Gerhard Polt – Abfent, Abfent (2011)

TitelDas hätte einen ja auch gewundert, wenn ein Gerhard Polt die „staade Zeit“ nicht auch genutzt hätte, um sie auf seine Weise zu beleuchten. Auf seineWeise, das heißt dann … bitterböse, satirisch und mit jener Prise schwarzem Humor gewürzt, der für Polt so charakteritisch ist:

Rechtzeitig zur Weihnachtszeit präsentiert der größte lebende bayerische Satiriker eine Sammlung neuer und bekannter Stücke rund um die „Stade Zeit“. Wenn vorweihnachtlich die Kassen zu klingeln beginnen, versuchen ja heutzutage selbst Heavy-Rocker und Gangster-Rapper mit Glockenklang verzierten Schnulzen aus dem allgemeinen Besinnungstaumel Kapital zu schlagen. Bei Polt ist der Blickwinkel auf die stillen Tage natürlich ein ganz anderer: Mit beißender Ironie seziert er das rituelle Absolvieren vorweihnachtlichen Pflichtprogramms in der großstädtischen Kleinfamilie („Sankt Nikolaus“), beobachtet Radioreporter auf brauchtumsmäßiger Feldforschung beim Gschwendtner-Bauern (das großartige „Advent“) und die von vorweihnachtlicher Nächstenliebe ergriffene Familie Böhm auf der Suche nach einem „Einsamen“, der bei ihnen den Heiligen Abend verbringen möchte (der aber natürlich „koa Ausländer, Raucher, Jugendlicher oder Tatterer“ sein darf).

Polt-Fans könnten zunächst enttäuscht sein, dass ein Teil der 14 Stücke (wenn auch in anderen Versionen) schon von früheren Polt-Platten oder aus der Fernsehserie Fast wia im richtigen Leben bekannt sind — aber die neuen Stücke rechtfertigen die Anschaffung dann doch. Ob Poltist oder nicht — Abfent, Abfent…! ist als mentale Vorbereitung aufs Fest der Feste ideal und kann, wenn einen durch eine Überdosis Plätzchen, Glühwein oder weihnachtlicher Kaufhausmusik der Adventskoller packt, durchaus befreiend wirken. (Hanno Güntsch)

Gerhard Polt, geboren 1942 in München, aufgewachsen im Wallfahrtsort Altötting, studierte in Göteborg und München Skandinavistik. Seit 1975 brilliert Polt als Kabarettist, Schauspieler, Poet und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. 2001 wurde er mit dem Bayerischen Staatspreis für Literatur („Jean-Paul-Preis“) ausgezeichnet. Polt lebt und schreibt in Schliersee, München und Terracina. Bei Kein & Aber sind zahlreiche Bücher, CDs und DVDs von und mit ihm erschienen, zuletzt die Werkausgaben „Bibliothek Gerhard Polt“ (10 Bände und ein Begleitbuch) und „Opus Magnum“ (9 CDs im Schuber) und das Interviewbuch mit Herlinde Koelbl „Gerhard Polt und auch sonst“.

Irgendwie bin ich mir sicher, dass ein jeder in dieser Text-Sammlung fündig wird; und besonders veredelt wurde dieses Büchlein durch die Illustrationen eines Volker Kriegel (* 24. Dezember 1943 – † 14. Juni 2003) .. kennt den eigentlich noch jemand ?

 

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Und hier geht´s zum gleichnamigen Hörbuch (click on the pic):

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2 Gedanken zu “Gerhard Polt – Abfent, Abfent (2011)

  1. Ach, Lyriker war Kriegel natürlich auch noch (in der Tradition der Frankfurter Schule):

    Wie sich das nackte Schaf mal schwer gehen ließ
    © Volker Kriegel

    Eins von den splitternackten Schafen,
    das konnte nachts partout nicht schlafen.
    Es lief zur Wirtschaft um halb zehn
    und blieb direkt am Tresen stehn.
    „Herr Ober,“ schrie das nackte Tier,
    „ein Fernet und ein Weizenbier!“

    Es kippte rasch den Schnaps, den braunen,
    die Herren konnten nur noch staunen.
    Das Schaf besoff sich wie ein Schwein,
    acht Weizen waren es allein,
    dazu elf Fernet und drei Gin –
    macht vierzehn Schnäpse, immerhin!

    Viel später dann (es war schon vier)
    begann das angesoff’ne Tier
    SEHR laut zu singen, aber wie! –
    die Herren staunten wie noch nie.
    Das Schaf sang schwer obszöne Lieder,
    eins nach dem andern, immer wieder.

    Die Herren sagten: „Nicht zu fassen!
    Wie kann man sich so gehenlassen?!“
    Trotzdem sind sie dann noch geblieben,
    bis ganz zum Schluß, so gegen sieben.
    Der Wirt gab noch zwei Runden aus,
    dann wankte man erschöpft nach Haus.

  2. Ob noch jemand Volker Kriegel kennt?! – Und wie!!
    Kriegel war vieles zugleich: Gitarrist (Spectrum – Großartig! …und die tollen Sachen mit dem United Jazz- & Rock Ensemble), Schriftsteller (Der Rock’n Roll-König – Großartig!), Cartoonist (Olaf der Elch – Großartig!) und einiges andere und wahrscheinlich konnte er noch viel mehr, von dem ich nichts weiß…
    I miss him…

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