Nur mal so nebenbei: Das macht Hoffnung: Fridays for Future

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Fridays for Future (englisch für Freitage für [die] Zukunft) ist eine globale Schüler- und Studenteninitiative, welche sich für den Klimaschutz einsetzt. Vorbild der Aktion ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit Monaten jeden Freitag die Schule schwänzt (bestreikt) und bei der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 und beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 auftrat.

Die Bewegung organisiert jeden Freitag Schulstreiks, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Das Ziel der Bewegung ist es, die Politiker auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen, damit sie schnelle und konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz einleiten.

Erstmals am 20. August 2018 bestreikte die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die damals die neunte Klasse besuchte, ihre Schule und demonstrierte, indem sie jeden Tag während des Unterrichts vor dem schwedischen Reichstagsgebäude in Stockholm saß und ein Schild mit der Aufschrift Skolstrejk för klimatet (dt. Schulstreik fürs Klima) hielt. Nach den Parlamentswahlen hat sie nur noch am Freitag gestreikt. Für ihren Protest erlangte sie nationale und internationale Aufmerksamkeit, sodass sich in verschiedenen Städten weltweit Gruppen bildeten, die sich der Bewegung anschlossen. In Deutschland wurde das erste Mal im September 2018 in Berlin gestreikt.

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Greta Thunberg, bei ihrer legendären Rede auf der Klimaschutzkonferenz in Katowice 2018

Kritiker, darunter insbesondere im Bereich Bildung tätige Menschen, bemängeln das Abhalten der Streiks während der Schulzeit. Dies sei nicht in Ordnung, da für die Schüler die Schulpflicht gelte. Den Schülern solle mit angemessenen Maßnahmen klargemacht werden, dass ein nicht-krankheitsbedingtes Fernbleiben vom Unterricht auch zu Demonstrationszwecken nicht in Ordnung sei. Bayerns Kultusminister Piazolo beispielsweise überlässt in seinem Bundesland die Konsequenzen für Streikteilnehmer den Schulen, welche z. T. bereits angekündigt haben, mit Verweisen zu reagieren.

In Nordrhein-Westfalen erklärte das Kultusministerium Ende Januar 2019, Schulen könnten selbst bestimmen, ob sie einzelnen Schülern auf Antrag die Teilnahme ermöglichen. In Baden-Württemberg und Bayern gelte die Schulpflicht unverändert weiter und Schüler müssten mit Sanktionen rechnen. Die Bildungssenatorin von Berlin, Sandra Scheeres, erachtet die Schüler-Demonstration in der Hauptstadt als positiv. Zwar gelte die Schulpflicht, die Schulen könnten jedoch im Kontext von Projekten mit dem Thema umgehen. Klimaschutz und globale Erwärmung seien im Rahmenlehrplan Berlin-Brandenburgs enthalten.

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Befürworter und Anhänger der Bewegung rechtfertigen die Schulstreiks damit, dass es unsinnig sei, für eine Zukunft zu lernen, die ohne klimapolitische Veränderungen ohnehin nicht eintreten würde.

Die Fridays-For-Future-Bewegung nutzte im Januar 2019 in Deutschland eine eigene Webpräsenz, Kanäle in sozialen Medien sowie Plakate und Flugzettel. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen organisieren sich über verschiedene Messenger. Hauptsächlich über, in Regionalgruppen unterteilte, WhatsApp-Gruppenchats. (Quelle: wikipedia)

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Und bei der Demo am 18.01.2019 in Osnabrück hielt Herr Henrik Peitsch als Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) des Kreisverbandes Osnabrück-Stadt folgende Rede:

Liebe Schülerinnen und Schüler,
meine Name ist Henrik Peitsch. Als Mitglied des Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – GEW Osnabrück-Stadt darf euch die Unterstützung des Kreisverbandes übermitteln.

Als ich von euren Protesten hörte musste ich sofort an Stéphane Hessel, einen französischen Diplomaten und politischen Aktivist, denken Er kämpfte für die Résistance gegen die Besetzung durch die Deutschen Faschisten im zweiten Weltkrieg und überlebte das KZ Buchenwald.
Seine beiden dünnen Streitschriften: Empört euch! und Engagiert euch! haben mich fasziniert. Er hat sie mit fast 90 Jahren verfasste.

Nach seiner KZ-Haft wurde Hessel im Jahr 1946 Büroleiter des UN-Vize-Generalsekretärs. Er war an der Formulierung der UN-Menschenrechtscharta als auch am UN-Entwicklungsprogramm beteiligt.

In einem Rückblick meint er hinsichtlich der Menschenrechte:
„Das war für mich eine enorme Genugtuung. Ich sagte mir: Jetzt haben wir einen Wegweiser für die Zukunft der Menschheit, denn wenn diese ‚allgemeine Erklärung‘ wirklich von allen Mitgliedsstaaten ernst genommen wird – einmal –, dann würden wir eine wunderbare, schöne Welt vor uns haben. – Soweit sind wir leider noch nicht.“

…Immer noch nicht!

