Baumstam – On Tour (1976)

FrontCover1.jpgKennt kaum einer, muss man aber auch nicht kennen, dennoch: eine spannende Geschichte aus den Tagen des deutschen Kraut-Rocks der 70er Jahre.

Baumstam ist eine Rockband aus Witten. Die Rockband wurde 1972 von Gerd Stracke, Ulrich Klawitter, Michael Lobbe und Michael Willecke gegründet. Ab 1974 ersetzte der Dortmunder Volker Wobbe den Bassisten Michael Willecke. 1977 trennte sich die Band, die 2004 schließlich ihre Reunion feierte. Für Michael Lobbe kam Ulrich Klawitters Sohn Adrian Klawitter hinzu.

Gegründet wurde Baumstam 1972 von Gerd Stracke, Ulrich Klawitter, Michael Lobbe und Michael Willecke. In den ersten Jahren spielte die Band in ganz Deutschland auch große Hallen und Open-Air-Konzerte. Der Sound mit zwei „Heavy-Fuzz“-Gitarren ging als wegweisend in die deutsche Rockgeschichte ein. 1975 wurde die LP On Tour produziert. Diese LP hat heute in Sammlerkreisen Kultstatus und wird mit bis zu 600 Euro gehandelt. Die Songs werden auch heute noch zum Beispiel in den USA von verschiedenen Radiosendern ausgestrahlt. 1977 trennten sich die Musiker, da man sich nicht einigen konnte, das Plattenvertragsangebot der Deutschen Grammophon anzunehmen.

Konzertplakat.jpgZwischen 1977 und 2004 verloren sich die fünf Mitglieder zwar gegenseitig aus den Augen, aber nie den Hang zur Musik. So spielten Gerd Stracke und Ulrich Klawitter auch später noch unabhängig voneinander in unterschiedlichen Wittener Bands.

Anfang 2004 trafen sich die Musiker von Baumstam anlässlich einer Reissue der Platte On Tour wieder. Für Michael Lobbe stieß der junge Gitarrist und Keyboarder Adrian Klawitter hinzu. Im Januar 2005 erschien die LP/CD Dreams of Yesterday mit neuen Songs im typischen Baumstam-Stil. Anna Weigand (Gesang, Flöte, Percussion) unterstützte den Gesang bei dieser Musikproduktion und blieb von 2004 bis August 2006 in der Band. In den letzten Jahren kamen neuere Einflüsse auch durch Adrian Klawitter hinzu, wobei Baumstam nie den Bezug zur eigenen Geschichte verlor. Seit Anfang 2005 konnte man Baumstam wieder live erleben, und gab somit den Freunden rockiger Musik auf dem Boden der 1970er Jahre die Gelegenheit z. B. auf dem Ümminger Summertime Festival, im RIFF (Bochum) und dem FZW (Dortmund) sich der Musik zu erfreuen. Seit 2007 tourt Baumstam mit noch und wieder aktiven Bands aus der Krautära, wie z. B. Jane, Epitath und Birth Control oder war z. B. als Support für Stan Webb´s Chicken Shack zu erleben. 2008 gab es Gastspiele in Frankreich. Nach der Studio-CD Moment im Jahr 2008 erschien eine weitere Reissue der On Tour mit zwei neuen Liedern und Ende 2009 eine Live-CD und DVD der „Dusty Roads-Tour 2009“. Von Anfang 2009 bis März 2010 war die Band durch den Gitarristen Roman Ronzon verstärkt. Volker Wobbe nahm im Januar 2010 Abschied von der Bühne. Neuer Bassist der Band ist Jens Gubert. Im November 2011 wurde Rex Dehnhardt in die Band aufgenommen. Er spielt Keyboard. Zum 40. Bandgeburtstag ist im März 2012 das neue Studioalbum 72 – 12 = 40 (40th Anniversary) auf CD und LP veröffentlicht worden. Baumstam ist auf der 40th Anniversary Tour wieder live zu erleben. (Quelle: wikipedia)

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Baumstam, ca. 2005

Und da gigt´s einen, der hat mit ganz viel Liebe über diese Band geschrieben:

Die Geschichte der Band Baumstam beginnt hier mit einer bekannten Textzeile von Herbert Grönemeyer … Tief im Westen, wo die Sonne versinkt … Ja, tief im Westen von Deutschland liegt der Ruhrpott. Und mitten im Gewühl aus Hochöfen, Fördertürmen, Zechen und kleinen Arbeitersiedlungen zwischen Bochum und Dortmund liegt die Stadt Witten. Anfang der Siebziger dominierte in Deutschland der Krautrock, ein schwerer, orgellastiger Sound mit harten Gitarren und teilweise psychedelischen Strukturen. Bands schossen wie Pilze aus dem Boden und so geschah es auch in Witten, dass die ehemaligen Schulfreunde Ulrich Klawitter und Michael Lobbe an den Gitarren, Gerd Stracke an der Schießbude und Michael Willecke am Bass eine Band gründeten. Baumstam, geschrieben mit nur einem „M“ am Ende, wurde diese benannt und schwamm von Anfang an auf der Krautrockwelle mit.

