Projektgruppe Evaluation (Arbeitskreise Frauen im Museum der Arbeit) – Ansichtssache – Zur Wirkungsweise des Ersten Hamburger Frauenwandbildes (1992)

Frauenwandbild01AOkay, okay, Titel wie der Name der Autorinnengruppe sind arg sperrig, das ändert aber nichts daran, dass in Hamburg 1989 ein spannendes Projekt angestossen wurde, das bis heute seine Kreise zieht. Die Rede ist vom „ersten Hamburger Frauenwandbildes“, das dann Um was geht´s da eigentlich ?

„Vorgängerin der FrauenFreiluftGalerie war das 1994 abgerissene Erste Hamburger Frauen-Wandbild zum Thema „100 Jahre Frauenarbeit im Hafen“ mit anfangs 1.000 qm Wandfläche. Es wurde 1989 im Rahmen des Museums der Arbeit vom „Arbeitskreis Frauen im Museum der Arbeit“ an der Nordfassade des sog. Fischmarktspeichers, ein ehemaliger Getreidespeicher, in der Großen Elbstraße 39, realisiert.

Der Anlass für das Wandbild waren die für das Jahr 1989 geplanten Feierlichkeiten zum 800. Hafengeburtstag. Dafür wollte der Arbeitskreis ein Gemälde visualisieren, das Unsichtbares sichtbar werden lässt, nämlich die bis dahin meist unbeachteten Tätigkeiten und Berufe von Frauen im Hafen, einem als „Männerdomäne“ geltenden Bereich.

Als Bilder der anderen Hälfte der Hafenwelt sollte eine gemalte Collage an einer Mauer direkt im Hafen Bild-Szenen hafenbezogener Frauenarbeit in den öffentlichen Blick rücken.

Beispiel01

Wandbild von 1989

Für dieses umfangreiche Unterfangen hatte sich der Arbeitskreis Frauen im Museum der Arbeit drei Jahre zuvor, im Jahr 1987, erweitert auf über zwanzig Frauen zwischen 25 und 77 Jahren, unter ihnen Historikerin, Rentnerin, Studentin, Hausfrau, Sozialwissenschaftlerin, Büroangestellte, Medienfrau wie Grafikerin, Filmemacherin, Malerin. In Art einer interdisziplinären Frauen-Geschichtswerkstatt in Kooperation mit dem in Gründung befindlichen Museum der Arbeit wurde geforscht, recherchiert, künstlerisch gearbeitet und um den attraktiven Standort des Wandgemäldes am Fischmarkt gerungen.

Die Gruppe definierte ihre Arbeit als Frauen-Forschungs-Kultur-Politik-Projekt. Denn es galt zum einen, die unbekannten Ecken der Stadtgeschichte auszuleuchten und zu bearbeiten, war doch weibliche Wirtschaftskraft im Hafen Mitte der 1980er ein kaum erforschtes Feld. Zum anderen war die geplante Umsetzung der Recherche-Ergebnisse in ein Wandgemälde eine Novität.

Eingebettet in die damals virulenten Ideen der feministischen Platzgewinnung im öffentlichen Raum, verstand sich das Wandbild-Projekt als ein Experiment einer Open Air-Einschreibung  bzw. -„Einmalung“ von Bildern, die in der Stadt über Frauenalltag und von Geschlechterverhältnissen erzählen. Auch eingedenk der Praxis des Künstlers Josef Beuys, Forschung und Kunst nicht nur als wissenschaftlichen und ästhetischen, sondern auch als sozialen Prozess zu begreifen.

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Einige Frauen aus dem Arbeitskreis
„Frauen im Museum der Arbeit“

Besonders deutlich wurde dies, da die Recherchen keineswegs nur in Archiven stattfanden, sondern als Oral-History-Recherche an den Arbeitsorten selbst: So kamen über 100 Interviews mit Zeitzeuginnen zusammen, die einst und jetzt im Hafen ihr Geld verdienten, aber auch mit „unsichtbarer“ Arbeit in Familie oder Haushalt dafür sorgten, dass auch im Hafen alles rund läuft.

Schon während der frühen Recherche-Phase stieß die Hamburger Malerin Hildegund Schuster zur Projektgruppe. Zwei weitere Künstlerinnen, Wiebke Hohrenk  und Gisela Milse, kamen später zum Malen des Bildes Anfang 1989 hinzu.

In knapp drei Monaten gelang den Malerinnen das 1.000 qm-Werk. Zuvor hatte der Arbeitskreis Frauen im Museum der Arbeit öffentlich zum „Fest des Ersten Pinselstrichs“ im großen Kreis von Zeitzeuginnen und Unterstützern am 1. Mai 1989 geladen, ein gut besuchter Auftakt der Malarbeit und zugleich den Maifeierlichkeiten eine besondere Note verleihend. Und im Sommer gab die freie Sicht auf das fertige Gemälde Anlass für das „Entrüstungsfest“ am 29. Juli 1989.

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Das Frauen-Forschungs-Kultur-Politik-Projekt  kann republikweit als Experiment und als Novität gelten: zwischen Zustimmung und Widerspruch á la „Feministischer Realismus“, auf alle Fälle war es Gesprächsanlass in der Stadt und weit über Hamburg hinaus.“ (Quelle: frauenfreiluftgalerie.de)

1993 erfolgte dann die Erstellung des zweiten Hamburger Frauenwandbildes usw. Und heute gibt es das Projekt „Frauen FreiLuftGalerie“, das sich ganz sicher bunesweit einen guten Namen gemacht hat.

Aber zurück zum eigentlichen Projekt: Als dieses dann erfolgreich abgeschlossen wurde, etablierte sich eine Projektgruppe Evaluation, die sich an die Arbeit machte, die „Wirkungsweise“ dieses damals einmaligen Projekt zu erforschen.

Herausgekommen ist dann dieser Band (54 Seiten) in dem ausführlich und detailliert über Entstehungsgeschichte sowie das Ergebnis einer ausführlichen Befragung. Befragt wurden 82 Männer und Frauen, die das Wandbild mindestens einmal gesehen haben. Man kann vielleicht einwenden, dass diese Probndengruppe ein wenig klein ist, zumal bei einem Bild, das öffentlich mehr als leicht zugänglich war.

Ändert aber nichts daran, dass ich hier ein wirklich spannende Projekt samt Auswertung eben auf die Wirkungsweise von Kunst dieser Art imöffentlichen Raum.

Hier einpaar Endrücke von der Broschüre und dann geht´s ab zu Präsentation:

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Beigefügt habe ich noch ein Radio-Interview des Senders „Radio Freies Sender Kombinat, Hamburg (FSK)“ mit Elisabeth von Dücker und Hildegrund Schuster aus dem Jahr 2011. Darin geben beiden Auskunft über die Geschichte und die aktuellen Ansätze des Projektes „“Frauen FreiLuftGalerie“

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Die Schweißerinnen Elvira Vierke (li.) und Inge Lüde beim Fest des Ersten Pinselstrichs mit ihrem Interviewbeitrag im Katalog-Buch (den ich leider nicht mein eigen nennen kann)

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