Verschiedene Interpreten – Bewegliche Ziele – Die frühen Jahre (Der Trikont Sampler 1) (1996)

FrontCover1Ein unvermeidbarer und auch ein unverzichtbarer Rückblick auf die frühen 70er Jahre … als die Politisierung der „rebellischen Jugend“ auch in der Musik seinen Ausdruck fand … und das Trikont-Label war (neben dem Pläne Label in Dortmund) das zentrale Sprachrohr dieser Bewegung:

Der Trikont Musikverlag ist ein Independent-Plattenverlag und Musiklabel aus München, das 1967 innerhalb des gleichnamigen Trikont-Verlages entstanden ist. 1980 löste sich der Verlag auf. In der Folge gründete sich das eigenständige Plattenlabel Trikont-Unsere Stimme-Our own Voice. Markenzeichen des Labels ist es, „Musik von unten“ zu veröffentlichen, die der vorherrschenden Expertenkultur sowie der kommerziellen Glätte entgegenwirken soll.

Das Label Trikont wurde Ende der 1960er Jahre ursprünglich als Buchverlag gegründet. Es galt als eines der bekanntesten Publikationshäuser der Protest- und Alternativ-Bewegung der 1968er Jahre. Einige Jahre später kam dann die Musik dazu. Als sich der alte Verlag auflöste, wurde die eigenständige Schallplattenreihe: Trikont – Unsere Stimme – Our own Voice, gegründet.

Etwa 500 Platten und CDs von Musikern und Bands haben das Haus in München-Giesing seither verlassen (Quelle: wikipedia)

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Nachdem dieser wikipedia Beitrag ein wenig arg dürftig ist …hier die Selbstdarstellung des Trikont Musik Verlages:

Ende der 60iger Jahre wurde Trikont als Buch-Verlag gegründet – in einer Zeit, in der der Wunsch nach einem anderen Leben immer drängender wurde. Freiheit und Selbstbestimmung wurden zum Überbegriff einer erwünschten und erträumten Gesellschaft, in der die Gleichberechtigung der Geschlechter, ein liebevoller und fairer Umgang mit Kindern, eine unzensierte öffentliche Meinung und vieles andere mehr, zur Triebfeder für den Wunsch und den Willen nach Veränderung wurde.

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Walter Moßmann

In diesen Zeiten des Umbruchs, der Neuausrichtung und des Hinterfragens scheinbar immer schon gültiger Wahrheiten war es die Musik, die den emotionalen Weg zu den Menschen fand. Nicht nur, um Utopien und Träume von einer besseren, gerechteren Welt unter die Leute zu bringen, auch um die Musik gemeinsam zu erleben, Spaß zu haben und sich verbunden zu fühlen.

Und heute, 50 Jahre später sind wir immer noch überzeugt, dass keine Kunst ausdrucksstärker und potentiell demokratischer ist als Populärmusik – in keiner anderen Kunst konnten und können sich Leute intensiver und direkter ausdrücken.

Deshalb machen wir immer noch Musik und deshalb haben seit unseren Anfängen diese vierhundertzweiundneunzig Tonträger das Trikont-Haus in München-Obergiesing verlassen. Musik von Künstlern, die erfolgreich auf ihre Eigenart bestehen, sich ihren Eigensinn bewahren, die was zu sagen und zu singen haben und in vielen unterschiedlichen Genres zuhause sind. Und nicht zu vergessen unsere vielen, vielen Sampler die ganz unterschiedlich klingende Geschichten aus der heimischen und weltweiten Populärmusik erzählen, und ihr etwas von ihrer Leidenschaft und Würde zurückgeben und uns mehr zeigen als eine grell bemalte Oberfläche. „Klingt gut“, ist uns immer schon zu wenig Begründung für unser Interesse an Musik. Wir suchen den Klang hinter den Tönen, die Geschichte hinter der Fassade und die Energie und Entschlossenheit hinter jeder unserer Veröffentlichungen.

Wir sind sicher, dass viele Menschen ganz unterschiedliche Musiken hören würden, wenn sie ihnen denn bekannt wären. Und den Diktatoren des statistischen Durchschnitts schreiben wir in ihre Bücher, dass Mehrheiten immer aus vielen Minderheiten bestehen.

Wir machen weiter. (Eva Mair-Holmes und Achim Bergmann)

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Sogenanntes Linksradikales Blasorchester

Und 1996 feierten sie ihr 25jähriges Jubiläum mit einer dreiteiligen Sampler-Serie.

