Ostbahn Kurti & Die Chefpartie – Live (1985)

FrontCover1Manchmal versteh´ ich es nicht, warum ich so lange brauche, um mir besonders wichtige Tonträger hier zu präsentieren. Aber dann les´ ich im Urlaub einen Krimi von Günter Brödl … und schon macht es klick:

Dr. Kurt Ostbahn, vulgo Ostbahn-Kurti, ist eine vom Texter Günter Brödl im Scherz erfundene Kunstfigur, die ein öffentliches Eigenleben entwickelte. Personifiziert wurde sie ab 1983 bis zu ihrer vorläufigen Pensionierung im Jahr 2003 von dem Musiker Willi Resetarits. Seit August 2011 lässt dieser die Kunstfigur Ostbahn in Konzerten wieder aufleben.

Mitte der 1970er Jahre war in der Sendung Musicbox des Radiosenders Ö3 ein musikalischer Jahresrückblick zu hören. Wolfgang Kos fragte seinen Co-Moderator Günter Brödl, wie amerikanische Vorstadtmusiker wie Southside Johnny & the Asbury Jukes wohl in Wien heißen würden. Brödl antwortete „Ostbahn-Kurti & die Chefpartie“.

1979 wurde Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock ’n‘ Roll? uraufgeführt. In diesem Stück hatte Kurt Ostbahn bereits eine komplette Biografie. Die Figur wurde damals von Erich Götzinger verkörpert. Angeblich habe Kurt Ostbahn bereits zwei vergriffene LPs produziert, Liedtexte wurden in diversen Literaturzeitschriften publiziert, die Arbeiterzeitung veröffentlichte ein Porträt und die Musicbox sendete ein Interview mit Kurt Ostbahn.

KurtiBrühl

Ostbahn Kurti + Bessie Brühl

1983 traf Brödl auf Willi Resetarits, der zu diesem Zeitpunkt mit den Schmetterlingen gesellschaftskritischen Folk machte; Resetarits verkörperte nun die Figur Kurt Ostbahn in der Öffentlichkeit. Von da an konzentrierte sich Brödl auf die Texte, Resetarits und Band übernahmen den musikalischen Part. Brödl übertrug Blues-, Country- und Rockklassiker verschiedener Künstler ins Wienerische.Um die Authentizität seiner Kunstfigur zu steigern, inserierte Brödl Anzeigen wie: „Suche Ostbahn-Kurti-LPs!“ oder sprühte an Autobahnbrücken sein Graffito „Kurt Ostbahn lebt!“ Brödl gab sich als dessen Kontaktperson aus.

Besondere Beachtung verdienen in diesem Zusammenhang die vielen Coverversionen von Springsteen-Songs; heraus sticht vor allem die Version des Liedes Fire, die für Ostbahn-Kurti die erste Platzierung in den Singles-Charts bedeutete. (Quelle: wikipedia)

Und wer war nun dieser Günter Brödl:

Günter Brödl (* 22. März 1955 in Wien; † 10. Oktober 2000 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller, Songtexter und Musikjournalist.

Ostbahn Kurti02In den Siebzigerjahren begann Günter Brödl als Radiomoderator der Ö3-Sendung Die Musicbox und befasste sich dort vor allem mit der amerikanischen Rockmusik.

Sein erstes literarisches Werk Der kühle Kopf – ein Erzählband – erschien 1975. 1976 folgte das Theaterstück Zum Freundschaftspreis und 1977 Draußen in der Stadt, das 1978 als 18-teilige Fernsehserie vom ORF verfilmt wurde. 1978 erschien sein Buch Click Clack – Wiener Rockstories.

1979 tauchte in Günter Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock n‘ Roll? erstmals die Figur des „Ostbahn-Kurti“ auf. Weil ihm Ostbahn-Kurti, im Stück eine Nebenrolle, so gut gefiel, dichtete er dieser Kunstfigur gleich eine ganze Biografie an.

