Verschiedene Interpreten – Ich will NDW (1998)

FrontCover1.jpgBisher wurde diese „Neue Deutsche Welle“ hier in diesem blog mehr als stiefmütterlich behandelt …

Die Neue Deutsche Welle (NDW) ist die Bezeichnung für die deutschsprachige Variante des Punk und New Wave, die ab 1976 aufkam und Anfang der 1980er Jahre ihren kommerziellen Höhepunkt erfuhr.

Die NDW stellte keinen einheitlichen Musikstil dar, sondern zeigte sich sehr mannigfaltig. Es lassen sich für viele der Künstler Attribute finden, die sie von der Masse anderer Künstler unterscheiden würden. Kennzeichnend waren jedoch vor allem die deutsche Sprache, die relative Kurzlebigkeit und die häufige Rohheit und Kühle. Letzteres war der Grund, weshalb sich manche Bands gegen den Trend dieser Zeit davon distanzierten, jede deutschsprachige Popmusik der NDW zuzuordnen, wie z. B. Spliff.[1] Aber auch ein Minimalismus der Darbietungen ist oft Stilmittel gewesen. Viele der Künstler waren nur damals musikalisch aktiv oder erfolgreich, einige hatten um 2000 ein Comeback.

Eine frühe Erwähnung des Begriffes Neue Welle findet sich im 1977 erschienenen Fanzine Die 80er Jahre des Joseph-Beuys-Schülers Jürgen Kramer. Der Begriff Neue Deutsche Welle tauchte erstmals in einer Anzeige des Berliner Plattenversands Der Zensor (Burkhardt Seiler) im Hamburger Musikmagazin Sounds im August 1979 auf. In der Anzeige wurde er zur Kategorisierung des ersten Albums der Deutsch Amerikanischen Freundschaft benutzt. Zwei Monate später wurde der Begriff, der natürlich den Terminus New Wave aufgriff, von dem damaligen Musikjournalisten und späteren Labelbetreiber Alfred Hilsberg für den Titel einer dreiteiligen Artikelserie in Sounds verwendet („Neue Deutsche Welle – Aus grauer Städte Mauern“).

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Im ersten halben Jahrzehnt bis etwa 1981 war die Neue Deutsche Welle, obwohl sie damals noch nicht so hieß, eine Untergrundbewegung, deren Ursprünge auf die britischen Punk- und New-Wave-Musik zurückgehen. Sehr schnell entstand aus diesen Anfängen eine originäre Formensprache, die stark geprägt war von der (im Vergleich zum Englischen) eckigeren und kantigeren Rhythmik der deutschen Sprache, für die sich ein großer Teil der Bands bereits früh entschieden hatte. Zu den Vertretern dieser Phase zählen Mittagspause, Abwärts, The Wirtschaftswunder, Der Plan oder DAF. Soundspezifisch bildeten Synthesizer, die in jenen Jahren zu erschwinglichen Preisen auf den Markt kamen, die klangliche Basis für viele Werke, etwa elektronische Instrumente wie die Korg-Modelle MS-10 und MS-20.

Die NDW dieser Jahre hatte im Wesentlichen drei Hauptstädte, nämlich West-Berlin, Düsseldorf (Labels Rondo, Schallmauer-Records und Ata Tak) und Hamburg (ZickZack Records). Kleinere Nebenzentren waren unter anderem Limburg, der Raum Rhein-Main (Mainz, Wiesbaden, Frankfurt) und Hannover (No Fun Records).

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Ein wichtiger Bestandteil der NDW in dieser Zeit war ihre Verbindung zur bildenden Kunst. Wichtige Veranstaltungsorte wie der Ratinger Hof oder zeitweise das SO36 wurden von Künstlern geführt, Künstler wie Jürgen Kramer mit seinen Bands Das Weltende und Das Zwanzigste Jahrhundert sowie seinem Fanzine Die 80er Jahre bzw. der Berliner Salomé (Geile Tiere), Martin Kippenberger, Moritz R® (Der Plan), Walter Dahn oder Die Tödliche Doris machten diese Verbindung deutlich.

