Oskar Maria Graf – Unruhe um einen Friedfertigen (Hörbuch) (2002)

FrontCover1Gelegentlich flattert einem eine Überraschung ins Haus … bei der man dann – sobald man sich mit dieser Überraschung beschäftigt hat – nur noch murmeln kann … „wenn einem soviel gutes widerfährt, dann ist das schon einen Asbach uralt wert“ … wobei ich dann den Asbach gegen einen feinen Single Malt from good ol´ Scotland eingetauscht habe.

„Ehrlich, unkompliziert, alltäglich und ein bisschen bayrisch – so erzählt Oskar Maria Graf vom Leben der Bewohner des Dorfes Auffing. Den Mittelpunkt der Handlung bildet der Schuster Kraus, der mit Frau und Sohn am Anfang der Geschichte hinzuzieht. Beide verlassen ihn jedoch früh, und so verbringt der Kraus den Rest seiner Tage zurückgezogen. Engeren Kontakt zu seinen Nachbarn meidet er, schließlich will er nichts mit Intrigen am Hut haben.

Und aus dem „A-Bopa“, was wohl so etwas wie das Weltgeschehen ist, hält er sich erst recht heraus. Das ist jedoch nicht so einfach zu Zeiten von gesellschaftlichen

Erstveröffentlichung1947

Erstveröffentlichung 1947

Umwälzungen: Die Handlung umspannt die Münchner Räterevolution, die Weimarer Republik sowie den Faschismus. Immer wieder werden dem Leser auch Blicke in das Leben der anderen Dorfbewohner gewährt, wodurch er sich, ganz nach der realistischen Literatur, ein authentisches Bild machen kann.

Der Roman ermöglicht es, nachzuvollziehen, wie Systeme verändert und etabliert (hier besonders der Faschismus) werden können, indem die nötige Ignoranz an den Tag gelegt wird; er zeigt aber auch, dass dies nicht so schwarz/weiß ist, wie es manchmal scheint, und dahinter immer noch Menschen stecken, die ihre eigene Geschichte haben.“ (Quelle: hoodbooks.wordpress.com)

Heinrich Mann über „Unruhe um einen Friedfertigen“:

„‚Unruhe um einen Friedfertigen‘ hat mich während der ganzen Lektüre erfreut. Es ist einer der seltenen Romane, denen man mit Vertrauen folgt. Schwach wird es niemals werden, gewiss auch nicht falsch. Der Verfasser steht auf eigenem Boden, „da feist si nix“. […] Seine intensive, gesteigerte Wirklichkeit gelangt mehr als einmal zu alleräussersten Romanscenen, ich fand mich in der – nicht mehr häufigen – Kunst der Meister.
Dem Verfasser muss gedankt werden. […] Ergriffen […] war ich noch auf der letzten Seite, bei der nüchternen Aufzählung der künftigen Schicksale. Da zeigt sich, wie richtig jedes herbeigeführt war, wie gut dies alles.“ (Heinrich Mann in einem Brief an Wieland Herzfelde, Verleger des Malik Verlags und Geschäftsführer des Exilverlags Aurora in New York, in dem der Roman 1947 erstmals erschien.)

Diverse Buchausgaben

Diverse Buchausgaben

Der alte Schuster Kraus, der sich um das Jahr 1900 mit Frau und Kind in einem bayrischen Dorf niederlässt, will nichts anderes als seine Arbeit machen, mit allen in Frieden leben und in Ruhe gelassen werden. Insbesondere graust es ihm vor allem, was mit Öffentlichkeit, Meinungen und Politik zu tun hat, von ihm mit dem Wort aus seiner (jiddischen) Heimatsprache „a-bopa“ belegt. Doch so sehr er sich bemüht: das klappt nicht – denn es stehen unruhige und schwere Zeiten ins Haus: der erste Weltkrieg, Revolution in Bayern, Räterepublik, Inflation, schließlich das Aufkommen der „Hitlerischen“. So ganz allmählich wird immer deutlicher, dass sich niemand herausnehmen kann aus den immer dreisteren Machtansprüchen der „Hitlerischen“, auch nicht in einem kleinen bayrischen Dorf und schon gar nicht, wenn man, wie durch bösen Zufall herauskommt, wie Kraus ein Jude ist.

Dieses Buch – eines der Meisterwerke von Oskar Maria Graf – schildert unaufdringlich und trotzdem fesselnd, wie die große Politik mit den kleinen Schicksalen der Menschen verwoben ist. Auch wenn der arme Schuster Kraus es nicht schafft, dem Leser wird klar, dass man irgendwann gezwungen ist, selbst Stellung zu beziehen, sich zu engagieren für Menschlichkeit und Mitbestimmung der kleinen Leute, die hier so liebevoll und trotzdem realistisch mit ihren Schwächen gezeichnet werden. Und so ganz nebenbei erfährt man allerhand über die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, die offenbar auch von den „kleinen Leuten“ nicht immer so erlebt wurde, wie in den Geschichtsbüchern dargestellt… (Heinz-Peter Kuhlmann)

Oskar Maria Graf

Oskar Maria Graf

Nun, ich könnte noch seitenweise zitieren, was andere, kompotente Zeitgenossen zu diesem Werk meinen … es ist unstrittig, mit diesem Roman hat Oskar Maria Graf eines seiner zentralen Werke geschaffen.

