Horst Beseler – Käuzchenkuhle (Hörspiel) (1966/2015)

FrontCover1Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier über die Verfilmung des DDR Kinderbuch-Klassikers „Käuzchenkuhle“ berichtet und zwar hier.

»Regen peitschte in scharfen Stößen aus der Dunkelheit herunter. (…) Der Wind ließ die beiden Lampen an Bahnsteig und Ladestraße so heftig schwanken, dass sie von ihren Masten abzureißen drohten.« Schon die ersten Sätze von »Käuzchenkuhle« ziehen den Leser in den Bann und lassen ihn bis zur letzten Seite nicht mehr los …

Nur widerwillig macht sich Jampoll der eigentlich Jean-Paul heißt, aber dessen Namen keiner richtig aussprechen kann von Berlin aus auf den Weg in das märkische Dorf Wolfsruh, wo er die Ferien bei seinen Großeltern verbringen soll, ohne zu ahnen, welche gefährlichen Abenteuer ihn dort erwarten. Durch Zufall wird Jampoll Zeuge eines Gesprächs: Ein Fremder bedroht seinen Großvater. Beide sind durch ein schreckliches Geheimnis miteinander verbunden. Jampoll will es lüften. Gemeinsam mit den Freunden Kristian, Schraube und Spinne-Schnarr kommt er einem Verbrechen auf die Spur, das an einem unheimlichen Platz im Wald, an der Käuzchenkuhle, geschah und dessen Anfänge bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges zurückreichen.

Buch

Die Buchvorlage

Horst Beselers abenteuerliche Geschichte ist von Generationen junger Leser in der DDR verschlungen worden, ein wirklicher Jugendbuchklassiker, der mit seinem Sujet, aber auch mit seiner genauen sozialen Stimmung bis heute immer wieder fasziniert.

Das Buch erschien erstmalig 1965 und ein Jahr später gab es dann diese Hörspielfassung unter der Regie von Maritta Hübner für das Radio;

Maritta Hübner (* 17. Oktober 1930 in Hindenburg O.S.; † 13. August 1989 in Berlin) ist eine deutsche Hörspielregisseurin und Sprecherin. Sie gewann sechsmal den DDR-Kinderhörspielpreis der vom Staatlichen Komitee für Rundfunk vergeben wurde in der Kategorie Hörerpreis und einmal in der Kategorie Kritikerpreis. Das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) verzeichnet über 350 Kinderhörspiel-Inszenierungen der Regisseurin.

Das Hörpiel lehnt sich eng an die Buchvorlage und so realisiert man dann, dass die o.g. Verfilmung aus dem Jahr 1969 mit der kecken Linde eine neue Figur geschaffen hat (überhaupt das Thema Freunde wird in dem Film stärker herausgearbeitet). Und auch die Geschichten um die örtliche Fischerei-Genossenschaft wurde im Film neu eingeführt.

Und nachdem ich weiterhin ein glühender Freund von Hörspiele bin, hat es mir ausgesprochene Freude gemacht, mich erneut mit diesem Klassiker der DDR Kinderliteratur zu beschäftigen. Und Freude kann ich dieser – mich schon sehr belastenden Zeit – gut gebrauchen … vielleicht macht sie ja auch anderen Lesern dieses blogs Freude.

Und dieses Hörbuch bringt die Erkenntnis dass man durchaus kindgerecht über die Schrecken des Nationalsozialismus und des II. Weltkrieges „unterhalten“ und berichten kann. Davon waren wir im Westen damals noch kilometerweit entfernt-.

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Besetzung:
Fred Alexander (Erzähler)
Heinz Hartmann (Opa)
Robert Trösch (Fremder)
Else Wolz (Oma)
(warum man den Sprecher der zentralen Figur Jampoll nicht aufgelistet hat, ist mir ein Rätsel)

Bearbeitung (Wort): Erwin Ziemer
Dramaturgie: Hans Kubisch
Technische Realisierung: Eva Löffler

Regie: Maritta Hübner

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Titel:
01. Käuzchenkuhle (Teil 1) 34.30
02. Käuzchenkuhle (Teil 2) 34.53
03. Käuzchenkuhle (Teil 3) 28.09

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Horst Beseler

Horst Beseler

Alte Post- und Ansichtskarten (8): Brief Leipzig – Leipzig (Mai 1943)

Ein Brief, der wohl nie ankam. bzw. nie gelesen wurde:

Brief Leipzig Mai 1943_01

„Nicht abgefordert – Lagerfrist abgelaufen“ lautet der Stempelaufdruck …

Brief Leipzig Mai 1943_02

Geschickt hat den Brief irgend jemand aus dem „Sächs. Hauptblaufarbenlager, Leipzig, Kronprinzenstrasse 5“

Und zu dem Begriff „Blaufarben“ (Kobalt) könnte man folgendes wissen:

Zaffer, auch Saflor, Safflor oder Kobaltsaflor bzw. Kobaltsafflor genannt, wird durch Erhitzen von Cobalterzen hergestellt. Es diente vom 16. bis ins 20. Jahrhundert als Ausgangsstoff zur Herstellung von Smalte, einem blauen, feuerfesten und glasartigen Pigment, das auch in Ölfarben verwendet wurde. Außerdem werden damit Kobaltglas (kobaltblau gefärbtes Glas), gefärbtes – vor allem in der Farbe Blau – Porzellan oder entsprechende Porzellanglasuren hergestellt. Die Herstellung von Zaffer erfolgte in den Blaufarbenwerken. (wikipedia)

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Kobaltblaue Gläser.

