Johann Wolfgang von Goethe – Urfaust (Hörspiel) (2007)

FrontCover1Hm, jetzt wird es ein wenig kompliziert … denn wenn ich ich auf Johann Wolfgang von Goethe zu sprechen komme, dann bleibt es nicht aus, dass meine familiären Prägungen arg heftig durchschlagen.

Mein Vater war ein Germanist der alten Schule und über Goethe lies er nichts kommen. In meiner persönlichen Sturm- und Drangphase blieb es nicht aus, dass ich da meinen Vater wohl auf das heftigste provozieren musste. Er schwärmte wieder mal von all den Liebesgedichten, die Goethe verfasst hat, da hatte ich nichts besseres zu tun, als seinen Schwärmereien mit folgenden Worten zu kontern: „Ach, der Goethe wollte halt all die Frauen eh nur vögeln“ (ja, ja … so hab ich das damals wohl gesagt). Es folgte ein Tobsuchtsanfall meines Vaters …

Nun in meinen Tagen in Weimar marschierte ich dann natürlich auch in das „Goethe-Haus“ und bestaunte in den 18 zugänglichen Räumen all die originalen Möbeln und anderen Ausstattungsstücken des Haushaltes sowie die persönlichen Erinnerungsgegenstände und zahlreiche Objekte aus allen Sammlungsbereichen Goethes. Gezeigt wurden auchHandzeichnungen, Gemälde, Plastiken, Bronzen und Majoliken, Münzen und Medallions. Anordnung und Einrichtung entsprechen wohl weitgehend dem Zustand in den letzten Lebensjahren des Dichters. Höhepunkte der Besichtigung war dann das authentisch eingerichtete Arbeitszimmer Goethes und der Blick in die angrenzende Privatbibliothek.

GoethesBibliothek

Blick in Goethes Privatbibliothek

Und natürlich beschäftigte ich mich ein wenig mit dem atemberaubenden literarischem Werk von Goethe (er war ja darüber hinaus ein Universalgenie: siehe seine Farbenlehre und diverse weitere naturwissenschaftlichen Arbeiten). Und wollte ich es genauer wissen, was es mit dem „Urfaust“ so auf sich hat:

Unter dem Urfaust (auch als Faust. Frühe Fassung oder Faust in ursprünglicher Gestalt bekannt) versteht man Goethes ersten Entwurf für sein späteres Theaterstück Faust. Er entstand, parallel zu Die Leiden des jungen Werthers, in den Jahren zwischen 1772 und 1775 in Frankfurt am Main. Auslöser für die stoffliche Bearbeitung war die Verurteilung und Hinrichtung der Kindesmörderin Susanna Margaretha Brandt, deren Gerichtsprozess Goethe verfolgt haben muss, wie die nach seinem Tod bei ihm gefundenen Kopien von Prozessakten zeigen.

GoetheIm Jahre 1775 las Goethe erstmals am Hof zu Weimar, danach unter anderem auch im Erfurter Schloss Stedten, das im Besitz der mit ihm befreundeten Familie Keller war, aus dem Urfaust vor. Das Publikum war von der unkonventionellen Form und Sprache begeistert. Goethe wurde im Anschluss immer wieder auf Fertigstellung des Stückes gedrängt, unter anderem von seinem Freund Friedrich Schiller.

Es existiert nur eine Abschrift des Urfaust, sie stammt aus dem Besitz von Luise von Göchhausen und enthält in der heute noch erhaltenen Version einige der Szenen, die dann später in Faust I eingearbeitet wurden. Im Urfaust sind viele Passagen noch in Prosa verfasst, während im Faust I nur noch die Szene Trüber Tag. Feld ohne Versform auskommt. (Quelle: wikipedia)

Der Urfaust ist die frühere Fassung des „Faust“ und erzählt hauptsächlich von der Liebe zwischen Faust und Margrete. Zu Beginn des Stücks denkt Faust über sich und sein Wissen nach. Ein bekannter Ausschnitt dieser Szene ist dieses Zitat:
„Da steh‘ ich nun ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor“

In den ersten zwei Szenen geht es nur um Weisheit und um die Geisterwelt, (= Gelehrtentragödie). Ab der dritten Szene beginnt die Geschichte mit Margrete. Als Faust Margrete auf einer Straße begegnet, ist er sofort von ihr hingerissen. Nun wendet er sich an Mephistopheles, der ihm helfen soll an Gretchen zu gelangen. Mephistopheles geht darauf ein und beschafft ein wundervolles Schmuckstück, welches er und Faust dann in Margretes Zimmer bringen. Als ihre Mutter den Schmuck entdeckt, nimmt sie ihn Gretchen weg, doch Faust beschafft sofort etwas Neues. Gretchen ist diesmal vorsichtiger und zeigt den Schmuck nur ihrer Nachbarin Marthe. Inzwischen schmieden Faust und Mephistopheles einen Plan um zu Gretchen zu gelangen. Sie finden die Lösung: Mephistopheles muss sich an Marthe halten. Deshalb macht er sich auf den Weg zu Marthe um ihr zu sagen, dass ihr Mann gestorben sei. Sie will jedoch einen Beweis und er verspricht ihr, einen Zeugen zu besorgen. Er sagt, er wolle ihn noch am selben Abend mitbringen. Natürlich spielt Faust den Zeugen, denn Gretchen ist schließlich bei Marthe, und das ist seine Chance. Dort kommen sich Faust und Gretchen näher. Schließlich gesteht er ihr seine Liebe. Sie läuft davon und versteckt sich im Gartenhäuschen. Faust folgt ihr und es kommt dort zu ihrem ersten Kuss. Dann muss Faust gehen. Später will Faust bei Gretchen übernachten, doch sie hat Angst, dass die Mutter etwas bemerken könnte. So gibt ihr Faust einen Schlaftrunk, den Gretchen ihrer Mutter geben soll.

