Biermösl Blosn – Wo samma (1994)

FrontCover1Also, die Geschichte der Biermösl Blosn, ist schon ein ganz besondere Geschichte aus dem Lande der Bajuwaren:

Die Biermösl Blosn war eine bayerische Musik- und Kabarettgruppe, die 1976 von den Brüdern Hans (* 1953), Christoph (* 1959) und Michael Well (* 1958) gegründet wurde. Biermösl ist abgeleitet von Beerenmoos, ein Teil des Haspelmoors im Landkreis Fürstenfeldbruck. Blosn (Blase) ist ein bairischer Begriff für Clique, Gruppe.

Die Gruppe verband bayerische Volksmusik (Stubnmusi) und Mundart mit politischen und satirischen Texten und kann daher zum Bereich der sogenannten Neuen Volksmusik gerechnet werden. Am 18. Januar 2012 gab die Gruppe ihr letztes Konzert in Fürth.

Die drei Mitglieder der Biermösl Blosn entstammen der 17-köpfigen Familie des Schulmeisters Hermann Well (1913–1996) und seiner Frau Gertraud (geborene Effinger, 1919–2015) aus dem Dorf Günzlhofen bei Fürstenfeldbruck.

Christoph Well (genannt Stofferl, * 3. Dezember 1959 in Günzlhofen) studierte Trompete und war Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern und später Konzertharfenist.
Michael Well (* 10. Oktober 1958 in Günzlhofen) hat eine Ausbildung zum Solotubisten und Baritonisten, ebenfalls bei den Münchner Philharmonikern.
Hans Well (* 1. Mai 1953 in Willprechtszell), der Germanistik und Geschichte studierte, ist hauptsächlich für die Texte der Gruppe verantwortlich.

Die legendäre Single „Gott mit dir, du Land der BayWa“ (1979):

Die legendäre Single "Gott mit dir, du Land der BayWa" ()

 

Großes Vorbild der drei Brüder ist der Kraudn Sepp (1896–1977) aus dem Isarwinkel. Sie begannen 1976 mit Volksmusikauftritten, wie sie sie schon zuvor unter Anleitung ihres Vaters absolviert hatten. Sie arbeiteten häufig mit Gerhard Polt zusammen und traten gelegentlich in der ARD-Sendung Scheibenwischer auf. Drei ihrer Schwestern, Moni, Vroni und Burgi, gründeten nach ihrem Vorbild 1986 die bayerische Volksmusik- und Kabarett-Gruppe Die Wellküren. Ein weiteres Musikprojekt aus dem Kreis der Well-Familie war die Formation Well-Buam, die sich die Wiederbelebung der authentischen bayerischen Volks(tanz)musik zur Aufgabe gemacht hat und bei der Christoph und Michael Well mitwirkten.

Die Musik der Biermösl Blosn zeichnet sich u. a. durch die zum Teil ironische Integration anderer Musikstile wie etwa der keltischen Folklore, ungewöhnliche Instrumentierungen wie Dudelsack, Alphorn, Harfe oder Didgeridoo, aber vor allem durch bissige satirisch-politische bzw. gesellschaftskritische Texte aus (beispielsweise bedachten sie Kardinal Josef Ratzinger mit dem Spitznamen Alpen-Ayatollah), die häufig auf traditionellen bayerischen Reim- und Gesangsstilen (Gstanzl) beruhen und im Dialekt vorgetragen werden.

Beleidigung
Sie erlangte bundesweite Bekanntheit, als sie 1981 – „versehentlich“ zum traditionellen Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus eingeladen – die Regierungspartei CSU in Zusammenhang mit der Massenverhaftung von Nürnberg vor den versammelten Ministern und Landtagsabgeordneten scharf kritisierten und so einen politischen Eklat verursachten. 1981 erhielt die Gruppe in Mainz den Förderpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis. In Bayern wurden ihr 1985 und 1996 trotz eindeutiger Nominierungen durch die jeweilige Jury entsprechende Auszeichnungen verweigert.

