Nana Mouskouri – Traumland der Sehnsucht (1963)

FrontCover1Einerseits ne kleine EP mit 6 Liedern, andererseits ein spannendes Stück Zeit- und Kulturgeschichte … die Geschichte der Deutschen und der Griechen Anfang der 60er Jahre. Aber dazu muss man ein wenig ausholen:

Im Athener Kafenion „Floka“ trafen sich Ende der Fünfziger Jahre Wolfgang Mueller-Sehn und der griechische Komponist Manos  Hadjidakis und schlossen den Vertrag über die Filmmusik zu  einem Dokumentarfilm über Griechenland. Manos Hadjidakis war zu dieser Zeit bereits ein international  bekannter Komponist. Sein allererstes Lied kennen alle Nana  Mouskouri-Fans: „Hartino to Fengaraki“ (Papiermond). Sie sang  es auf ihrer weltweiten Abschiedstournee am Ende jedes ihrer  Konzerte. Hadjidakis hatte es für ein Theaterstück „Endstation  Sehnsucht“ von Tennessee Williams geschrieben. Viele kennen  vielleicht den gleichnamigen Film mit Marlon Brando in der  Hauptrolle.   1960 gewann Hadjidakis mit dem Lied „Ta Paidia tou Peiraia“  (Ein Schiff wird kommen) für den Film „Sonntags …nie“ einen  Oscar für das beste Lied. Wolfgang Mueller-Sehn beschrieb Manos Hadjidakis als einen  netten Mann, dessen Arbeitsweise unkonventionell gewesen  wäre. Wenn ihm nachts etwas gelungen war, beorderte er die  Betreffenden zu sich. Zu den Proben soll er häufig ohne Partitur  erschienen sein. Während der gemeinsamen Arbeit mit den  Musikern komponierte er. Auch Nana Mouskouri beschrieb diese Arbeitsweise in ihrer Biografie. Die Ergebnisse aber waren FilmBüheKinoprogramm1großartig. Hadjidakis lobte die Arbeit des Regisseurs und Kameramannes  Mueller-Sehn und seiner Frau Lilo. Sie hätten Griechenland zwei  Jahre durchkreuzt und über 20000 Meter Film gedreht, die einen  einmalig schönen Film über Griechenland hervorgebracht hätten.  Einen solchen Film habe es noch nicht gegeben. Lilo Mueller-Sehn schilderte Eindrücke ihrer weiten Reise wie folgt:   „Je abgelegener die Gegend, um so größer war die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der man uns aufnahm. Hier herrschen noch die  alten Bräuche wie zu Urväter Zeiten, und die bunten Trachten  werden auch noch am Werktag getragen. In unserem Film wollen wir  nicht nur das Land zeigen, sondern vor allem auch das Leben der  Menschen, der modernen Großstädter ebenso wie das der Hirten  und Mönche in den letzten, schwer erreichbaren Winkeln Europas.“  (Quelle: Das neue Filmprogramm „Traumland der Sehnsucht“) In der gesamten Zeit der Reisen, die, großzügig unterstützt durch  das griechische Königshaus, durch das gesamte Staatsgebiet  Griechenlands einschließlich der griechischen Inseln führten, hielt sie an allen Drehorten ihre Eindrücke mit ihrem Fotoapparat fest. Diese  wunderschönen Aufnahmen veröffentlichte sie in ihren Büchern  „Griechische Reise: Von Saloniki bis zur Südspitze des Peloponnes –  Europas Ferienstrassen“ und „Griechische Inseln: Von Kreta bis  Lesbos / von Korfu bis Rhodos“. Damit schuf sie bleibende Zeit-  dokumente, mit denen man sich den Inhalt des Films „Traumland der Sehnsucht“ weitestgehend erschließen  kann. Der Film selbst fristet in Form eines  Unikats im Bundesarchiv – Filmarchiv – in  Berlin sein trauriges Dasein, 1959 traf Manos Hadjidakis Nana Mous-  kouri, eine junge, enthusiastische Sängerin,  die mit einer wunderbaren Stimme ausge-  stattet war. Sie interpretierte seine Lieder  so, wie er es sich vorgestellt hatte. Zu die-  ser Zeit war noch nicht ersichtlich, dass sich  hier ein musikalisches Traumpaar gefunden  hatte. Sie wurde “seine” Sängerin. Der Telegraph beschrieb sie wie folgt: „… Nana Mouskouri, sehr bescheiden mit  dunklen, etwas schüchternen Augen, ist der  unsichtbare Filmstar … Sie ist von Hause  aus Opernsängerin, lernte den Komponisten Manos Hadjidakis kennen und kreiert seit-  dem seine Kompositionen. Das weltbekann-  te Lied „Ein Schiff wird kommen“ („Sonntags  nie“) ist zuerst durch sie in Griechenland zu großer Beliebtheit gekommen.“ (”Telegraph”, Berlin, 28. Juni1961 „Gäste aus dem Süden“) In den damaligen Filmprogrammen erschien nur der Name Nana Mouskouri, nicht ihr Bild. Wenn man damals geahnt hätte, welche  glänzende Karriere vor ihr lag, wäre mit Sicherheit eine andere Entscheidung getroffen worden. (Quelle: weisse-rosen-aus-athen.de; eine sehr empfehlenswerte Seite, die akribisch jenen Film ausführlich und sehr liebevoll würdigt).

Filmankündigung

Immerhin war Nana Mouskouri in Deutschland schon so bekannt, dass man dann diese EP im Jahre 1963 auf den Markt brachte. Bemerkenswert: Sie singt hier griechisch, die deutschen Titel waren wohl lediglich dazu gemacht, dem Käufer die Kaufentscheidung leichter zu machen.

Auch wenn mich der Film Alexis Zorbas mein eigentliches Interesse an Griechenland geweckt hat, auch solche Singles haben dazu beigetragen, dass sich der Horizont von „uns Deutschen“ erweitern konnte … und unter diesem Aspekt ist dieses Frühwerk von Nana Mouskouri nicht hoch genug einzuschätzen. Und Jahre später sang dann Udo Jürgens „Griechischer Wein“ und wurde und wird dafür in Griechenland bis heute verehrt … aber das ist ne andere Geschichte …

NanaMouskouri1961

Nana Mouskouri, 1961

Besetzung:
Nana Mouskouri (vocals)
+
unbekanntes Orchester

BackCover1
Titel:
01. Erntelied (Gatsos/Hadjidakis) 1.14
02. Missolonghi-Lied (Hadjidakis) 2.06
03. Wäscherinnenchor mit Erntelied (Hadjidakis) 1.59
04. Athen-Lied (Gatsos/Hadjidakis) 3.18
05. Das Lied der Ägäis (Hadjidakis) 2.01
06. Erntelied (Gatsos/Hadjidakis) 0.56

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Single_aus_Griechenland.jpg

Die griechische Ausgabe der Single

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