Ernst Busch – Eisler – Lieder mit Ernst Busch (1974)

FrontCover1Ebenfalls passend zum 1. Mai mal eine etwas ausführlichere Würdigung des Schauspielers Ernst Busch, der ja nicht nur Schauspieler war:

Friedrich Wilhelm Ernst Busch (* 22. Januar 1900 in Kiel; † 8. Juni 1980 in Berlin) war ein deutscher Sänger, Schauspieler und Regisseur.

Busch war Sohn des Maurers Friedrich Busch und dessen Ehefrau Emma. Er absolvierte von 1915 bis 1920 eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker und arbeitete anschließend als Werftarbeiter. Er trat 1916 der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1918 der SPD. Unter dem Eindruck des Kieler Matrosenaufstandes 1918 ließ er sein Parteibuch Anfang 1919 auf die USPD umschreiben.

1920 nahm Busch Schauspiel- und Gesangsunterricht und wurde von 1921 bis 1924 am Stadttheater Kiel (sein Bühnendebüt machte Busch am 8. Oktober 1921, als der Ministrant in Cavalleria rusticana), danach bis 1926 in Frankfurt (Oder) und anschließend an der Pommerschen Landesbühne engagiert. 1927 zog er nach Berlin, wo er an der Piscator-Bühne engagiert war und ab 1929 in der Künstlerkolonie wohnte. Ab 1928 trat er in Berlin an der Volksbühne, dem Theater der Arbeiter und der Piscator-Bühne in Stücken von Friedrich Wolf, Bertolt Brecht und Ernst Toller auf. In der Verfilmung der Dreigroschenoper von Georg Wilhelm Pabst spielte er den Moritatensänger (mit dem Mackie-Messer-Song).

ErnstBusch01Von 1929 bis 1933 wirkte er in einem Dutzend Filme mit, so spielte er die Hauptrolle in Slatan Dudows Film Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?. Nicht in allen Filmen war er vor der Kamera zu sehen, meist aber als Sänger zu hören.

Busch sollte nach der „Machtergreifung“ der NSDAP von der SA verhaftet werden. Durch glückliche Umstände entging er einer der ersten Razzien in der Künstlerkolonie in Berlin-Wilmersdorf, so auch am 9. März 1933. Als die SA gegen 12 Uhr Busch festnehmen wollte, öffnete niemand, so dass die SA vermutete, Busch sei schon geflohen. Doch Busch war gewarnt und wollte nun Deutschland zügig verlassen. Busch flüchtete daraufhin mit seiner Ehefrau, der Sängerin Eva Busch, zunächst nach Holland. Von dort aus folgten weitere Stationen: Belgien, Zürich, Paris, Wien und schließlich die Sowjetunion, wo er u. a. für Radio Moskau arbeitete.

1935 wirkte er in der Sowjetunion in Gustav von Wangenheims Film Kämpfer mit. 1937 reiste Busch mit der Journalistin Maria Osten nach Spanien und trat als Sänger bei den Internationalen Brigaden auf. Mit seinen Liedern Die Thälmann-Kolonne, No pasaran, Bandiera Rossa äußerte er sich offen gegen den Faschismus. In Spanien gab er Liederbücher heraus (Canciones de las Brigadas Internacionales), nahm Schallplatten auf und sang vor den Mitgliedern der Internationalen Brigaden und im Radio. Mitte 1938 verließ Busch den Kriegsschauplatz und kehrte nach Belgien zurück. 1938 machte er Aufnahmen bei Radio Brüssel, gab Konzerte und spielte Schallplatten ein.

