Wiglaf Droste – Im Sparadies der Friseure (Eine kleine Sprachkritik) (2010)

FrontCover1Ach ja … mit seinem Ableben hätte er sich durchaus nochein wenig Zeit lassen können …

Wiglaf Droste (* 27. Juni 1961 in Herford; † 15. Mai 2019 in Pottenstein) war ein deutscher Autor und Sänger, der vor allem als Satiriker bekannt wurde.

Wiglaf Droste ging nach dem Besuch des Gymnasiums 1983 von Westfalen nach Berlin. Ein Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften brach er nach fünf Wochen ab und arbeitete bis 1985 in diversen Aushilfsjobs. Anschließend schrieb er Beiträge für das Spandauer Volksblatt, das Berliner Stadtmagazin tip und die taz. 1987 arbeitete er für kurze Zeit in einer Düsseldorfer Werbeagentur. Wieder zurück in Berlin war er bis Mitte 1988 als Redakteur der taz-Medienseite tätig, ab den 1990ern bis 2006 dann als freier Mitarbeiter für deren Satire-Seite die Wahrheit.

1989 trat Droste mit Kommunikaze erstmals als Buchautor in Erscheinung. Zudem verfasste er Beiträge für den WDR, unter anderem im Kritischen Tagebuch und für das Digitale Logbuch im Deutschlandfunk. Von 1989 bis 1991 war er Redakteur des Satiremagazins Titanic, er gründete 1989 die Höhnende Wochenschau sowie 1991, zusammen mit Michael Stein, das „Benno-Ohnesorg-Theater“.

Ab 1989 unternahm er Lesereisen und wurde dabei mehrfach von der Thüringer Punk-Rock-Band „Geile Götter“ begleitet. Ab 2000 (CD für immer) trat er als Sänger mit der Chanson-Jazz-Band Spardosen-Terzett auf.

Droste5

Wiglaf Droste, Anfang der 90er Jahre

Im Kontext der Debatte um den Missbrauch mit dem Missbrauch positionierte sich Droste 1993 mit einem Text in der Titanic derart, dass es in der Folgezeit zu Angriffen und Störaktionen seiner Lesereisen kam.

Ab 1994 schrieb er Beiträge für die Tageszeitung junge Welt, ab Januar 2011 hatte er dort eine tägliche Kolumne. Von 2000 bis 2009 schrieb er auch für den Berliner Tagesspiegel.

Von 1999 bis 2013 gab Droste mit seinem Freund Vincent Klink die kulinarische Vierteljahreszeitschrift Häuptling Eigener Herd heraus. Mit Klink und dem Zeichner Nikolaus Heidelbach verfasste er 2006 ein humoristisches Buch zum Thema Wurst. Es folgten gemeinsame Werke zu den Themen Weihnachten (2007) und Wein (2008). Darüber hinaus übernahm er bei Heidelbachs Ausstellungen zu diesem Thema Wurst, Wein, Weihnachten Bild – ein buntes Gemüse die Rolle als Vorleser, so zum Beispiel im Caricatura Museum in Frankfurt.

Droste2

Droste gab nur selten Interviews. 2002 wünschte er sich, dass über ihn „nichts in der Zeitung steht“ und er „irgendwann nicht mehr als öffentliche Figur auftaucht“. Im Frühjahr 2009 erhielt Droste das fünfmonatige Stipendium Stadtschreiber zu Rheinsberg und übernahm dessen Wohnung und Amt ebendort.

Ab 2006 lebte er vorwiegend in Leipzig, bevor er ins ländliche Oberfranken umzog.[14] Droste, der zeitweilig alkoholabhängig war, starb am 15. Mai 2019 im Alter von 57 Jahren an den Folgen einer Leberzirrhose in Pottenstein (Franken).

Droste verstand sich als satirischer Polemiker, was häufig zu Konflikten führte. So wurde ihm als taz-Redakteur die Verantwortlichkeit für die Medienseite entzogen, nachdem in der Ausgabe zum Frauentag am 8. März 1988 ein groß aufgemachter Beitrag (Der Fotofix-Fick) auf der Seite erschienen war, der mit einer in eine Vagina gestopften Banane illustriert war. Droste beendete bald darauf seine Tätigkeit als fester Mitarbeiter der taz, war ihr jedoch später wieder als freier Mitarbeiter verbunden. So schrieb er ab Anfang der 1990er eine freitägliche Kolumne auf deren Satire-Seite »die Wahrheit«.