Ostbahn-Kurti hatte angeblich bereits zwei LPs produziert, es erschienen immer wieder Songtexte in diversen Zeitungen, und auch die Musicbox brachte ein Ostbahn-Interview. Um seine Story noch glaubwürdiger zu machen, gab Brödl Anzeigen auf wie „Suche erste Platte von Ostbahn-Kurti!“, sprayte auf Autobahnbrücken „Kurt Ostbahn lebt!“ und veranstaltete am 1. April 1983 ein „Sold out“-Konzert der fiktiven Rockband Ostbahn-Kurti & die Chefpartie.

Brödl

Günter Brödl + Willi Resetarits (alias Ostbahn Kurti)

Nach einem weiteren Theaterstück – Schlafstadtkinder schlafen nicht (1979) – und dem Roman Tempo City (1982) traf Brödl 1983 den Musiker Willi Resetarits, damals Mitglied der Band Schmetterlinge, mit dem er das Phänomen Ostbahn-Kurti zum Leben erweckte.

Fortan übertrug Brödl amerikanische Rock-Klassiker ins Wienerische; so wurde z. B. aus „Sharp Dressed Man“ Neiche Schoin und aus „I Heard It Through The Grapevine“ Wo hamma denn den Foaschein. 1985 erschien die erste LP Ostbahn Kurti & die Chefpartie, gefolgt von unzähligen Live-Konzerten, bei denen Brödl zunächst als Beleuchter, dann als legendärer „Trainer“ immer mit von der Partie war. Von 1985 bis zu seinem plötzlichen Tod am 10. Oktober 2000 verfasste er sämtliche Songtexte für Ostbahn-Kurti & die Chefpartie und später für Kurt Ostbahn & die Kombo, welchselbige auf insgesamt 20 Tonträgern erschienen sind, von denen acht erst nach Brödls Tod veröffentlicht wurden.

Weiters verfasste Brödl die sechs Ostbahn-Kurti-Kriminalromane Blutrausch (1995), Hitzschlag (1996), Platzangst (1997), Kopfschuß (1999) Peep-Show / Trainer & Trash ermitteln (gemeinsam mit Peter Hiess, 2000) und Schneeblind (2002, posthum veröffentlicht).

Ostbahn Kurti01

1997 kam eine Blutrausch-Verfilmung (Regie: Thomas Roth) ins Kino, für die Brödl auch das Drehbuch verfasste. 1998 erschien sein Liederbuch Ostbahn: Auslese.

Brödl schrieb auch Songtexte für andere Musiker, darunter Minisex, Denk, Babsi Balou, Klaus Trabitsch und Mom & Dead. Er übersetzte außerdem zwei Asterix-Bände ins Wienerische (Da grosse Grobn und Da Woasoga).

1993 fand beim Donaufestival Amstetten die Uraufführung seines Stücks Dynamo Donau Blues, Bluesical statt, 1999 übersetzte er fürs Wiener Schauspielhaus das Musical Hotline to heaven und im selben Jahr wurde sein Musical Be-Bop A Lulatsch ’59 im Wiener Metropol uraufgeführt.

Des Weiteren arbeitete Günter Brödl mit dem Graphiker Ronald Putzker zusammen. Mit ihm schuf er die Comic-Serie Anna Stein und den Band Rehpublik Österreich (2000) – ein fiktiver Reiseführer durch die Rehpublik Österreich, in der seit 100 Jahren das Reh „rehgiert“.

Single

Neben seiner literarischen Arbeit war Brödl einer der profiliertesten Musikjournalisten Österreichs. Am 10. Oktober 2000 verstarb Günter Brödl im Alter von nur 45 Jahren in seiner Wohnung in Wien am plötzlichen Herztod. 2001 wurde er für sein Lebenswerk posthum mit dem Amadeus Austrian Music Award geehrt. (Quelle: wikipedia)

Vielleicht hat die Tatsache, dass der Brödel im gleichen Jahr wie ich das Licht der Welt erblickte, was damit zu tun, dass ich mich mit diesem Wiener Original so verbunden fühle …

Gesichert ist jedoch, dass der Brödel nicht nur in Wien längst eine Kutlfigur geworden ist und hier nun seit legendäres Debütalbum … als Beginn einer intensiveren Auseinandersetzung/Beschäftigung mit diesem Ausnahmekünstler (die Musik war ja nur ein Teil seines Schaffens !).