Bedeutende Werke für diese ganz spezielle Farbe (sie ist definitiv meine Lieblingsfarbe !) in Sachsen waren (lt. wikipedia)

Oehmesches Blaufarbenwerk (1649–1687) in Annaberg an der Sehma
Blaufarbenwerk Jugel (17. Jahrhundert) in Jugel
Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel (gegr. 1635) in Niederpfannenstiel
Blaufarbenwerk Oberschlema (1644–1956) in Oberschlema, nach eigener Angabe das größte Blaufarbenwerk der Welt
Schindlersches Blaufarbenwerk (gegr. 1649) in Schindlerswerk
Blaufarbenwerk Schneeberg (1568 bis um 1580) in Schneeberg, erstes kleineres Blaufarbenwerk in Sachsen
Blaufarbenwerk Zschopenthal (1687–1850) in Zschopenthal

Und somit bleibt das sog. Hauptblaufarbenlager, Leipzig zumindest mir ein wenig ein Rätsel …

Friedel Hensch und die Cyprys – Wiedersehen im Försterhaus am Waldesrand (1967)

FrontCover1Tja … da hat es in die 50er + 60er Jahren tatsächlich so ein „alter Knacker“ sich durchaus erfolgreich in der deutschen Musiklandschaft zu tummeln:

Friedel Hensch und die Cyprys waren eine in den 1950er Jahren sehr erfolgreiche deutsche Musikgruppe auf dem Gebiet des Schlagers. Unter dem Namen Tante Fröhlich und die Hutzelmännchen veröffentlichte das Ensemble auch einige Kinderlieder.

Friedel Hensch (* 7. Juli 1906 in Landsberg an der Warthe; † 31. Dezember 1990 in Hamburg), die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Erfolge als Sängerin feierte und in Berlin unter anderem bei Erik Charell engagiert war, Werner Cyprys (* 19. April 1922; † 30. Juli 2000) und Karl Geithner (* 11. Oktober 1922 in Chemnitz-Markersdorf; † 1976) bewarben sich 1945 unabhängig voneinander bei einem Varieté in Flensburg. Weil der Bühnendirektor keine Theaterlizenz der Alliierten Militärregierung vorweisen konnte, gründeten die drei im Oktober des gleichen Jahres eine eigene Band. Am 1. November 1945 reisten sie in Begleitung ihres neuen Mitgliedes Heinz Bartels nach Hamburg, wo sie auf ein dauerhaftes Engagement hofften. Im Januar 1946 traten sie im Ballhaus „Trichter“ auf der Reeperbahn erstmals als Friedel Hensch und die Cyprys auf. Es folgten Gastspiele in zahlreichen Städten Westdeutschlands. Anfang 1947 verließ Bartels die Gruppe, um eine Stelle als Kapellmeister in Bremen anzutreten. Ende 1947 heirateten Friedel Hensch und Werner Cyprys in Bielefeld. 1948 stieß Kurt Grysok (* 5. Oktober 1922 in Hindenburg O.S.) auf die Band und wurde deren vierter Mann.

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Hans-Joachim Kipka, Karl Geithner, Friedel Hensch und Werner Cyprys (v.l.n.r.), Februar 1961

Während eines Auftritts im Sommer 1949 in Hannover wurde Kurt Richter, der Chef der Plattenfirma Polydor, auf das Quartett aufmerksam. Noch im gleichen Jahr erschien mit dem Titel Mit der Zeit lernst auch du es die erste Schallplatte der Gruppe: Die Samba wurde als B-Seite des Schlagers Maria aus Bahia, der von René Carol und Danielle Mac gesungenen deutschen Version des Welterfolges Maria de Bahia von Ray Ventura, veröffentlicht. Auch die nächste Schallplatte, unter anderem mit Werner Cyprys‘ Eigenkomposition Mein Kaugummi, verkaufte sich mehr als zufriedenstellend. 1950 erschienen zunächst einige Singles, auf denen Friedel Hensch und die Cyprys lediglich als Chor bei Aufnahmen des Sängers Heinz Woezel (1914-1981) und anderer Interpreten zu hören sind. Im gleichen Jahr trat das Ensemble mit zwei von Michael Jary komponierten Schlagern in dem Film Mädchen mit Beziehungen auf. Dieser erste von insgesamt 11 Filmauftritten bedeutete einen weiteren Karriereschub für das Quartett. Unter dem Namen Tante Fröhlich und die Hutzelmännchen nahm die Gruppe im gleichen Zeitraum etwa 20 Kinderlieder für Gnom, die Kinderserie der Plattenfirma Polydor, auf.

Ihren bis dahin größten Erfolg verbuchten die vier Musiker Ende 1950 mit dem Titel Holdrio – liebes Echo. In den folgenden Jahren veröffentlichte die Gruppe immer wieder volkstümliche Schlager, die neben den modernen, oft leicht satirischen Liedern zu ihrem Markenzeichen wurden. Der Titel Heideröslein befand sich im Sommer 1954 drei Monate auf dem ersten Platz der deutschen Charts. 1955 erhielt das Ensemble eine Goldene Schallplatte für den Gesamtverkauf von über drei Millionen Schallplatten. Es folgten 15 Tourneen durch Deutschland und Europa sowie Auftritte in mehr als 60 Fernsehshows und bei über 200 Rundfunkveranstaltungen. Weitere Top-10-Hits waren Oh Jägersmann (1956) und Solang‘ die Sterne glüh’n (1957). Bis 1970 veröffentlichten Friedel Hensch und die Cyprys rund 15 Langspielplatten und fast 90 Singles.

FriedelHensch03Die Band war in den 1950er Jahren mit Liedern namhafter Komponisten und Texter wie Ernst Bader, Bruno Balz, Walter Brandin, Fini Busch, Kurt Feltz, Heino Gaze, Gerhard Jussenhoven, Kurt Schwabach, Günther Schwenn oder Gerhard Winkler erfolgreich. Daneben erschienen weiterhin eigene Titel von Werner Cyprys, der sich in den 1950er Jahren auch als Komponist und Musikproduzent für andere Interpreten einen Namen machte.