Und dann erschien 2002 dieses Hörbuch; es ist der Mitschnitt einer aufwendigen Radioproduktion, die bereits im Jahr 1984 als eine Koproduktion von SWR und BR erstmalig ausgestrahlt wurde.

Und was für ein Radiohörspiel damals über den Äther lief (man lese alleine nur mal die Besetzungsliste !).

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Die Hörbearbeitung dieses exzellenten Stoffes ist in höchstem Maße empfehlenswert. Oskar Maria Graf beschreibt in seinem Roman die Zeit zwischen den Weltkriegen auf gänzlich unkonventionelle Weise, aber umso eindrucksvoller. Nicht die großen Städte, in denen die politischen Entscheidungen und Ereignisse stattfinden werden thematisiert, sondern es wird mit beeindruckender Detailliebe das sich verändernde Wesen eines kleinen bayrischen Bauerndorfes unter dem Eindruck der sich dramatisch zuspitzenden politischen Lage geschildert. Der Hörfassung gelingt es dabei, durch die vielen grandiosen Sprecher den Zuhörer vollkommen in seinen Bann zu ziehen. Absolut empfehlenswert! (Gooner)

Das gesellschaftliche Panorama der Romanvorlage setzt Sebastian Goy in seiner vielstimmigen Hörspielbearbeitung mit Walter Schmidinger, Christa Berndl, Irm Hermann, Günther Maria Halmer und vielen anderen überzeugend um. Die Musik der Biermösl Blosn kommentiert ironisch den Zusammenbruch der bürgerlichen Welt. (Quelle: echthoerbuch.de)

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Eigentlich wollte ich ja dieses Hörbuch der Extraklasse schon vor einer Woche präsentieren … Aber die emotionale Wucht dieses Hörbuches hat mich derart gepackt … dass ich quasi um dieses Hörbuch ständig herumgeschlichen bin … es hat mich alles andere als kalt gelassen … es hat mich ganz tief innen getroffen und betroffen gemacht … ob jener Dramatik, die sich da in einem kleinen bayerischen Dorf abgespielt hat … in jenen Jahren zwischen dem I. Weltkrieg und Hitlers Machtergreifung.

Ach .. Kraus oh, Kraus … selten habe ich ein derart intensives Hörbuch genießen dürfen … und ich kann es nur empfehlen … aber … es geht an die Nieren …

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Besetzung:
Gerd Anthoff (Allberger Ludwig)
Axel Bauer (Bauer Moser)
Hans Baur (Pfarrer Trostinger)
Monika Baumgartner (Emma)
Chrita Berndl (Erzählerin)
Konrad von Beust (2. Knecht)
Franz Böhm (Heingeiger)
Stefan Born (Bertl)
Marianne Brandt (Allbergerin)
Peter Gebhardt (Lechner, Briefträger)
Max Griesser (Sulerschmidt)
Michael Habeck (Stelzinger)
Günther Maria Halmer (Silvan)
Erich Hallhuber (Der junge Moser)
Willy Harlander (Pater Superior)
Irm Herman (Elies)
Michael Hoffmann (1. Knecht)
Moritz Kipphardt (Der junge Peter)
Barbara de Koy (Zenzi)
Max Krückel (Der ältere Peter)
Michael Lerchenberg (Jodel Kaspar)
Marianne Lindner (Heingeigerin)
Alexander Malachkovsky (Truchtlacher)
Karl Obermayr (Kugler)
Roland Renner (Xaverl)
Walter Schmidinger (Julius Kraus, Schuster)
Willy Schultes (Imsinger)
Maria Singer (Rotholzerin)
Maria Stadler (Die ale Lamplin)
Hans Stadtmüller (Bauer Jodl)
Uli Steigberg (Hingerl)
Fritz Straßner (Totholzer, Bürgermeister)
Udo Thomer (Rotter, Bäckermeister)
Sylvia Thurn (Dirn)

Hörpielbearbeitung: Sebastian Goy
Regie: Ulrich Heising
+
Musik: Biermösel Blosn

Booklet03A

Titel:

CD 1:
01. Kapitel 01 / 09.42
02. Kapitel 02 / 05.56
03. Kapitel 03 / 05.30
04. Kapitel 04 / 09.28
05. Kapitel 05 / 07.05
06. Kapitel 06 / 06.33
07. Kapitel 07 / 07.56
08. Kapitel 08 / 05.26
09. Kapitel 09 / 06.31
10. Kapitel 10 / 10.31

CD 2:
01. Kapitel 11 / 08.29
02. Kapitel 12 / 07.38
03. Kapitel 13 / 07.38
04. Kapitel 14 / 07.18
05. Kapitel 15 / 08.35
06. Kapitel 16 / 07.46
07. Kapitel 17 / 09.28
08. Kapitel 18 / 06.14
09. Kapitel 19 / 06.42

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CD1A

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Ein Gedanke zu “Oskar Maria Graf – Unruhe um einen Friedfertigen (Hörbuch) (2002)

  1. Klasse – vielen Dank für den Hinweis. Ich werde drum kümmern.
    Von OMG wollte ich immer gerne die Ausgabe der Büchergilde Gutenberg lesen. Bolwieser habe ich in der Verfilmung von R.W. Fassbinder gesehen. Unbedingt empfehlenswert.
    Vor OMG steht jedoch jetzt erst noch der Laden von Strittmatter auf der Liste…

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