Ingrid Steeger – Und find es wunderbar – Mein Leben (2013)

TitelIrgendwie habe ich es nicht übers Herz gebracht, dieses eher alberne Album „Ingrid Steeger singt Klimbim“ so allein und isoliert hier im blog stehen zu lassen. Denn: man würde – so meine Sicht – der Person Ingrid Steeger damit nicht gerecht werden.

Ursprünglich dachte ich mir: „Wer sich derart als Sexsymbol vermarktet und verkauft, braucht sich nicht zu wundern, wenn man dann auch entsprechend eingeordnet und beäugt wird“.

Doch ganz so einfach ist es halt doch nicht. Denn liest man diese doch ziemlich ungeschminkte Autobiographie, dann werden einem schon Zusammenhänge klar.

Da ist eine Kindheit, die von Entbehrungen und Misshandlungen geprägt ist, dann die junge Frau, die wohl die Erfahrung gemacht hat, dass ihr Körper so ne Art Eintrittskarte für ein besseres, möglichweise auch luxuriöses Leben ist … Da sind dann auch Vergewaltigungen als Ausdruck männlicher Macht und als Ausdruck männlicher Verachtung für das weibliche Geschlecht.

Und eine feministische Buchhandlung schreibt dann folgendes über dieses Buch:

Ingrid Steeger, die legendäre Ulknudel aus Klimbim erzählt offen und ehrlich aus ihrem Leben. Als Sexsternchen begann sie ihre Karriere, feierte bald mit der Klamauk-Show Klimbim Erfolge und war damit Vorbild für ein ganzes Genre. Sie war die Muse von legendären Showgrößen wie Michael Pfleghar, Dieter Wedel und Harald Leipnitz.

Ingrid Steeger hat viele der großen deutschen Stars vergangener Zeiten erlebt: Curd Jürgens, Günter Netzer, Horst Frank, Mario Adorf, Iris Berben, Peter Fricke, Klaus Dahlen, Elisabeth Volkmann, Horst Janson, Drafi Deutscher, Michael Holm und viele andere mehr. Erst wurde sie »Miss Filmfestival« in Berlin, später bekam wie Preise wie den Bambi, die Goldenen Kamera und den Grimmepreis.

Beispiel01

Am Wannsee, 1949

Was Ingrid Steeger in ihrer Autobiografie erstmals zulassen wird, ist ein Blick in ihr Innerstes. Denn ihr Leben ist neben dem Glamour geprägt vom Erdulden vieler Übergriffe und der Erfahrung von Vergewaltigungen. Wie sie trotzdem eine starke Frau wurde, die jetzt ihren Weg geht, davon erzählt dieses Buch. Es schildert neben faszinierenden Einblicken in ein Stück deutsche Showgeschichte die Suche nach Selbstbestimmung und erzählt, wie es Ingrid Steeger gelang, ihren Weg zu finden und neuen Mut zu fassen. Sie drehte mit Oswald Kolle Sexfilmchen, erduldete die Eitelkeiten und Exzesse von Harald Juhnke und ging mit dem Großwildjäger Michael Koeneke nach Kenia. Sie beobachtete Dieter Wedel beim Schreiben und Drehen, machte mit Günter Netzer Urlaub und spielte mit dem exzentrischen Peter Fricke Theater.

Wenn man dieses Buch so liest, wird einem schon klar, warum es wohl notwendig war, dass eine Alice Schwarzer just in der Zeit, als Ingrid Steeger einen Erfolg nach dem anderen feierte, die Bühne betrat.

Und, auch das ist mal klar: Dieser Michael Pfleghar war ein ausgesprochenes Arschloch ! Und … der Dieter Wedel … nun ja … auch kein Ruhmesblatt, wie es scheint.

Und: das Buch ist eigentlich viel mehr als eine Autobiographie: es ist zugleich auch eine Art Geschichte der deutschen Unterhaltungsindustrie der letzten Jahrzehnte … Absolut empfehlenswert !

Und hier ein paar Fotos aus dem Buch:

Beispiel02

Mit den Kessler Zwillingen

Beispiel03

In Kenia, 1977

Beispiel04

Mit Dieter Wedel, 1980

Beispiel05

Mit Mario Adorf

*
**

Beispiel06

7 Gedanken zu “Ingrid Steeger – Und find es wunderbar – Mein Leben (2013)

  1. Was für ein Kontrastprogramm! Und, nun ja, zum einen steht ja schon im Text, dass sie es wohl schon früh gelernt hat/ lernen musste, was ihr Erfolg bringt… Zum anderen ist es ein bekanntes und bis heute höllisches Phänomen, dass es misshandelte Frauen immer wieder zu entsprechenden Partnern zieht…Viele wissen es wohl besser und können doch nicht anders. Und die Unterhaltungsbranche ist ja bis heute voll von Arschlöchern, da hatte und hat man es als Frau schwer, (immenses) Machtgefälle ist oft gegeben.