Mit dem Beginn des Westfeldzugs am 10. Mai 1940 gegen die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg wurde er in Antwerpen verhaftet und nach Südfrankreich in das Internierungslager Camp de Gurs deportiert. Er war dort bis Ende 1942 interniert, dann gelang ihm die Flucht bis zur Schweizer Grenze. Die Französische Grenzgendarmerie verhaftete Ernst Busch vor dem Grenzübertritt, lieferte ihn an die Gestapo aus und er wurde über Paris im Januar 1943 in das Polizeipräsidium Alexanderplatz überstellt. Im März 1943 wurde er in der Haftanstalt Moabit in Einzelhaft genommen. Die Anklage gegen Busch lautete „Vorbereitung zum Hochverrat“. Am 22. November 1943[7] wurde er bei einem alliierten Luftangriff auf die Haftanstalt schwer verletzt. Durch die Intervention von Anwälten über Gustaf Gründgens entging er aufgrund der im April 1937 erfolgten Ausbürgerung und seiner schweren Kopfverletzung der Todesstrafe und erhielt 1944 letztendlich eine vierjährige Zuchthausstrafe.

Am 27. April wurde er von der Roten Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit und machte sich von dort aus auf den Weg in das noch umkämpfte Berlin. Im Mai 1945 zog er wieder in das Wohnhaus in der Künstlerkolonie, in dem er bis 1933 gewohnt hatte. 1949 siedelte er mit seiner neuen Lebensgefährtin Margarete Körting nach Treptow im Ostteil Berlins über, ab 1951 wohnten die beiden in der Heinrich-Mann-Straße in Berlin-Pankow. 1945 trat er in die KPD ein und wurde 1946 durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD automatisch Mitglied der SED.

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Als Schauspieler war er am Berliner Ensemble, dem Deutschen Theater und der Volksbühne tätig. Außer in seinen Brecht-Rollen machte er sich noch in anderen Rollen um die Entwicklung der Schauspielkunst verdient.

1946 als Satin in Maxim Gorkis Nachtasyl
1947 als Galileo Galilei im Leben des Galilei
1949 als Koch in Mutter Courage und ihre Kinder
1953 als Jago in William Shakespeares Othello
1954
als Azdak in Brechts Kaukasischen Kreidekreis und
als Mephisto in Goethes Faust

Busch wurde auch als Interpret der Lieder von Hanns Eisler (Der heimliche Aufmarsch) und internationaler Arbeiter- sowie sozialistischer Propagandalieder bekannt. Daneben leitete er bis 1953 die Schallplatten-GmbH Lied der Zeit, die erste und einzige Schallplattenfirma der SBZ/DDR. Lied der Zeit war der Vorläufer des VEB Deutsche Schallplatten mit den Sublabels Eterna und Amiga, die ebenfalls unter Busch entstanden. 1956, 1966 und 1979 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Von 1963 bis 1975 spielte er in der Schallplattenreihe Aurora der Deutschen Akademie der Künste etwa 200 seiner Lieder ein. Er war Mitglied der Akademie.

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1961 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurück. Busch übte zwar keine öffentliche Kritik an der Politik der SED, hatte aber diverse Streitereien mit Funktionären, darunter Erich Honecker. Seit 1952 war er faktisch kein Parteimitglied mehr, weil er sich beim Überprüfungsverfahren nicht kooperativ gezeigt hatte. 1977 trug ihm die SED ein neues Parteibuch an, das Busch annahm.

Ernst und Irene Busch (1977)

Die letzten Jahre verbrachte Busch – zusehends an Demenz leidend – in der Psychiatrie in Bernburg, am Ende in der geschlossenen Abteilung, aus der er mehrfach (vergeblich) zu fliehen versuchte. Er starb in Berlin. Seine letzte Ruhe fand er in einem Ehrengrab in der Abt. 36-28/29 auf dem Friedhof Pankow III.

Den Nachlass von Ernst Busch bewahrt das Archiv der Akademie der Künste in Berlin. (Quelle: wikipedia)

Diese Album auf dem DDR Label Nova enthält einen Querschnitt von Eisler Kompositionen, gesungen eben von dem wackeren Ernst Busch und die Aufnahmen zwischen den Jahren 1929 – 1959 und natürlich sind auch Lieder mit Texten von Bert Brecht dabei.

