Alte Post- und Ansichtskarten (8): Brief Leipzig – Leipzig (Mai 1943)

Ein Brief, der wohl nie ankam. bzw. nie gelesen wurde:

Brief Leipzig Mai 1943_01

„Nicht abgefordert – Lagerfrist abgelaufen“ lautet der Stempelaufdruck …

Brief Leipzig Mai 1943_02

Geschickt hat den Brief irgend jemand aus dem „Sächs. Hauptblaufarbenlager, Leipzig, Kronprinzenstrasse 5“

Und zu dem Begriff „Blaufarben“ (Kobalt) könnte man folgendes wissen:

Zaffer, auch Saflor, Safflor oder Kobaltsaflor bzw. Kobaltsafflor genannt, wird durch Erhitzen von Cobalterzen hergestellt. Es diente vom 16. bis ins 20. Jahrhundert als Ausgangsstoff zur Herstellung von Smalte, einem blauen, feuerfesten und glasartigen Pigment, das auch in Ölfarben verwendet wurde. Außerdem werden damit Kobaltglas (kobaltblau gefärbtes Glas), gefärbtes – vor allem in der Farbe Blau – Porzellan oder entsprechende Porzellanglasuren hergestellt. Die Herstellung von Zaffer erfolgte in den Blaufarbenwerken. (wikipedia)

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Kobaltblaue Gläser.

Bedeutende Werke für diese ganz spezielle Farbe (sie ist definitiv meine Lieblingsfarbe !) in Sachsen waren (lt. wikipedia)

Oehmesches Blaufarbenwerk (1649–1687) in Annaberg an der Sehma
Blaufarbenwerk Jugel (17. Jahrhundert) in Jugel
Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel (gegr. 1635) in Niederpfannenstiel
Blaufarbenwerk Oberschlema (1644–1956) in Oberschlema, nach eigener Angabe das größte Blaufarbenwerk der Welt
Schindlersches Blaufarbenwerk (gegr. 1649) in Schindlerswerk
Blaufarbenwerk Schneeberg (1568 bis um 1580) in Schneeberg, erstes kleineres Blaufarbenwerk in Sachsen
Blaufarbenwerk Zschopenthal (1687–1850) in Zschopenthal

Und somit bleibt das sog. Hauptblaufarbenlager, Leipzig zumindest mir ein wenig ein Rätsel …

4 Gedanken zu “Alte Post- und Ansichtskarten (8): Brief Leipzig – Leipzig (Mai 1943)

  1. Der Brief wurde per Einschreiben am 31.5.1943 von Grimma an Maria Iller in der Mahlmannstrasse 5 in Leipzig C.1 gesendet. C.1 bedeutete Zentrum Süd, am Rand des Musikviertels.
    Bereits am 29.5. warfen bei einem Luftangriff Boeing B-17 Flying Fortress (Fliegende Festung) 70 Tonnen Bomben auf Leipzig. Ob dabei das Haus Mahlmannstrasse in Mitleidenschaft gezogen wurde oder ob die Empfängerin ausserhalb Leipzigs weilte – das werden offene Fragen bleiben.
    Auf der Rückseite ist der handschriftliche Vermerk des Zustellers vom 16.6. zu lesen: Während der Zustellung nicht angetroffen! Nachricht hinterlassen W. 16/6
    Das könnte bedeuten, dass das Haus Mahlmannstrasse 5 zu diesem Zeitpunkt noch stand. Heute befindet sich auf dem Grund ein modernes Gebäude.
    Es mag sein, dass es sich bei der Empfängerin um eine Mitarbeiterin gehandelt haben könnte. Die Kronprinzstrasse war über die Brandvorwerkstrasse in etwa zehn Minuten zu Fuss von der Mahlmannstrasse aus zu erreichen.

    Warum als Absender zwar die Leipziger Adresse Kronprinzstrasse (heute Kurt-Eisner-Srasse) angegeben worden ist, obwohl der Brief aus Grimma abgesendet wurde, öffnet ebenfalls den Raum für weitere Nachforschungen.

    Ist der in den Umschlag gehörende Brief noch vorhanden?

    Ich danke für ein vergnügliches Stündchen am Vormittag . . .

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