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Schon bald bespielten Baumstam größere Hallen und auch Open Air Konzerte. Befreundet mit den Bands Franz K. und Faithful Breath gingen Baumstam mit Franz K. sogar auf gemeinsame Deutschlandtour. Ihr harter, von den beiden Fuzzgitarren bestimmter Sound war nicht gerade alltäglich und sorgte bei den Liveshows für Begeisterung. Dieser Sound mit den beiden harten Gitarren wird teilweise als wegweisend für die deutsche Rockgeschichte bezeichnet. Michael Willecke verließ 1974 die Band und wurde von Volker Wobbe am Bass abgelöst. Den Part am Schlagzeug übernahm Gerhard Meyer von Stracke. 1975 war es dann soweit. Baumstam fand sich im Knöterich Studio von Lothar Simmsheuser in Witten-Annen ein, und an nur einem Wochenende wurden die neun Stücke für die LP eingespielt.

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Ein Schaller Verzerrer und eine alte Framus Deluxe Gitarre – fertig war der maßgebende Fuzz-Sound der Gruppe. Aufgelegt wurde die Platte in Eigenvertrieb auf dem eigenen BMF Label mit der Katalognummer BS 6232 855. Recording Engineers waren Lothar Simmsheuser und Bernd Düfel. Der Chorusgesang wurde durch Düfel, Gerhard Meyer, Michael Lobbe und Birgitt Hahn eingesungen.

Los geht’s auf Seite Eins mit dem Titeltrack „On Tour“. Sofort schreit einen die fuzzige Gitarre an. Der Track, im Midtempo gehalten, hat einen stampfenden Groove und bringt einen sofort zum Kopfnicken. Das schöne Zusammenspiel der beiden Gitarren fällt sehr ins Gewicht. Klawitter singt mit heiserer, rauer Stimme, was sehr gut zum Sound passt. Das folgende „Lucky Strike“ könnte fast als Fortsetzung durchgehen, wäre da nicht der ruhigere Strophenteil der allerdings ab der Liedmitte in eine wahre Orgie an Gitarrenlärm übergeht. Akustischer und ruhiger gehalten beginnt Song Nummer drei, „Hold me“. In langsamer Geschwindigkeit gespielt und nur im Mittelteil mit schneller verzerrter Gitarre bringt der Track einen bluesigen Touch ins Spiel. Mit Jazz hat der vierte Song „Jazz Break“ relativ wenig zu tun. Groovend beginnt er, aber steigert sich im Laufe zu einer typischen schnellen Krautrocknummer, basierend auf der fuzzigen Leadgitarre.

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Ähnlich wie der Titeltrack pflügt „Dusty Road“ durch die Gehörgänge und bringt die Köpfe vier Minuten lang zum Wackeln. Das live eingespielte „Girl I want to stay into your Fire“ erinnert bei Stimmung und Gesang etwas an die alten Rory Gallagher Aufnahmen. Der Song treibt in seiner ungeschlachteten Rohheit ganz schön vorwärts. Mit Brandungsrauschen beginnt „Last Letter“. Die Akustikgitarre spielt die Rhythmusakkorde und die Elektrische schwirrt obenauf mit der Leadstimme. Der Gesang tönt in wehmütiger Stimmung dazu. Eine willkommene Abwechslung der sonst so treibenden Nummern. Schneller wird’s wieder mit „Fifteen Years old Mary“. Im Mittelteil agiert wieder eine Fuzzorgie. Wäre im abschließendem „He’s a Liar“ eine Querflöte dabei, man könnte den Song fast als Jethro Tull Komposition vermuten.

Die Qualität von Band und ihre Musik war bei den Fans beliebt und so hatte Baumstam keinen Mangel an Auftrittsmöglichkeiten. Durch die sehr gute LP Produktion wurden auch einige große Plattenfirmen auf die Wittener aufmerksam und gaben sich teilweise die Türklinke in die Hand. Da sich die Musiker aber nicht über einen angebotenen Plattenvertrag mit der Deutschen Grammophon einigen konnten, trennte sich die Band 1977 und das Kapitel Baumstam war erstmal beendet. Für Ulrich Klawitter und Gerd Stracke war damals aber nicht Schluss mit der Musik, sie spielten unabhängig voneinander in Wittener Bands weiter.