„Und auch wenn einem heute manches Lied pathetisch und teilweise fast antiquiert vorkommt, zeugt seine Musik doch von seiner enormen Energie und Lebendigkeit. Diese LP ist nicht nur das Vermächtnis eines engagierten Sängers, sondern sie dokumentiert auch einen Teil linker Geschichte. Zur Aktualität und zum Wirken von Busch Musik bemerkte einer seiner Kampfgenosse der Inter-Brigarden bereits 1957 treffend: „Vor 20 Jahren habe ich noch gesagt, als dieser Sänger nach Spanien kam; was sollen wir mit ihm; wir brauchen keine Sänger, wir brauchen Gewehre. Die Gewehre schweigen, aber die Lieder kämpfen weiter.“ (Quelle: Analyse + Kritik – Zeitung für linke Debatte und Praxis)

Und ein wenig packt mich die Wehmut, wenn ich all jene aufrechte Kommunisten denke, deren Ideale vom „real existierenden Sozialismus“ in den Dreck gezogen wurde … denn das unverzichtbare Grundprinzip einer Rosa Luxemburg („Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden.“ in: „Zur russischen Revolution“ –  Zuerst veröffentlicht 1922 von Paul Levi nach dem handschriftlichen Manuskript aus dem Nachlaß.) wurde von all jenen „kommunistischen“ Staaten nicht wirklich beachtet oder gar ernst genommen.

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Besetzung:

Ernst Busch (vocals)
+
diverse Begleitmusiker

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Titel:
01. Solidaritätslied (Brecht/Eisler) 2.40
02. Ballade von den Säckeschmeißern (Arendt/Busch/Eisler) 3.29
03. Ballade vom Neger Jim (Gilbert/Eisler) 4.01
04. Stempellied (Gilbert/Eisler) 4.12
05. Roter Wedding (Busch/Eisler) 3.04
06. Einheitsfrontlied (Brecht/Eisler) 2.27
07. Der heimliche Aufmarsch (Weinert/Eisler)
08. Lenin (Bechler/Eisler) 1.00
09. Marsch der Zeit (Majakowski/Huppert/Eisler) 3.11
10. Subbotnik (Majakowski/Huppert/Eisler) 2.40
11. Linker Marsch (Majakowski/Eisler) 2.36
12. Wenn Arbeiter und Bauern (Becher/Eisler) 1.38
13. Die alten Weisen (Becher/Eisler) 1.09
14. Deutschland (Becher/Eisler) 1.28
15. Wir reichen euch die Hand (Becher/Eisler) 2.03
16. Seid euch bewußt der Macht (Becher/Eisler) 3.20
17. Lied der Werktätigen (Jahnke/Vallentin/Eisler) 2.37

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6 Gedanken zu “Ernst Busch – Eisler – Lieder mit Ernst Busch (1974)

  1. Ich denke recht oft daran, wieso nicht. Und dann denke ich an die Kommunisten, die ich getroffen habe und verstehe, warum…Sie haben ja oft genug darüber geschrieben…je nach Individuum schwankend zwischen Idealen, Wissen und Wille zur praktischen Tat. Leider aber doch ZU oft an Idealen und Träumen festhängend, zu wenig Wissen über die potentielle breite Masse an Wählern und vor allem zu wenig praktischer Wille oder praktisches Können. Mit einem Wort: Leider erfüllen doch zu viele öffentlich auftretende Kommunisten tatsächlich das Klischee „Viele Parolen, wenig dahinter“. Ist so schade….

