Rote Gitarren – Rote Gitarren (1978)

FrontCover1Eigentlich kamen sie ja aus Polen … aber in der DDR waren sie zumindest bis ca.  1985 wohl ne ziemlich große Nummer (wenn ich den Quellen trauen darf, die ich dazu gefunden habe):

Die Band Czerwone Gitary oder Rote Gitarren ist eine der populärsten Bands der polnischen Musikgeschichte und bekannt als die polnischen Beatles

Die Roten Gitarren wurden am 3. Januar 1965 von Henryk Zomerski und Jerzy Kossela in Gdańsk gegründet. Zusammen mit Bernard Dornowski, Krzysztof Klenczon und Jerzy Skrzypczyk ging die Band einige Monate später unter dem Motto Wir spielen und singen am lautesten in Polen auf ihre erste große Tournee im Inland.

Schon im Dezember 1965 erfolgte die erste Neubesetzung. Zomerski verließ die Band kurz nach der Gründung und wurde durch Seweryn Krajewski ersetzt, der in den Folgejahren die meisten Titel der Gruppe komponierte.

RoteGitarren01Auf der Midem, der weltgrößten Musikmesse, erhielten sie 1968 gemeinsam mit den Beatles einen Preis für die meistverkauften Schallplatten in Polen. Diese Auszeichnung bedeutete den Durchbruch im internationalen Musikgeschäft. Allein in der DDR verkauften sie in den 1970er und 80er Jahren über eine Million Tonträger. Acht Jahre später standen sie erneut in einer internationalen Arena; 1977 errangen sie beim Grand Prix de Intervision Sopot mit Nie Spoczniemy (Wir ziehen weiter) den 2. Preis.

Ihr 1999 veröffentlichtes Album …jeszcze gra muzyka wurde von Kritikern zum besten Album in der Geschichte der Band erklärt.

Seit 2000 führten Tourneen die Roten Gitarren unter anderem nach Polen, die USA, in den Moskauer Kreml und nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Artur Chyb spielt seit 2013 als Gitarrist und Sänger in der Band mit. Er soll der Nachfolger von Jerzy Kossela werden. (Quelle: wikipedia)

Und so beschreiben die Musiker von „Rote Gitarren“ ihre Zeit als erfolgreiche Band in der DDR:

Zu DDR-Zeiten waren die Roten Gitarren die erfolgreichste Band aus den sozialistischen Ländern.1965 gaben sie sich ihren Namen, nachdem sie ihre Gitarren gekauft hatten. Diese gab es damals nur in rot. Ob das eine politisch verordnete Farbgebung war, kann heute niemand mehr sagen. Das war den vier Jungs auch egal – denn sie wollten die Polnischen Beatles werden.

Es folgten 25 überaus erfolgreiche Jahre. Sie veröffentlichten über 20 Singles und LPs, spielten jährlich 100 – 120 Konzerte und heimsten zahlreiche Preise ein. Schon 2 Jahre nach ihrer Gründung erhielten sie im Januar 1968 auf der Midem in Cannes den Marmornen Festivalpreis für die bestverkaufte LP in Polen – übrigens neben den Beatles, die diesen Preis für das meistverkaufte Album in Großbritannien bekamen.

RoteGitarren02

Bei diesem Bild könnte man doch glatt meinen, man hätte es mit einer knackigen Beatband zu tun … weit gefehlt …

Seit 1970 waren sie auch in der damaligen DDR erfolgreich. Daran erinnern beeindruckende Fernsehauftritte und Tourneen durch das „Bruderland“.
1971 belegten sie in der Kultsendung der 70er-Jahre im DDR-Fernsehen „Einmal im Jahr“ Platz 3 mit dem Titel „Hochzeit“. Bereits ein Jahr später folgte Platz 1 mit „Es brennen die Berge und Wälder“ und im Folgejahr – 1973 – belegten sie wiederum Platz 1 mit ihrem bis dato wohl größten Hit in Deutschland „Weißes Boot“.
Die Roten Gitarren waren omnipräsent in der DDR und ihre LP „Die großen Erfolge“ wurde die meistverkaufte Schallplatte einer Rock- und Pop-Band aus Bruderländern – lediglich übertroffen von Karel Gott’s größten Schlagern.