Und hier sein (Live) Debütalbum und hier geht einfach die Schwarte ab … let´s fetz ist das Motto dieser LP,

Diverse Rockklassiker mit wienerischem Texten … bluesgetränkt und mit einer Stimme die gelegentlich an den legendären Roger Chapman erinnert … einfach nur genial !

Und die Skandal-Nudel Bessie Brühl (die bei „Ma nennt’n blauen Montag (Stormy Monday Blues)“ singt wie Joy Fleming in ihren besten Zeiten !) war damals auch mit von der Partie … was will  man mehr ….  einfach nur geil, die Scheibe …

Ostbahn Kurti03

Besetzung:
Willi „Kurt Ostbahn“ Resetarits  (vocals, harmonica)
Helmut „Theo Tatic“ Grössinga (drums)
Wolfgang „Josef Havlicek“ Grünzweig (guitar, vocals)
Harry Cuny „Mario Adretti“ de Pierron (organ)
Rudi Stolz (bass, vocals)
+
Bessie Brühl (vocals)

BackCover

Titel:
01. Nix halt mi auf (Brödl/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 2.49
02. Zahltog (Six Days On The Road) (Green/Montgomery/Brödl) 3.19
03. Do steht a Haus (Brödl/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 4.18
04. Höchste Zeit (Feelin´Alright) (Mason/Brödel) 3.21
05. Rusta Rasta (Bei/Königshofer) 5.26
06. Wann i g’spia (She’s Fine, She’s Mine) (Cobbs/Brödel) 6.17
07. Des ollas zöht nix (All Or Nothing) (Marriott/Lane/Brödel) 2.50
08. Ma nennt’n blauen Montag (Stormy Monday Blues) (Hines/Eckstine/Crowder/Brödel)    6.13
09. Feuer (Springsteen/Brödel) 3.40
10. Mi glangst ned 0 (Brühl) 0.35
+
11. Stern vom Praterstern (Single B-Seite, 1985) (Brödel/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 4.18
12. Rendevous (Rendezvous) (Springsteen/Brödel) 2.30
13. Defekt (Be Good To Yourself) (Fraser/Brödel) 2.51

LabelB1

*
**

Platzangst

Mein Günter Brödl Krimi im Urlaub

 

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4 Gedanken zu “Ostbahn Kurti & Die Chefpartie – Live (1985)

  1. Grad hab ich erfahren, daß Heinz R. Unger gestorben ist, er hatte damals, 1977 , die Texte der „Proletenpassion“ für die „Schmetterlinge“ geschrieben! Schade, schon wieder einer der Wunderbaren viel zu früh gegangen … möge er in Frieden ruhen.
    Er hatte übrigends neue Texte geschrieben und die „Proletenpassion“ wird seit 2015 wieder aufgeführt (Willi Resetarits am Schlagzeug) ich glaub, es dürfte sich lohnen, da mal reinzuhören!

  2. Schon kurios, aber bei meinem Feeling FÜR die großen Österreicher hat der mich nie erreicht. Höchstens mal als Gast auf’ner Ambros-CD. Der hatte aber auch fast überhaupt kein Airplay nördlich des Mains; also wie hätt Ich ihn kennen solln in den prägenden Mauerzeiten….

  3. Warum ich als bekennender Absolutfan des Dr. Kurt Ostbahn immer noch kein Buch vom genialen Brödl kenn‘, das frag ich mich ja schon … diesbezüglich werd ich schnellstens was unternehmen! Gut, daß Du Deinen Laden wieder aufgsperrt hast, Meister!!! Gruß aus Südost

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