Giora Feidmann + NDR-Chor – The Soul Chai – Die Seele lebt (1995)

FrontCover1Wenn man weiß, dass diese Aufnahme in einem, Gebäude, das der israelischen Glaubensgemeinschaft bis zum 9. September 1938 als Synagoge gedient hat, entstanden ist, dann kann man ahnen welchen Bezug bei einem Giora Feidman diese Aufnahmen haben. Heute gehört dieses Gebäude übrigens dem NDR und in dem dortigen Studio 10 geschah musikalisch was ganz und gar bewegendes.

Es fällt schwer, bei diesen Klängen nicht an Konzentrationslager zu denken. Giora Feidman hatte in den vergangenen Jahren in Europa für ein Revival der Klezmermusik, jenes uralten jüdischen Stils, gesorgt. Mit „The Soul Chai – die Seele lebt“ beschwört er Bilder, wie sie viele in Spielbergs Film „Schindlers Liste“ gesehen haben. Denn die 18 Stücke dieser CD wurden fast alle in Gettos oder KZs geschrieben. Mit einer volksliedhaften Instrumentierung (Violine, Gitarre, Baß, Mandoline und Akkordeon) erinnert der Klarinettist Feidman an die Lagerorchester, die auf Geheiss der SS die Ankunft neuer Transporte, den Gang zur Gaskammer, öffentlicher Bestrafung und Exekutionen untermalen mußten. „Dennoch“, schreibt Feidman in seinen Produktionsanmerkungen, „kann Musik weder Opfer noch schuldig sein.“ Eingespielt wurde die Aufnahme im Hamburger NDR-Studio 10, das bis zum 9. September 1938 der Israelitischen Glaubensgemeinschaft als Synagoge gedient hatte. Für zusätzliche Klangfarben sorgten der NDR-Chor unter der Leitung von Werner Hagen, der Kantor Mikhail Alexandrovich sowie die Mezzosopranistin Katja Beer. Es entstand eine Musik, in der sich sowohl Leid als auch Kraft und Widerstand der Ostjuden spiegeln. Konsequent schließt die CD mit dem Totengebet „Kadish“ und der Nationalhymne Israels, „Hatikva“. (Stereoplay)

Booklet02AUnd ein Amazon-Kunde ist auch ganz begeistert:

Für mich die vielleicht beste CD von Giora Feidman. Er holt einfach alles aus sich heraus und gibt sich ganz seinem Spiel hin. Ja, man könnte meinen, er sei geradezu körperlich präsent.
Hier zeigt er, was Klezmer wirklich ist: „Soul chai“ – absolut lebendige Seele – und ihr Ausdruck in Musik …
Die Stücke sind mal neckisch, mal zärtlich, dann wieder überschwänglich bis todtraurig, aber auf jeden Fall alle eine wundervolle Hommage auch an das eigene „Seelenleben“. Mein Urteil: Ganz ganz große Musik!(Hans-Christoph Neuert)

Booklet05A
Aber nicht alle sind so begeistert, einen ziemlich Veriss findet sich auf einer deutschen Seite für Klezmer Musik (und die habe ich als pdf-Datei ins Päckchen gepackt).

Mich hat diese Fundamental-Kritik nicht wirklich überzeugt, aber es lebe die Vielfalt der Meinungen. Ergänzend sei noch vermerkt, dass das üppige booklet keine Wünsche offenlässt (okay, die Fotos hätten größer sein können). Der Informationsgehalt ist jedenfalls enorm und das ist dann schon beeindruckend.

Booklet10A
Besetzung:
Giora Feidman (clarinet)
+
NDR Chor unter der Leitung von Werner Hagen
+
Mikhail Alexandrovich (Kantor bei 17.)
Katja Beer (mezzo-sopran bei 04. + 13.)
Christa Bonhoff (alt)
Dantes Diwiak (tenor)
Karsten Eckstaedt (accordeon)
Guido Jäger (bass)
Gabrielle-Betty Klein (mezzo-sopran)
Michael Marx (guitar)
Ludmila Muster (harp)
Martin Schmidt (mandoline)
Kai Schlarbaum (vocals „oberton“)
Alec Sloutsky (violin)

 

BookletBackCover1Titel:
01a.Yugent- Himen (Rubin)
01b. Zog nit keyn mol (Pokrass) 2.13
02. Jiddish Tango (Traditional) 2.57
03a. Rivkele, die Shabesdike (unbekannt)
03b. Der Hoyfzinger fun Varshever Ghetto (Traditional) 2.44
04. Mode Ani (Gelbary) 5.49
05a . Oyf eybik unser Lebn (unbekannt)
05b. Yisrolik (Veksler) 3.14
06a. Main Shikhelekh varfoylt (Traditional)
06b. Makh tsu die eygelekh (Beyglman) 3.14
07a. Minutn fun bitokhen (Gebirtig)
07b.  Es shlogt di sho (unbekannt) 3.27
08.Tefilati (Feidman) 3.24
09.Friling (Brudno) 3.48
10. Follow The Klezmer´s Light (Chaim) 2.53
11. Zelbike Gasn (Traditional) 3.19
12. Tsen Brider (Traditional) 3.41
13. Shtiler, Shtiler (Tamir) 4.29
14. Mir veln zey iberlebn (unbekannt) 3.04
15. Ikh benk aheym (unbekannt) 3.40
16. Ani Ma´aim (Fastag/Carlibach/Rockoff) 3.18
17. Kadish (Traditional/Jasenowsky) 4.31
18. Hatikva (Traditional) 1.19

CD1

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