Moment Of Detonation – Re-Blank The Canvas (2016)

FrontCover1Muss halt auch mal sein:

Moment Of Detonation entstand aus einem von Andreas Lohse und Thorsten Bartel Moment, Moment of Detonationaufgezogenen Studioprojekt. Nach Vervollständigung des damaligen Line-ups absolvierte man einige Live-Gigs und veröffentlichte mit die Debüt-EP. Welche unter anderem “Demo des Monats” im Rock-Hard-Magazin war. Nachdem man sich dann wegen musikalischer und menschlicher Differenzen zerfaserte, klopfte sich das Initiatoren-Duo kurz den Staub ab und begann zu zweit die Produktion der zweiten EP “Reset The Parameters”. Um auch mit dieser im Gepäck wieder einige Live-Gigs absolvieren zu können musste zunächst das Line-Up vervollständigt werden. Spätestens ab Sommer 2015 sind die Prioritäten aber anders gesetzt. Für den Rest des Jahres steht dann vorrangig die Produktion des ersten full-length-Albums an.

Moment Of Detonation steht für vielseitigen, modernen Metal jenseits von Genre-Schubladen. Einflüsse aus Stilen wie Death Metal, Deathcore, (Neo-)Thrash und nicht zuletzt ein wenig Prog werden auf Re-Blank the Canvas zu einem homogenen Ganzen vermengt. (Pressetext)

Moment Of Detonation02

So lautete diese Devise im Jahr 2016.

Und hier ist dieses Debütalbum:

Sperrig, unbequem und mit Schwächen in der Ausführung.

Die Düsseldorfer MOMENT OF DETONATION stellen zwar aktuell mit „Re-Blank The Canvas“ ihr Debüt in die Regale, doch von wirklichen Newcomern kann man hier eigentlich nicht sprechen. Kopf hinter der ursprünglich im Jahr 2011 als Studio-Projekt gegründeten Band ist nämlich Andreas Lohse, der den meisten wahrscheinlich durch seine Arbeit mit den beiden lokalen Prog-Metal-Größen THOUGHT SPHERE und FORCES AT WORK bekannt sein dürfte. Nach den ersten Gehversuchen mit den beiden EPs „The Legacy They Left Us With“ und „Reset The Parameters“ wird der Sänger nun dauerhaft von Thor Stone an der Gitarre und Werner Dworatzek am Bass unterstützt, mit denen er gemeinsam den hier vorliegenden Erstling eingespielt hat.

Moment Of Detonation01

Wer nun in musikalischer Hinsicht mit technisch verspieltem Death Metal rechnet, wie ihn Lohse mit seinen vorherigen Bands produzierte, der wird nach dem verstörenden Intro ‚March Of The M.O.D‘ bereits beim ersten echten Track ‚Pausing For Emphasis‘ schnell eines Besseren belehrt. Statt eines progressivem Riff-Gewitters erwartet den Hörer nämlich eine sehr gewöhnungsbedürftige Stilmischung aus klassischem Achtziger-Schwermetall, modernem Thrash Metal und latenten Nu-Metal-Einflüssen. Auf den ersten Blick funktioniert diese etwas kuriose Zusammenstellung auch durchaus gut, beim zweiten Blick fallen jedoch die schrecklich synthetischen Gitarrensounds und der ungewöhnliche Gesang negativ auf, der irgendwo zwischen Shouts, Growls und ungeübtem Klargesang hin und her pendelt. In den besseren Momenten erinnert Fronter Andreas dabei an den frühen Warrel Dane (Ex-NEVERMORE, SANCTUARY), ohne aber je seine Klasse und sein unnachahmliches Volumen in den tieferen Stimmlagen zu erreichen.

Moment Of Detonation05

Der angesprochene Track bleibt jedoch leider keine Ausnahme, denn auch im weiteren Verlauf der Scheibe dominieren die eben angesprochenen Schwachstellen das Gesamtbild. Egal ob nun bei der Bandhymne ‚Moment Of Detonation‘, dem sperrigen ‚Pioneer’s Distaste [For The Copyist]‘ oder der Abrissbirne ‚Recollections Of A Misanthropic Diarist‘, immer wieder sind es die viel zu künstlich klingenden Gitarren, die gemeinsam mit der hart an der Grenze zum aushaltbaren rangierende Gesangsleistung jede noch so gute Idee zunichte machen. Auf die Spitze treibt es das Trio allerdings in ‚Husk‘, wo sich Andreas an Sprechgesang in Anlehnung an LIMP BIZKITs Fred Durst versucht und der Scheibe damit endgültig den Todesstoß versetzt.

