Alois Dempf – Die fehlende Intelligenz (Stimmen der Denker) (1962)

FrontCover1Ja, ja … Deutschland, das Land der Dichter und Denker … Und hier haben wir so ein Exemplar, den Alois Dempf:

Alois Dempf wurde am 2. Januar 1891 im oberbayerischen Altomünster ( 15. 11. 1982 in Eggstätt), zwischen München und Augsburg, geboren. Nach dem Gymnasium in Schäftlarn und Freising studierte er in Innsbruck und München Philosophie und Medizin. 1921 promovierte er in Philosophie bei Hans Meyer und Clemens Bäumker zum Thema: „Der Wertgedanke in der Aristotelischen Ethik und Politik“. Erst wenige Jahre zuvor hatte Max Scheler seine berühmte Wertethik veröffentlicht, die Dempf nun mit der aristotelischen Ethik in Verbindung brachte.

Dempf gehörte zu den Autoren der von Carl Muth herausgegebenen Zeitschrift „Hochland“ und stand u.a. mit Theodor Haecker in Kontakt. 1926 folgte die Habilitation bei Adolf Dyroff, der seit 1903 in Bonn dozierte und 1934 wegen seiner katholischen und unangepaßten Denkweise von den Nazis zwangseremitiert wurde. Sein Habilitationsthema lautete: „Das Unendliche in der mittelalterlichen Metaphysik und in der Kantischen Dialektik“. Acht Jahre war Dempf Privatdozent in Bonn. Außerdem wurde er Redakteur der von 1925 bis 1930 erscheinenden Zeitschrift „Abendland. Deutsche Monatshefte für europäische Kultur, Politik und Wirtschaft“. Diese Zeitschrift „wurde zu einem Motor übernationaler Verständigung, vor allem der Versöhnung mit Frankreich“ (Heinz Hürten, Deutsche Katholiken 1918 bis 1945, Paderborn 1992, S. 152).

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Alois Dempf mit Familie

Ihr Gründer Hermann Platz (1880 -1945), mit Dempf befreundet, war Hochland-Mitarbeiter, Exponent der Liturgischen Bewegung, „gehörte auch zu den deutschen Förderern der internationalen Friedenstreffen, die Marc Sangnier auf seinem Landsitz Bierville veranstaltete (Hürten, ebda.) und verlor wie Dyroff unter den Nazis seine Professur in Bonn. „Abendland“ war gleichzeitig der Kampfbegriff gegen den „Nationalismus mit seiner einheitzerstörenden Rasse- und Staatsvergötzung“ (Platz im „Staatslexikon der Görresgesellschaft“, 5. Aufl., Artikel „Abendland“). Außerdem war Dempf mit Luigi Sturzo (1871-1959) befreundet, dem Gründer des Partito Popolare Italiano (PPI) (der Vorgängerpartei der Democrazia Cristiana), der 1924 wegen seines Antifaschismus Italien verlassen mußte.

Dempfs antinationalsozialistische Einstellung war kompromißlos. Gegen die Neigung zu Kompromissen schrieb er 1934 unter dem Pseudonym Michael Schäffler das Manuskript „Die Glaubensnot der deutschen Katholiken“, das Karl Barth zwecks Veröffentlichung in die Schweiz schmuggelte. „‚Die eigentliche Schwäche des deutschen Katholizismus‘ sah Dempf allerdings gerade in dem, was durch lange Jahrzehnte hindurch wesentliches Ziel der Katholiken Deutschlands gewesen war“, nämlich der Anpassung an den fortschrittlichen, damals nationalen Zeigeist und dem Abbau „der konservativen Gegenposition zu Kapitalismus und Sozialismus“. „‚Wenn man so anpassungsfähig ist, verrät man nur allzudeutlich, wie wenig man eigene Substanz besitzt und Eigenes zu sagen hat‘. Dies war das Problem, das die Brückenbauer offengelegt hatten – aber Dempf führte fast wider seine Absicht aus, wie gering doch die Wirkung dieses Anpassungsstrebens geblieben war. Er bezeichnete an anderer Stelle als ‚einen schlagenden Gegenbeweis‘ gegen die These von der Eroberung des katholischen Volksteils für den Nationalsozialismus ‚die geringe Zahl und geistige Bedeutungslosigkeit derer, die offen als überzeugte Nationalsozialisten auftreten oder sich zur Flankendeckung für ihn hergegeben haben'“ (Hürten, a.a.O. S. 324, Dempf alias Schäffler zitierend).

