André Previn + Wiener Philharmoniker – Carmina Burana (Carl Orff) (1994/2008)

FrontCover1Carmina Burana (lateinisch für Beurer Lieder oder Lieder aus Benediktbeuern) ist der Titel einer szenischen Kantate von Carl Orff aus den Jahren 1935–36. Die Texte in mittellateinischer und mittelhochdeutscher Sprache sind den Carmina Burana entnommen, einer Sammlung von im 11. und 12. Jahrhundert entstandenen Lied- und Dramentexten.

Nach der Komposition von Catulli Carmina und Trionfo di Afrodite fasste Carl Orff die Carmina Burana mit diesen unter dem Titel Trionfi zusammen. Aufführungen des gesamten Triptychons sind aber die Ausnahme geblieben.

Die Carmina Burana wurden am 8. Juni 1937 in der Oper zu Frankfurt am Main unter der musikalischen Leitung von Bertil Wetzelsberger und der Regie von Oskar Wälterlin uraufgeführt.

Orff stieß 1934 auf die von Johann Andreas Schmeller 1847 herausgegebene Ausgabe der Carmina Burana. Michel Hofmann, ein junger Jurastudent und Latein- und Griechisch-Enthusiast, unterstützte ihn bei der Auswahl und Zusammenstellung von 24 dieser Texte zu einem Libretto, hauptsächlich in Latein sowie einigen in Mittelhochdeutsch und Altfranzösisch. Die Auswahl umfasst eine weite Spanne weltlicher Themen: die Wechselhaftigkeit von Glück und Wohlstand, die Flüchtigkeit des Lebens, die Freude über die Rückkehr des Frühlings sowie die Genüsse und Gefahren von Trinken, Völlerei, Glücksspiel und Wollust.

Bei der Vertonung handelt es sich um eine völlige Neukomposition. Zur Entstehungszeit von Orffs Werk war noch kaum eine der originalen mittelalterlichen, in Neumen notierten Melodien rekonstruiert. So gestaltete er die Musik nach bereits bekannten Stilmerkmalen des Mittelalters wie etwa Bordunbegleitung oder historischen Skalen. Orff selbst bezeichnete sein Werk weder als Oper noch als Oratorium oder Kantate. Die Bezeichnung „szenische Kantate“ wird dem Werk manchmal als Untertitel beigegeben. Szenische Aufführungen der Carmina Burana sind gegenüber konzertanten Musikveranstaltungen deutlich in der Minderzahl.

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Das Schicksalsrad der Fortuna (Rota Fortunae), Buchmalerei im Codex Buranus

Die Carmina Burana sind instrumentiert für 3 Flöten (davon zwei im Wechsel mit Piccolo), 3 Oboen (davon eine im Wechsel mit Englischhorn), 3 Klarinetten in B und A (davon eine im Wechsel mit Es-Klarinette, eine im Wechsel mit Bassklarinette), 2 Fagotte, Kontrafagott, 4 Hörner in F, 3 Trompeten in B und C, 3 Posaunen, Tuba, 2 Klaviere, Celesta, großes Schlagzeug und Streicher.

Das Schlagzeug setzt sich zusammen aus 5 Pauken (eine Piccolo), 2 Kleinen Trommeln, Großer Trommel, Triangel, verschiedenen Becken, Ratsche, Kastagnetten, Schlittenglocken, Tamtam, Tamburin, Röhrenglocken, 3 Glocken, 3 Glockenspielen und Xylophon.Die Carmina Burana sind instrumentiert für 3 Flöten (davon zwei im Wechsel mit Piccolo), 3 Oboen (davon eine im Wechsel mit Englischhorn), 3 Klarinetten in B und A (davon eine im Wechsel mit Es-Klarinette, eine im Wechsel mit Bassklarinette), 2 Fagotte, Kontrafagott, 4 Hörner in F, 3 Trompeten in B und C, 3 Posaunen, Tuba, 2 Klaviere, Celesta, großes Schlagzeug und Streicher.

 

Die Gesangsstimmen umfassen je einen Sopran-, Tenor- und Baritonsolisten, einen großen vierstimmigen Chor mit Soli für 3 Tenöre, Bariton und zwei Bässe, einen vierstimmigen Kammerchor und einen Kinderchor.

Eine reduzierte Version für Solisten, gemischten Chor, Kinderchor, zwei Klaviere und Schlagzeug wurde 1956 von Orffs Schüler Wilhelm Killmayer arrangiert und von Orff autorisiert.

Außerdem existiert eine ebenfalls von Orff autorisierte Bearbeitung von Friedrich K. Wanek mit fünf Sätzen für zehn Bläser (Besetzung: 2 Flöten (2. auch Piccolo), 2 Oboen (2. auch Englischhorn), 2 Klarinetten in B, 2 Hörner, 2 Fagotte (2. auch Kontrafagott)).
Aufbau

Orff wählte eine Gliederung in drei Teile:

Primo vere, Ûf dem anger (Erwachen des Frühlings, Liebe)
In taberna (opulentes Gelage)
Cours d’amour und Blanziflor et Helena

Eingerahmt wird das Werk von einem mächtigen Chor zu Ehren der Schicksalsgöttin Fortuna („Fortuna Imperatrix Mundi“), die das Schicksal der Menschen letztlich bestimmen soll.

