Spider Murphy Gang – Rock ´n´ Roll Schuah (1980)

FrontCover1Jetzt endlich komme ich mal dazu, meine Leib-und Magen Band, die Spider Murphy Gang entsprechend zu würdigen. Als Münchner Kindl habe ichsie  schon erlebt, als sie noch völlig unbekannt in kleinen Clubs spielten und so sind sie mir ans Herz gewachsen und ja, so etliche ihrer Texte haben auch viel mit mir zu tun und so begleiten mich die Spiders seit nunmehr als 40 Jahren … das nenn´ich dann auch ne Form von Liebe.

Aber jetzt erstmal der Reihe nach:

Die Spider Murphy Gang ist eine Band aus München, deren größter Hit 1981 im Zuge der Neuen Deutschen Welle der Titel Skandal im Sperrbezirk war.

Die Band ist jedoch keine typische NDW-Band, sondern prägte überwiegend durch Rock-’n’-Roll-Musik mit Texten in bayerischer Mundart eine eigenständige Stilrichtung und tritt bis heute als Live-Band auf.

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Vermutlich das erste Band-Foto mit Günther Sigl

Der gelernte Bankkaufmann Günther Sigl (* 8. Februar 1947) kündigte 1971 seine Anstellung, um fortan als Musiker seinen Unterhalt zu verdienen. 1977 gründete Sigl zusammen mit dem gelernten Fernmeldehandwerker Barny Murphy (bürgerlich: Gerhard Gmell, * 2. März 1954), dem Physikstudenten Michael Busse (* 26. Dezember 1956) und dem Schlagzeuger Franz Trojan (* 22. Januar 1957) die Spider Murphy Gang, die nach dem fiktiven Gangster Spider Murphy aus Elvis Presleys Lied Jailhouse Rock benannt wurde („…Spider Murphy played the tenor saxophone, Little Joe was blowin‘ on the slide trombone. The drummer boy from Illinois went crash, boom, bang, the whole rhythm section was the Purple Gang…“).

Zunächst spielte die Band bekannte Rock-’n’-Roll-Stücke mit englischen Texten nach. Nach einigen erfolgreichen Auftritten wie beispielsweise in dem Schwabinger Musikclub Memoland wurde der Radiomoderator Georg Kostya vom Bayerischen Rundfunk auf die Gruppe aufmerksam. Dieser engagierte die Spider Murphy Gang für die von ihm moderierte Sendung Rockhaus, für die die Band auch die Titelmusik einspielte. Schnell wurden sie zur „Hausband“ des Bayerischen Rundfunks und hatten dadurch nun die Möglichkeit, sich zunächst als Coverband und später mit eigenen Liedern regelmäßig vor einem größeren Publikum zu präsentieren.

Moderator Kostya empfahl mehrfach, die bis dato vorherrschenden englischen Texte durch bairische zu ersetzen, so dass die Bandmitglieder unter Federführung von Sigl schließlich mehrere Lieder in dieser Stilrichtung komponierten. Die Lieder waren ihren

Georg Kostya

Georg Kostya

englischen Vorbildern allerdings nicht einfach nachempfunden, sondern hatten jedes für sich eine musikalische Originalität und somit einen großen Wiedererkennungswert.

In dieser Zeit sind auch viele Stücke aus ihrer kommerziell erfolgreichsten Zeit entstanden. So kommentierte die Band später: „Die Stücke waren schon alle vor dem Erfolg fertig – wir wussten, dass es Hits waren.“

1980 erschien die erste „eigene“ LP Rock ’n’ Roll Schuah. Mit volksnahen, häufig auch regionalen Themen in den Texten, die oft von notorischen Pechvögeln und Verlierern handelten, gelang der Gruppe schnell der Durchbruch im Münchner Raum.

Bereits ein Jahr später wurden sie mit ihrem Hit Skandal im Sperrbezirk im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. Das Lied, das den ersten Platz der deutschen Charts erreichte, ist auf ihrer zweiten LP Dolce Vita enthalten. Es folgten weitere erfolgreiche Singles wie Schickeria, Wo bist Du? und Ich schau dich an (Peep, Peep), ihre dritte LP Tutti Frutti sowie eine mehrwöchige Tour durch ganz Deutschland. Dadurch wurde 1982 schließlich das – auch kommerziell – erfolgreichste Jahr für die Spider Murphy Gang.

Bravo (1981)

Bravo, 1981

Die Spider Murphy Gang gab es in einer Japan-Ausgabe, der „Skandal-Hit“ wurde in einer spanischen Cover-Version veröffentlicht und die Single Peep, Peep wurde auf einem Sampler in Brasilien veröffentlicht, von dem über 400.000 Stück verkauft wurden.