2010 rief er mit der Streitschrift „Empört Euch“ die Jugend zum gewaltfreien Widerstand gegen soziale Ungerechtigkeit, Menschenrechtsverletzungen, wuchernden Finanzkapitalismus und Umweltzerstörung auf. Er erreichte damit in kurzer Zeit ein Millionen-Publikum.

In seinem zweiten Buch „Engagiert euch“ forderte er: „Viel weniger Ressourcen produzieren, die den Planeten in Gefahr bringen, viel mehr Ressourcen herstellen, die den wahren Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen.“

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Henrik Peitsch

Hessel forderte einen Umbau internationaler Strukturen, am liebsten die Gründung eines Uno-Sicherheitsrates für Wirtschaft und Soziales: Ein Gremium, das echte Autorität über die finanziellen, kommerziellen Drahtzieher hätte; ein Gremium, das bestimmen könnte in den Bereichen Arbeit, Soziales und Gesundheit. „Das System der Vereinten Nationen“, so der ehemalige Uno-Experte, „hätte damit wirklich einen Kopf.“

Dies könnte auch ein konkretes Ziel eures Protestes sein! Denn es geht nicht nur um den Klimawandel und die Folgen des Klimawandels! Es geht um die globale Durchsetzung der Menschenrechte!

1968 konnten uns – den Nachkriegsgeborenen – die Eltern nicht erklären, warum sie in der Zeit von 1933 und 1945 – und auch schon davor – stillgehalten und keinen Widerstand geleistet haben.

Was werden wir, was werdet ihr euren Enkeln sagen, wenn sie euch fragen werden:

– Was habt ihr 2019 vom Klimawandel und der nationalen und globalen ungerechten Verteilung von Einkommen und Vermögen gewusst, von der Missachtung der Menschenrechte?

– Warum habt euch nicht empört und dagegen engagiert?

Wir brauchen keine hysterisch agitierenden Pseudo-Alternativen, deren Grundhaltung nicht nur antidemokratisch sondern auch offen rassistisch und menschenfeindlich ist.
Deshalb ist euer Protest sehr wichtig. Ihr setzt damit ein deutliches Zeichen auch gegen die Populisten.

Wollte man eine Zustandsbeschreibung der politischen Verhältnisse unseres Landes vornehmen, so müsste man feststellen, dass ganz offensichtlich die Herausforderungen des globalen Klimawandels noch nicht auf der Agenda unserer Politiker stehen.
Die bereits bestehenden Bedrohungen für viele Menschen sowie die dramatischen ökonomischen Fehlentwicklungen insbesondere durch den ungehemmt agierenden Finanzkapitalismus und den Wachstumswahn sind Leerstellen.

Auch die Medien tragen hier eine besondere Verantwortung. Allerdings folgt die Logik des Agendasettings vieler Medien eher dem Prinzip der Auflagensteigerung. D.h. Skandalisierung von parteipolitischen Randphänomen und der Hysterisierung von Nebensächlichkeit.

Der Diesel-Betrugsskandal und dessen mediale Aufbereitung und das Handeln der politischen Klasse sind ein beschämendes Beispiel.

Die Autolobby hat die Politik voll im Griff. Die Medien halten sich weitestgehend zurück.

Es ist ein unbeschreiblicher Skandal!

Es genügt nicht, Strohhalme, Plastiktüten und Kaffeebecher zu verbieten und Müll zu trennen und überschüssige Kleidung zu sammeln. Auch der Einkauf im BioLaden reicht nicht. Diese Aktivitäten haben sehr häufig nur Alibifunktion.

Wir brauchen eine Transformation der Gesellschaft,

– es muss Schluss sein mit der Zerstörung unserer Umwelt

– und der ungerechten Verteilung der Folgen des Klimawandels

– die globale Wertschöpfung muss gerecht verteilt werden

– die Über-Nutzung der endlichen Ressourcen auf unseren Planeten muss schleunigst beendet werden

Wir haben nur noch wenig Zeit. Unsere Lebensstile töten Menschen!

Die Transformation erfordert den Einsatz von uns allen. Sie erschöpft sich nicht in der Änderung von Alltagsprakmatiken, die ich eben beispielhaft genannt habe.

Sie erfordert grundsätzliche Veränderungen unserer politischen Haltung und Verantwortung und eine andere Politik!

Ich möchte euch im Namen der GEW nicht nur Mut zur Empörung machen, sondern alle Osnabrückerinnen und Osnabrücker auffordern, sich euch anzuschließen und sich für die Erhaltung unseres Planeten und ein gerechtes Leben für alle Menschen zu engagieren!

Wer, wenn nicht wir, wann, wenn nicht jetzt?

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Bravo ruft da ein Großvater mit drei Enkelkindern !

Und hier die bereits oben erwähnte Rede der Greta Thunberg (mit deutscher Übersetzung, leider von der Bild Zeitung produziert)

 

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Ein Gedanke zu “Nur mal so nebenbei: Das macht Hoffnung: Fridays for Future

  1. Gibt nicht mehr dazu zu sagen, außer die Frage zu stellen: Wie wird Europa auf Klimaflüchtlinge innerhalb (etwa Holland) und außerhalb der EU reagieren? (den Begriff des Klimaflüchtlings gibt es schon) Wen kann man aussperren und wen nicht?

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