Erika Köth, Rudolf Schock u.a. – Lucia di Lammermoor (1957)

FrontCover1Wenn ich mich recht erinnere, war meine Mutter (die hätte übrigens heute ihren 99. Geburtstag gehabt) eine glühende Verehrerin der Opern-Sängerin Erika Köth:

Erika Köth (* 15. September 1925 (in manchen Musiklexika wird 1927 als Geburtsjahr genannt) in Darmstadt; † 20. Februar 1989 in Speyer) war eine deutsche Kammersängerin und Sopranistin. Mit ihrem Koloratur­sopran wurde sie in Mozart-Opern berühmt, besonders als Königin der Nacht in Die Zauberflöte. Breite Bekanntheit erreichte sie auch durch Rollen in Opern und Operetten von Albert Lortzing, Robert Stolz, Johann Strauß und Franz Lehár. Sie gehörte zu den großen Koloratursopranistinnen des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Ihre Stimme zeichnete sich aus durch „höchste Virtuosität, exquisite Klangschönheit und besondere Leuchtkraft in den höchsten Lagen“ (Herrmann/Hollaender 2007, S. 35).

Erika Köth erkrankte mit acht Jahren an Kinderlähmung, von der sie sich nach einer langwierigen Therapie weitgehend erholte. Mit 17 Jahren erhielt sie ein Stipendium ihrer

Autorgrammkarte.jpg

Autogrammkarte, ca. 1965

Heimatstadt, aber der Krieg verhinderte die Karriere als Sängerin und sie landete in einer Munitionsanstalt statt im Theater. Nach Kriegsende verdiente sich Erika Köth ihren Lebensunterhalt als Schlager- und Schnulzensängerin für die amerikanischen Armee und studierte Gesang an der Darmstädter Akademie für Tonkunst.

Im Jahr 1947 gewann sie unter 300 Bewerbern einen Gesangswettbewerb von Radio Frankfurt mit der Arie der Königin der Nacht. Daraufhin erhielt sie ihr erstes Engagement am Pfalztheater in Kaiserslautern, wo sie 1948 debütierte.

Köth wechselte 1953 an die Bayerische Staatsoper in München, zu deren Ensemble sie bis 1978 gehörte. In der Landeshauptstadt Bayerns hatte sie als Lucia di Lammermoor einen ihrer ersten Erfolge. Dort waren ihre Gesangspartner Sari Barabas, Hertha Töpper, Lilian Benningsen, Hans Hotter sowie Fritz Wunderlich und Hermann Prey.Um 1950 lernte sie auf dem Fußballplatz ihren zukünftigen Ehemann kennen, den Schauspieler und Regisseur Ernst Dorn, der sie später auch managte. Zudem erhielt sie ein Engagement an das Badischen Staatstheater in Karlsruhe, unter der Leitung von Generalmusikdirektor Otto Matzerath. Die drei Jahre am Karlsruher Theater waren bestimmend für ihre Karriere zur gefeierten Koloratursopran­istin. Über ihre Zeit in Karlsruhe äußerte sich die Künstlerin rückblickend: „Das war meine schönste Zeit, wo ich so arm war und nie Geld hatte… Otto Matzerath in Karlsruhe verdanke ich alles.“

Zudem trat Erika Köth regelmäßig in Produktionen der Hamburger und der Wiener Staatsoper auf. Daneben war sie noch am Staatstheater am Gärtnerplatz tätig. Erika Köth sang über 270 mal die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte, darunter 1953 an der Wiener Staatsoper und 1956 an der Mailänder Scala. 1960 wurde sie Mitglied der Deutschen Oper Berlin und erweiterte ihr Repertoire ins lyrische Fach: Rollen wie Mimi, Antonia, Liù oder Micaela kamen als neue Partien hinzu. 1955 bis 1960 und 1962/1963 sang Erika Köth bei den Salzburger Festspielen. 1958 unternahm sie eine USA-Tournee, 1961 eine Tournee durch die Sowjetunion und 1963, 1966 und 1971 durch Japan, u. a. mit den Opern Le Nozze di Figaro, Die Zauberflöte und Falstaff. Sie wirkte in drei Spielfilmen mit und war 1958 an der Seite von Wolf Albach-Retty Hauptdarstellerin in Mein ganzes Herz ist voll Musik. Darin spielte sie eine Frau, die ein seltsames Doppelleben führte.

Bei den Bayreuther Festspielen sang Erika Köth die Partie des Waldvogels in Richard Wagners Siegfried. Weitere Auftritte folgten im Londoner Covent Garden, in Rom, Los Angeles, San Francisco und Budapest, hauptsächlich in Richard-Strauss-Rollen. Außerdem sang sie die Lucia di Lammermoor und die Mimi in Puccinis La Bohème.

Ihren letzten viel umjubelten Auftritt auf einer Opernbühne hatte sie 1978 in München als Mimi in Puccinis La Bohème. Danach arbeitete sie bis 1988 als Dozentin an den Musikhochschulen von Köln und Mannheim, gab Meisterkurse in ihrem Wohnort Neustadt an der Weinstraße und engagierte sich ferner bei August Everding „Singschul“ in München. Zu ihren Schülern gehörten unter anderem Anna Maria Kaufmann sowie Ruth Frenk.