Wiglaf Droste

Ende 2006 trennte sich Droste von der taz wegen eines Artikels über die Gesellschaft für deutsche Sprache, der von Redakteur Michael Ringel abgelehnt wurde. Ringel sah darin taz-Interna angedeutet und empfahl ihm nachträglich einen Psychiater. Seit dem Ausscheiden als freier Mitarbeiter veröffentlichte Droste regelmäßig in der jungen Welt.

In seinem gemeinsam mit Gerhard Henschel verfassten satirischen Krimi Der Barbier von Bebra (1996) ließ er sich über die ehemaligen DDR-Bürgerrechtler und den Umgang mit religiösen Gefühlen aus. Die Satire wurde in der taz als Fortsetzungsroman vorabgedruckt, der als Buch in der Edition Nautilus erschien. Darin fallen unter anderem auch Wolfgang Thierse, Rainer Eppelmann und Jürgen Fuchs einem Serienmörder zum Opfer. Es kam zu einem Eklat, als die Grünen-Politiker Konrad Weiß und Vera Lengsfeld Droste „literarische Anleitungen zum Mord an Andersdenkenden“ unterstellten und in der Wochenzeitung Welt am Sonntag zum Boykott der Zeitung aufriefen. Die taz unterstützte Droste und fand Sympathie unter anderem bei Peter Laudenbach von der Berliner Zeitung. Im Kontext der Auseinandersetzung wurde auch ein Text Lengsfelds mit der Überschrift „Täterhumor“ in der taz dokumentiert. In der Wochenzeitung Die Zeit erschien dazu unter der Überschrift „Humorgewalt“ ein Artikel von Oliver Tolmein.

Droste4

Drostes Lesungen wurden Mitte der 1990er aufgrund von Sexismusvorwürfen von Feministinnen und Autonomen gestört. Er hatte sich in verschiedenen Beiträgen, z. B. der Kurzgeschichte Der Schokoladenonkel bei der Arbeit, über Aktivistinnen von Projekten zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern lustig gemacht (siehe Montessori-Prozess).

Seine Kritiker gestanden ihm selbst einen „formvollendeten“ Wortwitz zu, der ihm zur satirischen Zuspitzung und Polarisierung seiner Themen diente. Der SZ-Essayist Willi Winkler ging so weit, Wiglaf Droste wegen seines „Garantiert-ins-Schwarze“-Treffens als „den Tucholsky unserer Tage“ auszumachen. (Quelle: wikipedia)

Bücher

Die Bücher zum Hörbuch

Und hier als erste kleine Erinnerung an diesen genialen Sprachkünstler … das feiner nicht sein könnte:

Sprachkritik ist en vogue in Deutschland. Allen Ortes wird von schlechtlaunigen Philologen ein volksempfängerkompatibles ‚anglo-amerikanisches Sprach-Bombardement‘ diagnostiziert. Dabei spricht doch kaum jemand den Namen des Deutschlehrermaskottchens Sick korrekt englisch aus. Und dass man auch in kernseifenem Deutsch rasserein idiotisch sprechen kann, beweisen die Angehörigen der Sprachschutzstaffeln selbst am besten, sobald sie den Mund auftun und in ihren Medien das Glatteis der freien Rede betreten.
Schon lange widmet sich Wiglaf Droste dem Zusammenhang zwischen sprachlicher und inhaltlicher Zerwirrnis. Im vorliegenden Handbuch untersucht er, fern jeder Rechthaberei, Vokabular wie ‚tausend Prozent, bedingungslos … Public Viewing … Helden … Mein Schuh, meine Welt … mental. zum Bleistift… Krieg in Bild …Deo-Image … Führerschein … Hypo & Chonder … feige & hinterhältig … Maffays Muttis Urne in der Finca … schnellstmöglichst … mega … Haarchitektur … Vertrauen … Wertigkeit‘ u.v.a.m.
Droste wäre allerdings nicht Droste, wenn er selbst bei diesem Thema nicht große Sprachliebe walten ließe und sich vor Wörtern wie ‚Mótschekiepchen‘, ‚Päckchen‘ oder ‚Mösenstövchen‘ verneigte – persönlich, etymologisch und immer der schönen Sprache dienlich. Was Droste, solo oder im Verein mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach produziert, nannte die Welt im November 2008 ‚hochprozentig, abgründig, sehr böse und sehr lustig.‘ (Pressetext)