Bei den großen Plattenfirmen galt die NDW zunächst als unkommerziell und deshalb als schwer zu vermarkten. Auch bei den Bands gab es, wie auch beim Publikum, Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit der Industrie. Dies änderte sich allerdings, als erste Vermarktungskampagnen mit Gruppen wie Fehlfarben, Extrabreit, Ideal oder DAF auf überraschend viel Resonanz stießen. Als die NDW immer erfolgreicher wurde, vermarktete man unter diesem Etikett auch deutschsprachig singende Interpreten – darunter auch aus Österreich und der Schweiz –, die mit der NDW eigentlich nichts gemein hatten, oder schuf einschlägige Retortenbands. Das Genre wurde schließlich zunehmend von Interpreten beherrscht, die in modernisierter, teils auch ironischer Form Elemente des Schlagers verwendeten. Dazu gehörten etwa Hubert Kah, Markus, UKW und Combo Colossale.

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Einige Interpreten kamen zu beachtlichen internationalen Erfolgen. Nena (99 Luftballons), Trio (Da da da), Falco (Der Kommissar) und Peter Schilling (Major Tom) konnten selbst im englischsprachigen Raum Hits platzieren, wobei sich hier meist eigens produzierte englische Versionen durchsetzten.

Die Kommerzialisierung durch die Musikindustrie führte bei den Urhebern der Bewegung, den Untergrund-Bands, zu Frustration, und die NDW-Bewegung löste sich schnell wieder auf. Aber auch die kommerzielle Variante der NDW büßte rasch an Bedeutung ein. Durch die inflationäre Veröffentlichungspolitik der Plattenfirmen und die massive Medienpräsenz des Genres war das Publikum bald übersättigt. Viele Musiker beendeten ihre Karrieren und nur wenige Projekte überlebten. So ging die NDW in den Jahren 1983–1984 zu Ende. (Quelle: wikipedia)

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Ichhabe die NDW erst so richig mitbekommen, als sie ein gigantischer kommerzieller Erfolg wurde … und damals wie heute stehe ich einigermaßen ratlos vor dieser Musik.

Okay, ein paar Ohrenwürmer gab´s, ansonsten sehe ich diesen musikalischen Trend eher als einen Trend der zur Verflachung musikalischer Ansprüche führte … und auch textlich konnte hier von einer „rebellischen Jugendmusik“ ganz sicher keine Rede sein. (Denn UKW Titel „Ich will“ nehm ich da mal aus) … Die Banalität wurde zum Thema …

Und hier eine Zusammenstellung aus dem Jahr 1998 und man kann es gerne auch im Hinblick auf die von mir angesprochene Banalität betrachten und untersuchen.

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Und die ganze Zerrissenheit des Begriffes „NDW“ zeigt sich dann bei Interpreten wie Geier Sturzflug, die Spider Murphy Gang und erst recht die Ina Deter … die wurden halt in diesen Sack gesteckt … kommerziell hat es ihnen ganz sicher nicht geschadet … aber wirklich reingehört haben sie in diesen Sack natürlich nicht.

Interessant aber auch … all die graphischen Ideen zu den einzelnen Singles … vielfältig und schrill … diese Beschreibung passt ja auch vielleicht zur Musik.

Und bei dem Hubert Kah Song „Einmal nur mit Erika'“ musste ich schmunzeln, aber das ist ne andere Geschichte.

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Titel:
01. Andreas Dorau & Die Marinas: Fred vom Jupiter (Dorau/Maurischat) 2.44
02. Markus: Kleine Taschenlampe brenn (Klopprogge/Taylor/Kind) 3.32
03. Ixi: Der Knutschfleck (Kautsky/Balthasar/Tiedemann) 4.03
04. Geier Sturzflug: Bruttosozialprodukt (Baierle/Geratsch) 3.02
05. UKW: Ich will (Hubert) 3.27
06. Extrabreit: Polizisten (Wiegand) 5.10
07. Frl. Menke:  Hohe Berge (Menke/Gutowski) 2.51
08. Spider Murphy Gang: Skandal im Sperrbezirk (Sigl) 3.37
09. Ina Deter: Neue Männer braucht das Land (Deter) 3.48
10. Trio: Anna (Remmler/Kralle) 4.42
11. Fehlfarben: Ein Jahr (Es geht voran) (Hein/Schwebel/Kemner/Fenstermacher/Bauer/Nicolaidis) 2.52
12. Hubert Kah: Einmal nur mit Erika (Kemmler/Zundel) 3.12
13. Snäp: Sommer, Sonne, Sand und Meer (Fischer/Gusovius/Büttgen/Heckmann/Markert) 3.11
14. Konec: Tanze (Morawietz) 3.32

