Uschi und Wolfgang – Du liabe Zeit (1972)

FrontCover1.JPGAlso, dieses Album bekommt von mir das Prädikat „perfide“ …

Perfide, weil es ein angeblich „modernes“ Bayern im Jahr 1972 zelebrieren möchte, in Wirklichkeit aber jenes Bayern hochleben lässt, in dem man die „kleinen Leute“ weiterhin für dumm verkauft.

Hinter einem progressiv erscheinendem Mäntelchen bekommen wir hier diese verdammt konservativ bayerische Sauce serviert … und verantwortlich dafür ist dieser Helmut Zöpfl:

Helmut Zöpfl (* 25. November 1937 in München) ist ein deutscher Pädagoge und Professor der Schulpädagogik, der auch als Autor Schöner Literatur bekannt wurde.

Zöpfl wuchs in Erding als Einzelkind auf. Er studierte Klassische Philologie, Philosophie, katholische Theologie und promovierte 1963 in München mit dem Thema „Der Tod im Phänomen der Bildung und Erziehung“ zum Doktor der Pädagogik. 1970 habilitierte er zum „Naturbegriff in seiner Bedeutung für die Pädagogik“. Ab 1971 war er Ordentlicher Professor an der Universität München am Lehrstuhl für Schulpädagogik. 1998 begann er zusätzlich ein naturwissenschaftliches Studium, das er 2002 mit der Promotion im Fach Biologie (Dr. rer. nat.) magna cum laude abgeschlossen hat, Sehr bekannt ist er in der Öffentlichkeit auch als bairischer Mundartdichter.(Quelle: wikipedia)

Und als „bairischer Mundartdichter“ war er auch Teil des  illustrem Kreis der „Turmschreiber“ aus München (einer der Mundartdichtung verpflichteten Literatenvereinigung) …. mit denen er sich dann aber 2010 gleich so verkrachte, dass er aus diesem Zirkel herausgeworfen wurde …

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Mir scheint, der Zöpfl war und ist vielleicht auch noch, a rechter Streithansel und das passt so gar nicht zu seinen Texten, wo er mit lakooischen Worten die bayerische Gemütlichkeit und Geruhsamkeit überstrapaziert. Genau genommen sind seine Texte im Volksbeschwichtungs-Modus gehalten … nach dem Motto: Lasst die da oben nur werkln, Hauptsach‘ mia ham a Bier und unsere Ruah !

Wie auch immer: auf diesem Machwerk bediente er sich der vordergründigen „modernen“ Musik (mit dabei, eine jazzige Querflöte und auch ein knackiger Bass), textlich jedoch liegt er – allen ambitionierten Absichten zum Trotz – sowas von daneben …

Sein Spott richtt sich öfters mal auf die „kleinen Leute“ (z.B. bei „Klassntreffn) und das „Gebet auf Bayrisch“ ist an Einfältigkeit nicht zu überbieten.

Will man Musik für bayerische Dumpfbacken hören, ist man hier bestens bedient.

Und die Musikanten „Uschi und Wolfgang“ waren damals angeblich oder tatsächlich Teil der Münchner Kleinkunstszene im „Schwabinger Brettl“ und getroffen hat man sich dann – glaubt man dem Hüllentext im Lokal „Katakombe“ …

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Besetzung:
Uschi (vocals)
Wolfgang (vocals)
+
und eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

Hüllentext.jpg

Ja, ja … bla, bla, bla … 

Titel:
01. Bayerischer Protest (Schmidt/Schmotz) 3.55
02. Klassntreffn (Schmidt/Schmotz) 1.37
03. ‚S kloane Glück (Schmidt/Tornow) 3.44
04. Mea Culpa (Schmidt/Schmotz) 2.54
05. Gebet auf Bayrisch (Schmotz) 2.13
06. Unterm Baam (Schmidt/Tornow) 2.57
07. A bißl schizophren (Schmidt/Schmotz) 2.35
08. Wer woaß, wo’s gestern wohnt (Zöpfl/Schmotz) 2.21
09. So net (Schmidt/Tornow) 2.31
10. Jeds Jahr (Schmidt/Tornow) 2.26
11. A Gruaß von Gestern (Schmidt/Tornow) 3.35

Alle Texte: Helmut Zöpfl

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*
**

Gebet auf bayrisch:

Liaba Gott, dua mir oan Gfalln:
Wenn mir amal auferstehn solln,
mach mi net zu so an komischn Geist,
der wo grad Hosianna singt und Manna speist.
Lass doch bittschön aa da drübn
no a bisserl was sei von unserem Herübn!

I bitt di recht schee, erfüll mei Gebet:
Vergiss übern Großn as Kloane net!
Lass net bloß de ganz Fromma drobn sein,
net nur grad de mitm Heilignschein,
sondern aa de andern Leut!
Glaub mas, mit dene hast bestimmt aa dei Freid.

Lass mein gstorbna Schuifreind aa umanandarenna,
wars aa a Strizi, du werstn scho kenna.
Und des junge Madl von vis-a-vis,
des aus Verzweiflung wo obeghupft is.
Den altn Kramer vorn vom Eck,
Aa wenn eahm as Bier hat so narrisch guat gschmeckt, und de alt Tant, de so grantig hat gschaut,
lass eine, sie war doch a seelnguate Haut.

Und no a ganz a bsondre Bitt hätt i fei:
Lass aa de Viecherl da drobn wieder nei!
Lass singa und wiehern, gackern und belln,
des stört ganz bestimmt net de himmlischn Seeln.
Lass oiso, i bitt di, vom irdischen Lebn
aa bei dir dort obn was im Himmi drin gebn!
Gib, dass i alls, was i gern hab, da drobn wiederseh!
Des waars. Amen. Und dank dir aa schee!

Aus: Helmut Zöpfl, Geh weiter, Zeit, bleib steh!

 

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