Tame & Maffay – Tame & Maffay (1977)

FrontCover1.jpgAuch wenn dieses Projekt bei den damaligen „echten Musikfreaks“ kaum auf Gegenliebe gestoßen ist, interessant war es allemal.

Über Peter Maffay brauche ich eigentlich kaum Worte verlieren … aber ganz sicher wollte er mit diesem Projekt sein Image als Schlagerfuzzi vergessen machen …. dazu später mehr.

Sehr interessant ist aber auch der Werdegang des „Johnny Tame“:

Johnny Tame (* 3. März 1947 in Friedberg/Hessen), der mit bürgerlichem Namen Uwe Reuß heißt, ist ein deutscher Sänger, Gitarrist und Songwriter. Er begann seine musikalische Laufbahn in den frühen 1960er Jahren und konnte sowohl als Solist, als auch als Mitglied verschiedener Bands nationale und internationale Erfolge verzeichnen. Insbesondere seine langjährige Zusammenarbeit mit Peter Maffay brachte ihm einen größeren Bekanntheitsgrad, den er für ein intensives soziales und humanitäres Engagement nutzte. Ende der 1980er Jahre zog er sich aus dem Musikgeschäft zurück.

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Johnny Tame in den 60er Jahren

Tame ist verheiratet und lebt in Hamburg.

Tame begann seine musikalische Karriere in den frühen 1960er Jahren noch unter seinem richtigen Namen, Uwe Reuß, und wurde als Bassist, Gitarrist und Sänger verschiedener deutscher Bands wie den Rascals (nicht zu verwechseln mit der US-amerikanischen Pop-Band The Rascals), den Gigolos und den Delegates tätig. 1964 wurde er Profimusiker und spielte in zahlreichen Galas und TV-Shows, auch im deutschsprachigen Ausland. 1967 legte er sich seinen Künstlernamen zu, unter dem ihm mit seiner ersten Eigenkomposition „Sand in my Shoes“ sein bis heute größter internationaler Erfolg gelang. Er spielte auf zahlreichen Festivals und vertrat 1968 Deutschland beim internationalen Song-Festival OSCAR auf Malta, bei dem er Platz drei belegte. Im gleichen Jahr sang er unter dem Pseudonym Sherman Space zwei Titel eines Perry Rhodan Films.

Zu Beginn der 1970er Jahre mehrten sich die internationalen Konzert-, TV- und Radio-Engagements, unter anderem in den USA, Portugal, Belgien und Skandinavien. Tame gründete 1972 die Johnny Tame’s Time Machine und war als Bassist und Sänger der Bourbon Family tätig. Zudem spielte er bis 1976 als Bassist und Sänger bei der Orpheus Band von Costa Cordalis. Obgleich seine Medien- und Bühnenpräsenz zunahm, wollte ihm der große Durchbruch jedoch nicht gelingen.

1976 begann seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Peter Maffay, innerhalb derer unter dem Namen Tame & Maffay zwei Country-Rock-Alben produziert wurden. Daraus ergab

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Johnny Tame in den 70er Jahren

sich eine bis 1986 andauernde Kooperation, bei der Johnny Tame mehr oder weniger regelmäßig musikalischer Bestandteil und Special Guest bei Konzerten und Produktionen von Peter Maffay war. Damit stellte sich nun auch der materielle Erfolg ein. Man veröffentlichte Anfang der 1980er Jahre zwei Solo-LPs mit entsprechenden Single-Auskopplungen. Tame zeigte allerdings nur sehr wenig Interesse an einer Kontrolle über seine Einnahmen und Erträge. Er ließ seine Belange von Finanz- und Steuerberatern erledigen, was für ihn letztlich in einem finanziellen und wirtschaftlichen Fiasko mündete.

Während der gemeinsamen Zeit mit Maffay kam es immer wieder zu Problemen bei der Live- und Studioarbeit. Am Ende der Carambolage-Tournee 1984 stand das endgültige Aus zwischen Peter Maffay und Johnny Tame, das auch das Resultat von Alkohol- und Haschischkonsum, sowie Tames schlechtem Gesundheitszustand war, dessen wirkliche Ursachen damals jedoch auch von ärztlicher Seite lange unerkannt blieben. Heute ist bekannt, dass Johnny Tame an einem Chronischen Erschöpfungssyndrom leidet. Nach einer letzten Plattenproduktion 1986 zog er sich vollkommen auf seinen damaligen Wohnsitz Borkum zurück, den er nur noch selten für einige Engagements verließ. Seine bis dato letzten öffentlichen Auftritte fanden 1989 statt. Er war Stargast beim „Tag der Niedersachsen“, wo er eine Auszeichnung als „Künstler des Jahres“ entgegennahm, und er nahm Teil beim Stadtfest in Northeim und bei der Breminale.

