Slim Pickins & His Twenty Niners – Charleston (1961)

FrontCover1Natürlich sind „Slim Pickings & His Twenty Niners“ keine deutsche Musikkapelle (ihre Heimat ist die USA). Aber da diese LP 1961 auch in Deutschland veröffentlicht wurde und sie zumal mit einem deutschen Covertext versehen wurde, findet diese Scheibe halt doch ihren Weg in diesen blog.

Und gemäß dem Titel spielen sie Jazz, der dann auf für den Tanz „Charleston“ verwendet werden kann (wenn man denn will). Also beschäftigen wir uns mal mit dem Charleston:

Der Charleston (auch: 20s Charleston) ist ein US-amerikanischer Gesellschaftstanz des 20. Jahrhunderts. Er wurde nach der Hafenstadt Charleston in South Carolina benannt. Die von dem Pianisten und Komponisten James P. Johnson komponierte Jazz-Melodie The Charleston, 1923 erstmals in dem Broadway-Musical Running Wild aufgeführt, verhalf dem Tanz in den USA und in der Welt zu großer Popularität. In Europa wurde er 1925 durch Josephine Baker bekannt.

Obwohl der Tanz ursprünglich von Afroamerikanern entwickelt wurde, konnte er sich in den USA schnell als „weißer“ Gesellschaftstanz etablieren. Er wird eng verbunden mit Flappern und Speakeasy-Lokalen. Dort tanzten Frauen, alleine oder zusammen, um sich über die Alkoholprohibition der USA zu mokieren. Dies führte dazu, dass der Tanz im Allgemeinen als provokativ und unsittlich galt.

Eine Tanzbeschreibung von 1925 führt an:

JamesPJohnson

James P. Johnson, 1921

Der Torso zittert, dazu die Bewegungen der Hüften, Schenkel und Hinterbacken. Auch die Hände sind aktiv, sie berühren alle Teile des Körpers wie in Ekstase. Dazu kommen die abwechselnden X- und O-Beine, damit verbunden die nach außen und innen gedrehten Knie und Füße. Der Tänzer kann seinen Rücken beugen oder gar in Hockstellung gehen.

Der Charleston ist dabei ein extrem schneller Tanz, bei 50–75 Takten pro Minute ist schon etwas Übung geboten. Ein Wiener Walzer hat bis zu 60, was schon schnell ist. Gewöhnliche Tänze bewegen sich bei 30–50 Takten pro Minute. Grundlage für diesen Tanz sind isolierte Bewegungen. Das bedeutet, dass man in der Lage ist, einzelne Körperteile, z. B. Arme und Beine, getrennt voneinander bewegen zu können. Rudern mit den Armen und X/O-Kombinationen mit den Beinen sind typisch für den Charleston. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 konnten sich viele die Abendveranstaltungen nicht mehr leisten, und der Tanz verschwand langsam wieder.

Der Lindy Hop, ein wichtiger Swingtanz der 1930er und 1940er Jahre, hat viele Elemente des Charleston übernommen. Eine geringfügig abgeänderte Tanzform des Charleston wurde in den 30ern und 40ern zu Swing Jazz getanzt. Sie hat viele Namen, am bekanntesten:

Lindy Charleston, Savoy Charleston, 30s oder 40s Charleston und Swing(ing) Charleston. Um diese Begriffe besser zu differenzieren, wird der ursprüngliche Charleston daher oft als 20s Charleston bezeichnet.(Quelle: wikipedia)

CharlestonTänzerinnen

Soweit so gut … und auf der Hülle finden sich dann noch folgende Informationen:

„Charleston … ausgelassen und unbeschwert gibt er sich in unverbrauchter Frische. Diese Musik macht jede Party zu einem vollen Erfolg. Der vergnügliche, schingende beat von Slim Pickens beschwört die Ära der tollen zwanziger Jahre herauf.  … Während aber alle diese Tanzformen der oft so besungenen zwanziger Jahre mehr oder weniger rasch in Vergessenheit gerieten, wurde  der Charleston zum internationalen Modetanz in den Jahren 1924/27. Seinen Namen hat er vom ersten „Charleston“, den James P. Johnson schrieb … Der Charleston erlebt in unseren Tagen sein come-back, sein revival auf der ganzen Linie. Sein typischer Synkopen-Rhythmus erregt die Gemüter heute wie ehedem. Im eckigen Rhythmus fährt der Charleston in die Glieder und löst die typisch-schwingenden Bein- und Körperbewegungen aus. Party time … auf zur tollen Fete mit den heißen Charlestons der Twenty Niners !“

Nur gut, dass man diese Musik auch wunderbar anhören kann, ohne das Tanzbein zu schwingen … als bekennender Tanz-Muffel sitze ich da doch lieber mit wippendem Fuß im Sessel … wobei es dann natürlich auch ein kleiner Genuß sein kann, den tanzenden Damen mit den atemberaubenden Kleider zuzusehen …

P.S. Meine Frau kommt – angelockt durch die Musik – in mein Zimmer und meint „lass uns doch mal tanzen gehen“ … Ich sollte zukünftig solche Musik für diesen blog eher vorbereiten, wenn sie gerade mal nicht da ist *ggg*

US+UKLabels

Labels aus den USA und United Kingdom

Besetzung:
Slim Pickins & His Twenty Niners

BackCover1

Titel:
01. Charleston (Mack/Johnson) 3.05
02. Yes Sir, That´s My Baby (Kahn/Donaldson) 2.25
03. Shimmy Gal (Kuhn) 2.18
04. Varsity Gal (Desylva/Brown/Henderson) 3.12
05. Flappers Delight (Kuhn) 2.27
06. Toot Toot Tootsie Good Bye (Kahn/Erdman/Russo) 2.42
07. Black Bottom (Desylva/Brown) 3.00
08. Arbuckle Bounce (Kuhn) 2.21
09. Five Foot Two (Lewis/Young/Henderson) 2.03
10. Bye, Bye Blackbird (Dixon/Henderson) 2.38
11. Let´s Take The Maxwell (Kuhn) 2.31
12. Chicago (Fisher) 3.08

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