1957 wanderte Kurt Grysok nach Kanada aus und wurde durch Hans-Joachim Kipka ersetzt, der bis 1961 Mitglied der Gruppe blieb. Seither trat das Ensemble nur noch als Trio auf. 1961 nahm die Gruppe mit dem Titel Colombino am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil, den Lale Andersen gewann. 1962 landeten Friedel Hensch und die Cyprys mit Mein Ideal, der Antwort auf Charles Aznavours Du läßt dich geh’n, und Der Mond von Wanne-Eickel (Original: Un clair de lune à Maubeuge) ihre letzten Hits. 1963 traten Friedel Hensch und die Cyprys mit dem Titel Ja, beim Bossa-Nova-Ball bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden auf und belegten damit den vorletzten von 12 Plätzen. Nachdem 1965 ihr letzter Vertrag bei der Polydor ausgelaufen war, veröffentlichten die drei ihre letzten Schallplatten unter dem Telefunken-Label.

Ihren letzten gemeinsamen Auftritt hatte die Gruppe im Oktober 1970 in Wim Thoelkes Fernsehshow Drei mal Neun.

Friedel Hensch wurde auf dem Neuen Niendorfer Friedhof in Hamburg bestattet. (Quelle: wikipedia)

Hier ein Beispiel ihrer Sangeskunst und nein, man muss diese Musik wahrlich nicht lieben. Aber mir wurde mal wieder klar, warum es damals angesichts dieser „Herz-Schmerz-Polkas“ so verdammt notwendig war, als Gegenentwurf „Sunshine Of Your Love“ oder „White Room“ von den Cream auf den Plattenteller zu legen.

Friedel Hensch und die Cyprys2

Besetzung:
Werner Cyprys (vocals, guitar)
Friedel Hensch (vocals)
Gesang, Gitarre
Karl Geithner (vocals, accordeon, piano)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

BackCover1Titel:

Walzer:
01.1. Im Försterhaus am Waldesrand (Cilly/Behna) 2.25
01.2. Zwei rehbraune Augen (Lüders/Meda) 1.32

Langsamer Walzer:
02.1. Weißer Hollunder (Möhrens/Ernst) 1.03
02.2. Das Echo vom Königssee (Bern/Haselbach) 0.57
02.3. Almenrausch und Edelweiß (Röhricht) 0.42
02.4. Einen Strauß voller bunter Blumen (Cyprys/Stenford) 1.18

Marschpolka:
03.1. Anneliese (Simon/Liebich) 1.10
03.2. Herz-Schmerz-Polka (Blaha/Richter) 0.45
03.3. Rosamunde (Vejvoda/Richter) 1.34

Walzer:
04.1. Der Fremdenlegionär (Panseron) 2.10
04.2. Müde kehrt ein Wandersmann zurück (Traditional)

Medium-Foxtrott:
05.1. Vis a vis vom Wendelstein (Fischer/Feltz) 1.07
05.2. Du hast so wunderschöne blaue Augen (Berking/Woezel) 0.45
05.3. Nach Regen scheint Sonne (Beut/v.Pinelli) 1.53

Polkafox:
06.1. Hohe Tannen (Traditional/Rodá) 0.56
06.2. Drei weiße Birken (Lemberg/Kaegbein) 0.52
06.3. Du bist die Rose vom Wörthersee (Lang/Meder) 1.15

Walzer:
07.1. Was kann schöner sein (Livingston/Evans/Cyprys) 1.00
97.2. Ich möcht´ gern dein Herzklopfen hör´n (Sirowy/Werner) 0.42
07.3. Das Alphorn (Carsten) 1.25

Polka:
08.1. Schwedenmädel (Alfvén/Nebhut) 2.22
08.2. Luxembourg – Polka (Reisdorff/Münzel( 1.28

Medium-Foxtrott:
09.1. Die weiße Hochzeitskutsche (Fontenoy/Siegel-Marbot) 0.50
09.2. Leg deine Hand in meine Hand (Burger/Schmidt) 0.55
09.3. Casetta in Canada (Panzerl/Mascheroni/Faber) 1.15

Langsamer Foxtrott:
10.1. Schwalbenlied (Kneip/Rausch) 1.10
10.2. Mein Herz geht auf die Reise (Woezel/Mihm) 1.00
10.3. Ohne Gruß, ohne Kuß (Mihm/Breiten/Cilly) 1.08

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Klaus Lenz Band – Wiegenlied (1977)

FrontCover1Für mich ist er einer der wichtigsten Jazzmusiker der ehemaligen DDR:

Klaus Lenz (* 22. März 1940  in Berlin, genannt Bulle) ist ein deutscher Jazzmusiker, Bandleader und Komponist, vor allem in der Stilrichtung Modern Jazz. Er lebte bis 1977 in der DDR und gilt als Nestor der DDR-Jazzszene. Viele bekannte Interpreten wie Manfred Krug, Günther Fischer, Reinhard Lakomy, Henning Protzmann (Karat), Günter Baby Sommer und Ulrich Gumpert erlernten bei ihm das musikalische Handwerk und spielten mit ihm erfolgreiche Alben ein. Klaus Lenz spielte mit ständig wechselnden Besetzungen, ein Zeugnis seiner permanenten Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen. Mit jeder Formation erreichte er einen hohen Standard. Neben seinem Engagement als Jazzmusiker komponierte er im Pop-Bereich, arrangierte er für namhafte Orchester und schrieb Film- und Theatermusiken. (wikipedia)

Im Besitz eines Reisepasses, lebte Lenz abwechselnd im Ost- und im Westteil Berlins. Monate, nachdem er gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert hatte, war eine Tour mit seiner Band durch 30 Städte der BRD geplant und organisiert. Doch im letzten Moment wurde alles durch die DDR-Behörden abgesagt. Da reichte es dem Musiker. Lenz blieb in Westberlin, schickte seinen Pass zurück und versuchte, im Westen Fuß zu fassen.

