Henry Vahl – Unser Opa ist der Beste + 1 (1965)

FrontCover1Der Henry Vahl ist schlicht und ergreifend ein Hamburger Volksschauspieler, der sich insbesondere in den 60er Jahren großer Beliebtheit erfreuen konnte:

Henry Vahl (* 26. Oktober 1897 in Stralsund; † 21. Juli 1977 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler. Nach einer mehr als vierzigjährigen Karriere, die ihn auf zahlreiche, insbesondere norddeutsche Bühnen führte, gelangte er in den 1950er Jahren ans Ohnsorg-Theater in Hamburg, wo er zum beliebten Volksschauspieler wurde, der in komischen Rollen vor allem kauzige, ältere Typen spielte. Durch die Fernsehübertragungen des Theaters erlangte er bundesweiten Ruhm und avancierte zum beliebten „Fernseh-Opa“.

Henry Vahl wurde 1897 in Stralsund als ältestes von vier Kindern des Seemanns Franz Vahl geboren; sein Bruder war der Schauspieler Bruno Vahl-Berg, seine Schwester Lissy die Mutter des Schauspielers Edgar Bessen. Bereits als Kind stand Henry Vahl in seiner Geburtsstadt in mehreren Rollen auf der Bühne. Nachdem der Fischkutter seines Vaters, der sich 1901 als Fischer selbständig gemacht hatte, 1905 durch eine Sturmflut zerstört worden war, zog die Familie 1906 nach Kiel. Henry Vahl arbeitete nach einer abgebrochenen Druckerlehre in einer Molkerei und als Liftboy im Hansa-Hotel, wo der Direktor des Kieler Stadttheaters, Karl Alving, 1914 auf ihn aufmerksam wurde und ihm erste Engagements verschaffte. 1916 spielte Vahl seine erste Hauptrolle im Stück Peterchens Mondfahrt; seit 1915 arbeitete er auch bei der Howaldtswerft, um den Kriegsdienst zu vermeiden.

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1918 ging Vahl nach Lübeck zum Hansa-Theater. Dort lernte er Germaine Koch kennen, mit der er sich verlobte und 1920 nach Braunschweig umzog, wo das Paar am 31. Januar 1925 heiratete. Im Herbst 1926 wechselte Vahl als Schauspieler und Regisseur nach Bernburg an der Saale, jedoch wurde das Theater bereits 1929 in der Wirtschaftskrise geschlossen, woraufhin er nach Berlin zog und nach kleineren Rollen bei Max Reinhardt und Auftritten als Filmkomparse am Deutschen Theater unter Reinhardts Nachfolger Heinz Hilpert engagiert wurde. 1940 erhielt er zusammen mit seiner Frau ein Engagement in Karlsbad, wo er im November 1941 sein 25-jähriges Bühnenjubiläum beging. Doch im selben Monat wurde Germaine Vahl die Arbeitserlaubnis entzogen, da sie als sogenannte Halbjüdin galt. Sie tauchte unter und versteckte sich bis zum Kriegsende in einer Gartenlaube bei Ratzeburg. Henry Vahl kannte ihren Aufenthaltsort nicht, stand aber über ihre Mutter mit ihr in Kontakt. Im Verhör bei der Geheimen Staatspolizei gab er an, sie sei vermisst. 1943 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und trat bei der Truppenbetreuung an der Ostfront auf. Nach dem Krieg zog er, wieder mit seiner Frau vereint, nach Berlin.

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Henry und Germaine Vahl

1950 gingen die Vahls nach Hamburg, wo Henry Vahl im Flora-Theater und im Theater im Zimmer von Helmuth Gmelin auftrat, außerdem in Friedrich Schütters Jungem Theater (dem heutigen Ernst-Deutsch-Theater), wo er den alten Landarbeiter Candy in einer Bühnenbearbeitung des Romans Von Mäusen und Menschen gab. Im März 1958 sollte am Ohnsorg-Theater das Stück „Meister Anecker“ von August Lähn unter der Regie von Walter Scherau mit Jochen Schenck in der Titelrolle und Otto Lüthje in der Rolle des Schustergesellen Matten aufgeführt werden, als Lüthje kurz vor der Premiere erkrankte. Das Theater engagierte Vahl als Ersatz, und er blieb dauerhaft. In den folgenden Jahren trat er in mehr als 100 Rollen am Ohnsorg-Theater auf, oftmals zusammen mit Heidi Kabel. Besonders bedeutsam waren die Titelrollen in „Schneider Nörig“ und „Vater Philipp“, Ewald Brummer in „Tratsch im Treppenhaus“ und Mandus Sötje in „Mien Mann, de fohrt to See“.