    • „Zum anderen ist es ein bekanntes und bis heute höllisches Phänomen, dass es misshandelte Frauen immer wieder zu entsprechenden Partnern zieht…“
      Das gilt natürlich entsprechend auch für Männer.
      Und was die Unterhaltungs- bzw, Filmbranche betrifft, da kann ich nur zustimmen. Das sind Männer und Frauen zugange, mit denen möchte ich nicht mal im gleichen Haus wohnen müssen.

    • Wenn Du schreibst:
      … „Zum anderen ist es ein bekanntes und bis heute höllisches Phänomen, dass es misshandelte Frauen immer wieder zu entsprechenden Partnern zieht…“ …

      … dann ich Dir leider nur recht geben. Ich habe 11 Jahre in einer Suchtberatungsstelle gearbeitet, und da war mir die Arbeit mit den Angehörigen (Stichwort: Co-Alkoholiker) immer sehr wichtig.

      Und natürlich war in dieser Arbeit auch der Gewaltaspekt ein Thema … wie oft bin ich innerlich verzweifelt, als Frauen mir stolz verkündet haben, sie hätten sich nun von ihrem alkoholkranken und prügelndem Partner getrennt … um kurze Zeit später mit einem neuen Typen aufzutauchen … der kein Deut besser war …

      Ich habe dieses Thema mal bei einer öffentlichen Frauenhausdiskussion angesprochen … die anwesenden eher feministisch orientierten Frauen wollten mich dann zur Schnecke machen … nun gut, ich hab´s überlebt …

      Aber wer sich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen will, kommt an diesem Phänomen nicht vorbei. Und das gilt bis heute.

  2. Das Zitat am Ende Ihres Beitrags bringts auf den Punkt.
    Andererseits scheint mir, dass es Ingrid Steeger die meiste Zeit ihres Erwachsenenlebens immer wieder in schwüle Sümpfe zieht. Ihre Partner und ihre Filme zeugen davon. Dabei sollte gerade sie es besser wissen.
    Dennoch werde ich mal einen Blick in ihre Autobiografie werfen…

    • Sie schreiben ja:
      „Andererseits scheint mir, dass es Ingrid Steeger die meiste Zeit ihres Erwachsenenlebens immer wieder in schwüle Sümpfe zieht. Ihre Partner und ihre Filme zeugen davon.“

      Und damit beginnt schon ein wenig die Doppelbödigkeit solcher Biographien: Die Ingrid Steeger hat viele, viele Jahre ihren Körper – und zwar sehr erfolgreich – verkauft.

      Und ich müsste lügen, wenn ich mir nicht eingstehen würde, damals wie heute da nicht wegzuschauen … Von daher habe ich zwei Sellen ich meiner Brust.

      Damit will ich in keinster Weise leugnen, dass sich hinter einer solchen Karriere oftmals auch viel tragische Elemente verbergen …
      aber der Blick für die eigene Verantwortung für das eigenen Tun darf dadurch nicht verstellt werden. Ich rede hier nicht von dem Thema Zwangsprostitution …

      Und ich bilde mir ein, dass z.B .eine Iris Berben (die ich eigentlich immer sehr geschätzt habe (ihr Schicki-Micki-Hang der letzten Jahren geht mir allerdings gewaltig auf den Keks) sich für einen anderen Weg entschieden hat … und die hat früher auch nichts anbrennen lassen.

      Aber klar, jeder bringt da andere Dispositionen mit … dennoch, es bleibt die eigene Verantwortung.

      Hier ein youtube Clip, in dem die Steeger den Dieter Wedel verteidigt, provoziert wurde sie dabei vom legendären Christoph Schlingensief:

      • Nicht nur in diesem Fall: Schlingensief war ekelhaft übergriffig. Und Frau Steeger tut mir leid in dieser schachsinnigen Veranstaltung.
        Und dafür wurden – und es ist ja nicht besser geworden – werden von uns monatlich Zwangsgebühren eingefordert. Das finde ich widerlich!

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