Connie Francis – Melodien die die Welt erobern (1966)

frontcover1Freiweg von der Leber: In den 60er Jahren war als 10jähriger Steppke von diversen Schlagersängerinnen hellauf begeistert, ich schmachtete sie geradezu an … dazu zählte dann auch die Connie Francis. Und so ging der Connie Francis Hype in Deutschland los:

In den USA war sie schon ein Star, in Deutschland sollte sie es werden: Connie Francis flog ein, nahm „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ in deutscher Sprache auf und flog wieder ab. Und hinterließ der Plattenfirma ein großes Problem, dass nur dank einer Schere gelöst werden konnte.

Während sich Connie Francis in den USA innerhalb kurzer Zeit zum Superstar entwickelte, verliefen in Deutschland die Verkäufe ihrer Schallplatten etwas schleppend. Man wusste mit der englischen Sprache noch nicht viel anzufangen, daher war die Nachfrage nach ausländischen Produktionen eher mäßig. Auch im Rundfunk – abgesehen von Radio Luxemburg – wurde kaum fremdsprachige Musik gesendet. Doch der Plattenproduzent Gerhard Mendelson erkannte mit seinem Gespür für Trends und Talente das Potential der jungen Sängerin, holte sie über den großen Teich und ließ sie auf deutsch singen.

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Das Repertoire der MGM wurde in Deutschland unter dem Dach der Polydor veröffentlicht. Die Original-Single von 1960 mit der „gekürzten“ Fassung – Connie Francis wurde von einem Orchester unter der Leitung von Joe Sherman begleitet.

Aufhänger für ihren Besuch war die erste Fernsehshow, die Peter Kraus selbst produzierte: „Herzlichst, Ihr Peter Kraus – Ein musikalisches Autogramm“. Im Mai 1960 wurde die Sendung mit Connie Francis als Stargast aufgezeichnet – ein eindrucksvoller Auftritt, wie in der „Bravo“ stand: „Es war nur ein Trick. Aber was für einer: da standen am oberen Ende einer schlichten Treppe mehrere hohe Spiegel. In den Spiegeln erschien die Gestalt der singenden Connie Francis. Zweifach, dreifach…. Sie sang über Playback „My Happiness“ mehrstimmig und bewegte sich so zwischen den Spiegeln, dass es dem Zuschauer nicht möglich war, zu erraten, was Spiegelbild und was die wirkliche Connie war“.

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Peter Kraus mit Connie Francis

Bei dieser Gelegenheit entstand auch Connie Francis’ deutschsprachiges Plattendebüt. Ihr Hit „Everybody’s somebody’s fool“ wurde mit einem deutschen Text versehen. Ralph Maria Siegel, der Vater von Ralph Siegel, dichtete „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Gerhard Mendelson ließ Connie Francis im Plattenstudio den deutschen Text auf das bestehende Playback singen. Dass sie der deutschen Sprache nicht mächtig war und ihr die Aussprache des Textes Schwierigkeiten bereitete, fiel zunächst nicht ins Gewicht. Schließlich waren deutsch singende Ausländer en vogue und und ein Akzent hatte ja auch einen gewissen Charme.

Als Mendelson das fertige Band abhörte, schlug die anfängliche Begeisterung jedoch um und er wollte den Titel nicht mehr veröffentlichen. Der Grund war Francis’ deutsche Aussprache, die größtenteils unverständlich war. Was läge in solch einem Fall näher, als die Aufnahme einfach zu wiederholen? Dies war allerdings unmöglich, da bestehender Termindruck dafür sorgte, dass Connie Francis unmittelbar nach dem Einsingen bereits wieder im Flieger saß. Ein Rückruf der Künstlerin wäre viel zu teuer geworden, so dass ein Aufnahmeband zurückblieb, welches nicht verwendbar war.

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Der Anfang: Ihre frühen Singles

 

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ wäre somit in den Archiven verstaubt, hätte das Band nicht ebenfalls eine Reise angetreten. Ziel war der Sitz der Polydor in Hamburg, wo sich der Produzent Bobby Schmidt der Sache annehmen sollte, um zu retten, was zu retten ist. Über seine Aufgabe erzählte er in einem Interview: „Ich hörte mir das Ganze noch ein paar Mal an, ging dann ins Studio, stellte mich selbst vors Mikrofon und synchronisierte Francis nach. Allerdings nur einzelne Laute, vor allem die „s-Laute“, wie „sp“ oder „st“. Dann haben wir diese „s-Spur“ zum Rest gemischt. Es hatte geklappt, man konnte nun dem Text bestens folgen“.

Die erste Strophe des Liedes war allerdings nicht zu restaurieren. Diese fiel rigoros der Schere zum Opfer. Dies erklärt, dass „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ zu den wenigen Titeln gehört, die mit dem Refrain und einem Tonartwechsel beginnen. Dass sich die Mühe gelohnt hatte, belegten die Verkäufe bald nach der Veröffentlichung. Das Stück wurde ein Superhit , belegte im Oktober 1960 für zwei Wochen den 1. Platz und fand sich auch in der Jahresauswertung unter den zehn meistverkauften Singles. (Quelle: swr.de)

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Na ja … und dann ging´s Schlag auf Schlag und dass sie in Deutschland in der ersten Hälfte der 60er Jahre sehr erfolgreich wurde, zeigt auch die Tatsache, dass man ihr dann 1966 einen Sampler  spendierte.

Es handelte sich dabei um eine Zusammenstellung bereits früher erschienenen Titel. Meist wurden dafür die Originalaufnahmen aus den USA genommen und die deutsche Gesangsspur im overdub Verfahren addiert.

Ein Blick auf die Titelliste lohnt sich … da hören wir nicht nur „O mein Papa“ sondern auch „Over The Rainbow“ und selbst die Titelmusik des Filmes „Alexis Sorbas“ gibt es hier als „Zorbas Tanz“.

Und abseits meiner damaligen kindlichen Schwärmereien … ein nettes Stückchen Zeitgeschichte aus dem Bereich des deutschen Schlagers der 60er Jahre.

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Besetzung:
Connie Francis (vocals)
+
diverse US Orchester

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Titel:
01. Wenn du in meinen Träumen bei mir bist (Somewhere Over The Rainbow) (Arlen/Harburg/Verch) 3.52
02. Malagueña (Lecuona) 3.10
03. Deine Liebe (True Love) (Porter/Glando) 3.13
04. Heißer Sand (Feltz/Scharfenberger) 3.02
05. Für immer (Moon River) (Mancini/Mercer/Relin) 2.44
06. Zorbas Tanz (Theodorakis/Bader) 3.23
07. Drei Münzen im Brunnen (Three Coins In The Fountain) (Styne/Cahn/Beckmann) 3.10
08. O Mein Papa (Burkhard) 3.32
09. Sag, weißt du denn was Liebe ist (Love Is A Many Splendored Thing) (Webster/Fain/ Verch) 2.49
10. Blaue Nacht am Hafen (Jealous Heart) (Carson/Wilke) 2.31
11. Vay Con Dios (Pepper/James/Russel/Feltz) 3.18
12. Romantica (Verde/Bonifay/Rascal/Berthier) 3.10
+
13, SWR Radio Portrait (anlässlich ihres 80. Geburtstag am 12.12.2018) 3.45

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