Moment Of Detonation04

Alles in allem ist „Re-Blank The Canvas“ damit eine schwer hörbare Platte geworden, die wohl nur den ganz hartgesottenen Anhängern des Nu Metals gefallen dürfte, sofern diese eine Vorliebe für eher unangenehme Hörerlebnisse haben. Eigentlich schade, denn in einzelnen Momenten scheint auch immer wieder das Gespür der Jungs für schicke Hooklines durch, nur werden diese aktuell eben unter zu Tode produzierten Riffs und schwachen Vocals begraben. (Tobias Dahs)

CoverIllustration

Oder aber auch:

Zusammenfassend kann man Moment Of Detonation einen hohen Originalitätsfaktor attestieren, was gerade in diesen Zeiten metallischer Stagnation nicht genug gepriesen werden kann. Gleichzeitig bedarf es eines guten Nervenkostüms und eines gerüttelt Maß an Toleranz, was dem gemeinen Metalhead in der Regel abgeht, um „Re-Blank The Canvas“ unbeschadet genießen zu können. Denn schon das Cover weist auf „thinking man’s music“ hin, you know who you are… (Alex Fähnrich)

Prädikat: ungeniessbar … wenngleich es Menschen gibt, die von diesem musikalischem Inferno ganz begeistert sind… vielleiht höre ich diese Musik ja mal wieder … wenn das Jüngste Gericht über uns alle hereinbricht.

BackCover1

Besetzung:
Werner Dworatzek (bass)
Andreas Lohse (vocals)
Thorsten Bartel (guitar, bass, background vocals)

Booklet1

Titel:
01. March Of The M.O.D. 1.38
02. Pausing For Emphasis 4.34
03. Moment Of Detonation 3.06
04. The Importance Of Honesty 4.13
05. Husk 3.27
06 Braille-Maps To Eden 3.37
07. Recollections Of A Misanthropic Diarist 4.57
08. Order Restored 4.25
09. Pioneer’s Distaste (For The Copyist) 3.48
10. By The Ember’s Glow 3.44

Musik und Texte: Andreas Lohse – Thorsten Bartel

CD1

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Moment Of Detonation03

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5 Gedanken zu “Moment Of Detonation – Re-Blank The Canvas (2016)

  1. Puh.. eine gute Frage, wirklich. Also, zumindest für mich hieß es: Freiheit und Opposition der „Gesellschaft “ (die Konformisten) durch die Musik, die Haare, die Kleidung. Und alle Bands waren „Rebellen“. Aus heutiger Sicht lächerlich, weil es nie eine “ konformistische Gesellschaft“ gab, gegen die ich „rebellieren“ musste. Von dem ganzen Satans-Quatsch, dem Gehabe, dem Gebrülle und der eindimensionalen Musik abgesehen. Aber damals habe ich es so gesehen. Heute ist mir das alles fremd. Wie auch immer: Im Laufe der Jahbe begannen Iron Maiden begann im Regal zu verstauben und Genesis wurde bis heute meine Lieblingsband 🙂

    • Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
      Mir ist dabei wieder mal eingefallen bzw. bewusst geworden, dass so diverse Musikstile der „Jugend“ sich zumindest anfänglich als Opposition zur Gesellschaft verstanden, sei es Rock n Roll, Beat, Rock, Reggae, Punk (New Wave und die NDW nehme ich mal bewusst aus).

      Und ich glaube, dass dieser oppositioneller Geist dann viele Menschen durch ihr Leben trägt … und von daher auch diese Retro Begeisterung herrührt.

  2. Muss spontan an meine Zeit denken, als ich ausschließlich Metal hörte. Ein paar Jahre gefiel mir die Musik, nach diesen paar Jahren gefiel mir eigentlich nur mehr das Lebensgefühl und nicht mehr die Musik an sich.

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