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Johnny Tame in den 80er Jahren

Tame nutzte schon sehr früh seine Popularität, um sich für soziale und humanitäre Projekte, sowie für Umweltschutzorganisationen einzusetzen. Dabei stand immer sein bedingungsloses Engagement für die Sache im Vordergrund, nicht der mögliche Nutzen für seine Karriere. Luftverschmutzung, Waldsterben oder die Nutzung der Kernenergie thematisierte Tame teils radikal, lange bevor man in Deutschland und anderswo begann, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Zu Beginn der 1980er Jahre spielte er unter anderem mit Joan Baez auf Konzerten für Amnesty International und Humanitas, trat auf beim Konzert für Afghanistan in Hamburg und engagierte sich immer wieder bei Auftritten für Künstler für den Frieden, AGA Aktionsgemeinschaft Artenschutz oder Greenpeace. Zudem unterstützte er die Nicaragua-Stiftung von Dietmar Schönherr. (Quelle: wikipedia)

Und an diese Tame & Maffay Periode erinnert sich einer, der die damalige Zeit auch miterlebt hat:

Viele mögen jetzt die Augen verdrehen und mit irgendwelchen Schlager-Vorurteilen längs kommen. Aber nüchtern betrachtet, ist das was Maffay ab Mitte-Ende der Siebziger abgeliefert hat, deutschsprachiger Rock – nur das es den damals nicht geben durfte – Rock hatte nach den Ansichten der damaligen Musikjournalisten englischsprachig zu sein und somit war Maffay ein Schlagerfuzzi weil er nun mal deutsch sang.

Nahzu unendeckt in Deutschland hatte Maffay zwei seiner Alben auch auf Englisch eingesungen die u.a. in Israel und in Grossbritannien veröffentlicht wurden. Kein Riesenerfolg, aber die Platten verkauften sich.

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Die Erfahrungen mit den dortigen Konsumenten und sein Interesse für Country Musik sollten bei einem Treffen mit Johnny Tame (brgl. Uwe Reuss) auf fruchtbaren Boden fallen und 1977 mit dem ersten Tame & Maffay-Album Früchte tragen. Die Platte war für so ein extremes Nischenprodukt sehr erfolgreich – die Singleauskopplung „Making it better“ schaffte es sogar bis auf Platz 58 der deutschen Charts, obwohl die meisten Radiosender den Song nicht spielten.

Viele Musikjournalisten ignorierten die LP oder taten sie mit einer Rezension á la „ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“ ab. (makrochip.de)

Und in der Tat. Auch wenn dieses Album keineswegs der „große Wurf“ war … aber soliden und gepflegt-gediegenen Country-Rock bekam man schon zu hören … zur damaligen Zeit eher die Ausnahme in deutschen Landen (sieht man mal von „Truck Stop“ ab).

Und die Liste der Begleitmusiker ist schon auch imposant (Peter Maffay umgab sich ja immer mit exzellenten Musikern !), selbst der Jazzgeiger Hannes Beckmann wirkte mit …

Von daher: eine kleine Verbeugung, auch vor Peter Maffay, dem sie lange Zeit doch ziemlich böse mitgespielt haben.

Single1

Besetzung:
Hannes Beckmann (violin)
Charles Campbell (percussion)
Frank Diez (guitar)
Martin Harrison (drums)
Peter Maffay (vocals, guitar)
Günther Moll (guitar)
Alex Pittwohn (harmonica)
Giuseppe Solera (flute)
Johnny Tame (vocals, guitar)
Eddie Taylor (saxophone)
Michael Thatcher (keyboards)
Stephan Wissnet (bass)

BackCover1.jpg

Titel:
01. Turn It Over (Tame/Maffay) 2.46
02. Making It Better (Tame/Maffay) 3.43
03. Too Many Stones (Tame) 4.07
04. I’m Not A Man Who Wants To Be Alone (Tame/Maffay) 4.05
05. I’m Living In A Dream (Tame/Maffay) 3.38
06. I Can Be So Far Away (Tame/Maffay) 3.11
07. I’m Not Only Passing Time (Tame/Maffay) 4.49
08. Help Me (Tame/Maffay) 2.22
09. See A Star (Tame/Heilburg) 4.59
10. And As I Hide Another Day (Tame/Maffay) 4.18
11. I’m Giving You Love Again (Tame/Maffay) 2.55
12. Nothing Can Be Changed Between Us (Tame/Maffay) 3.19

LabelB1

*
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2 Gedanken zu “Tame & Maffay – Tame & Maffay (1977)

  1. „nüchtern betrachtet, ist das was Maffay ab Mitte-Ende der Siebziger abgeliefert hat, deutschsprachiger Rock – nur das es den damals nicht geben durfte“

    Den durfte es damals durchaus geben, und es gab ihn ja auch. Maffays Problem war, dass er auch als Rocksänger seine pathetische Schlagerstimme nicht loswurde. Woran sich bis heute nichts geändert hat.

  2. Wie lange ist das alles her…
    1980/1 war ich Geschäftszimmersoldat bei einer Instandsetzungskompanie. Außer der Verwaltung der Urlaubs-, Kranken- und Dienstbefreiungskartei und Ausgabe von Essenmarken hatte ich dort sehr viel Freizeit. Wir hörten daher immer sehr viel Musik. So kam ein mit mir befreundeter Soldat vom Büro des Schirrmeisters mit Musik von Tame und Maffay an. Maffay? Hör es dir bitte mal an. Was ich aus lauter Langeweile dann auch tat. Und schlecht war die Musik wirklich nicht. Wurde zwar nicht zu meiner Lieblingsmusik, gemocht habe ich die Musik trotzdem. Und mein Kollege im Geschäftszimmer hatte den Nachnamen Reuß. Wie wir nun den wirklichen Namen von Johnny Tame mitbekommen hatten, bekam er Johnny als Spitznamen verpasst. Wie lange ist das alles her? Danke für den Beitrag und Wecken der Erinnerungen.

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