Ergee Feinstrumpfwerke – Ergee bittet zum Tanz (Werbesingle) (50er Jahre)

FrontCover1.jpgUnd jetzt wird´s wieder einmal ziemlich heiter:Hier ist ne nun wahrlich ultrarare Werbesingle der „Ergee Feinstrumpfwerke“, Sonthofen im Allgäu:

Ergee war ein deutsches Textilunternehmen, zuletzt mit Sitz in Schrems in Niederösterreich. Es zählte zu den führenden Strumpferzeugern Europas, musste jedoch im November 2008 Konkurs anmelden.

Der Name Ergee ist ein Akronym für „Edwin Rössler, Gelenau / Erzgebirge“.

Ergee wurde 1901 in Gelenau im Erzgebirge, damals Königreich Sachsen, von Edwin Rössler gegründet. Bereits 1910 beschäftigte das Unternehmen 30 Mitarbeiter und produzierte etwa 2000 Kindersocken pro Tag. Während des Ersten Weltkrieges wurde Kriegsbedarf hergestellt. So wurden Socken aus Papiergarn produziert. In der Folge wuchs Ergee weiter und war in den kommenden Jahren in Deutschland bereits marktführend. 1920 wurde ein neues Fabriksgebäude in Gelenau errichtet. Der erste Zweitbetrieb von Ergee wurde 1927 in Falkenbach in Sachsen eröffnet, womit Ergee 1928 erstmals 200 Mitarbeiter beschäftigte. In den Folgejahren wuchs das Unternehmen ständig, sodass es 1938 Weltmarktführer bei der Erzeugung von Kindersocken wurde, die in 60 Länder der Welt exportiert wurden. Die Jahresproduktion lag bei etwa 20 Millionen Paar Kinderstrümpfen. Während eines Luftangriffes im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in Gelenau stark beschädigt.

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Werbung, 1954

Im Jahr 1949 wurden die Betriebe in Gelenau und Falkenbach zu Volkseigenen Betrieben erklärt. Deshalb wurde am 30. Juli 1949 Ergee ein zweites Mal durch Emil und Werner Rössler als Strumpffabrik Neustadt (Hessen) gegründet. Der neue Firmensitz war Sonthofen in Bayern. An den beiden Standorten produzierten bereits 1951 etwa 1300 Mitarbeiter 2,5 Millionen Paar Damenfeinstrümpfe. Bekannte Filmstars, wie Hildegard Knef oder Romy Schneider machten die Strumpfmarke weiter bekannt.

Anfang der 1960er Jahre wuchs die Belegschaft auf 2400 Mitarbeiter und gemeinsam mit der Strickhandschuhfabrik Michael Lohs in Traunreut in Oberbayern wurde die Ergee-Textilwerke Schrems GmbH gegründet. Mit der Entwicklung der Ergolan-Faser baute Ergee auch eine Produktion für Herrensocken auf. Es wurden aber noch weitere Textilmaterialien entwickelt, wie Ergee-schwebeweich eine Mischung aus Schurwolle und Polyamidfaser. Im Sponsorbereich trat Ergee als Ausrüster auf, wie beispielsweise bei einer schwäbischen Himalaya-Expedition, die 1977 den Lhotse bezwang. 1979 war das Unternehmen offizieller Ausrüster der österreichischen Skiteams. Im Jahr 1987 war Ergee Ausstatter der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf. In den 1990er Jahren verfügte Ergee weltweit über Produktionsbetriebe in Deutschland, Frankreich, Malaysia, Österreich und der Schweiz und beschäftigte etwa 5.300 Mitarbeiter. In den Folgejahren wurde einerseits an neuen Fasern geforscht, andererseits auch wieder auf Naturfaser gesetzt.

1997 kämpfte das Unternehmen mit Problemen und wurde von der Bundesgesellschaft für industriepolitische Maßnahmen (GBI) übernommen, die zusammen mit Niederösterreich in die Produktionsstätte investierte.

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Promi-Werbung, 1954 mit Hildegrd Knef, Nadja Tiller und Magda und Romy Schneider

Im Jahr 2001 kaufte der deutsche Strumpferzeuger Vatter das Unternehmen. 2007 hatte es einen Umsatz von 44,5 Millionen Euro. Anfang 2008 wurde die Produktion in das Werk Loana in Rožnov in Tschechien verlagert.

Die Suche nach einem neuen Investor blieb erfolglos, so dass das Unternehmen im November 2008 Konkurs anmelden musste. Zum Zeitpunkt der Insolvenzmeldung waren nur noch 197 Mitarbeiter beschäftigt.

Ende Januar 2009 wurde bekannt, dass der Textil-Discounter KiK die traditionsreiche Strumpfmarke übernimmt. Über den Kaufpreis vereinbarte KiK und die Vatter-Gruppe Stillschweigen.[4] Dabei hat KiK nur die Marke und das Fertigwarenlager gekauft. KiK produziert keine Ergee-Textilien mehr in Europa.

