadler beteiligt waren; als erstes wurde „Eine große Sinfonie von der Erfindung des Hrn. Mozart“ gespielt.

Manchmal wird KV 550 als „Große g-Moll-Sinfonie“ bezeichnet, die ebenfalls in g-Moll stehende Sinfonie KV 183 als „Kleine g-Moll-Sinfonie“. So weist Georges Beck (1952) auf mehrere Ähnlichkeiten hin (siehe bei KV 183); während Ronald Woodham (1983) resümiert: „Diese Parallelen und auch die beiden Sinfonien eigene Ausdrucksstärke sind beachtenswert, doch springen die Unterschiede weit mehr ins Auge als die Gemeinsamkeiten …“

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Mozart im Jahr 1789, Silberstiftzeichnung von Doris Stock

Die Sinfonie C-Dur Köchelverzeichnis 551 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart im Sommer 1788 in Wien. Nach der Alten Mozart-Ausgabe trägt die Sinfonie die Nummer 41. Es ist Mozarts letzte Sinfonie. Ihr Beiname Jupiter-Sinfonie taucht erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts auf.

 

Am 10. August 1788 trug Mozart die Fertigstellung von KV 551 in sein eigenes Werkverzeichnis mit folgenden Worten ein: „Eine Sinfonie. – 2 violini, 1 flauto, 2 oboe, 2 fagotti, 2 Corni, 2 clarini, Timpany, viole e Baßi.“ Nach Mozarts Tod wurde das Werk – insbesondere das Finale – als eines der gelungensten Stücke der Sinfonik angesehen und erhielt teilweise den Titel „Sinfonie mit der Schlussfuge“. In der Allgemeinen musikalischen Zeitung von 1808 heißt es, dass das Werk in Leipzig inzwischen „ein so erklärtes Lieblingsstück der hiesigen Kunstfreunde [ist], dass wir sie ihnen kein Jahr vorenthalten.“ Insbesondere in London erfuhr das Werk besondere Wertschätzung, wurde 1810 als Partitur gedruckt und als „höchster Triumph der Instrumentalkomposition“ gefeiert.

Als letzte Sinfonie Mozarts unterlag KV 551 teilweise einer etwas romantischen Deutung in dem Sinne, dass Mozart in dem Wissen, dass es seine letzte Sinfonie sei, eine Art Zusammenfassung dessen komponiert habe, was überhaupt in der Sinfonik zu sagen möglich sei, also quasi ein „Schlusswort“. Andererseits erscheint es unwahrscheinlich, dass Mozart 1788 seinen Tod im Jahr 1791 vorausgesehen haben soll und mit KV 551 einen Schlussstrich ziehen wollte.

Neben dem Beinamen „Sinfonie mit der Schlussfuge“, der heute kaum noch gebraucht wird (in der dritten Auflage des Köchelverzeichnis von 1937 aber noch als Haupt-Untertitel), ist v. a. der Titel „Jupiter“ bzw. „Jupiter-Sinfonie“ gebräuchlich. In den Tagebüchern des englischen Verlegers Vincent Novello und seiner Frau Mary, die 1829 Constanze Mozart in Salzburg besuchten, findet sich am 7. August eine Eintragung, nach der Mozarts Sohn erwähnte, dass der Konzertveranstalter Johann Peter Salomon das Werk mit den Beinamen „Jupiter“ bezeichnet habe. Kurt Pahlen verweist zudem auf eine andere „Legende“, nach der der Beiname auf den Pianisten Johann Baptist Cramer zurückgehen soll, um ihre „göttliche Vollkommenheit“ zu bezeichnen.

Der Titel „Jupitersinfonie“ taucht erstmals im Programm vom Edinburgh Musikfestival vom 20. Oktober 1819 auf, danach im Programm der Londoner Königlichen Philharmonie vom 26. März 1821, und im Juni 1822 schreibt der Londoner Korrespondent der Allgemeinen musikalischen Zeitung: „Das dritte [Konzert] am 25sten März (…) begann mit der hier so beliebten, und unter dem Namen Jupiter bekannten Sinfonie in C dur von Mozart.“ [3] 1822 wurde eine Bearbeitung der Sinfonie von Muzio Clementi für Klavier veröffentlicht, die im Titel die Bezeichnung „Jupiter“ trägt und die den Gott Jupiter auf Wolken thronend sowie mit Blitz und Donner in den Händen darstellt. Andererseits findet sich die Jupiter-Assoziation auch in der Besprechung der Aufführung der Sinfonie KV 550 in der Allgemeinen musikalischen Zeitung vom 1. Mai 1805.

2 fulminante Meisterwerke von Mozart und Karl Böhm … und ein Vinyl-Mitschnitt in hervorragender Qualität !

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Besetzung:
Concertgebouw Orchester Amsterdam unter der Leitung von Karl Böhm

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Titel:

Sinfonie Nr. 40 G-Moll:
01. Molto Allegro 7.41
02. Andante 7.45
03. Menuetto Allegretto 4.49
04. Finale: Allegro Assai 4.42

Sinfonie Nr. 41 C-Dur:
05. Allegro Vivace 7.32
06. Andante Cantabile 7.39
07. Menuetto Allegretto 5.23
08. Satzfinale 6.13

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

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