Titelblatt des Fragmentes Faust.jpg

Titelblatt des Fragmentes «Faust» von 1790 anlässlich der ersten Gesamtausgabe von Goethes Werken

Zwischendurch fehlen immer wieder einzelne Szenen. Es wird aber deutlich, dass Margrete ein Kind von Faust erwartet. In ihrer Verzweiflung ertränkt sie es und auch ihre Mutter stirbt an dem Schlaftrunk, den ihr Gretchen verabreicht hat. Sie wird wegen Doppelmordes eingesperrt und soll erhängt werden. Als Faust dies erfährt, will er ihr helfen und schleicht sich in den Kerker zu seiner Geliebten. Sie will sich aber nicht retten lassen. Sie will für ihre Sünden sterben. Faust hat keine Wahl – er muss sie zurücklassen.
Interpretation

Den „Urfaust“ schreibt Johann Wolfgang von Goethe in der Sturm- und Drangphase. In der damals politisch unruhigen Zeit hat das Stück jedoch keine große Bedeutung. Das Drama ist nicht in Akte, sondern in Szenen gegliedert. Es gibt mehrere Schauplätze, die das ganze Stück lebhafter erscheinen lassen. Auch durch die Charaktereigenschaften der Haupt- und Nebenrollen wird das Stück etwas aufgelockert.

So ist Faust einerseits der Weise, der sich nur auf Bildung konzentriert, andererseits aber der unbändige Liebhaber, der sich auf etwas einläßt, ohne sich Gedanken über eventuelle Konsequenzen zu machen. Gretchen ist die Unschuldige, die sich durch ihre Verliebtheit selbst zur Schuldigen macht. Und Mephistopheles ist der, der zwar weiß, was falsch und was richtig ist, der aber trotzdem mehr das „Falsche“ unterstützt. Alle diese Personen haben also zwei völlig verschiedene Charaktere, die im Stück deutlich werden. (Sie haben einen Sinn für das Rechte, handeln aber alle falsch.)

HofvomGoetheHaus.JPG

Der Hof des Anwesens vom Goethe

Goethe hat den „Urfaust“ in zwei Teile gegliedert. (Gelehrtentragödie und Gretchentragödie). Der „Urfaust“ ist aber auf die Gretchentragödie fixiert und vernachlässigt Fausts Probleme. Mit der Gelehrtentragödie beginnt das ganze Drama und die Handlung steigt, sobald Gretchen auftaucht. Zum Schluss vermischen sich beide Konflikte und es ist schwer zu sagen, was Goethes Botschaft ist. Vielleicht soll es eine Art Warnung sein. Man denkt, man sei weise, doch in manchen Situationen bemerkt man nicht, dass des Herz stärker ist als der Verstand. Man braucht nicht nur Theorien um weise zu sein. Das alleine genügt nicht. Oder Goethe wollte durch die Personen, die im „Urfaust“ vorkommen, vermitteln, dass wir alle gute und schlechte Seiten haben und immer in der Lage wären die richtige Entscheidung zu treffen. (Quelle: .bhak-bludenz.ac.at)

Um es mal auf den Punkt zu bringen: So richtig warm werde ich auch heute (obwohl meine diesbezügliche Sturm und Drangphase längst vorgangen ist) nicht mit dem Goethe. Vielleicht liegt es daran, wie oben zu lesen ist, man nicht so recht weiss, worauf Geothe eigentlich hinaus wollte, vielleicht liegt es aber auch daran, dass mir der doch gewaltige Pathos des Werkes auf den Senkel geht … man verzeihe meine flapsige Wortwohl.

Mein weiterhin bestehendes Unbehagen liegt aber ganz sicherlich nicht an der Darbietung dieses Hörspiels … Hochengagiert und sehr abwechslungsreich wurde dieses Stoff inszeniert … und die Sprecher sind allesamt hinsichtlich ihres Könnens über jeden Zweifel erhaben.

Also: an denen lag´s nun wirklich nicht …

Salve
Besetzung:

Sven Erik Bechtoff (Mephistopheles)
Winnie Böwe (Brückenverse)
Traugott Buhre (Geist)
Philipp Hochmair (Student)
Meigel Hoffmann (Siebel)
Stefan Kaminsiki (Brückenverse)
Oliver Materlik (Brandner)
Ulrich Matthes (Faust)
Astrid Meyerfeld (Martha)
Thoams Neumann (Wagner)
Lars Rudolph (Frosch)
Thomas Schmidt (Alten)
Katharina Schüttler (Margarethe „Grechtchen“)
Jeanette Spassova (Liesgen)

Booklet01ATitel:
01. Hab nun, ach! Die Philosophey 6.47
02 Es zuckt eine rötliche Flamme 4.20
03 Faust selbst gräbt nach Würmern 6.27
04 Auerbachs Keller in Leipzig 4.52
05 Der Doktor kriegt jeden Kredit 6.06
06 Margarethe mit einer Lampe 6.25
07 Nachbarin Haus 7.36
08 Wie ist’s? 7.18
09 Faust taumelt von Begierde 8.46
10 Am Brunnen 3.54
11 Das Liebesnest 5.59
12. Ist’s einmal heimlich 10.13

Text: Johann Wolfgang von Geothe
Brückenverse: Wilhelm Bartsch
Musik: Uwe Hilprecht

CD1

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Fenster im Goethehaus

Eines der vielen Fenster im Goethehaus

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