Karat – Karat (1978)

KaratFrontCoverHöre ich mir heute die alten Amiga-Aufnahmen an und stelle mir dabei die Bedingungen vor, unter denen musikbegeisterte Freaks im ‚“real existierendem Sozialismus“ ihrer Begeisteruncg nachgehen mussten, empfinde ich Achtung und Respekt vor dieser Leistung.

Aber nun ein paar Fakten zu den frühen Jahren von Karat:

Karat ist eine 1975 gegründete Band aus Berlin, die zu den erfolgreichsten in der DDR gehörte und mit deutschsprachiger Rockmusik bis heute erfolgreich ist. Bekanntestes Lied der Band ist Über sieben Brücken mußt du gehn. Für die Dauer eines Markenlöschungsverfahrens nannte sich die Gruppe vom 1. Januar 2006 bis zum 19. Juni 2007 ersatzweise K…!

 

Als das Jazzkonzept seiner Gruppe Panta Rhei Mitte der 1970er Jahre an Popularität verlor, entschloss sich der Bassist Henning Protzmann, eine neue Band zu gründen. Das Ziel war die Produktion publikumswirksamerer, aber trotzdem anspruchsvoller Musik. Als Protzmann auf den vormals bei Frank Schöbel beschäftigten Gitarristen Ulrich Pexa traf, der den Namen „Karat“ für die Gruppe vorschlug, und sich mit Hans-Joachim „Neumi“ Neumann ein Sänger, mit Konrad Burkert ein Schlagzeuger und mit Christian Steyer ein Keyboarder fanden, konnten die ersten Proben der neuen Band im Herbst 1974 beginnen. Nach drei Wochen stieg Steyer aus dem Projekt aus, um sich der Schauspielerei zu widmen. An seiner Stelle engagierte man Ulrich „Ed“ Swillms, den früheren Pianisten von Panta Rhei, der als Koryphäe in seinem Fach galt. Mit Ed Swillms kam auch der ehemalige Sänger und Gitarrist von Panta Rhei, Herbert Dreilich, in die Gruppe, womit die Gründungsbesetzung von Karat geboren war. Nachdem sie ihre ersten vier Aufnahmen beim Rundfunk erstellt hatten (Du und ich, Schwester, Leute, welch ein Tag und Ich lauf’ durch die Stadt, aufgenommen vom 24. bis 28. Januar 1975), gaben Karat am 22. Februar 1975 in Heidenau bei Dresden ihr erstes Konzert.

Single1976

Karat Single aus dem Jahr 1976

Bis Ende 1975 produzierte Karat insgesamt 13 Rundfunkaufnahmen, die die Gruppe schnell bekannt machten, obschon die Kritik bezüglich der ersten Songs durchaus geteilter Meinung war. Seit Juni 1976 ersetzten Bernd Römer (Gitarre) und Michael Schwandt (Schlagzeug), die beide von der Horst-Krüger-Band kamen, Ulrich Pexa und Konrad Burkert. 1977 trat Hans-Joachim „Neumi“ Neumann schließlich seinen Militärdienst an, wodurch Herbert Dreilich, vormals Gitarrist und Sänger zugleich, zum alleinigen Sänger wurde. Seine Stimme wurde schließlich zum Markenzeichen von Karat. In der Zwischenzeit hatten sich mit den lyrischen Titeln Märchenzeit und Abendstimmung die ersten größeren Erfolge eingestellt, die die Basis für die für Karat typische Stilistik bildeten. Auch der Gewinn einer Goldmedaille bei der Leistungsschau Anfang 1977 und die Auszeichnung mit dem Kunstpreis der FDJ für die von Karat veranstalteten Schülerkonzerte zur Geschichte der Rockmusik dokumentieren den Aufstieg der Gruppe zu einer der führenden Rockformationen der DDR. Durch den Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival 1978 mit den Titeln König der Welt und Über sieben Brücken mußt du gehn gelang Karat der endgültige Durchbruch. Die Teilnahme der Rockband an einem Schlagerfestival kommentierte Herbert Dreilich später wie folgt: „Wir haben das gerne angenommen, denn wir waren und sind heute noch der Meinung, man sollte nicht in Schubladen denken. Schlager, Pop und Rock, da sind die Grenzen doch fließend. Weshalb sollten wir so ein internationales Podium nicht nutzen? Es konnte doch nur von Vorteil sein!“ Durch den mittlerweile schon länger anhaltenden Erfolg wurde auch das staatseigene Plattenlabel für Unterhaltungsmusik Amiga auf Karat aufmerksam. 1978 wurde Karats erste LP Karat veröffentlicht, auf der eine Auswahl der bis dahin entstandenen Rundfunkaufnahmen enthalten ist.