Die 17 köpfige Well-Familie

Mit den Mitgliedern der Band Die Toten Hosen sind die Well-Brüder seit der gemeinsamen Teilnahme am Anti-WAAhnsinns-Festival freundschaftlich verbunden. 1990 wirkten sie zusammen mit Gerhard Polt an dem Erfolgsalbum Auf dem Kreuzzug ins Glück der Toten Hosen mit. 1997 folgte der Sonderpreis Reif & Bekloppt des Prix Pantheon, 1999 der Bayerische Kabarettpreis in der Kategorie Musik-Kabarett.

Die Biermösl Blosn mit Campino von den Toten Hosen:

Die Biermösl Blosn mit Campino von den Toten Hosen

Auch der Bayerische Rundfunk beantwortete das politische Engagement der Musiker – etwa gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf – mit einem zeitweiligen Sendeboykott. In der Zwischenzeit hat sich jedoch das politische Klima im Bayerischen Rundfunk etwas gewandelt, und so widmete der Sender 2004 der Gruppe eine eigene 45-minütige TV-Sendung innerhalb der Reihe Alpenrock.

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Im Jahr 2005 wurde der Gruppe beim Tanz- und Folkfest TFF.Rudolstadt der Weltmusik-Preis Ruth verliehen. Zum Abschluss des Jahres 2005 tourten sie mit den Toten Hosen und mit Gerhard Polt durch verschiedene Theater und Opernhäuser und spielten unter der Regie von Hanns Christian Müller das Programm Abvent (sic). 2007 erhielten sie gemeinsam mit Gerhard Polt in München den Großen Karl-Valentin-Preis und 2008 wurden sie mit dem Göttinger Elch ausgezeichnet.

Am 18. Januar 2012 fand der letzte Auftritt statt. Die Gruppe löste sich danach auf. Hans Well nannte als Grund für die Trennung Meinungsverschiedenheiten über die künftige Ausrichtung. Zudem gäbe es Schwierigkeiten, mit Liedern auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen zu reagieren, wie etwa den Atomausstieg und dass die CSU nicht mehr „das, was sie einmal war“, sei. Er denke mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt über gemeinsame Auftritte nach.

Christoph und Michael Well starteten im Februar 2012 in den Münchner Kammerspielen mit dem „Hausmusikabend“ Fein sein, beinander bleibn unter Franz Wittenbrinks Regie, zusammen mit ihren Schwestern, der Gruppe Wellküren, dem Bruder Karl, der Mutter sowie (in einem Kurzauftritt) Gerhard Polt.

Der älteste Bruder Hans tritt zusammen mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas Well als Hans Well & Wellbappn auf.

Hans Well veröffentlichte die Biographie 35 Jahre Biermösl Blosn am 9. April 2013 im Verlag Antje Kunstmann. Eine Biographie der Biermösl Blosn aus Sicht von Christoph und Michael Well unter dem Titel Biermösl Blosn: Tokio – Kapstadt – Hausen erschien ebenfalls im April 2013.

Christoph, Michael und Karl Well treten seit 2013, zum Teil gemeinsam mit Gerhard Polt, unter der Bezeichnung Wellbrüder aus’m Biermoos auf.

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Die Journalistin Annette Ramelsberger bezeichnete 2011 in der Süddeutschen Zeitung das Werk der Biermösl Blosn als „Stachel im Fleisch der Obrigkeit, die anarchische Seele des Volkes“ sowie als musikalische Rückgängigmachung der „Enteignung des Begriffs Heimat durch die CSU Schritt für Schritt, Lied für Lied“. Sie habe „das Zerrbild des Jodel-Bayern ersetzt durch messerscharfen Witz und intelligente Boshaftigkeit“, was ein großes Verdienst dieser Gruppe sei. Da die alten Feindbilder nunmehr „zerbröselt“ seien, wäre es nun „folgerichtig, dass sich die Biermösl Blosn trennt“, da sie „gewonnen“ hätte. Sie habe „gegen Wackersdorf gespielt, gegen die Unverantwortlichen bei der Bayerischen Landesbank und gegen die Verantwortlichen in der Regierung“ und war „jahrelang wirksamste Opposition“. Sie habe „mitgeholfen, das Land zu verändern.“ Nun sei sie nicht mehr in Bayern „kratziger Außenseiter, sondern gehätscheltes Kulturgut“ und würde von „allen geliebt“ sowie „kein Aufreger mehr.“ Man könne daher auch sagen „Mission erfüllt.“ (Quelle: wikipedia)