BiographieAußerdem arbeitete Dempf bei den „Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts“ mit, einer Gegenschrift zu Alfred Rosenbergs „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“. Diese Gegenschrift, auf eine Anregung Karl Barths und Erik Petersons zurückgehend, wurde 1934 von Bischof Clemens August von Galen herausgegeben. „Der ‚Feldzugsplan‘ für die Gestaltung wurde im Hause Hermann Platz entworfen, und viele Mitarbeiter konnten gewonnen werden, z.B. Waldemar Gurian sowie Redakteure und Mitarbeiter des ‚Michael‘, der Wochenzeitung der katholischen Jugend, vor allem Johannes Maaßen. Den Abschnitt über Meister Eckhart vertraute mein Vater“, so schreibt Felicitas Hagen-Dempf in „Alois Dempf – ein Lebensbild“, „einem Schüler, Bernhard Lakebrink, an, weil das Eckhart-Buch meines Vaters, das die Inanspruchnahme des großen Mystikers für die ’nordische‘ Weltanschauung zurückwies, bereits 1934 erschienen war und entsprechendes Aufsehen erregt hatte. Die geheime Drucklegung im Verlag Bachem geschah durch Mithilfe des Kirchenhistorikers Wilhelm Neuss und des Bischofs Graf Galen, des späteren Kardinals. Als erste Schrift seit der Reformation konnte diese Publikation sämtliche evangelischen und katholischen Pfarrer erreichen (Auflage: 200000 Stück!)“ (in: Alois Dempf 1891-1982. Philosoph, Kulturtheoretiker, Prophet gegen den Nationalsozialismus, hg. von Vincent Berning und Hans Maier, Weißenhorn 1992, S. 13).

Kontakte hatte Dempf auch zu Heinrich Brüning, Albert Ehrhard, Johannes Thyssen, Siegfried Behn, Aloys Müller, Max Scheler, Waldemar Gurian, Paul Ludwig Landsberg, Carl Schmitt (dessen pronazistische Entwicklung ihn enttäuschte), Werner Becker, Carl Sonnenschein, Edith Stein, Gertrud von Le Fort, Joseph Bernhart, Manfred Schröter, Jakob Hegner (seinem Verleger) und den spanischen Philosophen Juan Zaragueta und Calvo Serer.

Den Ethnologen Wilhelm Schmidt und Wilhelm Koppers verdankte er 1937 einen Ruf nach Wien, den er dankbar annahm, da Rosenberg in Deutschland jede Berufung Dempfs zum Ordinarius verhinderte. In Wien fand Dempf freundschaftlichen Kontakt zu Eric Voegelin. Doch diese Phase währte nur kurz, da er im darauffolgenden Jahr nach dem „Anschluß“ Österreichs zwangspensioniert wurde.

Dempf03Nach dem Krieg hielt er in Wien im Auditorium Maximum außerordentlich gut besuchte Vorlesungen (sein Assistent war Ernst Topitsch), bis er 1950 einem Ruf nach München folgte. Hier hatte er Kontakte zu Aloys Wenzl (bei dem 1948 Reinhard Lauth habilitiert wurde), Helmut Kuhn, Hans Sedlmayr, Romano Guardini, Hans Urs von Balthasar, Werner Bergengruen, Gustav Siewerth, Henry Deku, Hermann Krings, Hedwig Conrad-Martius, Adolf Portmann (der sich als Biologe gegen den Biologismus wandte), Jakob von Uexküll u.a. 1963 promovierte bei ihm der Scheffczyk-Schüler Anton Ziegenaus. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Dempf in Eggstätt, Chiemgau, wo er am 15. November 1982 verstarb.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören „Die Hauptform mittelalterlicher Weltanschauung. Eine geisteswissenschaftliche Studie über die Summa“ (1925), „Ethik des Mittelalters“ (1927), „Sacrum Imperium. Geschichts- und Staatsphilosophie des Mittelalters und der politischen Renaissance“ (1929), „Metaphysik des Mittelalters“ (1930), „Kulturphilosophie“ (1932), „Meister Eckhart. Eine Einführung in sein Werk“ (1934), „Kierkegaards Folgen“ (1935), „Religionsphilosophie“ (1937) „Christliche Philosophie. Der Mensch zwischen Gott und der Welt“ (1938), „Die drei Laster. Dostojewskis Tiefenpsychologie“ (1946), „Selbstkritik der Philosophie und eine vergleichende Philosophiegeschichte im Umriß“ (1947), „Theoretische Anthropologie“ (1950), „Kritik der Historischen Vernunft“ (1957), „Die unsichtbare Bilderwelt. Eine Geistesgeschichte der Kunst“ (1959).