Die Eisschnellläuferin Anni Friesinger ist seit 1. Juni 2015 neue Markenbotschafterin für Ergee. (Quelle: wikipedia)

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Werbung, 1965

Und nachdem Ende von Ergee gab´s natürlich auch nicht nur einen wehmütig-sentimentalen Nachruf:

Ergee – diese Marke ist fast allen Bundesbürgern über 30 Jahren ein Begriff aus Kindertagen: wir wurden alle mit dem Ergee Entchen groß. Im Herbst 2008 meldete Ergee Insolvenz an

Ergee ist eine Traditionsmarke, 1901 in Sachsen gegründet, ereilte sie im zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal, wie alle Strumpfhersteller aus Sachsen: die Maschinen enteignet, die Mitarbeiter gefallen, oder bereits im Westen. So entstand im Wirtschaftswunderland in Sonthofen ein kleines Märchen namens Ergee. Mit neuen Maschinen und einem großen Ansporn, erreichte man vieles und stieg schnell zum größten Kinderstrumpffabrikanten der Welt auf. Mit allem was dazugehört: Cornelia Froboess machte genauso gerne Werbung für Ertgee wie Romy Schneider. Und das was heute viele Firmen anstreben, gehörte bereits in den fünfziger Jahren zum guten Ton: eigene Flagshipstores. Gut, die hiessen damals anders, machten aber im Prinzip das gleiche: die eigene Marke präsentieren. Der Niedergang der westdeutschen Textilindustrie erwischte dann in den 60er und 70er Jahren auch Ergee.

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Wenn Frauen für Männersocken werben (Quelle: wirtschaftswundermuseum.de)

Hunderttausende Textilarbeiterinnern verloren damals ihre Arbeit, als Standorte ins Ausland verlegt wurden. Und wer in den letzten Jahren einmal in Sonthofen am ehemaligen Hauptstandort vorbeigefahren ist, kann nur erahnen, was hier früher einmal losgewesen sein muss. Bereits 1994 war Ergee insolvent und schloss das Werk in Sonthofen. Obwohl die benachbarte Kunert AG deutlich Interesse bekundete; ging das Unternehmen nach Österreich. Mit der nächsten Insolvenz 2001 wurde es von der Vatter Gruppe übernommen. Die Insolvenz in 2008 soll gerüchteweise mit der Weltwirtschaftskrise zusammenhängen: Es fehlte schlicht das Geld um über den Sommer zu kommen. So soll es in der Folge auch eine ganze Reihe von Interessenten gegeben haben, die Ergee auch als eigenständigen Produzenten weiterführen wollten. Die Lage an den Finanzmärkten, die wohl recht komplizierte Struktur und darin enthaltene Verpflichtungen führten dazu, daß Ergee nun im Discounterumfeld weiterlebt.

Ergee Verkäufer.jpg

Die Marke gehört jetzt KiK. Das Ende von Ergee stellte in Österreich übrigens eine der größten Firmenpleiten der Landesgeschichte dar. In Deutschland schaffte es Ergee nicht einmal mehr in die Wirtschaftsteile. Das Firmengelände in Österreich ging an einen russischen Investor, der dort wieder Strümpfe produzieren will. Sehr gespannt darf man sein, wann und wo das Ergee- Ergolan Entchen wieder auftaucht. (Quelle: blog.nylons-strumpfhosen-shop.de)

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Solche Werbung empfinde ich als perfide und frauenfeinlich …. 

In den 50er Jahren gab es dann diese musikalische Warenprobe (die eingestanzten Klemmvorrichtungen in der Plattenhülle weisen darauf hin, dass in der Single auch entsprechende Strümpfe enthalten waren).

Und als Draufgabe gab´s dann doch glatt noch ne einseitige Plastik-Flexi-Single im durchsichtigem Vinyl mit der Strauß Komposition „Rosen aus dem Süden“.

Nun, betrachtet man sich all die Werbebilder dieser Firma … da kann mir keiner erzählen, dass nicht auch eine gepfefferte Prise Sex mit verkauft werden sollte (der Sex war natürlich ja nach der jeweiligen Zeit etwas dezenter oder aber auch etwas expliziter).

Nun, dem kleine Voyeur in mir kann das nur recht sein … konnte ich doch zur Illustration dieses Beitrages ein paar hübsche Bildchen einbauen. Und nein, ich bin kein Strumpf-Fetischist.

Musikalisch gibt es da eher weniger zu berichten. Aber das Prädikat „nett“ erhält diese Scheibe dann doch.

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Besetzung:
Unbekannte Musiker

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Titel:
01. Oh When The Saints (Traditional) 2.55
02. Doo-Da-Doo (oder so) 2.35
+
03. Rosen aus dem Süden (Strauß) 2.51

SingleA+BSeite.jpg

Und hier die Plastik-Flexi-Single im durchsichtigem Vinyl:

SingleCSeite1

*
**

Und hier das Ergee- Ergolan Entchen (nur gut, dass ich nicht albern bin):

Ergolanchen-Ente

Diese Präsentation wurde nur möglich, weil die Graugans wieder mal tief  in ihre Plattenkiste gegriffen hat und mir dieses seltene Stück überlassen hat … Dafür ein herzliches Dankeschön !

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