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Nur, so einfach war es dann doch nicht. Gute Musiker gab es schon. Und eine Bigband kostet eine Menge Geld. Vielleicht kamen die anderen Kollegen ja auch nicht ganz mit der Autoritätsperson „Bulle“ Lenz klar? Der war zwar wie ein Vater, aber welcher Vater lässt sich schon gern kritisieren?

Nach zwei Schallplatten und zahlreichen Gelegenheitsjobs war dann Schluss mit der Musik. Außerdem wurde es für Lenz in Westberlin zu gefährlich. Kurz nachdem er seinem Musikerkollegen Detlef Kessler mit gefälschten Papieren die Flucht aus der DDR ermöglicht hatte, wurde er zusammengeschlagen. Von Stasi-Mitarbeitern, wie er später aus den Akten erfuhr.

Seitdem ist Lenz im Rheinland zu Hause und hat viele alte Gebäude restauriert. Die Trompete gehörte der Vergangenheit an. Das ging auch jahrelang gut. Bis, ja bis der Wurzener Jazzfan Bernd Ganßauge Klaus Lenz beim 40. Geburtstag der Modern Soul Band sah. Er bedrängte ihn monatelang, doch wieder richtig auf die Bühne zu gehen, versprach für alle Kosten aufzukommen und klopfte ihn sozusagen mit Hilfe von Reinhard Lakomy weich.

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Zu seinem 70. Geburtstag gab es dann eine einmalige Tour durch den Osten. Die Leute konnten es kaum fassen. „Bulle“ Lenz war plötzlich wieder da. Mit dabei Uschi Brüning, Hansi Klemm, Konny Körner, Wolfgang Fiedler, Jarek Smietana und viele bekannte alte, aber auch junge Jazzmusiker. Die Tour wurde ein großer Erfolg. Doch nach dem Konzert im legendären Leipziger Ring-Café war dann endgültig Schluss. Old Lenz kehrte zurück in sein Dorf.

Zwar liegt jetzt die Trompete wieder in seinem Arbeitszimmer, aber der Raum hat sich verändert. An den Wänden hängen zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos von Leuten, die mit ihm zusammengearbeitet haben: Horst Krüger, Günther „Baby“ Sommer, Conny Bauer, Günther Fischer, Lacky Lakomy, Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowsky, Henning Protzmann, Hansi Biebl, Christiane Ufholz, „Jäcki“ Reznicek und immer wieder Manfred Krug und Uschi Brüning. Aber auch Chris Doerk und Frank Schöbel. (Schweriner Volkszeitung, 2015)

Klaus Lenz 2013

Hier sein erstes Album nach seiner Übersiedlung in die BRD; diese Aufnahmen sind noch in den Amiga-Studios entstanden und irgendwie hatte er sie wohl im Gepäck, als er sich in West-Berlin niederließ. (Quelle: musik-sammler.de)

Und was da aus den Boxen dringt ist nur mit dem Wort superb zu beschreiben. Jazz-Rock, Fusion-Jazz oder wie man diese Musik auch immer kategorisieren will … jeden damals ganz sicher auf der Höhe der Zeit, brandaktuell sozusagen …

Ein Album das keinen internationalen Vergleich scheuen müsste … Und die Musik klingt auch heute noch noch frisch, unverbraucht und prickelnd … ein Feuerwerk der besonderen Art !

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Besetzung:
Hannes Baner (trombone)
Dieter Erhardt (drums)
Wolfgang Fiedler (piano, synthesizer, mellotrone)
Axel Gothe (saxophone, flute, percussion)
Claus-Dieter Knispel (trumpet)
Jürgen Kratzenberg (bass)
Klaus Lenz (trumpet)
Axel-Glenn Müller (saxophone, flute, clarinet)
Christian Pittius (keyboards, synthesizer)
Mathias Pflugbeil (trumpet)
Siegnor Rotbart (flugelhorn)
Bernd Swoboda (trombone)
+
Rainer Gäbler (saxophone bei 01., 04. + 07.)
Detlev Keßler (drums bei 01. + 04.)
Jürgen Reznicek (bass bei 01., 04. + 07.)
Wolfgang Schneider (drums bei 07.)

Wolfgang Fiedler

Wolfgang Fiedler

Titel:
01. Tarantel (Fiedler) 5.13
02. Octopus (Fiedler) 9.24
03. Wiegenlied (Fiedler) 6.45
04. La Fiesta (Corea) 7.29
05. Bubblestone (Hausmann) 5.31
06. The Old New Way (Lenz) 5.56
07. Say It To You Tomorrow (Müller) 4.42

Label

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Münchner Motettenchor + Berliner Symphoniker – Des Abends schöne Röte – Romantische Chormusik (2004)

FrontCover1Altehrwürdig kann man den Münchner Motettenchor natürlich noch nicht nennen, denn er wurde erst 1960 gegründet, aber ein paar Jahrzehnte hat er auch schon auf dem Buckel. Hier die Kurz-Vita:

Der Münchner Motettenchor wurde im Jahre 1960 von Hans Rudolf Zöbeley (1931-2007) gegründet. Er ging aus einer kleinen Gruppe musikbegeisterter Studenten an der Universität München hervor, die sich in der Absicht zusammengefunden hatte, eine Vorlesung über Motetten von Heinrich Schütz – daher der Name des Chores – musikalisch zu illustrieren. Der Erfolg und die Freude des gemeinsamen Musizierens waren so groß, dass man sich entschloss weiterzumachen. Die ersten Konzerte veranstaltete der Chor in der evangelischen Bischofskirche St. Matthäus in München, wo er auch heute noch regelmäßig Gottesdienste der Gemeinde und der evangelischen Landeskirche musikalisch gestaltet.