Mitte der 80er-Jahre wurde es ruhig um die Gruppe – zumindest in der DDR. Die „zuständigen“ Mitarbeiter der Künstleragentur hatten gemeinsam mit ihrer Partneragentur in Polen „Pagart“ herausgefunden, dass es enge private Bindungen der Band zu Lech Walesa/Solidarnosc gab. Deshalb blieben Anfragen bei den Roten Gitarren nach Auftritten in der DDR einfach aus. Die Band konnte sich das erst viel später zusammenreimen, hatten sie doch in Polen nach wie vor genügend zu tun. (Selbstdarstellung)

RoteGitarren03

Nun ja … oder: wie auch immer: Hier ihr deutsches Debütalbum …  ähm … selten wurde ich so wenig warm mit dieser Musik (und ich kann mich wahrlich auch für die leichte Muse öffnen).

Die Musik, wie auch die Texte bleiben i´mir seltsam fremd, so als würde mir ein spezielles Gen fehlen …

Die deutschen Übersetzungen übernahmen interessanerweise ausschließlich Texterinnen als das wären: Ingeburg Branoner – Monika Jacobs –  Regina Scheer

Aber ob die nun wahrlich daran schuld sind … dass mich eine LP derart ratlos zurück lässt ?

Single

Die Single zur LP

Besetzung:
Bernard Dornowski (guitar, background vocals)
Seweryn Krajewski (guitar, keyboards, vocals)
Jan Pospieszalski (bass)
Jerzy Skrzypczyk (drums)

BackCover1

Titel:
01. Weißes Boot (Trzecia Miłość) (Krajewski/Dzikowski/Branoner) 3.05
02. Draußen bei den Weiden (Droga, Którą Idę) (Krajewski/Kondratowicz/Jacobs) 2.42
03. Hochzeit (Słowo Jedyne – Ty) Krajewski/Dzikowski/Branoner) 2.39
04. Wir ziehen weiter (Nie Spoczniemy) (Krajewski/Osiecka/Branoner) 3.50
05. Ein guter Tag (Mam Dobry Dzień) (Krajewski/Patuszyński/Branoner) 2.50
06 Auf dem Dach dieser Welt (Na Dach Świata) Krajewski/Osiecka/Scheer) 4.28
07. Sie heißt Anna  (Krajewski/Branoner) 5.00
08. Weißt du noch (Niebo Z Moich Stron) (Krajewski/Dzikowski/Branoner) 2.37
09. Kuchen auf den Tisch (Gwiazda Na Kiju) (Krajewski/Osiecka/Branoner) 2.55
10. Schon ein Jahr (Mija Rok) (Krajewski/Dzikowski/Jacobs) 3.10
11. Das ist ein Tag (Śpiewka Żeglarska) (Krajewski/Osiecka/Jacobs) 4.00
14. Purpurrote Segel (Purpurowe Żagle Pierwszych Snów) (Krajewski/Osiecka/Branoner) 2.30

LabelsA+AA

Warum es bei dieser LP zwei unterschiedliche Labels gab, entzieht sich meiner Kenntnis

*
**

2 Gedanken zu “Rote Gitarren – Rote Gitarren (1978)

  1. Hahahahah, du schleppst Sachen an! Also die Roten Gitarren schwindeln mit Sicherheit, was ihre DDR-Umsätze betrifft. Oder sie zählen jeden Sampler mit, auf dem ein Stück von ihnen war – und das waren viele.
    Ich habe quasi 1975-79 und 81-85 in der Leipziger Poleninformation GEWOHNT, so oft war ich da – und da wurden LPs im Akkord verkauft, aber zu 70 % die Lizenssachen vom Klassenfeind und die anderen 30 % je zur Hälfte Ceslaw Niemen und SBB.
    Rote Gitarren LP Stapel hab ich auch gesehen, aber übern Ladentisch ging davon nix.
    Im Rundfunk hatten Weißes Boot und Dach der Welt reichlich Airplay und im Kessel Buntes waren die auch, aber da wirkten die wie die Flippers mit Jimmy Page Doppelhalsgitarre um den Hals. Zumal der Sänger auch noch wie der Schlanke von den Flippers aussah.
    Die polnischen Umsatzrekorde in der DDR sprengte mit Sicherheit Maryla Rodowicz; die Bruderlandvariante von Middle of the road.

    • Vielen Dank für Deinen Verweis auf die Flippers, die lagen mir vorhin auch auf der Zunge, aber ich kam dennoch nicht drauf (vermutlich weil die mir auch nicht sonderlich behagen). Dass bei den angeblichen Verkaufszahlen geflunkert wird, dass sich die Balken biegen, glaube ich gerne.
      Und natürlich ist Niemen ne ganz andere Baustelle … die waren richtig guut.

      Und natürlich dienen Beiträge meinerseits wie eben über die Roten Gitarre eher dem Amüsements (wobei meine Frau mir regelmäßig attestiert, dass ihr mein Humor zuweilen nicht ganz geheuer ist).

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