Hier der erste Sampler, und natürlich, er enthält die „frühen Jahre“. Und das schrieb die Presse:

Hier hört man die Musik, die wahrscheinlich nie erscheinen würde, kümmerte sich Trikont nicht darum. (Falter, Wien)

Doch in Sachen Profil macht dieser Zwerg so manchem PlattenRiesen was vor. Heute heißt das Credo des Verlags nicht mehr ,Gegenkultur‘, sondern, nach einer Wortschöpfung Bergmanns ,Eigensinnkultur‘. (Abendzeitung, München)

25 Jahre Trikont: Ein faszinierender CD-Sampler dokumentiert EigensinnKultur. (SüdwestPresse)

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Eine Gasse der EigensinnKultur seit einem Vierteljahrhundert bietet Trikont vielen, ganz unterschiedlichen Musikern ein Zuhause. Bei Deutschlands filigranster Plattenschmiede wissen sie es inzwischen: Sie sind und haben nur eine Stimme. Aber die ganz gewiß. (Rolling Stone)

Tatsache ist, daß Trikont mit seiner Labelpolitik nicht nur Randgruppen bedient, sondern auch den ganz normalen Menschen draußen auf der Straße erreichen will, um ihn am Konzept und der eigenen Lebensphilosophie teilhaben zu lassen. (Münchner Merkur)

Klein, aber laut. (Amica)

Das wahrscheinlich weirdeste Label der Republik feiert Geburtstag. Trikont blickt im gerechten Zorn zurück auf 25 Jahre einstürzende Altbauten und bietet im 3CDSchuber ,25 Jahre Our Own Voice‘ einen panoramischen Überblick über sein radikales Schaffen. (WOM Journal)

Was für eine schillernde Szene war das damals … ich habe sie damals ziemlich nah mitbekommen, wohnte ich damals doch auch noch in München … Es war die Szene der Spontis, der Träumer und der Radikalen … vieles war mir damals nicht gnz geheuer … aber mit viel Sympathie habe ich das als Zaungast begleitet.

Folgende Zeilen aus dem Begleitheft bringen es dann auf den Punkt:

Hüllentext

Und so kann man sich eigentlich nur auf die weiteren Sampler aus dem Hause Trikont freuen … zumal bei vielen dieser Aufnahmen neben den engagierten Texe auch zuweilen superbe Musik eingespielt wurde.

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Dicke Lippe

Titel:
01. Ton, Steine, Scherben: Keine Macht für Niemand (live 1984) (Reiser/Lanrue)  4.01
02. Lotta Continua: La Violenza (Traditional) 2.21
03. Albino: Wir sind alle Fremdarbeiter (Albino) 2.37
04. Sigurd Kämpft: Made In Germany (Hupfer/Lechner/P.Feller/K. Feller/Bach) 1.57
05. Tommi & Mobiles Einsatzorkester: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann (Prosperi) 4.14
06. Herta; Freizeitheim Lied (unbekannt) 1.39
07. Hundt & Schröder: Susi Schnüffelzinken (Hundt) 3.49
08. Monika & Frauenoffensive: Schaf im Wolfspelz (unbekannt) 1.18
09. Warmer Südwind: Die liebe Familie (Eschi/Jacobson/Reiner) 4.58
10. Weckers Uhrwerk: Wer denkt denn schon daran (unbekannt) 2.56
11. Dicke Lippe: Bruttosozialprodukt (unbekannt) 3.48
12. Dave Corner: Hausdurchsuchung (Traditional/Corner) 2.37
13. Jeile Träumer: Nie kaputt (Hocker/Köster) 4.23
14. Klaus der Fiedler & Kölner Straßenmusiker: Herstattblues (v.Wrochem) 5.11
15. Uli Ahnen Klan: Geh indisch (Ahnen) 2.49
16. Sogenanntes Linksradikales Blasorchester: Ya No Somo Nosotros (Karaxu) 1.36
17. Kollektiv Rote Rübe: Wiegenlied (Wecker) 5.04
18. Frauenoffensive: Tante Klara (unbekannt) 0.40
19. 3 Tornados: Terror Roswitha (Klotzbach/Rating/Thews) 1.19
20. Walter Moßmann: Lied vom Lebensvogel (Moßmann) 7.24
21. Schorsch & Arbeitersache: Sabotage (unbekannt) 1.50
22. SSK Harmonie Kollektiv: Hey, wir sitzen auf der Straße (unbekannt) 2.25
23. Teller Bunte Knete: Ab auf’s Land (Esslinger/Kubica/Merklin/Rohde/Gminski) 2.43
24. Die singenden Winzerinnen, Blaskapelle Rote Note: In Wyhl, da gibt’s kein KKW-Fessenheim Tango (unbekannt) 1.57
25. Sparifankal: Aus is und gar is (Dosch/Laber/Sonderwald/Obermaier/Reichert) 5.11

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