Im Laufe der Jahre erweiterte der inzwischen stark vergrößerte Chor systematisch sein Repertoire, das heute nahezu die gesamte Bandbreite der Chorliteratur aus über vier Jahrhunderten umfasst. Dem Ensemble gehören heute rund 90 Sängerinnen und Sänger an, sodass es die unterschiedlichen Werke stets in der passenden Besetzung aufführen kann. Der Chor tritt regelmäßig in den großen Konzertsälen Münchens auf und ist eine feste Größe im Musikleben der bayerischen Landeshauptstadt.

Im Repertoire des Chores stehen seltener aufgeführte Komponisten, insbesondere aus neuerer Zeit (Britten, Honegger, Janáček, Kodaly, Poulenc, Martin) gleichbedeutend neben den „Großen“ der Vergangenheit wie Schütz, Monteverdi, Bach, Mozart, Brahms, Mendelssohn-Bartholdy oder Verdi.

Ein Eckpfeiler im Repertoire sind Carl Orffs „Carmina burana“, die der Chor 1977 noch in Anwesenheit und mit ausdrücklicher Anerkennung des Komponisten aufgeführt hat und mit denen er im Juli 1995 anlässlich des 100. Geburtstages des Komponisten über 10.000 Menschen auf dem Münchner Marienplatz begeisterte.

Zahlreiche Konzertreisen führten den Motettenchor in alle Himmelsrichtungen Europas, von Lettland und Polen bis Sizilien und auf die Kanarischen Inseln, von Istanbul nach Prag, Paris und Madrid, aber auch in außereuropäische Länder, u. a. mehrfach nach Israel, Brasilien und Argentinien.

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Rundfunk- und CD-Produktionen gehören zum festen Bestandteil der Chorarbeit. 1994 produzierte der Chor beispielsweise eine Doppel-CD mit Werken von Carl Orff, 1996 Charles Gounods „Cäcilienmesse“ und 1997 die „Missa solemnis“ von Ludwig van Beethoven. Im Jahre 1999 folgte in Co-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk ein Live-Mitschnitt der „Es-Dur-Messe“ von Franz Schubert und eines Konzertes bei den Richard-Strauss-Tagen in Garmisch-Partenkirchen mit selten zu hörenden Werken von Richard Strauss. Der Live-Mitschnitt eines Konzertes in der Berliner Philharmonie mit Werken der Romantik für Chor und großes Orchester erschien im Herbst 2004. Im Jahre 2007 folgte eine Aufnahme des “Stabat Mater” von Antonín Dvořák.

In Zusammenarbeit mit einem weltweit tätigen Unternehmen der deutschen Wirtschaft führte der Chor im Mai 2002 sein bisher größtes künstlerisches Projekt aus: eine Konzertreise rund um die Welt, von Europa auf den nord- und südamerikanischen Kontinent und weiter nach Ostasien. Dabei veranstaltete er Konzerte u.a. im Lincoln Center in New York, im Palacio de Bellas Artes in Mexico City und im Grand Theatre in Shanghai.

Von der musikalischen Fachwelt und den Medien stark beachtet war die erfolgreiche Uraufführung des Oratoriums „Joram“ (komponiert 1933) des in München 1897 geborenen deutsch-israelischen Komponisten Paul Ben-Haim am 8. 11. 2008 in der Philharmonie München. Auf Einladung des Israel Philharmonic Orchestra brachte der Chor im April 2012 den „Joram“ im Smolarz Auditorium der Universität Tel Aviv erstmalig in der ungekürzten Originalfassung zur Aufführung.

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Hier nun der oben schon erwähnte Live-Mitschnitt eines Konzertes in der Berliner Philharmonie mit Werken der Romantik für Chor und großem Orchester, aufgenommen in der Berliner Philharmonie am 13. Juni 2004.

Dieses Album hat zwei große Schwerpunkte.

Liebeslieder-Walzer ist der Name zweier Zyklen von Liedern im Walzer- bzw. Ländler-Takt für vier Singstimmen (Chor) und Klavier vierhändig von Johannes Brahms: die Liebeslieder. Walzer op. 52 und Neue Liebeslieder op. 65. Die Texte stammen (mit einer Ausnahme) aus der Sammlung Polydora von Georg Friedrich Daumer, die aus freien Nachdichtungen internationaler Volksdichtungen besteht.

BrahmsNotensatzDie vertonten Texte aus Daumers Sammlung beruhen auf russischen, polnischen und ungarischen Vorlagen. Die erste Sammlung op. 52 ist eine lockere Folge von Liebesliedern auf lyrisch-schwelgende, heiter-ironische, aber auch energisch-bestimmte Texte, über die der Komponist selbst urteilte: „Übrigens möchte ich doch riskieren, ein Esel zu heißen, wenn unsere Liebeslieder nicht einigen Leuten Freude machen.“ Demgegenüber handeln die Texte der zweiten Sammlung überwiegend von den Schattenseiten der Liebe: Misstrauen, Enttäuschung und Verzicht. Insgesamt ist festzustellen, dass Brahms durch seine inspirierte Vertonung von Daumers Texten eine literarisch wenig gehaltvolle Textgrundlage vor der endgültigen Vergessenheit bewahrte, was in der Musikgeschichte allerdings kein Einzelfall ist.