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Im Rahmen einer Wiederveröffentlichung der LP On Tour auf dem Amber Soundroom Label trafen sich 2004 die Musiker wieder und stellten fest, dass anscheinend noch viel von der alten Magie vorhanden war. So kam es zur Reunion von Baumstam in der Besetzung Klawitter, Stracke und Volker Wobbe. Für Michael Lobbe kam Ullis Sohn Adrian „Adi“ Klawitter an Gitarre und Keyboards, und Anna Weigand für die Vocals und an der Flöte in die Band. Diese Mischung stimmte so sehr, dass Baumstam wieder ins Studio ging und die LP Dreams of Yesterday aufnahm. Recording-Engineer und Studiobesitzer der involvierten Fanton-Studios war wie 30 Jahre zuvor der altbekannte Lothar Simmsheuser. Die LP auf dem studioeigenen Schöne Töne Label enthält zehn neue Songs im altbekannten Baumstam-Stil. Seit Anfang 2005 spielt die Band auch wieder live in Deutschland und Frankreich. Anna Weigand verließ Baumstam 2006. Die Hinzunahme von Adi Klawitter frischte den Sound der Band mit neuen Einflüssen etwas auf, so dass schon 2007 die nächste Plattenaufnahme anstand. Moment lautet der Name der CD und wiederum zwei Jahre später kam eine Liveplatte zur Diskographie dazu.

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Die Dusty Roads Tour wurde im Juni 2009 in der Wittener WerkStadt mitgeschnitten und unter gleichlautendem Namen wie schon Moment und Dreams of Yesterday auf dem Schöne Töne Label herausgebracht. Auf der Live-CD finden sich neuere Songs genauso wie die alten Kracher der 75er On Tour. Als weiterer Gitarrist war Roman Ronzon mit dabei. Im Jahre 2012 stand das vierzigjährige Bandjubiläum an und so fand sich die Band wieder mal im Studio ein, um dem Jubiläum mit einer neuen Studio-LP Tribut zu zollen. Volker Wobbe wurde jetzt von Jens Gubert am Bass abgelöst und Rex Dehnhardt kam an den Keyboards zu Baumstam. Betitelt wurde das Jubiläumswerk mit der Gleichung 72 – 12 = 40. Der Sinn dahinter ist einfach … 1972 bis 2012 = 40 Jahre Baumstam. Herausgegeben wurde das Werk auf dem Green Tree Label, welches schon die On Tour mehrfach re-releast hatte und enthält elf neue Songs. Die 40th Anniversary Tour führte Baumstam durch zahlreiche Städte der Republik. Anfang 2014 verließ Gerd Stracke die Band, so dass eine weitere Umbesetzung vonnöten wurde. Adi Klawitter übernahm jetzt die Schlagzeugarbeit und Baumstam machen seitdem als Quartett weiter. Auch die Aufnahme eines weiteren Studioalbums ist geplant. Der geneigte Musikhörer darf sich also auf weitere Großtaten aus dem Hause Baumstam freuen und sich bis dahin an den bisherigen Werken aus blueslastigen Kraut-Stoner-Rock’n’Roll erfreuen. Hoffen wir, dass es so erfolgreich weitergeht.

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Da die Originalpressung der On Tour nur in sehr kleiner Auflage vertrieben wurde, bringen besterhaltene Exemplare heutzutage bis zu vierstellige Preise auf dem Markt, da die Platte weltweit extrem gesucht ist. Mittlerweile gibt es einige Nachpressungen auf Vinyl und CD, von denen einige mit Bonustracks ausgestattet sind, die aber nicht die Qualität der neun auf der LP enthaltenen Songs aufweisen können. Die originalen Tracks werden heute noch von einigen Sendern in den USA im Radio gespielt und dienen dem sogenannten Stoner-Rock als Vorbild oder Referenz. (stage-reptiles.com)

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Ganz so euphorisch bin ich insbesondere hinsichtlich des Gesanges nicht (die alte Krankheit: deutsche Bands dieser Jahre konnten nur auf sehr limitierte Sangeskünste zurückgreifen).

Aber was die Burschen mit ihren Instrumenten so alles anstellten, ist aller Ehre wert. Das ist Pog-Rock in Reinkultur und auch heute noch gut hörbar … soweit man allerdiengs mit diesem Kram etwas anfangen kann, so wie ich.

Und natürlich gibt es ganz viel Sympathiepunkte meinerseits.

OriginalBackCover.jpg

Besetzung:
Ulrich Klawitter (leadguitar, vocals)
Michael Lobbe (guitar, background vocals)
Gerhardt Meyer (drums, percussion, background vocals)
Volker Wobbe (bass)
+
background vocals:
Birgitt Hahn – Bernd Düfel

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Titel:
01. On Tour 3.23
02. Lucky Strike 3.29
03. Hold Me 6.08
04. Jazz Break 3.45
05. Dusty Roads 3.52
06. Girl I Want To Stay Into Your Fire (live) 4.01
07. Last Letter 4.57
08. Fifteen Years Old Mary 5,24
09. He’s A Liar 5.47
+
Tonband-Demo-Aufnahmen:
10. Roots One 7.44
11. Arbeit 9.22
12. Leben 3.57
13. Roots Two 5.43

Musik und Texte: Ulrich Klawitter – Michael Lobbe – Gerhardt Meyer – Volker Wobbe

OriginalLabelB(1976)

* (momentan offline)
**

Hüllentext1

Irgendwie unfreiwillig komisch — aus heutiger Sicht

LabelsWiederveröffentlichung

Die Labels der Wiederveröffentlichung von 2004

2 Gedanken zu “Baumstam – On Tour (1976)

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