Droste6
Droste findet genau das richtige Maß zwischen Humor und Niveau. Den Menschen, die den Untergang der kultivierten deutschen Sprache verhindern möchten, spricht er aus der Seele. Er analysiert Sprachphänomene, die sich längst eingeschlichen haben, ohne dass vorher jemand sein Gehirn eingeschaltet hat …
Hierzu gehören Herdprämien genau so wie abstruse Namen von Friseursalons und Navigationssysteme mit Grammatikschwächen … (Wasserfrau)

Sprachgefühl notwendig. Wer es nicht hat, also Konservative und ähnliche, nach 1967 Geborenene, bitte unbedingt die Finger davon lassen.
Dieses Buch wird ansonsten für euch immer eines mit 7 Siegeln bleiben. Wiglaf Droste hat ein Anliegen und will euch nicht unterhalten. Wer das weiß, wird zufrieden lächeln, wer es nicht weiß, wird seine längst vergangene Schul“bildung“ und seinen „gesunden“ Menschenverstand umsonst bemühen, um etwas zu finden, was er längst glaubte, zu besitzen um es dann doch im passenden Moment nie parat gehabt zu haben. (Myrna4Loy)

Droste7

Aber Achtung: Diese beiden CD sind sowas von geballt … ich empfehle daher diese Aufnahmen nur häppchenweise zu genießen, nicht dass man überrant ird von dieser Wucht der Worte …

Booklet2A

Besetzung:
Wiglaf Droste
+
Steffen Brück (Sprecher bei 13.)
+
Danny Dziuk (vocals bei 15. + 16.)

BookletBackCover1.jpg

Titel:

CD 1:
01. Im Sparladies der Friseure 5.42
02. Duden, Duden, was willst duden? 9.48
03. Zum Bleistift Abfallsaft aus Schläfrig-Holzbein 4.20
04. Mit Mayo rutscht die Info besser 3:38
05. Nackt unter Sachsen 11.49
06. Vor Marienkäfern wird gewarnt! 4.55
07. Versprecher und Versprechen 5.26
08. Salat ist sinnlos, knackt aber 4.56
09. Die neue Redefreiheit 3.29
10. Krieg und Frieden 4.18
11. Schnellstmöglich mega 4.45
12. Auf dem Strich zähl‘ ich 5.27
13. Bauchgefühl (Brück)
14. Einfach nur so 4.20

CD 2:
01. Warum ich kein Hypochonder geworden bin 5.27
02. Bhumipol und Gummitwist 3.56
03. Der deutsche Nothammer 5.16
04. Die Elster, Skinhead der Lüfte 4.10
05. Ein Mann soll ein Haus bauen 3.41
06. Bielefeld, Antlitz und Schlussstein der Welt 0.35
07. Faire Rien statt Ferien 4.04
08. Füdliblutt 4.02
09. Von Schampelmännern und Bovisten 9.58
10. Auch im Schillerjahr mehr Licht 5.30
11. Wenn der Akzent im Piment zu sehr brennt 4.22
12. Kochen wie die Profis 4.42
13. Krise in der Loderhose 3.59
14. Weltspartag 5.14
15. Wachstumsbeschleunigungsgesetz (Dziuk) 3.36
16. Friseur (Dziuk) 3.12

Alle Texte (außer anders vermerkt): Wiglaf Droste

CD2A

*
**

Trays

6 Gedanken zu “Wiglaf Droste – Im Sparadies der Friseure (Eine kleine Sprachkritik) (2010)

  1. Ihren wohlmeinenden Hinweis „diese Aufnahmen nur häppchenweise zu genießen, nicht dass man überrant ird von dieser Wucht der Worte …“ sollte man unbedingt beherzigen. Ich habe CD fast komplet und am Stück durchgehört und mir wurde schlagartig klar, warum dieser Wortschmied von einer Leberzirrhose hingerafft worden ist.

    • Also … ich war bereits nach einer CD sowas von geplättet … Tja … mir fällt leider für die tödliche Erkrankung Leberzirrhose nur ein, dass man da wohl gesoffen haben muss bis zum Exzess … aber vielleicht gibt´s da ja auch andere Ursachen …

      • Es geht ja ganz lustig an mit dem Sparadies und den Kunstnamen für Friseursalons. Danach wird für mein Dafürhalten langsam dunkler. Bis er sich mit seinen Gedanken und Reflexionen so richtig im Negativen wälzt.
        Und wenn ich mir dazu dann die Bilder zu seiner Person in Ihrem Bericht ansehe, dann erkenne ich darin schon den Niedergang einer Persönlichkeit. …

  2. …oder auch: Wer Satiere im Tierreich verortet, sollte sich ausführlicher mit der deutschen Sprache beschäftigen 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s