Die 18 Liebeslieder-Walzer op. 52 entstanden im Sommer 1868. Vor der Veröffentlichung des Werkes im folgenden Jahr kam es zu einem Streit zwischen Brahms und seinem Verleger Simrock über die Besetzung des Werks: Simrock fügte dem Titel eigenmächtig die Bezeichnung „mit Gesang ad libitum“ zu, um größere Käuferschichten anzusprechen. Brahms stimmte widerwillig zu, beharrte aber darauf, die Gesangsstimmen mit zu veröffentlichen und eine reine Klavierausgabe erst später folgen zu lassen. Brahms erstellte später folgerichtig eine eigene Fassung für Klavier zu vier Händen ohne Gesang (op. 52a), die in vielen Details von den Klavierparts der gesungenen Ausgabe abweicht. Für die Gesangsparts hatte Brahms ursprünglich ausdrücklich eine Besetzung mit Solostimmen vorgesehen, und er wandte sich zunächst strikt gegen chorische Aufführungen. Als er später eine chorische Aufführung als „musterhaft“ lobte, hatte er seine Meinung in diesem Punkt möglicherweise geändert.

Eine Bearbeitung einer Auswahl von 9 Liedern für Orchester, ebenfalls mit Gesang ad libitum, erstellte Brahms für eine Aufführung 1870. Sie erschien allerdings erst 1938 im Druck.

Wegen des großen Erfolgs der ersten Sammlung ließ Brahms 1874 die zweite Sammlung von 15 weiteren Liedern als Neue Liebeslieder op. 65 folgen. (Quelle: wikipedia)

Hier hören wir die Auswahl der 9 Lieder, die dann erst 1879 zur Aufführung kamen.

Thematisch spannender ist dann „Die erste Walpurgisnacht“:

Die erste Walpurgisnacht (MWV D 3) ist eine im Mai 1799 verfasste Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, in Musik gesetzt von Felix Mendelssohn Bartholdy in Form einer weltlichen Kantate für Soli, Chor und Orchester (1833).

Es war von Anfang an Goethes Absicht, dass seine Ballade als Chorkantate vertont werden sollte. Als Komponisten hatte er seinen Freund Carl Friedrich Zelter ausersehen. Als der jedoch den Text zum ersten Mal las, soll er ausgerufen haben: „Wer das vertonen will, muss erst die alte abgetragene Kantatenuniform ablegen!“ Er selbst fühlte sich dazu nicht in der Lage, sondern gab die Vorlage an seinen Schüler Felix Mendelssohn Bartholdy weiter.

Walpurgisnacht1830/31 reiste Mendelssohn durch die Schweiz und Italien. Aus Rom schrieb er an Goethe: „Was mich seit einigen Wochen fast ausschließlich beschäftigt, ist die Musik zu dem Gedicht von Eur. Exzellenz, welches die erste Walpurgisnacht heißt. Ich will es mit Orchesterbegleitung als eine Art großer Kantate komponieren. … ich weiß nicht, ob mirs gelingen wird, aber ich fühle, wie groß die Aufgabe ist und mit welcher Sammlung und Ehrfurcht ich sie angreifen muß.“ – Es war im Herbst 1832 in Mendelssohns Elternhaus, wo das Werk zum ersten Mal erklang. Die öffentliche Uraufführung folgte dann am 10. Januar 1833 in der Sing-Akademie zu Berlin. Am Pult stand der Komponist selbst.

Zehn Jahre später, 1842/43, arbeitete Mendelssohn sein Werk grundlegend um. Diese zweite Fassung fand ihre Uraufführung am 2. Februar 1843 im Leipziger Gewandhaus. Auch diesmal wurde das Werk vom Komponisten selbst einstudiert und geleitet. Unter den Zuhörern waren Robert Schumann und Hector Berlioz, der sich besonders begeistert über das Werk äußerte. In dieser zweiten Fassung wird das Werk heutzutage üblicherweise aufgeführt.
Besetzung

Goethe selbst verfasste in seinem Brief an Zelter vom 3. Dezember 1812 eine Art Inhaltsangabe seiner Ballade so:

„So hat nun auch einer der deutschen Altertumsforscher die Hexen- und Teufelsfahrt des Brockengebirges, mit der man sich in Deutschland seit undenklichen Zeiten trägt, durch einen historischen Ursprung retten und begründen wollen. Dass nämlich die deutschen Heidenpriester und Altväter, nachdem man sie aus ihren heiligen Hainen vertrieben und das Christentum dem Volke aufgedrungen, sich mit ihren treuen Anhängern auf die wüsten unzugänglichen Gebirge des Harzes im Frühlingsanfang begeben, um dort, nach alter Weise, Gebet und Flamme zu dem gestaltlosen Gott des Himmels und der Erde zu richten. Um nun gegen die aufspürenden bewaffneten Bekehrer sicher zu sein, hätten sie für gut befunden, eine Anzahl der ihrigen zu vermummen, und hierdurch ihre abergläubischen Widersacher entfernt zu halten und, beschützt von Teufelsfratzen, den reinsten Gottesdienst zu vollenden.“ (Quelle: wikipedia)

Nun denn, mein Herz schlägt weiterhin nicht für diese Musik, aber die Ouvertüre von Felix Mendelssohn-Bartholdy hat es schon in sich … mein lieber Herr Gesangsverein  … und deshalb häte ich diesem Album ein schmuckeres booklet gewünscht (wobei es schon sehr informativ ist).