1983 ging die Spider Murphy Gang als erste westdeutsche Band auf eine Tournee in die DDR. In Erinnerung an diese außergewöhnliche Tour veröffentlichte die Band das Lied Mädchen drüben, das vom damaligen Schlagzeuger der Band Franz Trojan gesungen wurde. Im gleichen Jahr wurde außerdem der Spielfilm Die Spider Murphy Gang gedreht, der in humorvoller Art ein Stück der bis dahin erlebten Bandgeschichte widerspiegelt.

Zu dieser Zeit hatte sich die Spider Murphy Gang den Ruf einer exzellenten Liveband erspielt und spielte auch auf verschiedenen Rockevents mit Konzerten vor mehr als 100.000 Zuschauern.

Parallel mit dem Abschwung der Neuen Deutschen Welle wurde es zunächst auch um die Spider Murphy Gang deutlich ruhiger. Zwar schrieben sie weiter neue Lieder und gingen auch noch mehrfach auf Tournee, doch bei den Platten- und CD-Verkäufen konnte man nicht mehr an ihre früheren großen Erfolge anknüpfen. Schließlich verließen Busse (1986/87) und Trojan (1992) die Band und mussten durch neue Musiker ersetzt werden.

PosterAnlässlich ihres 25-jährigen Band-Jubiläums im Herbst 2002 spielte die Spider Murphy Gang fünf Abende hintereinander im ausverkauften Circus Krone-Bau. Am 15. April 2004 spielte sie als erste Band im Maximilianeum. In den letzten Jahren gab die Spider Murphy Gang zahlreiche Konzerte und Unplugged-Konzerte wie z. B. im Münchner Prinzregententheater, trat bei großen Festen auf und war in einigen Fernsehsendungen zu sehen, die vor allem die Achtziger Jahre und die Neue Deutsche Welle zum Thema hatten. Im Jahr 2005 traten sie in Willy Astors Jubiläumsshow 20 Jahre Willy Astor auf. Ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feierte die Band 2007, wieder gemeinsam mit prominenten Musiker-Freunden im mehrfach ausverkauften Circus Krone-Bau. Dieses Konzert wurde vom Bayerischen Fernsehen aufgezeichnet und 2008 als DVD veröffentlicht.

Im November 2007 wurde die Spider Murphy Gang erstmals neben anderen großen bekannten Namen wie den Beatles oder den Rolling Stones auf der Webseite von Chuck Berry offiziell als „Covered Berry“ benannt und als Vertreter von Chuck Berrys Art des Rock ’n’ Roll gewürdigt. Neben den Scorpions sind die Spider Murphys damit die einzigen dort gelisteten deutschen Interpreten.

Seit dem Beginn der Bundesliga-Saison 2010/2011 wird das Lied S Leben is wia Traum (1984) beim FC Bayern München als Torhymne verwendet.

Die Band spielt bis heute rund 80 bis 100 Konzerte pro Jahr im gesamten deutschsprachigen Raum. Ihr 35-jähriges Bestehen feierte die Spider Murphy Gang mit einem Konzert vor ca. 38.000 Fans im Münchener Olympiastadion, die Musiker erhielten dabei aus den Händen von Oberbürgermeister Christian Ude die Auszeichnung München leuchtet.

Am 9. November 2012 erschien eine DVD eines Live-Auftritts der Band am 10. November 1984 in der Zeche in Bochum (WDR Rockpalast). Seinerzeit war die Band auf dem Höhepunkt ihres Erfolges und spielte eine Setliste mit Titeln aus ihren ersten vier Erfolgsalben.

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Den musikalischen Schwerpunkt der Spider Murphy Gang bildet bis heute der klassische Rock ’n’ Roll, insbesondere geprägt durch Gmells deutlich von Chuck Berry inspiriertes Gitarrenspiel. Neben diesen Einflüssen gewannen im Laufe ihrer Geschichte aber auch die Tanzmusik der 1950er- und 1960er-Jahre sowie einzelne volksmusikalische Elemente an Bedeutung.

Ein charakteristisches, immer wiederkehrendes Element bei den Texten bildet vor allem die humorvoll-kritische Auseinandersetzung mit den Themen Erotik und Sex und deren kommerzieller Präsenz in der heutigen Gesellschaft.

Außerdem hat die Spider Murphy Gang immer wieder auch regionale Skandale in ihren Liedern thematisiert, wie beispielsweise in Schickeria oder A nackerte Prinzessin.

Mit dem Lied Freizeit 81 vom Album Tutti Frutti griff die Band auch die damaligen politischen Ereignisse im Zusammenhang mit der Jugend- und Punkbewegung in München auf.

Auch wenn die Spider Murphy Gang häufig in Verbindung mit der Neuen Deutschen Welle genannt wird und ihre größte Popularität in deren Zeit erlangte, ist sie im engeren Sinne keine Band der NDW, sondern eine publikumsnahe Rock-’n’-Roll-Band.

