Hans Melchior Brugk – Divertimento für eine Bank (1980)

FrontCover1Eigentlich ist ja der Hans Melchior Brugk kein unbedeutender Komponist im letzten Jahrhundert gewesen, wie dieses Kurzportrait aus dem Jahr 2009 zeigt:

Die Giganten unter den musikalischen Jubilaren des Jahres 2009 heißen Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Doch sollten wir in dieser Region uns auch auf Hans Melchior Brugk besinnen, der es als überregional bedeutender Komponist ohne Zweifel in die Liga der bayerischen Klassiker geschafft hat!

Geboren in München, aufgewachsen in Wasserburg und lange Zeit in Brannenburg am Inn lebend, hat Brugk seine letzte Ruhestätte auf dem Wasserburger Altstadtfriedhof in einem Ehrengrab gefunden. Viele Auszeichnungen wurden ihm zu Lebzeiten zuteil, das Bundesverdienstkreuz, der Kulturpreis der Stadt und des Landkreises Rosenheim, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Wasserburg, der Friedlandpreis des Heimkehrerverbandes für sein aufrüttelndes „Deutsches Te Deum“. Dieses groß angelegte Bekenntniswerk hat Brugk als Votivgabe für seine glückliche Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft komponiert. Anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses in München schrieb Brugk eine ebenso schlichte wie kunstvolle Bläsermesse. Kardinal Wendel fand seinerzeit die enthusiastischen Worte, der Komponist sei ein „zeitgenössischer Palestrina“.

HansMelchiorBrugk

* 24. November 1909 – † 14. September 1999

Hans Melchior Brugk zeigte eine glückliche Hand bei seinen melodischen Eingebungen. In Zeiten, in denen Melodie als reaktionär verpönt war, hielt er an einer von natürlichem Gesang inspirierten Melodik fest. Dass dabei keine platten Ohrwürmer zu Tage kamen, versteht sich bei dem geradezu skrupulösen Qualitätsbewußtsein Brugks von selbst. „Ich komponiere nicht viel, aber wenig!“ pflegte er scherzhaft zu bemerken. Brugk war kein Vielschreiber, auch kein Drauflos-Schreiber: Inspiration und geduldigste handwerkliche Arbeit bildeten die Säulen seines Schaffens.
Im Hans-Schneider-Verlag ist eine hervorragende, sehr lesenswerte Monographie über Hans Melchior Brugk erschienen, in der die Musikwissenschaftler Dr. Franzpeter Messmer und Prof. Günther Weiß in verständlicher Sprache Wesentliches über die Musik des bayerischen Komponisten zum Ausdruck bringen.

Die Mutter Brugks war Hutmacherin, der Vater Lokomotivführer. Auch der Sohn blieb immer dem Elementaren, Kreatürlichen verbunden; nie ist er „abgehoben“, weder als der liebenswürdige, herzlich geliebte Kunsterzieher am Rosenheimer Ignaz-Günther-Gymnasium, noch danach als Dozent am Münchener Richard-Strauß-Konservatorium und natürlich auch nicht als phantasievoller, schaffender Künstler.

Was bleibt? Eine wunderbar gesangliche, innige Chormusik, weltlich wie geistlich; rasant übermütige Bläser-Divertimenti, frische Kammermusik von großer Gefühlstiefe, Kirchenmusik voll Ernst und auch Charme, und die Krönung seines Lebenswerks, das großartige und virtuos mitreißende Klavierkonzert in Es-Dur.
Franzpeter Messmer schreibt: „Brugk komponiert eine Musik, welche spontane Direktheit mit einem kunstvollen Bau verbindet und den Hörern eine befreiende geistige Welt erfahrbar werden lässt. Dies ist das kompositorische Ethos von Hans Melchior Brugk.“ (Walther Prokop; Tonkünstlerverband Südostbayern e.V.)

Also: Eigentlich ist ja der Hans Melchior Brugk kein unbedeutender Komponist im letzten Jahrhundert gewesen … umso mehr erstaunt es, dass ein ausführliches Werk, nämlich sein „Viertimento für eine Bank“ so ganz und gar in Vergessenheit geraten ist.

Vielleicht liegt das daran, dass dieses Werk eine Auftragsarbeit war und zwar für eine Bank, genauer gesagt für das Bankhaus Schneider & Münzing, „die älteste Privatbank Münchens, wie man damals stolz verlauten ließ.

Und anlässlich des 150jährigen Bestehens dieser Band veröffentlich man dann diese LP. Und salbungsvoll, vollmundig erläuterte man dann auch, warum und wie es zu dieser Allianz zwishen Brugk und dem Bankhaus kam:

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Nun denn, das „Divertimento für eine Bank“ kann man auf Seite 2 hören. Auf seite 1 ist das oben bereits erwähnte „Deutsche Te Deum“ zu hören, das mir ein wenig zu pathetisch geraten ist.

Das Te Deum (von lat. Te Deum laudamus, „Dich, Gott, loben wir“) ist übrigens ein feierlicher, lateinischer Lob-, Dank- und Bittgesangs der christlichen Kirche und man glaubt dass es im frühen 6. Jahrhundert entstanden ist. Die erste deutsche Übersetzung stammte dann von Martin Luther.

Eine kleine musikalische Kostbarkeiten sind dann jedoch die Fanfarenklänge.

Und das „Divertimento für eine Bank“ kann sich durchaus hören lassen.

Aber, aber, so ganz seriös wie man sich auf der Plattenhülle gab, war dieses Bankhaus dann halt doch nicht. Bereits in den 70er Jahren gab es so ein paar Finanzskandale und 1984 wurde es dann richtig heftig (siehe beiliegender Spiegel-Artikel). Und ein Jahr später war´s dann soweit. Das Bankhaus „Schneider & Münzing“ reihte sich in die lange Reihe der deutschen Bankpleiten ein und verschwand vom Markt. Fragt wich wiedermal, wer denn da eigentlich die Zeche gezahlt hat.

Nix wwar´s mehr mit einem heiterem, beschwingten Divertimento … Aber hier kann man es noch hören … viel Vergnügen mit einer weiteren Rarität aus dem Musikhaus Riffmaster & Co. KG, das heuer sein 60. Jubiläum gefeiert hat !

Torte

Besetzung:

Deutsches Te Deum:

Ludwig Bauman (Bariton)
Ruth Falcon (Sopran)
Hanna Fahlbusch-Wald (Alt)
+
Musica monacenses unter der Leitung von Heinz Schmidpeter
+
Symphonieorchester Graunke unter der Leitung von Wilfried Koch

Divertimento für eine Bank:

Münchner Nonett:
Ulrich Bode (violoncello)
Irena Grafenauer (flute)
Karsten Heymann (violine)
Kurt Kalmus (oboe)
Erich Keller (violine)
Karl Kolbinger (fagott)
Gottfried Langenstein (horn)
Walter Stangel (viola)
Gerd Starke (clarinet)

BackCover1

Titel:

Deutsche Te Deum:
01. Herr wir loben dich 3.08
02. Nacht ist um mich + Verlassen, verloren 12.20
03. Alleluja, alleluja, danket dem Herrn 5.31
04. Lobpreise meine ganze Seele 5.19

05. Fanfare und Intrade 3.30

Divertimento für eine Bank: (21.17)
06.1. Moderato
06.2. Allegro
06.3. Adagio
06.4. Allegro
06.5. Vivace

Musik: Hans Melchior Brugk
Text: Traditional/Robert Erbertseder

LabelB1

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Das ehemalige Bankhaus Schneider & Münzing in München

Das ehemalige Bankhaus Schneider & Münzing in München

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