Alois Dempfs Denken ist von großer synthetischer Kraft. Schon früh geprägt von Herman Schell, suchte er eine Erneuerung der christlichen Philosophie, die nicht hinter die Fragestellungen der neuzeitlichen Philosophie zurückfällt: „Die kritische Synthese eines lebendigen, tief innerlichen Christentums, insbesondere in seiner katholischen Form, mit den unübersehbaren Leistungen der neuzeitlichen Philosophie seit Kant und dem naturwissenschaftlichen Weltbild des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Problemstellung, an welcher der von der Kirche abgewiesene und von Dempf schon früh abgelehnte Modernismus gescheitert war, weil er am christlichen Symbolon vielschichtige Relativierungen vornahm, deren Grundmuster teilweise in der theologischen Diskussion der nachkonziliaren Zeit des II. Vatikanums wieder auftauchen. Dempf sucht eine neue Synthese, welche die griechisch-lateinische Antike, den Universalismus des germanisch-lateinischen Mittelalters, der Spätscholastik, der Renaissance und der Spätromantik, aber auch die in den Augen Dempfs gewaltige Denkleistung des Deutschen Idealismus kritisch aufzuarbeiten hatte.“ (Vincent Berning, Alois Dempf. Philosoph, Gelehrter, Kulturtheoretiker, Prophet gegen den Nationalsozialismus; im erwähnten gleichnamigen Sammelband S. 49) (Quelle: kath-info.de)

Dempf04Und hier hören wir ihn, in seinem Beitrag „Die fehlende Intelligenz“ (basierend auf einer privaten Tonbandaufzeichnung) und wir hören einen in seinem akademischen Elfenbeintrum, der geblendet von der eigenen Brillianz, letztlich nur den eigenen akademischen Dünkel zelebriert.

Denn, da gibt es die „Intelligenz“ und dann die „Praktiker und Banausen“ … wenn ich sowas schon höre … läuft mir die Galle über.

Die fehlende Intelligenz liegt im „Sündenfall“ der neuzeitlichen Philosophie:

„Der Sündenfall der neuzeitlichen Philosophie ist die existenzielle Staatsphilosophie“. 

„Die Fanatisierung des Profanen … oder die Konfessionaliserung des Nationalstaats. Der existenzielle Staatsphilosoph macht staatsethisch den Staat zum Heiligsten.“

„Der Staat als der gegenwärtige Gott auf Erden“

Na ja … und auch über Realschüler macht er sich ein wenig lustig … und über die „Halbintelligenz“ …

Am Ende seines Vortrag hingegen beklagt er dann jedoch mit bitterem Ton:

„Die Wissenden sind als Produzenten von Macht verstaatlicht worden. Und da es ein eigenes Standesbewusstsein der Intelligenz nicht gibt … denkt sie viel zu wenig an ihre auch wirtschaftlich freie Existenz.  Die Dichter leben von der Vergnügungs- und Unterhaltungsindustrie, die Wissenschaft lebt von dem Interesse des Staates an der Ausbildung von Beamten und Technikern … „

Nur die arme Intelligenz muss zum Forschungsgelder betteln …  Er wünscht sich daher, dass ein „bescheidenes Klassenbewußtsein der Intelligenz erwacht.“

Dass er sich allerdings im III. Reich konsequent dem Naziregime verweigert hat … rechne ich ihm hoch an …

Erschienen ist diese Aufnahme in der Reihe „Stimmen der Denker“ im katholischen „Christopherus Verlag Herder“, Freiburg.

Weitere Exemplare dieser Serie werden folgen.

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Ein Portrait von Alois Dempf wird im Rathaus Altomünster enthüllt (2016)

Besetzung:
Alois Dempf (Sprecher)

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Titel:
01. Die fehlende Intelligenz (Teil 1 – Anfang) 16.22
02. Die fehlende Intelligenz (Teil 2 – Fortsetzung) 16.48

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