Witthüser und Westrupp – Trips und Träume (1971)

FrontCover1Unverzichtbar ist dieses Duo für das Verständnis der Anfang der 70er Jahre aufkeimendem neuen Verständnis deutschsprachiger Folk- und Rockmusik. Kurz: Witthüser und Westrupp sind eine Legende geworden !°

Witthüser & Westrupp war ein deutsches Liedermacher-Duo aus Essen. Ihre Besonderheit waren melodische Lieder in deutscher Sprache sowie vielseitige Instrumentierung.

Im Juni 1969 schlossen sich Bernd Witthüser (* 29. Februar 1944) und Walter Westrupp (* 12. Februar 1946) als „W & W’s Pop-Cabaret“ zusammen. Schon 1970 änderten sie ihren Namen in „Witthüser & Westrupp“. Unter diesem Namen traten sie bis März 1973 zusammen auf.

„Trips und Träume“, W&Ws zweite LP, wurde im März 1971 in Stommeln im Studio von Dieter Dierks eingespielt. Sie entstand unter Mithilfe der Musiker Bernd Roland und Renée Zucker. Produzenten waren Rolf-Ulrich Kaiser und Gille Lettmann. Die LP erschien ebenfalls auf Ohr. Auf diesem Album befinden sich auch die Lieder „Nimm einen Joint, mein Freund“ und „Laßt uns auf die Reise gehn“ (Text: Thomas Rother), welche zu den bekanntesten der Band zählen. Auf der Bühne arbeiteten Witthüser & Westrupp zu dieser Zeit auch u.a. mit dem Essener Bratschisten Paul Pudel zusammen. (Quelle: wikipedia)

Über dieses Album gibt es in dem Online-Buch über die Geschichte des Duos ausführlich Informationen … ich füge sie hier einfach mal ein …#
Auf der Suche nach einem neuen Weg klopfen wir an die Himmelstüre
Ein Mann namens Petrus öffnet ganz sacht und er fragt:
„Seid ihr es, die da kommen sollen, uns den Shit zu bringen?“

Wir streichen aus alle, die wir kennen – uns eingeschlossen –
und  wir treten ein in den ewigen Frühling
wir sehen die himmlischen Heerscharen mit den ewigen Joints auf ihren Wolken sitzen und ihr Gesang steigt unaufhaltsam in den Händen der Sonne

Witthüser & Westrupp – „Orienta“ von der LP „Trips & Träume Auschnitt aus „Orienta“

WuWJanuar 71 fangen wir mit den Proben zum 2. Programm „Trips & Träume“ an. Als 3. Mann holen wir Bernd „Curny“ Roland (Ex-No-Bassist, Weg- und Kampfgefährte aus jungen Tagen) als Bassisten mit ins Boot und damit kommt erstmals Elektronik inW&W mit Bernd „Curny“ Roland bei einer heiligen Handlung die Gruppe. Damit wir neben ihm bestehen können, setzen auch wir – neben unseren nach wie vor genutzten Akustik-Instrumenten – Verstärker und Elektro-Gitarren ein. Die Musik wird dadurch sphärisch-schwebend (passend zum Zustand), die Texte abgehoben und doppelsinnig, eben auch passend zum Titel und Programm oder auch umgekehrt. Wir üben nach wie vor im JZ Essen, aber der erste Auftritt erfolgt im März 71 aus Platzgründen in der ausverkauften Aula des Burggymnasiums in Essen vor einem begeisterten Publikum – wir sind avanciert zu echten Lokalgrößen. Aufgenommen wird dieses Konzert von einem WDR-Fernsehteam für ein Band-Portrait. Danach werden Schwachstellen ausgemerzt – und dann geht´s  wieder auf Tour. Diesmal ist der Süden Deutschlands unser Ziel (bisher eher W&W-Diaspora) und nach erfolgreichen Konzerten gehen am Ende des Monat nach Stommel ins Studio Dierks, wo die Aufnahmen für die 2.Lp in Angriff genommen werden. Hier ist nun professionelles Arbeiten angesagt als bei den Aufnahmen zur ersten LP in Hamburg: wir spielen Instrument für Instrument einzeln ein – eine für uns neue und zunächst hemmende Art der Arbeit. Doch nach einer Eingewöhnungsphase werden wir locker, die Atmosphäre im Studio stimmt, und die Arbeit macht allen Beteiligten mehr und mehr Spaß.

Zucker

Renee Zucker

Renee Zucker, Essener Urgestein, die zu Besuch ins Studio kommt, wird gleich bei 2 Stücken mit eingesetzt (sie erzählte die Geschichte von Karlchen und seinem Erlebnis mit den wilden Riesenhunden und war mit ihrer irrsinnigen Klaviertechnik maßgeblich an der Entstehung des englischen Walzers beteiligt), auch Dieter Dierks und Gille Lettmann werden aktiv eingesetzt.

Wir können ganz in Ruhe – wieder ganz ohne Termin-Stress und Zeitdruck oder irgendwelche Blicke auf immer höher werdende Studiokosten– Dinge ausprobieren (die Doppelflöten bei Orienta, den kaputten Walzer, den Posaunenchor etc.) Gemeinsam wird abgehört, verworfen, diskutiert, gelacht, geraucht: es ist eine total relaxte Stimmung, was man der Produktion auch anmerkt – das gesamte feeling ist stimmig. – und auch das Plattencover passt perfekt:

Fans und Zeitungsleute besuchen uns und erleben Gleiches .  Endlich haben die Kiffer in Deutschland auch mal „eigene“ Songs in der Landessprache, die sie sich reinziehen können. Die Promotion-Maschinerie von Kaiser läuft auf Hochtouren, und die Pressefotos von uns und auch das Single-Cover werden tatsächlich überall abgedruckt: nackend mit Karlchen, mit dickem Joint und/oder mit Wasserpfeife und den dicken OHR-Ballon zwischen den Beinen… Das waren noch Zeiten!