  2. Vielen Dank für diese Ergänzung! Habe Frau Luxemburg bislang auch nur als aufrichtige Pazifistin kennen gelernt, der von Ihnen beschriebene Sachverhalt würde mich jetzt allerdings auch nicht mehr wundern. Habe gerade in neuerer Zeit gelernt, das viele vermeintliche „Ikonen“ irgendwo ebenso einen Schatten werfen. Kann damit aber gut umgehen. Die letzten Zeilen vom Riffmeister wie von Ihnen sind allerdings der Grund dafür, dass ich mich zwar als „Politisch“ und „Sozial“ bezeichne, aber nicht als Parteipolitisch. Möchte weder streiten noch meine eigenen Ideale und Überzeugungen zugunsten irgendwelcher Vorgaben oder Gruppenzwänge aufgeben….(Und ich weiß, wie pathetisch verträumt sich das jetzt liest :))

    • …da liegen wir seeehr ähnlich. In einem Punkt muss ich meinen ersten Kommentar berichtigen. Der berühmte „Andersdenk-Satz“ fiel nicht im Zusammenhang mit dem Noske-Terror, sondern im Zusammenhang mit einer ersten Einschätzung der Revolution in Russland. Wobei sich die zugänglichen Internetquellen davor drücken klar zumachen, ob sie die Februar- oder die Oktoberrevolution meinen. Im Rahmen ihres langen Kampfes gegen Reformismus und Revisionismus innerhalb der SPD (also Neu-Lassallianertum) wird jedoch ihr Schwanken zwischen Weltverbesserungsidealismus der weltfremd-romantischen Art und Hardlinerkurs deutlich.
      Alle kommunistischen Weltverbesserer mussten bisher die Erfahrung machen, dass sie die Massen nicht auf ihre Seite kriegen. Nach erfolgreichen Revolutionen durch konsequente Minderheiten kam überall bald der Punkt, wo es zu entscheiden galt: Aufgeben oder die Knute schwingen (Geheimdienstschnüffelei, Gulag o.ä., halt alles was sich so unter Vorladungen „zur Klärung eines Sachverhalts“ vertuschen ließ.)

    • Guten Abend Herr Progger,

      als Ergänzung zu Ihrer Erkenntnis der „Schatten“ bei berühmten Menschen. Da zitiere ich mal frei einen meiner literarischen Hausgötter Arno Schmidt.
      Der schrieb hinsichtlich Künstler (das kann man nach meiner Erfahrung aber auf jegliche prominente Menschen übertragen), dass man sich an ihren Werken erfreuen oder sich damit auseinandersetzen soll. Den schäbigen menschlichen Rest hinter den Werken solle man lieber nicht betrachten wollen.

      Schöne Abendgrüsse,
      Herr Ärmel

  3. Ja diese Ikonografien – sind fast immer falsch. Das Rosa Luxemburg Zitat aus dem Zusammenhang gerissen, macht aus ihr eine Demokratin, die sie nie war. Sie war mit Karl Liebknecht bereit für die Revolution nach sowjetischem Vorbild und die anschließende Jagd auf Abweichler.
    Das Zitat war eine Replik auf die Freiheitsversprechen der (M)SPD und den gleichzeitigen Noske-Terror, meinte also die Verfolgung ihrer eigenen Leute durch die staattragenden Revolutionsbremser Ebert, Noske & Co.
    Ernst Busch war als Künstler (ohne Macht) lebenslang ein Idealist, der all diese Lieder einsang, jedoch später auch merkte, dass sie in der DDR nicht mehr zu Gassenhauern taugten. Die Fans waren ihnen abhanden gekommen.
    Sein Sohn schließlich brach völlig mit den familiären Wurzeln und kaufte den Koloß von Prora, um ihn als Steuersparmodell zu vermarkten.
    Was bleibt von den heeren Idealen der Kommunisten der ersten Stunde?
    Es ist dasselbe wie mit den frühen Christen. Die einen werden im Colosseum unter dem Applaus der Massen, die sie eigentlich doch erlösen wollten, von Löwen gefressen und die anderen werden katholische Würdenträger, die sogar die europäischen Königshäuser um einen Teil ihrer Macht bescheißen.
    „Völker hört die Signale….“

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