Single1978

Karat Single aus dem Jahr 1978 (BRD-Veröffentlichung)

Die Platte besteht – wie bereits erwähnt – zum größten Teil aus einzelnen Rundfunkproduktionen und nur teilweise aus Aufnahmen, die vom staatlichen Label Amiga eigens für das Album produziert wurden. Die Platte wird als eher untypisch für Karat eingestuft, was unter anderem durch den Sänger Hans-Joachim „Neumi“ Neumann, der hier noch einige Titel sang, und der noch nicht klar definierten Stilrichtung der Gruppe erklärt werden kann. Viele Titel sind stilistisch noch dem Hardrock (und nicht dem für Karat eher typischen Prog-Rock) zuzuordnen, so unter anderem Das Monster, Rock-’n’-Roll-Fan und die Ballade von den sieben Geistern. Mit Märchenzeit, Abendstimmung und vor allem König der Welt wies Karat jedoch schon darauf hin, welche musikalische Entwicklung sie später vollziehen sollten. Der Titel König der Welt stand im Jahre 1978 als erster Karat-Titel auf Platz 1 der DDR-Hitliste, gefolgt von dem ebenfalls von Karat stammenden berühmten Lied Über sieben Brücken mußt Du geh’n, das den zweiten Platz erreichte.

Als Singles wurden die Titel Das Monster und Abendstimmung in der DDR und König der Welt und Reggae Rita Star in der Bundesrepublik Deutschland ausgekoppelt. Das Album selbst erschien in Gänze nur in der DDR. 1983 wurden nachträglich vier Songs aus Karat auf einer Super-Sound-Single von Teldec in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht (Und ich liebe Dich, Abendstimmung, Märchenzeit und He, Manuela).

Das Debüt-Album von Karat verkaufte sich in der DDR und anderen sozialistischen Ländern etwa 350.000 Mal. (Quelle: wikipedia)

Ein beachtliches Debütalbum und noch so etliche Leder kann man sich heute noch und gerne anhören .. einer meiner Favoriten sind wohl „König der Welt“ und „Ballade von den sieben Geistern“ … da wird ganz schön gerockt …

… und dann kam bald darauf „Über sieben Brücken musst du gehen“ … und der Rest ist Geschichte … +

Karat1

Besetzung:
Herbert Dreilich (vocals, guitar)
Hans-Joachim „Neumi“ Neumann (vocals) (1975-1977)
Henning Protzmann (bass, vocals)
Bernd Römer (guitar)
Michael Schwand (drums)
Ulrich „Ed“ Swillms (keyboards)
+
Ulrich Pexa (vocals, guitar)

BackCover

Titel:
01. Das Monster (Swillms/Lasch) 4.33
02. Märchenzeit (Swillms/Demmler) 3.53
03. Die Burg (Swillms/Lasch) 4.16
04. Reggae Rita Star (Swillms/Dreilich) 3.15
05. König Der Welt (Swillms/Demmler) -5.36
06. Rock’n Roll Fan (Swillms/Dreilich) 3.48
07. Und Ich liebe Dich (Dreilich/Dreilich) 3.49
08. Ballade Von Den Sieben Geistern (Swillms/Lasch) 4.59
09. He, Manuela (Dreilich/Swillms/Dreilich) 4.51
10. Abendstimmung (Swillms/Lasch) 4.51
+
11. Mein Dorf (Pexa/Gerlach) 2.55
12. Leute, Welch Ein Tag (Pexa/Gerlach) 2.50
13. Erna (Protzmann/Gerlach) 3.19
14. Draußen Im Kornfeld (Swillms/Lasch) 3.32
15. Such Ein Zimmer (Pexa/Lasch) 3.26

 

LabelA1
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Ein Gedanke zu “Karat – Karat (1978)

  1. Naja. Die hatte ich mal. Wurden als so eine Art Sensationsgründung gehypt, würde man heute sagen. Die Platte hier ist ziemlich zerrissen. Neumann war in der Band eigentlich überflüssig und er oder die Band merkten das während seiner Aschezeit; anschließend war er mit seinem „Neumis Rockzirkus“ deutlich besser bedient, als mit solch unausgegorenen Songs hier: „Monster“ schielt nach Frank Zander, ist aber bei weitem unwitziger, Rock and Roll Fan will bissl Lindenbergs Honky tonky show nachahmen und verreckt recht kläglich. Reggea Rita Star – wieder Lindenberg Reggea Maggie – was bleibt sind Abendstimmung, Burg, Märchenzeit und König der Welt( dieser mit allerdings saublöden Lyrics) und ein bissl noch „Hey Manuela“ (Schrammelnummer im Stile von Fleetwoods „Rumours“). Highlight ist mMn „und ich liebe dich“: eine Schnulze, aber eine sehr feine. In diese Richtung wird es dann mehr und mehr weiter gehen. Die Schnulzen klappten einfach (fast) immer.

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