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Hier zum Einstieg in die einmalige Welt der Biermösl Blosn wohl eines ihrer besten Alben:

„Die drei Bayern-Brüder Well alias Biermösl Blosn nehmen wieder mal kein Blatt vor ihre dialekt-geformten Münder: Die 18 G’stanzl ihrer Wirtshaus-Live-Show, in der sogar die Toten Hosen mitraunzen, gerieten zur zünftigderben Abrechnung mit Gott und der Welt. Wo der Bavaria-Poet Haindling im bayerisch-exotischen Dschungel expedidiert, geht die Blosn auf Volksmusik-Kabarett-Safari; schräge Dudelsack- und Blasmusik- Stakkatos spicken sie mit Mund(un)art-Gedichtetem wie „… bin i mit meim Verlanga zum Papst ganga …“. A mords‘ Gaudi für Bayern-Fans. (Quelle: Audio)

„Wo samma“ könnte man nach „Wellcome to Bavaria“ als zweitbestes Album der drei Well-Brüder bezeichnen. Das Titellied ist eine feinsinnige Korruptionshymne („Samma die mehran, samma die schweran, wer ko der ko, nehma damma scho..wer ko der ko, da samma net aso“), die von merkwürdigen afrikanischen Instrumenten begleitet werden, die irgendwie an Klostöpsel erinnern (zu sehen auf der DVD „Tschurangrati“). Daneben gibt es mindestens vier weitere Lieder der obersten Kategorie.

„Milbertshofner Hausmusik“ erzählt von Abgründen zwischen Stubenmusi und Frauenmisshandlung, „Asylantenschwemme“ treibt bayrische Fremdenangst auf die Spitze und „Kenia ken i aa“ besingt die Nöte von Sextouristen in Afrika. „Drehleier unplugged“ ist irisch Folk auf bajuwarisch und „Da boarisch Hiasl“ eine wunderbare Neuinterpretation des alten Räubererliedes in Kooperation mit den Toten Hosen. Dazwischen gibt es auch ein paar mittelprächtige Stücke, aber insgesamt ein essentielles Werk der drei aufmüpfigen Prachtbayern.(Wirtshausberater)

Und mit dem Lied „Asylantenschwemme“ sind sie erneut höchst aktuell und ansonsten kriegen insbesondere der katholische Klerus, die Bayerische Staatsregierung sowie der schwarze Sumpf in bayerischen Landen und Kommunen bekommen ihr Fett weg, und das nicht zu knapp ! Und das ist gut so !

Die Texte stammen alle aus der Feder von Hans Well, die Musik hat dann der geniale Christoph „Stofferl“ Well beigesteuert.

Booklet04ABesetzung:

Besetzung

Man sieht richtig: Auch die Toten Hosen hatten ihren Anteil an diesem Album

Titel:
01. Seid’s alle do (Traditional/H.Well) 3.05
02. Schrei aus Holz (C.Well) 2.57
03. ’s Diandl liabn (Traditional/H.Well) 2.46
04. Hey, Madonna (C.Well/H.Well) 4.01
05. Schimmeltod (C.Well/H.Well) 3.52
06. Da Mozart (L. Mozart) 3.18
07. Milbertshofener Hausmusik (C.Well/H.Well) 2.52
08. Asylantenschwemme (C.Well/H.Well) 3.04
09. Drehleier unplugged (Traditional) 3.09
10. Pfaffenhausen (Traditional(H.Well) 3.24
11. Kenia ken i aa (C.Well/H.Well) 3.05
12. Da Händl (Händel) 3.06
13. Da boarisch Hiasl (als Gäste die Toten Hosen) (Traditional/H.Well) 4.24
14. Kinderparty (C.Well/H.Well) 2.43
15. Tschurangrati Landler (C.Well)  2.47
16. Der Holzweg (Traditional/G.Well) 3.29
17. Wie reimt sich das zusamm‘ (Traditional/H.Well) 3.34
18. Wo samma (C.Well/H.Well) 3.36

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