Hey, das ist ein Granate – oder?Unser Song  „Nimm eine Joint, mein Freund“, der wie viele andere Songs dieser Platte auf sämtlichen Indexen steht, wird bei den Freaks dankbar aufgenommen und heimliche Hymne der Subkultur. Nicht auf dem Index steht das Einganglied dieser Produktion „Lass uns auf die Reise geh´n“ mit diesem schönen Text von Thomas Rother. Dabei erreicht dieses Lied im Zusammenhang mit den weiteren Songs der Lp eine völlig andere Dimension, als der Autor wohl ursprünglich gemeint hat und die von den Indexierern gar nicht wahrgenommen wird. Uns ist das alles recht, denn allein 1 Index-Vermerk spricht sich in Fachkreisen rasend schnell rum – und kurbelt so der Verkauf der Lp an: das Ding läuft supergut.

Welchen Erfolg wir als „Nicht-Schnulzen-Fuzzis“ haben, bezeugt dann eine von der Fachzeitschrift „Schallplatte“ durchgeführte Befragung bei 70 Fachjournalisten zum Deutschen Musikpoll 1971 für deutschsprachige Gesang-Duos: wir landen auf dem 3. Platz (8,6%) nur ganz knapp hinter Adam & Eve. Den gleichen Platz wie wir nehmen dabei Ike & Tina Turner bei den internationalen Duos ein, und wir liegen sogar einen Platz vor Paul & Linda McCartney (3,2%) !

SingleUnsere Titel tauchen in den Hitparaden auf: zunächst in den St. Pauli- Nachrichten (!), wo neben Sex-Reportern und nackten Mädels auch ein1. Plazierung in den St. Pauli-Nachrichten: 10. Platz Musik-Journalist sein Unwesen trieb, der uns in sein Herz geschlossen hat: er puscht uns wie keinen Anderen: „Schöne anspruchsvolle Musik“…. „Nimm einen Joint und Lass uns auf die Reise geh´n sind echte Hits, und Ohr sollte deutlich mehr für W & W tun!“. Wir nehmen hier im Laufe der nächsten 2 Jahre fortwährende Spitzenpositionen ein und belegen mit „Nimm einen Joint“ über 20 Wochen Platz 1 ein.
„Lass uns auf die Reise geh´n“ kommt  in der SWF 3-Hitparade, wo wir mit Frank Laufenberg einen weiteren Fan sitzen haben, auf einen Vorderplatz. Mit Frank, der auch später noch uns und unsere Musik mit dem Jesuspilz fördert, und mit Manfred Sexauer , der uns in seine Nachtsendungen einlädt, haben wir zwei Verbündete im Süden sitzen, die uns auf unserem weiteren Weg wohlwollend begleiten werden.

Neben diesen Zeitungs- und Rundfunk – Erscheinungen geht unser Knochenjob natürlich weiter: der Konzerttermine werden immer mehr. Und dazu dann immer häufiger Presse-Termine mit – dem Stern, mit Zeitungen und Fachzeitschriften, Platten-Promotion-Radio-Touren durch die deutschen Sender, Besprechungstermine mit Produzent und Plattenfirma. Denn Rolf-Ulrich Kaiser dreht so richtig am großen Rad. Zum Einen kennt er Gott und die Welt bei den Zeitungen, beim Radio und Fernsehen – und die kennen ihn auch. Und wer ihn nicht kennt, der lernte ihn aber richtig kennen. Er weiß, wie dort gearbeitet wird, und entsprechend lanciert er seine Werbung für uns. Zum Anderen ist er ein Arbeitstier: er ist nur noch für seine (und damit auch für unsere) Sachen unterwegs – und erwartet das Gleiche von uns…
Er bombardiert alles und jeden mit Werbung – und fällt mal eine Plattenkritik oder ein Konzertbericht nicht so gut aus: „Hauptsache, es wird über Euch berichtet.“ Dieser Hans Dampf kennt keine Pausen – und uns gönnt er auch kaum noch eine: „Ihr seid im Geschäft – also muss eine neue Platte her. OH NEE…

Erfolg hat eben seinen Preis – unsere freie Zeit wird knapper“

Und hört man sich heute das Album kann … kann man nur erstaunt sein auf welch reifem und hohen Niveau damals bereits musiziert wurde und textlich ist dieses Album ebenfalls einr reine Wohltat. Respekt !

WuW2

Besetzung:
Bernd Roland  (bass)
Walter Westrupp (vocals, trumpet, trombone, flute, zither)
Bernd Witthüser (vocals, guitar)
Renee Zucker (percussion, flute, vocals bei 05.)

Booklet1

Titel:
01. Laßt uns auf die Reise gehn (Witthüser/Rother) 4.00
02. Trippo Nova (Witthüser) 8.55
03. Orienta (Witthüser) 7.35
04. Illusion I (Witthüser) 4.35
05. Karlchen (Witthüser) 9.05
06. Englischer Walzer (Witthüser) 1.38
07 . Nimm doch einen Joint, mein Freund (Witthüser) 3.30

LabelB1

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