Ihre frühen Titel wurden lediglich zeitgleich mit dem Einsetzen der NDW auf den Markt gebracht und zu dieser Zeit auch oft im Radio gespielt.(Quelle: wikipedia)

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Hier also ihre deutsches Debütalbum (demnächst werd ich mal ihr eigentliches Debütalbum – noch in englisch und in einer Auflage von 3.000 Stück veröffentlicht präsentieren).

Der Titelsong ist sowas von programmatisch und der romantische Liebessong „Rock’n’Roll Rendezvous“ hat es mir schon damals angetan:

Sie hoast Uschi, hat’s gsagt,
und mi ungeniert gfragt,
ob I mit zu ihr geh,
und I hab gsagt, I hab an Frust,
und überhaupt koa Lust,
und dass I ned auf sie steh!

Sie hat gsagt, sie macht Spaghetti,
und ausserdem hätt I
doch sowieso nix bessers vor,
ja und lauter guade Sachn,
dat’s extra für mi machn,
flüstert’s mia ins Ohr.

Sie hot jede Menge guade
oide Rock’n’Roll Scheim,
und de legt’s für mi auf,
Buddy Holly, Gene Vincent,
und I sag, da steh I drauf.

Ja und damit hats mi gfanga,
und I bin schlieslich mit ihr ganga
mitt’n in der Nacht,
doch auf’n Schlag war I nüchtern,
und auf amoi schüchtern,
doch sie hat nur glacht.
Schubidubiduwahwahuhwahuh Rock’n’Roll Rendezvous
Schubidubiduwahwahuhwahuh Rock’n’Roll Rendezvous

Ja und plötzlich um dreiviertel Drei in da Friah,
steht da Nachbar vor da Tiar,
und jammert und schimpft, was des für a Krach war,
jede Nacht bei ihr,
und er hat gsagt, er hat etz gnua,
und will endlich sei Ruah,
mitt’n in der Nacht,
doch sie hat’s ganz unschuldig ogschaut und glacht,
und eahm Tür vor da Nasn zuagmacht!

„Der Champion von Obergiesing“ ist eine komödiantische Auseindersetzung mit jenen Macho-Typen die damals nicht nur Obergiesing bevölkerten.

„Autostopp“ war/ist ein Kracher und wurde live zelebriert, bis die Schwarte krachte.

„Rosmarie“ war der erste und einzige Titel von Michael Busse … mit einem großartigem Solo von Barny Murphy.

„Achterbahn“ ist eine schelmische Abrechnung mit dem Oktoberfest (kommt auch mal wieder – im nächsten Jahr !)

„Elvis von Schwabing“ ist eine sentimental-wehmütige Erinnerung an alle jene Vorstadt-Sänger, die sich als Möchtegern-Elvis kurzfristig einen Namen machen konnte, damals, als der Rock n Roll nach Deutschland kam.

„BMW“ … natürlich eine passende münchnerische Hymne auf BMW Maschinen, ziemlich dynamisch … die dann gar nicht so triumphal endet.

„Zeitmaschin’“, ein weiterer Ohrwurm … wer möchte sie nicht mal achten … so ne Zeitreise … feines Piano-Solo.

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Und als letzes dann ein weiterer Knaller: „Nix ois wiar an Blues“. Warum es dieser Hammer-Song nicht in das Standard-Repertoire der Spiders nicht geschafft hat, ist mir ein völliges Rätsel: Viel griffiger, knackiger und wuchtiger kann Rockmusik nicht klingen !

Und wieder gäbe es noch vieles zu berichten … von jener legendären DDR-Tournee (da hab ich noch irgendwo einen fantastischen Radiomitschnitt rumliegen), vom Ausstieg des Michael Busse´s und vom katastrophalen Absturz des Drummers Franz Trojan … aber davon wird dann ganz sicher zu einem späteren Zeitpunkt berichtet.

Viel rare geht´s nicht ...

Viel rarer geht´s nicht mehr …

Besetzung:
Michael Busse (keyboards, vocals bei 05.)
Barny Murphy (guitar, background vocals)
Günther Sigl (bass, vocals)
Franz Trojan (drums)
+
Willy Ray Ingram (saxophone bei 06.)

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Titel:

01. Rock’n’Roll Schuah (Sigl) 2.53
02. Rock’n’Roll Rendezvous (Sigl) 4.03
03. Der Champion von Obergiesing (Sigl) 3.21
04. Autostop (Berry/Sigl) 4.36
05. Rosmarie (Sigl/Busse) 3.47
06. Achterbahn (Smith/Singl) 2.53
07. Elvis von Schwabing (Sigl) 3.25
08. BMW (Sigl) 3.29
09. Zeitmaschin‘ (Sigl) 4.17
10. Nix ois wiar an Blues (Sigl) 3.28

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Single

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