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Für viele unvergessen: Heidi Kabel und Henry Vahl

Die Rolle des alten, schrulligen und stark dem Alkohol zuneigenden Matten wurde allerdings seine Paraderolle. Besonders die Fernsehübertragung der erneuten Inszenierung unter der Regie von Hans Mahler am 13. November 1965 wurde ein großer Erfolg. Nach der Erinnerung von Heidi Kabel wurde das Ohnsorg-Theater nach der Ausstrahlung mit Anrufen, Glückwunschtelegrammen und Blumensendungen überhäuft. Durch die Fernsehübertragungen von Theateraufführungen im NDR sowie durch viele Gastspiele wurde Henry Vahl auch bundesweit sehr populär und zu einem Publikumsliebling. So wurde ihm 1967 die Auszeichnung „Bronzener Bildschirm“ verliehen. Von 1962 bis in die 1970er Jahre hinein trat er häufig in der beliebten NDR-Unterhaltungsshow Haifischbar auf. Einen großen Erfolg hatte Henry Vahl im Fernsehen mit dem zweiteiligen TV-Kriminalfilm „Die rote Geldbörse“ (1966), in dem er eine Hauptrolle spielte.

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Henry Vahl mit Heinz Rühmann

1972 verließ Vahl das Ohnsorg-Theater. Offiziell ging er aus Altersgründen, aber inoffiziell soll ein Zerwürfnis mit dem Intendanten Günther Siegmund der Grund gewesen sein, der die Nachfolge des 1970 verstorbenen Hans Mahler angetreten hatte und das Ensemble verjüngen und Henry Vahl nach der Spielzeit 1969/1970 nicht weiter besetzen wollte. Mahler soll Vahl versprochen haben, den „Meister Anecker“ noch einmal zu inszenieren und ihm damit zu ermöglichen, sich in seiner Paraderolle von der Bühne zu verabschieden, doch Siegmund fühlte sich daran nicht gebunden.

Obwohl Henry Vahl sich seine Texte inzwischen immer schlechter merken konnte, begann er 1973 am St. Pauli Theater von Kurt Collien aufzutreten, wo er noch 43 Mal im „Meister Anecker“ und ab 1974 noch 168 Mal als „Zitronenjette“ auf der Bühne stand (ein Hamburger Original, eigentlich eine Frau, die auf der Bühne aber traditionell von Männern gespielt wird). 1975 starb seine Frau, im Februar 1976 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte.

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Roy Black, Heidi Kabel und Herny Vahl

In seinem Buch Der Aufmacher berichtete Günter Wallraff darüber, dass in den Monaten vor Vahls Tod das Schicksal des zunehmend hinfällig werdenden Schauspielers in einer zweistelligen Anzahl von „Bild“-Zeitungsartikeln vermarktet wurde. In der Hamburger Zentralredaktion von „Bild“ soll es während dieser Zeit eine bewegliche Fotomontage von Vahl mit einem heb- und senkbaren Sargdeckel gegeben haben.

Henry Vahl starb am 21. Juli 1977 im Alter von 79 Jahren in Hamburg an Kreislaufversagen. Sein Grab (Nr. AD5/158-159) befindet sich neben dem seines Bruders Bruno Vahl-Berg auf dem Friedhof Ohlsdorf.

In der Nähe seiner Wohnung im Bezirk Eimsbüttel wurde eine Grünanlage nach Henry Vahl benannt, der Henry-Vahl-Park. 2014 wurde im Kieler Stadtteil Gaarden der Platz vor dem Haus Iltisstraße 49, in dem Vahl von 1912 bis 1919 wohnte, Henry-Vahl-Platz benannt (Quelle: wikipedia)

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Henry Vahl mit Heini Kaufeld

Nun ja, diese Single hier ist einfach schlicht und ergreifend eine Single dieses Volksschauspielrs. Eher schlicht  als ergreifend … wenngleich natürlich das Motto „Man ist so jung, wie man sich fühlt“ in meiner Altersklasse schon einen gewissen Reiz und auch Sinn hat.

Und … na ja … „Unser Opa ist der Beste“ … dem kann ich als zweifacher Opa natürlich einfach nur zustimmen …

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Besetzung:
Henry Vahl (vocals)
+
Das Elite Orchester

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Titel:
01. Unser Opa ist der Beste (Rosemeier/Weyrich) 2.41
02. Man ist so jung, wie man sich fühlt (Gabriel/Keyser) 2.41

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*
**

Grab

Das Grab auf dem Friedhof Ohlsdorf

3 Gedanken zu “Henry Vahl – Unser Opa ist der Beste + 1 (1965)

  1. Da danke ich auch. An Henry Vahl kann ich mich gut erinnern, er lebte schräg gegenüber von unserer Wohnung in Eimsbüttel und drehte jeden Tag mit seinem Dackel die Runde durch unsere Straße und den Unnapark (wie er damals noch hieß). Dabei quatschte er auch gern mal mit uns Kindern. Heute würden ihn ein paar wildgewordene Mütter dafür vermutlich mindestens anzeigen, wenn nicht kielholen, aber damals ging das problemlos. Da ich von Seiten meiner Großeltern auch plattdeutsch sprechen konnte, machte das immer besondern Spaß.

  2. Sächsisch war meine erste Fremdsprache. Nachbarn und die Kinder aus Lugau waren vielfältige Lehrer. Hamburgisch lernten wir als Schulkinder durch Henry Vahl im Ohnsorgtheater….
    Klasse Erinnerung – schönen Dank dafür

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