KöthSchock.jpg

Rudolf Schock (als Lyonel) und Erika Köth (als Lady Harriet) in Martha, 1965

Abseits der Opernbühne war sie auch einige Male Gast in der Fernsehsendung Zum Blauen Bock mit Heinz Schenk. Hier sang sie Lieder der leichten Muse.

Im Jahr 1989 erlag die Künstlerin einem Krebsleiden. Am 23. Februar 1989 wurde sie auf dem Alten Friedhof (Grabstelle: 1 A 121) in Darmstadt vom Bischof des Bistums Speyer, Anton Schlembach, beerdigt. Die Trauerrede hielt der vormalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel.

In Darmstadt, Baldham bei München sowie Neustadt an der Weinstraße wurden Straßen nach Erika Köth benannt.
Erika-Köth-Kette

Die Stiftung zur Förderung der Semperoper in Dresden verleiht in unregelmäßiger Folge an hervorragende Sängerinnen die Erika-Köth-Kette. Damit wurden bisher Birgit Fandrey (1994) und Christiane Hossfeld (2001) ausgezeichnet. (Qulle: wikipedia)

ErikaKöth

Aber nun erstmal zur Handlung dieser Oper:

Enrico Ashton, ein verarmter schottischer Adliger, will seine Schwester Lucia mit dem vermögenden Lord Bucklaw verheiraten. Er befürchtet zudem, dass der lange verschollen geglaubte Edgardo von Ravenswood, dessen Vater ihm einst die Herrschaft entrissen hatte, unter Wahrung des Inkognitos wieder in das Hügelland von Lammermuir zurückgekehrt ist und auf Rache sinnt. Edgardo ist tatsächlich zurückgekehrt und trifft sich heimlich mit Lucia. Enrico, der von der Romanze zwischen Lucia und Edgardo Wind bekommen hat, spielt Lucia einen gefälschten Brief zu, welcher Edgardo der Untreue überführt. Verzweifelt willigt Lucia in die Hochzeit mit Lord Bucklaw ein. Just als die Unterschrift unter den Ehevertrag gesetzt ist, stürmt Edgardo herein. Er begreift, dass er zu spät gekommen ist, und zieht wieder von dannen. Enrico setzt Edgardo nach und fordert ihn zum Duell. Währenddessen ersticht Lucia in der Hochzeitsnacht in einem Anfall von Wahnsinn ihren Bräutigam. Im Morgengrauen wartet Edgardo vergeblich auf das Eintreffen Enricos. Als ihm schließlich die Botschaft zugetragen wird, dass Lucia dahingeschieden sei, nicht ohne zuvor vergeblich nach dem Geliebten gerufen zu haben, setzt der verzweifelte Edgardo seinem Leben ein Ende.

In einer Atmosphäre von nebelverhangener Landschaft, halbverfallenen Burgen und uralter Fehden zwischen Clans siedelten Cammarano und Donizetti die Handlung ihrer ersten gemeinsamen Oper an. Donizetti gestaltete neben der bildmächtigen Todesvision der Lucia vor allem den Augenblick ihrer Umnachtung nach dem Gattenmord in der Hochzeitsnacht durch betörenden Koloraturengesang derart packend aus, dass er sich gleichsam zum Idealbild einer opernhaften „Wahnsinnsszene“ verfestigte. (Quelle: Staatstheater Darmstadt)

Notenblatt
Wie bereits oben erwähnt, war die Rolle der Lucia di Lammermoor für Köth der Durchbruch für ihre beeindruckende Karriere. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb damals anlässlich der Premiere dieser Oper (Bayerische Staatsoper, München, Dezember 1956) u.a. folgendes:

„Das Phönomen der jungen Sopranistin Erika Köth beruht darauf, daß hier eine völlige Integrität von Stimme und Persönlichkeit, von Timbre und Charakter, von Musikalität und Ausdrucksvermögen vorliegt.“ (weitere Informationen dazu auf der Rückseite der Plattenhülle.

Nun, ich fühle mich nicht berufen, dies zu kommentieren, aber … ich glaubs jetzt einfach mal … Von daher: ein Leckerbissen für Opernfans, die dann auch noch in den Genuß kommen, auch einen Rudolf Schock hören zu können. Von dem kommt übrigens demnächst mehr.

Aufgenommen am 30. und 31. Januar 1957 in der Grunewaldkirche, Berlin

ErikaKöth2

Besetzung:
Lord Henry (Enrico) Ashton: Josef Metternich, Bariton
Lucia, seine Schwester: Erika Köth, Sopran
Edgard (o) von (di) Ravenswood: Rudolf Schock, Tenor
Lord Arthur (Arturo) Bucklaw: Manfred Schmidt, Tenor
Raimondo Bidebent, Erzieher Lucias: Gottlob Frick, Bass
Alisa, Lucias Zofe: Hertha Töpper, Alt
+
Chor der Städtischen Oper Berlin unter der Leitung von Leitung Hermann Lüddecke
Berliner Symphoniker unter der Leitung von Wilhelm Schüchter Dirigent WILHELM SCHÜCHTER

BackCover1

Titel:
01. Noch ist er ferne 11.31
02. Schweigende, dunkle Mitternacht 3.28
03. Wer vermag´s, den Zorn zu hemmen 15.40

Musik:  Gaetano Donizetti – Libretto: Salvadore Cammarano

LabelA1.JPG

*
**

Ein Gedanke zu “Erika Köth, Rudolf Schock u.a. – Lucia di Lammermoor (1957)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s