Besetzung:
Thomas Cooley (Tenor)
Thomas Gropper (Bariton)
Saskia Klumpp (Alt)
+
Münchner Motettenchor
Berliner Symphoniker unter der Leitung von Hayko Siemens

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Titel:

Hugo Wolf:
01. Der Feuerreiter – Ballade für Chor und grosses Orchester 6.00

Johannes Brahms: Liebeslieder Neun Walzer aus op. 52 und op. 65
02. Rede, Mädchen, allzu liebes 1.10
03. Am Gesteine rauscht die Flut 0.50
04. Wie des Abends schöne Röte 0.48
05. Ein kleiner hübscher Vogel 2.34
06. Die grüne Hopfenranke 1.48
07. Nagen am Herzen fühl ich 1.32
08. Nein, es ist nicht auszukommen 1.02
09. Wenn so lind dein Auge mir 1.36
10. Am Donaustrande 2.27

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Die erste Walpurgisnacht – Ballade für Soli, Chor und Orchester op. 60
11. Ouvertüre (Das schlechte Wetter) 9.32
12. Es lacht der Mai 4.22
13. Konnt ihr so  2.08
14. Wer Opfer heut 1.53
15. Verteilt euch 1.43
16. Diese dumpfen 2.27
17. Kommt mit Zacken 4.39
18. So weit gebracht 3.14
19. Hilf, ach hilf mir 1.04
20. Die Flamme reinigt 2.41

Robert Schumann:
21. Nachtlied für Chor und Orchester op. 108 10.01

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Adalbert Lutter und sein Tanzorchester – Welterfolge zum Tanztee (2. Folge) (1956)

FrontCover1Und noch so ein Großmeister der gepflegten Unterhaltungsmusik des letzten Jahrhunderts und zwar einer , mit einer wahrlich bewegten Biographie:

Adalbert Lutter (* 20. Oktober 1896 in Osnabrück; † 28. Juli 1970 in Berlin) war ein deutscher Pianist, Dirigent und Leiter eines der bekanntesten Berliner Tanz- und Unterhaltungsorchester der Dreißiger Jahre.

Seine erste Band gründete er gleich nach dem Ersten Weltkrieg in Hannover. 1922 emigrierte er – offenbar aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Deutschland – nach Südamerika und blieb dort bis 1928. Nach Deutschland zurückgekehrt, baute er in Berlin ein Unterhaltungsorchester auf, das bald zu den besten der Stadt gehörte. Es spielte seit 1932 regelmäßig in den Wilhelmshallen am Zoo, im Europa-Pavillon und auf dem Dachgarten des Café Berlin und arbeitete mit Sängern wie Eric Helgar, Rudi Schuricke, den Metropol Vokalisten, den Spree Revellers u.a. zusammen.
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Lutter war auch Gast-Dirigent bei Telefunken und machte mit seinem Orchester zahlreiche Aufnahmen bei dieser Firma, aber auch anderen Plattengesellschaften wie der Deutschen Grammophon.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Orchester unter seiner Leitung das Hausorchester des Berliner Rundfunks. 1961 ging er in den Ruhestand und starb 1970 in Berlin.(Quelle: Wikipedia)
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Und hier die zweite Folge seine damaligen Serie in den 50er Jahe: „Welterfolge zum Tanztee“ … ob das nun alles wirklich „Welterfolge“ waren, lass ich mal dahin gestellt (ok, „Rock Around The Clock“ ging damals wirklich über die ganze Welt) …
Und naürlich beherrschte er ein Metier …. und zueilen kamen er und sein Tanzorchester auf samteichen Pften daher (z.B. bei „Vaya Con Dios“)
Und bei „Rock Around The Clock“ wird´s dann naturgemäß etwas beschwingter …
Kann man sich ja lat mal anhören … man muss dazu ja nicht gleich zum Tanztee gehen !
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Besetzung:
Adalbert Lutter und sein Tanzorchester
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Titel:
01. Grüß mir die Damen aus der Bar von Jonny Miller 1.49
02. Tina Marie 2.22
03. Olé O Cangaceiro 2.22
04. Blue Tango 3.18
05. The Yellow Rose Of Texas 2.10
06. In der Schweiz 1.51
07. Arrivederci Roma 2.37
08. Vaya Con Dios 2.25
09. Jolie Jacqueline 2.46
10. Rock Around The Clock 2.24
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Verschiedene Interpreten – Leipziger Folk Session Vol. 2 – Ein freyes Leben führen wir – Räuber- und Wilddiebs Gesänge (1999)

FrontCover1Als das erste Album der Session-Formation „Leipziger Folk Session“ erschien, äußerte Ulrich Joosten im Magazin “Folker” ja die Hoffnung „daß die Rufe jener erhört werden könnten, die nach »meeehr, meeehr, meeehr« lechzen werden.”

Dem Mann wurde geholfen und ein Jahr später erschien dann Volume 2 dieser wirklich hochkarätigen Session-Formation.

Diesmal widmete man sich unter dem Motto „Ein freyes Leben führen wir“ den Räuber- und Wilddieb-Gesängen der deutschen Volksmusik.

Das Internet-Magazin „folkworld“ war allerding so nicht so glücklich mit diesen Aufnahmen:

Häufig wird bedauert, daß Folk in Deutschland – bei Zuhörern als auch Musikern – oft der Irish/Klezmer/Balkan-Connection angehört. Dann werden die guten alten Zeiten beschworen, als Gruppen wie Zupfgeigenhansel und Fiedel Michel im Westen oder Folkländer im Osten die deutsch(sprachig)e Antwort auf das Folkrevival waren. Die Leipziger Folk Session Band hat jetzt ein zweites Album vorgelegt. Auf 1848-Lieder folgen nun Räuber- und Wilddiebsgesänge. Wie beim Erstlingswerk wird prächtige Unterhaltung geboten. Neu sind ein paar E-Gitarren, die sich hineingeschlichen haben. Manchmal ist man leider nah an der Schunkelmusik (beim Konzert in Rudolstadt 1999 brach teilweise Bierzeltstimmung aus). Nur manchmal beschleicht mich das Gefühl: Werden da nicht doch nur die 70er Jahre abgefeiert? Coolfin klingt schließlich auch nicht wie Planxty. Und zwischen Liedermachergeschrammel und Mittelalterschwermetall ist doch noch reichlich Platz in der deutschen Folk- und Weltmusikszene. Aber wo laufen sie nur? (Ausgabe 15: 8/2000)

Nun denn, lassen wir erstmal die Musikanten erklären wie es zu diesen Aufnahmen kam:

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Und im Gegensatz zu meinem Vorredner kann ich auch diesem Album etliches abgewinnen.