 

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13 Gedanken zu “Verschiedene Interpreten – Ich will NDW (1998)

  1. Vielleicht hat es tatsächlich mit dem nationalen Umfeld zu tun: Österreich ist im Vergleich zu Deutschland bis heute an sich ein popmusikalisches Entwicklungsland und die ersten beiden Falco-Alben waren musikalisch und vor allem produktionstechnisch eine Revolution. Da höre ich schon mit anderen Ohren, weil ich bei österreichischer Musik generell weniger gewohnt bin. Das ist aber jetzt schon fast OT.

  2. Ja, Nina Hagen wäre wahrscheinlich auch einen Eintrag hier wert. Zwar ist über sie schon mindestens dreimal alles gesagt worden, ihr Beitrag zur Frauenbewegung und ihre musikalischen Leistungen (auch über Deutschland hinaus) auf den ersten drei Alben können ihr dennoch bis heute nicht abgesprochen werden, würde ich sagen.

    • Das letzte Album von „Ideal“ („Bi Nuu“, welches erst seit einigen Jahren auf CD erhältlich ist) zählt nach wie vor zu meinen Lieblings-Alben dieser Musikrichtung. Dieses hat mit „Hubert Kah“ oder „Markus“ so gar nichts gemein……

  3. Was anderes als hochklassig erwartet man ja auch nicht von Bear Family. Da werde ich direkt neugierig…Das Extrabreit-Album, auf dem Polizisten enthalten ist (Welch ein Land -Was für Männer), ist im übrigen auch nicht uninteressant, mitunter sogar etwas düster.

  4. Jaja drescht nur ein auf meine NDW, macht ruhig weiter, issn freies Land….
    Ich weiß doch was ich gut fand 81-83 – da war soviel los. MEINE ZEIT. Die besten Jahre sozusagen Und die NDW war der Soundtrack: Frech, provokant, lustig, depressiv-wütend… die MIschung muss halt stimmen. Und wenn man einen x-beliebigen CD-Sampler zur Hand nimmt, dann sind die alle Scheiße. Weil die Kompilatoren keine Ahnung und/oder keine Lust haben, sich damit zu befassen. Der NDW (West) geht es wie dem DDR-Ostrock, der scheinbar immer von Wessis kompiliert wird: Auch alle Sampler Schrott.

    Für die NDW kenn ich eine positive Ausnahme in Sachen Erbe-Verwaltung: Bear Family Records 4 DoCDs „Aus grauer Städte Mauern“ davon Teil 1,2 und 4 lohnen, die Bärenfamilie hat eine stimmige Mischung aus Hits, genialen Diletanten und Kult zusammengemixt. Wenn auch leider ein paar Nugetts fehlen.

  5. Vielleicht nicht jedem geläufig: Auf der Erstauflage des ersten Trio-Albums war der Hit noch gar nicht drauf (auf meiner Nachpressung weißt ein Sticker darauf hin). Wer sich das Album nur deswegen gekauft hat, dürfte vielleicht leicht überrascht worden sein. Und Spliff waren ihrer Zeit meinen Ohren nach voraus, vor allem das erste Album hat Liebhaberwert. Ebenso interessant sind die beiden ersten Falco-Alben, die am Gebrauchtmarkt in meinem Umfeld jahrelang so etwas wie Sammlerstücke waren….

    • Das muss so ein pures Österreichding sein: Die „Einzelhaft“ ist ganz erträglich, wegen „Einzelhaft“ und „Kommisar“, aber mit der „Junge Römer“ Pladde hab ich mich zu Ostzeiten im Intershop dermaßen bekauft: Die brannte richtig im Regal, bis sie wieder weg war: So einen Schrott machen doch sonst nur Modern Talking!

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