Béla Bartók – Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta + Divertimento für Streichorchester (1970)

FrontCover1JPGBéla Bartók ( * 25. März 1881 in Groß-Sankt-Nikolaus/Nagyszentmiklós, Österreich-Ungarn; † 26. September 1945 in New York) war ein ungarischer Komponist, Pianist und Musikethnologe und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne.

Bartók gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, ohne dass er der musikalischen Avantgarde zugerechnet wird, zu der Komponisten wie Charles Ives, Edgar Varèse, Arnold Schönberg, Anton Webern, Alexander Wassiljewitsch Mossolow und Olivier Messiaen gehören. Besonders im Bereich der Kammermusik zählen die Kompositionen Bartóks zu den besten in der Musik des 20. Jahrhunderts. So etwa die Streichquartette, die Violinsonaten oder die Sonate für Violine allein.

Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass Bartók didaktische Werke komponierte, die sich nicht nur für den Instrumentalunterricht, sondern auch für den Konzertsaal oder Tonaufnahmen eignen. Das gilt insbesondere für die Duos für zwei Violinen und Stücke aus dem Mikrokosmos für Klavier. So wurden die Duos für zwei Violinen von Weltklasse-Geigern wie Itzhak Perlman und Pinchas Zukerman im Konzertsaal dargeboten sowie auch im Tonstudio eingespielt. Hier stehen Stücke, die spieltechnisch zu den einfachsten der Violin-Literatur gehören, musikalisch auf annähernd gleicher Höhe wie die spieltechnisch schweren Werke der Konzert-Literatur für Violine.

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Béla Bartók, 1927

Bartóks Klavierstück Allegro barbaro wurde in der Adaption der Musikgruppe Emerson, Lake and Palmer auf deren Debütalbum weiteren Hörerkreisen bekannt.

Einige Jahre nach Bartóks Tod begann die Filmindustrie, sich für seine Werke zu interessieren, und so wurden ab den 1950er Jahren immer wieder einige seiner Stücke für Kino- und TV-Produktionen als Filmmusik verwendet, beispielsweise der 3. Teil der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta in Stanley Kubricks Shining (1980).

Im Jahr 1984 wurde Bartók postum wegen seiner besonderen Bedeutung in der Musik mit dem Grammy Trustees Award ausgezeichnet (Quelle: wikipedia)

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Béla Bartók + Paul Sacher

Und hier hören wir eines seiner Spätwerke, das zugleich auch zu seinen bekannesten Werken gehört: „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ aus dem Jahr 1937):

Béla Bartók schrieb das viersätzige Werk im Auftrag des Basler Kammerorchesters und seines Dirigenten Paul Sacher, dem es auch gewidmet wurde. In einem Brief vom 27. Juni 1936 lesen wir bei Bartók: „Und zwar denke ich an ein Werk für Saiten- und Schlaginstrumente (also außer Streichern noch Klavier, Celesta, Harfe, Xylophon und Schlagzeug); ich nehme an, dass diese Besetzung keinerlei Schwierigkeiten verursacht. Heikler ist schon die Erfüllung des Wunsches, dass das Werk nicht allzu schwierig sein soll. Technische Schwierigkeiten werde ich wohl möglichst vermeiden können; schwieriger ist aber die Vermeidung rhythmischer Schwierigkeiten. Wenn man etwas Neues schreibt, so stellt das bloß wegen der Ungewohntheit bereits Schwierigkeiten an die Ausführenden. Jedenfalls werde ich auch da trachten, je leichter Spielbares zu schreiben. Schließlich schreibe ich ja niemals ausgerechnet mit der Absicht, je schwieriger Ausführbares zusammenzubringen.” Im September des gleichen Jahres setzte Bartók den Schlussstrich unter das Werk. Die Uraufführung fand am 21. Januar 1937 in Basel statt. Der Komponist war zugegen.

Es ist evident, dass die Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta nicht nur ein Hauptwerk innerhalb von Bartóks Œuvre darstellt, sondern sich auch als musikalisches Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts etabliert hat. Es entstand eine regelrechte wissenschaftliche Literatur, welche dieses Werk zum Thema hat. (Ferenc Bónis)

Noten

Auf der Seite zwei hören wir dann noch das „Divertimento für Streichorchester“ aus dem Jahr 1939:

„Nie schrieb er so allgemeinverständlich, nie wusste er die Ergebnisse seines ganzen Lebens so zusammenzufassen, wie damals“, schrieb Musikwissenschaftler Bence Szabolcsi über Béla Bartók und sein Divertimento von 1939.

Das Stück fasziniert Szulc vor allem deshalb, weil es der Komponist in all seiner Komplexität in nur zwei Wochen im August 1939 niedergeschrieben hat.
Divertimento bedeutet hier nicht nur unterhaltsam:

Gerade der zweite Satz in seiner dunkel-düsteren Farbgebung geht weit über das hinaus, was mit dem unterhaltenden Charakter gemeint ist, der an sich den Gattungsbegriff „Divertimento“ ausmacht. Bartók schrieb sein Divertimento im Schweizer Sommerurlaub, wo er angesichts von Nationalsozialismus, Verfolgung und drohendem Krieg hin und hergerissen war, ob er noch in seiner deutsch-freundlichen Heimat Ungarn bleiben, oder nach Übersee auswandern solle. Er entschied sich für Auswanderung.

Es sind die beiden Ecksätze des Divertimento, die im Kontrast zum melancholischen Mittelsatz vor Vitalität sprühen. Jener Vitalität, die Bartok als Volksmusikforscher in den traditionellen Melodien vom Land gefunden hatte und davon als Komponist beeinflusst war, wie zum Beispiel im dritte Satz, in seinem munteren Wechsel zwischen Solo- und Tuttistellen.

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Béla Bartók mit Ehefrau in New York, 1943

„Das ist richtig Bergleute-Musik. So ein Spieler-Mann spielt da auf. Das ist voll von Witz und Spielfreude geprägt. Diese leeren Saiten und Quinten, das macht auf jeden Fall Spaß.“ (Radoslaw Szulc)

Eingespielt wurden die beiden Werke von The Academy Of St. Martin-in-the-Fields (hach, wie ich diesen Namen liebe) unter der Leitung von Neville Marriner ((* 15. April 1924 in Lincoln, England; † 2. Oktober 2016 in London) Und der war wohl einer der bedeutendsten britischen Dirigenten des letzten Jahrhunderts.

Und dann noch diese INoformation. Das Album wurde mit „freundlichen Grüßen“ von dem damaligen Pharmazie-Unternehmen „Parke-Davis“ (Mutterland: USA) überreicht.

Aber dafür kann der Bartok nun wirklich nichts. Seine Musik mag vielleicht etwas sperrig wirken, aber er hat halt nicht für den Massengeschmack komponiert. Für aufmerkame Hörer ein prachtvoller Genuss !

Gedenktafel

Gedenktafel in Wien

Besetzung:
Trevor Connah (violin)
Osian Ellis (harp)
Kenneth Heath (cello)
James Holland (percussion)
Alan Loveday (violin)
Leslie Pearson (celasta)
Eric Pritchard (timpani)
Stephen Shingles (viola)
Roger Smalley (piano)
+
The Academy Of St. Martin-in-the-Fields  unter der Leitung von Neville Marriner

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Titel:

01. Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (31.29):
01.1.Andante Tranquillo
01.2.Allegro
01.3. Adagio
01.4.

02. Divertimento für Streichorchester (24.15.):
02.1. Allegro Non Troppo
02.2. Molto Adagio
02.3. Allegro Assai

Kompositionen: Béla Bartók

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