Verschiedene Interpreten – Leipziger Folk Session Vol. 2 – Ein freyes Leben führen wir – Räuber- und Wilddiebs Gesänge (1999)

FrontCover1Als das erste Album der Session-Formation „Leipziger Folk Session“ erschien, äußerte Ulrich Joosten im Magazin “Folker” ja die Hoffnung „daß die Rufe jener erhört werden könnten, die nach »meeehr, meeehr, meeehr« lechzen werden.”

Dem Mann wurde geholfen und ein Jahr später erschien dann Volume 2 dieser wirklich hochkarätigen Session-Formation.

Diesmal widmete man sich unter dem Motto „Ein freyes Leben führen wir“ den Räuber- und Wilddieb-Gesängen der deutschen Volksmusik.

Das Internet-Magazin „folkworld“ war allerding so nicht so glücklich mit diesen Aufnahmen:

Häufig wird bedauert, daß Folk in Deutschland – bei Zuhörern als auch Musikern – oft der Irish/Klezmer/Balkan-Connection angehört. Dann werden die guten alten Zeiten beschworen, als Gruppen wie Zupfgeigenhansel und Fiedel Michel im Westen oder Folkländer im Osten die deutsch(sprachig)e Antwort auf das Folkrevival waren. Die Leipziger Folk Session Band hat jetzt ein zweites Album vorgelegt. Auf 1848-Lieder folgen nun Räuber- und Wilddiebsgesänge. Wie beim Erstlingswerk wird prächtige Unterhaltung geboten. Neu sind ein paar E-Gitarren, die sich hineingeschlichen haben. Manchmal ist man leider nah an der Schunkelmusik (beim Konzert in Rudolstadt 1999 brach teilweise Bierzeltstimmung aus). Nur manchmal beschleicht mich das Gefühl: Werden da nicht doch nur die 70er Jahre abgefeiert? Coolfin klingt schließlich auch nicht wie Planxty. Und zwischen Liedermachergeschrammel und Mittelalterschwermetall ist doch noch reichlich Platz in der deutschen Folk- und Weltmusikszene. Aber wo laufen sie nur? (Ausgabe 15: 8/2000)

Nun denn, lassen wir erstmal die Musikanten erklären wie es zu diesen Aufnahmen kam:

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Und im Gegensatz zu meinem Vorredner kann ich auch diesem Album etliches abgewinnen.

Das ist zum einen das vorbildliche Booklet, mit nun wirklich interessanten Erläuterungen zu den einzelen Liedern (das nenn ich fundierte Beschäftigung mit den Quellen !) und dann zum anderen die musikalische Bearbeitung der alten Weisen …

WildschützGerogJennerwein

Der Wildschütz Georg Jennerwein

Selten habe ich ein Album gehört, das„alte Melodien“ so herzerfrischend interpretiert und die Vielzahl der Instrumente ist einfach nur gut. Die Lieder haben zwar einen geringeren Bekanntsheitsgrad als etliche Lieder der „Revolution von 1858/49“ … aber das ist ja kein Nachteil: im Gegenteil: die Wiederbelebung dieser Lieder erlebe ich als Gewinn, zeigen sie doch … wie vielfältig Musik aus deutschen Landen sein kann.

 

Und natürlich begegnen einem dann all die Namen, die wir – auch im Rahmen unseres „kollektiven Bewußtseins“ abgespeichert haben: Da tauchen Figuren wie Rinaldo Rinaldini, der Hauptmann von Köpenick oder der Wildschütz Jennerwein (ja, genau der aus meiner bayerischen Heimat) auf … Hach …

Und ja … solchen Lieder leben auch vom Pathos (zu hören z.B. bei „Banditenbegräbnis“), aber … gehört nicht auch dieser Pathos zu unseren Empfindungen, zu unseren Empfindungen, die vielleicht besonders intensiv unser Leben prägen ?

Nein, nein, auch dieses Album bietet unendlich viel, das es zu entdecken gilt. Und von daher ist auch Teil 2 dieser Edition ein ganz besonderer Genuss und mein Dank gilt daher allen Musikern, insbesondere aber diesem Jürgen B. Wolff, der nicht nur das ganze Projekt organisiert hat, sondern (ich lerne ja dazu) für die erneut großartige Covergestaltung gesorgt hat.

Und Puristen mögen vielleicht die Nase rümpfen, dass bei diesem Album auch elektrische Gitarren samt verzerrtem Sound zum Einsatz kamen (z.B. bei „Der Räuberhauptmann von Köpenick“ … aber da sag ich nur: Schon Bob Dylan wusste 1965 auf dem Newport-Festival, dass diese Diskussion überflüssig wie ein Kropf ist (und der von mir doch sehr geschätzte Mike Bloomfield spielte zu „Maggie´s Farm“ seine bluesige Gitarre !).

Und insbesondere, aber auch das Ende dieses Albums sind einfach nur witzig !

HinrichtungSchinderhannes

Die Hinrichtung des Schinderhanns (der ja eigentlich Johannes Bückler hieß) – Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, um 1803.

Besetzung:
Heidi Eichenberg (accordeon)
Ulrich Doberenz (bass)
Ullrich Franke (bass, vocals)
Ingeborg Freytag (violin, percussion)
Erik Kross (dulcimer)
Gundolf Nandico (horn, didgeridoo)
Cornelia Plänitz (violin)
Alexander Samojlov (vocals)
Peter Schneider (saxophone, clarinet)
Uwe Sterzik (vocals)
Andreas Uhlmann (trombone, recorder, flute, whistle, jew´s harp, background vocals)
Johannes Uhlmann (accordeon, background vocals)
Till Uhlmann (hurdy gurdy, violin, background vocals)
Manfred Wagenbreth (mandolin, bouzouki, harmonica, vocals)
Dirk Wasmund (saxophone, clarinet)
Peter Wassiljewski (vocals, mandolin)
Jens Paul Wollenberg (vocals)
Jörg Wolff (vocals, clarinet)
Jürgen B. Wolff (vocals, guitar, zither)

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Titel:
01. Ach das könnte schön sein (Grothe/Dehmel/Neumann/J.B.Wolff) 3:36
02. Rinaldo Rinaldini (Traditional/Vulpius) 4.49
03. Was schleicht dort im nächtlichen Walde (Traditional) 3.35
04. Der Lindenschmied (Traditional) 5.21
05. Der Räuberhauptmann von Köpenick (Reuter/Bruhn) 4.11
06. Der Butterräuber von Halberstadt (Traditional) 3.32
07. Die Hemsbacher Affär (Schmeckenbecher/Friedrich) 2.26
08. Die Räuberbreut (Traditional) 4.06
09, Banditenbegräbnis (J.B.Wolff/Freiligrath) 6.26
10. Es zogen drei Räuber als Grafen aus (Traditional) 4.18
11, Der Tantenmörder (Wedekind) 2.36
12. Das Jennerwein-Lied (Traditional) 2.57
13. Die Räuber aus dem Böhmerwald (Kammel/Wollenberg) 3.43
14. Schinderhannes (Traditional) 5.08
15. Ballade von den Seeräubern (Brecht) 6.38
16. Ein freyes Leben führen wir (Traditional/Schiller) 4.02

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Live waren sie auch unterwegs …

Mehr von der Leipziger Folk Session:
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