Anna Maerzalek + Monika Bednarek – Die Emaille-Fabrik von Oskar Schindler (2014)

EmailleFrabrikVonOskarSchindler_01AVor 5 Jahren war ich mal in Krakau … und dort waren wir so ziemlich die ganze Zeit unterwegs. Eine der Unternehmungen war eine dreistündigen Führung, die sich den jüdischen Wurzeln dieser Stadt widmete. Am Ende der Führung standen wir dann vor der ehemaligen „Emaille-Fabrik von Oskar Schindler“:

Steven Spielberg machte den Namen Schindlers unsterblich. In Krakau hat er dem deutschen Industriellen ein Denkmal gesetzt. Die Stadt Krakau erinnert nun an ihn und das Schicksal der Krakauer Juden.
Eine Straßenszene aus dem Krakau der Vorkriegszeit (Foto: Muzeum Historyczne Miasta Krakowa)

Eine Zeitreise durch das Krakau der 30er und 40er Jahre

Das Museum befindet sich in einem Industriegebiet in Krakau. Es ist kein typischer Ort für Touristen. Trotzdem strömen zahlreiche Besucher in diese Gegend. Touristenbusse kurven durch die holprigen Straßen. Der Grund: Hier befindet sich die ehemalige Fabrik Oskar Schindlers.

Der amerikanische Regisseur Steven Spielberg hatte den deutschen Industriellen berühmt gemacht. Er drehte 1993 an den Originalschauplätzen in Krakau den Film ‚Schindlers Liste‘, der vom heldenhaften Einsatz des Unternehmers zur Rettung seiner jüdischen Belegschaft erzählt. Damals standen die Besucher vor verschlossenen Toren und schauten sich das Fabrikgelände von außen an. Seit dem Sommer dieses Jahres steht das Gebäude allen Besuchern offen.

Die Stadt Krakau hat das ehemalige Fabrikgelände zu einem Museum umgewandelt und in diesem Sommer die erste ständige Dauerausstellung über das Leben in dem von den Nazis besetzten Krakau unter dem Motto „Krakau – Okkupationszeit 1939-1945“ eröffnet.

Das Fabriktor im Jahr 1942

Das Fabriktor im Jahr 1942

 

Die Ausstellung zeige die Geschichte der Person Oskar Schindlers und seiner Arbeiter. „Sie sind Hauptprotagonisten dieser Ausstellung. Aber nicht die Einzigen.“ Stellt Monika Bednarek, Kuratorin der Dauer-Ausstellung, klar. Die Ausstellung ist allen von der Nazi-Okkupation in der Stadt Betroffenen gewidmet. Das Schicksal der jüdischen Arbeiter und Angestellten in Schindlers Fabrik wird in diesem Gesamtkontext dargestellt.

Oskar Schindler lebte von 1908 bis 1974. Er war als Sohn einer deutschen Fabrikantenfamilie geboren worden. Im Oktober 1939 – nach der Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland – erwarb er in Krakau eine Emaillewarenfabrik, die bis zur angeordneten Arisierung in jüdischem Besitz gewesen war. Er produzierte Blechgeschirr und später Hülsen und Zünder für die Rüstungsindustrie.

Schindler profitierte von der Arisierung jüdischen Besitzes und verdiente durch Schwarzhandel in den kommenden Jahren ein Vermögen. Trotz seiner NSDAP-Mitgliedschaft wurde sich Schindler der grausamen Lage der Juden zunehmend bewusst. Er beschäftigte in seiner Fabrik rund 1.200 Zwangsarbeiter, die er auf seine berühmte Liste setzte und damit als ‚unerlässlich‘ für die Kriegsproduktion der Nazis deklarierte. Dadurch rettete er seine jüdischen Mitarbeiter vor dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern.

Deutsche Soldaten verspotten einen Juden in Krakau

Deutsche Soldaten verspotten einen Juden in Krakau

Nach dem Krieg wurde Schindlers Emaillenfabrik verstaatlicht und 1947 übernahm der Telekommunikations-Ausrüster ‚TELPOD‘ die Anlagen. Im Jahr 2002 gab Telpod die dortige Fabrikation auf. Drei Jahre später kaufte die Stadt Krakau das Fabrikgelände und der Stadtrat beschloss, die Fabrik in ein Museum umzuwandeln. Mit Hilfe von EU-Geldern wurde das Gebäude renoviert. Die Ausstellung selbst finanziert sich aber ausschließlich aus der Stadtkasse, erklärt die Kuratorin Bednarek.

Die Ausstellung beginnt im Krakau der 30er Jahre, in einem Fotoatelier. Auf den Fotos sind schicke Frauen beim Spaziergang und gut gelaunte Juden auf dem Weg zur Synagoge zu sehen. Es herrscht die noch fröhliche Stimmung der Vorkriegszeit. „Wir zeigen zuerst die Geschichte vor dem Krieg, so wird verständlicher, was sich während des Krieges hier ereignete“, erklärt Bendarek das Konzept der Ausstellung.

Am 6. September 1939 marschierten deutsche Soldaten in die polnische Stadt ein. Chronologisch erzählt die Ausstellung die Geschichte der Stadt Krakau während des 2. Weltkrieges. So erfährt der Besucher von der Festnahme der fast 200 Wissenschaftler an der Universität Krakaus durch die Nazis im November 1939. Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird der Besucher eindrucksvoll in einen Bunker, in das jüdische Ghetto oder in den Hauptbahnhof der Stadt versetzt, von wo aus die jüdische Bevölkerung deportiert wurde.