Das ist zum einen das vorbildliche Booklet, mit nun wirklich interessanten Erläuterungen zu den einzelen Liedern (das nenn ich fundierte Beschäftigung mit den Quellen !) und dann zum anderen die musikalische Bearbeitung der alten Weisen …

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Der Wildschütz Georg Jennerwein

Selten habe ich ein Album gehört, das„alte Melodien“ so herzerfrischend interpretiert und die Vielzahl der Instrumente ist einfach nur gut. Die Lieder haben zwar einen geringeren Bekanntsheitsgrad als etliche Lieder der „Revolution von 1858/49“ … aber das ist ja kein Nachteil: im Gegenteil: die Wiederbelebung dieser Lieder erlebe ich als Gewinn, zeigen sie doch … wie vielfältig Musik aus deutschen Landen sein kann.

 

Und natürlich begegnen einem dann all die Namen, die wir – auch im Rahmen unseres „kollektiven Bewußtseins“ abgespeichert haben: Da tauchen Figuren wie Rinaldo Rinaldini, der Hauptmann von Köpenick oder der Wildschütz Jennerwein (ja, genau der aus meiner bayerischen Heimat) auf … Hach …

Und ja … solchen Lieder leben auch vom Pathos (zu hören z.B. bei „Banditenbegräbnis“), aber … gehört nicht auch dieser Pathos zu unseren Empfindungen, zu unseren Empfindungen, die vielleicht besonders intensiv unser Leben prägen ?

Nein, nein, auch dieses Album bietet unendlich viel, das es zu entdecken gilt. Und von daher ist auch Teil 2 dieser Edition ein ganz besonderer Genuss und mein Dank gilt daher allen Musikern, insbesondere aber diesem Jürgen B. Wolff, der nicht nur das ganze Projekt organisiert hat, sondern (ich lerne ja dazu) für die erneut großartige Covergestaltung gesorgt hat.

Und Puristen mögen vielleicht die Nase rümpfen, dass bei diesem Album auch elektrische Gitarren samt verzerrtem Sound zum Einsatz kamen (z.B. bei „Der Räuberhauptmann von Köpenick“ … aber da sag ich nur: Schon Bob Dylan wusste 1965 auf dem Newport-Festival, dass diese Diskussion überflüssig wie ein Kropf ist (und der von mir doch sehr geschätzte Mike Bloomfield spielte zu „Maggie´s Farm“ seine bluesige Gitarre !).

Und insbesondere, aber auch das Ende dieses Albums sind einfach nur witzig !

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Die Hinrichtung des Schinderhanns (der ja eigentlich Johannes Bückler hieß) – Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, um 1803.

Besetzung:
Heidi Eichenberg (accordeon)
Ulrich Doberenz (bass)
Ullrich Franke (bass, vocals)
Ingeborg Freytag (violin, percussion)
Erik Kross (dulcimer)
Gundolf Nandico (horn, didgeridoo)
Cornelia Plänitz (violin)
Alexander Samojlov (vocals)
Peter Schneider (saxophone, clarinet)
Uwe Sterzik (vocals)
Andreas Uhlmann (trombone, recorder, flute, whistle, jew´s harp, background vocals)
Johannes Uhlmann (accordeon, background vocals)
Till Uhlmann (hurdy gurdy, violin, background vocals)
Manfred Wagenbreth (mandolin, bouzouki, harmonica, vocals)
Dirk Wasmund (saxophone, clarinet)
Peter Wassiljewski (vocals, mandolin)
Jens Paul Wollenberg (vocals)
Jörg Wolff (vocals, clarinet)
Jürgen B. Wolff (vocals, guitar, zither)

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Titel:
01. Ach das könnte schön sein (Grothe/Dehmel/Neumann/J.B.Wolff) 3:36
02. Rinaldo Rinaldini (Traditional/Vulpius) 4.49
03. Was schleicht dort im nächtlichen Walde (Traditional) 3.35
04. Der Lindenschmied (Traditional) 5.21
05. Der Räuberhauptmann von Köpenick (Reuter/Bruhn) 4.11
06. Der Butterräuber von Halberstadt (Traditional) 3.32
07. Die Hemsbacher Affär (Schmeckenbecher/Friedrich) 2.26
08. Die Räuberbreut (Traditional) 4.06
09, Banditenbegräbnis (J.B.Wolff/Freiligrath) 6.26
10. Es zogen drei Räuber als Grafen aus (Traditional) 4.18
11, Der Tantenmörder (Wedekind) 2.36
12. Das Jennerwein-Lied (Traditional) 2.57
13. Die Räuber aus dem Böhmerwald (Kammel/Wollenberg) 3.43
14. Schinderhannes (Traditional) 5.08
15. Ballade von den Seeräubern (Brecht) 6.38
16. Ein freyes Leben führen wir (Traditional/Schiller) 4.02

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Live waren sie auch unterwegs …

Mehr von der Leipziger Folk Session:
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