Orff ging mit dem vorgefundenen Material der Carmina Burana recht frei um. So benutzte er von mehreren Gedichten nur Teile oder Einzelstrophen für sein Chorwerk:

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Carl Orff, 1942

Von dem großen Liebesdialog CB 77 übernahm er nur die Strophe, in der die Angebetete mit Blanziflor, einer Heldin der altfranzösischen Rittersage, und mit der schönen Helena verglichen wird, die den trojanischen Krieg auslöste: Hier gefiel dem Komponisten die für die Carmina Burana typische Verknüpfung mittelalterlicher und antiker Bildungsinhalte. Auch folgte er nicht den oft sehr komplizierten Metren der Lieder, Sequenzen und Leichs der Handschrift, sondern erfand ganz neue, oft mitreißende und tänzerische Rhythmen zu den alten Texten.

Musikalisch ist das Chorwerk von raffinierter Schlichtheit: In konventioneller oder archaisierender Harmonik setzt es ganz auf die Kraft seiner Melodien, deren Simplizität bisweilen an die von Abzählversen erinnert. Aufschließung und Fortentwicklung von Motiven gibt es ebenso wenig wie eine Kontrapunktik im eigentlichen Sinne.dem Komponisten die für die Carmina Burana typische Verknüpfung mittelalterlicher und antiker Bildungsinhalte. Auch folgte er nicht den oft sehr komplizierten Metren der Lieder, Sequenzen und Leichs der Handschrift, sondern erfand ganz neue, oft mitreißende und tänzerische Rhythmen zu den alten Texten.

Nach der erfolgreichen Uraufführung im Jahre 1937 schrieb Orff an seinen Verleger: „Alles, was ich bisher geschrieben und was Sie leider gedruckt haben, können Sie nun einstampfen! Mit Carmina Burana beginnen meine gesammelten Werke!“

Das Werk wurde rasch zu einem der populärsten Stücke ernster Musik des 20. Jahrhunderts. Hitler schätzte das Werk. Die Reichsmusikkammer und die Kritiken nach der Uraufführung hatten es freilich wegen der spezifischen Rhythmik („bayerische Niggermusik“), der unverhohlenen Erotik seiner Texte und des verwendeten Latein geschmäht.

Die Carmina Burana sind vielfach in anderen Werken verwendet worden. Insbesondere der wuchtige Chorsatz zu CB 17 (O fortuna), mit dem das Werk einsetzt, ist so populär, dass er wiederholt in der Werbung eingesetzt wird. IMDb listet über 60 Film- und Fernsehproduktionen auf, in denen die Carmina Burana im Soundtrack verwendet werden. (Qulle: wikipedia)

Hier das farbenfrohe Werk in einer Aufführung unter der Leitung von André Previn aus dem Jahr 1994, die ich als Wiederveröffentlichung aus dem Jahre 2008 vorliegen habe. Es ist die zweite Interpretation von Previn (die erste stammt aus dem Jahre 1975 (damals dirigierter er as Londony Symphony Orchestra). Bin ja kein wirklicher Kenner dieser Materie, aber in diversen Klassik-Foren wurde die hier vorliegende Aufnahme als sehr empfehlenswert gepriesen.

Nun denn: spannend ist es allemal, was da entstanden ist: Mittelalterliche Lieder, nachempfunden und weiterwentwickelt in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts …

CarlOrff02

Besetzung:
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von André Previn
Arnold Schoenberg Chor
Wiener Sängerknaben
+
Barbara Bonney (sopran)
Frank Lopardo (tenor)
Anthony Michaels-Moore (bariton)

BookletBackCover1

Titel:
Fortuna Imperatrix Mundi:
01. O Fortuna 2:46
02. Fortune plango vulnera 3.01

I. Primo vere:
03. Veris leta facies 4.14
04. Omnia Sol temperat 2.24
05. Ecce gratum 2:47

Uf dem Anger:
06. Tanz 1.45
07. Floret silva nobilis 3.27
08. Chramer, gip die varwe mir 3.28
09. Swaz hie gat umbe – Chume, chum geselle min 4.53
10. Were diu werlt alle min 0.55

II. In Taberna:
11. Estuans interius 2.23
12. Olim lacus colueram 3.40
13. Ego sum abbas 1.25
14. In taberna quando sumus 3.14

III. Cour d’amours:
15. Amor volat undique 3.33
16. Dies, nox et omnia 2.26
17. Stetit puella 2.09
18. Circa mea pectora 2.11
19. Si puer cum puellula 1.05
20. Veni, veni, venias 1.03
21. In trutina 2.28
22. Tempus est iocundum 2.22
23. Dulcissime 0.39
24. Ave formosissima 1.59
25. O Fortuna 2.41

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