Bühnenbildner und Theaterregisseure haben die Ausstellung gestaltet. Lebensgroße Wandbilder, digitale Displays und Multimedia-Touchscreens sollen dabei helfen, die Gräueltaten dieser Zeit visuell und akustisch zu vermitteln.

Mit dieser Technik hoffen die Ausstellungsmacher auch Jugendliche auf direkterem Wege zu erreichen und besser anzusprechen. „Das macht die Ausstellung für sie attraktiver“, ist Grzegorz Jezowski überzeugt, der die Ausstellung mitgestaltet hat.

Die Person Oskar Schindler selbst kommt in der Ausstellung nur kurz vor. Seine Geschichte wird im ehemaligen Sekretariat seiner Fabrik anhand von Fotos, Dokumenten und Originalmöbeln erzählt. In der Mitte des Raumes befindet sich ein großer durchsichtiger Würfel gefüllt mit Blechtöpfen, -schüsseln und -tellern, die damals in Schindlers Fabrik produziert wurden. Diese Installation soll die Geschichte des Unternehmers und seiner Arbeiter symbolisieren. Im Inneren hängen die Namen von rund 1200 jüdischen Zwangsarbeitern, denen Schindler das Leben gerettet hat.

Steven Spielberg machte den Namen Schindlers unsterblich. In Krakau hat er dem deutschen Industriellen ein Denkmal gesetzt. Die Stadt Krakau hält nun ihrerseits die Erinnerung an ihn und das Schicksal der Krakauer Juden auf eindruckvolle Weise am Leben. (Justyna Bronska, Deutsche Welle)

Und zu recht kommt die Person „Oskar Schindler“ in dieser beeindruckenden und zugleich deprimierenden Ausstellung nur beiläufig vor. Viel wichtiger war und ist die ausführliche Dokumentation jener Jahre, die bis heute unfassbare Jahre sind.

Und der Oskar Schindler, ja, er war wohl eine facettenreiche Person, Hedonist und Weiberheld (seine Ehe blieb kinderlos, dafür hatte er von der Sekratärin seines Vaters gleich 2 nicht eheliche Kinder !) und sein Wandel vom Saulus zum Paulus (sofern man überhaupt soweit gehen möchte) geschah wohl bei dem Umgang der Nazischergen mit Kindern im Krakauer Ghetto.

Leopold Page + Oskar Schindler

Leopold Page + Oskar Schindler

Unabhängig von seiner ganzen Zwiespältigkeit hat er dann nach dem Krieg viel Dankbarkeit erlebt. Stellvertretend für so viele sagte z.B. Leopold „Poldek“ Pfefferberg (* 20. März 1913 in Krakau; † 9. März 2001 in Beverly Hills, Los Angeles), auch bekannt unter dem Namen Leopold Page, einer der geretteten Juden in aller Schlichtheit: „Schindler rettete mir mein Leben, und ich versuche nun, ihm Unsterblichkeit zu geben“. Und dies war ihm Motivation genug, die „Oskar Schindler Humanities Foundation“ zu gründen. Er begründete dies mit den Worten: „Nur wenn diese Organisation Wirklichkeit ist, werde ich meine Verpflichtungen erfüllt haben. Denn wenn ich nicht mehr am Leben bin und die Schindler-Juden ebenfalls verstorben sind, wird diese Organisation und ihr Zweck immer noch bestehen“. (Quelle: wikipedia)

Wichtiger erscheint mir da fast der Apotheker Tadeusz Pankiewicz (* 21. November 1908 in Sambir; † 5. November 1993 in Krakau) war ein polnischer Pharmazeut, Absolvent der Jagiellonen-Universität und Besitzer der Apotheke Pod Orłem (Unter dem Adler) in Krakau. Als nach der deutschen Besetzung Polens in Krakau ein „jüdisches Wohnviertel“ eingerichtet wurde, fand sich seine Apotheke im abgezäunten Bereich des Krakauer Ghettos wieder. Da Pankiewicz sich erfolgreich, unter anderem mit Schmiergeld, gegen eine Verlegung der Apotheke wehrte, überstand die Apotheke die zweieinhalb Jahre des Ghettos von 1941 bis 1943. Die Apotheke überstand auch die weiteren Kriegsjahre und wurde 1951 in der Volksrepublik Polen verstaatlicht. In den 1980er Jahren wurde ein kleines Museum eingerichtet.

Für seinen Einsatz und die Hilfe bei der Rettung von Juden, vor ihrer Ermordung im Holocaust, wurde Pankiewicz 1983 mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Seine Kriegserinnerungen beschrieb er in dem Buch Apteka w getcie krakowskim (Erstausgabe 1947). Sein Grab befindet sich auf dem Rakowicki-Friedhof in Krakau. (Quelle: wikipedia)

Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz im Krakauer Ghetto

Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz im Krakauer Ghetto

Von daher wird hier nochmals ganz sicher ein wenig ausführlicher von diesem Oskar Schindler die Rede sein, jetzt aber erstmal – weil eben wichtiger – der deutsche Museumskatalog zu o.g. Ausstellung:

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Soldaten der Roten Armee vor dem Hintergrund der Krakauer Barbakane, 1945

Soldaten der Roten Armee vor dem Hintergrund der Krakauer Barbakane, 1945

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Ein Gedanke zu “Anna Maerzalek + Monika Bednarek – Die Emaille-Fabrik von Oskar Schindler (2014)

  1. Gegenüber dem Frankfurter Hauptbahnhof erinnert an einem schmucklosen Haus eine schlichte Tafel daran, dass hier Oskar Schindler nach dem Krieg in jenem Haus lebte…

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