Nordwestdeutsche Philharmonie – Rhapsody In Blue + Warschauer Konzert (1960)

FrontCover1Ein deutsches Nachkriegsorchester, das sich bis heute, trotz vieler Widrigkeiten,  halten konnte:

Die Nordwestdeutsche Philharmonie ist eines von drei nordrhein-westfälischen Landes-Sinfonieorchestern. Es hat seinen Sitz in der ostwestfälischen Stadt Herford.

Gegründet wurde die Nordwestdeutsche Philharmonie 1946 in Bad Pyrmont von ehemaligen Musikern des Linzer Bruckner-Orchesters St. Florian und der Prager Deutschen Philharmonie. Im Jahre 1950 erfolgte der Zusammenschluss mit dem zeitgleich entstandenen Herforder Sinfonischen Orchester. Das neue Ensemble hieß zunächst Städtebund-Symphoniker, bevor der heutige Name angenommen wurde.
Trägerschaft und Finanzierung

Das Orchester wird durch das Land Nordrhein-Westfalen, einen Trägerverein aus Kommunen und Gebietskörperschaften der Region Ostwestfalen-Lippe und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe finanziert. Mitglieder des Trägervereins waren die Städte Bad Salzuflen, Bünde, Detmold, Herford, Lemgo, Minden und Paderborn sowie die Kreise Herford und Lippe. Außerdem sind vier weitere Gemeinden und ein Kreis fördernde Mitglieder. Drei weitere Kreise aus Ostwestfalen-Lippe sind Zuschussgeber.

Seit Herbst 1992 wird die Nordwestdeutsche Philharmonie durch die „Philharmonischen Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe“ unterstützt. Die Nordwestdeutsche Philharmonie erwirtschaftet durch die Konzerte und Rundfunkproduktionen 23,5 % ihrer Einnahmen selbst. Bei den Kulturorchestern in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 13,4 %.

Wilhelm Schüchter

Wilhelm Schüchter

Die sich verringernde Anzahl der Beitragszahler im Trägerverein (Kommunen und Gebietskörperschaften) sowie das Einfrieren und Mindern der Mitgliedsbeiträge in den letzten Jahren haben zu einer akuten Unterfinanzierung des Orchesters geführt. Die jüngsten Austritte der Städte Bad Salzuflen und Lemgo können von den verbliebenen Zahlern nicht mehr kompensiert werden. Die Weiterführung des Orchesterbetriebes ist deshalb erheblich gefährdet. Mit einer online-Petition sucht das Orchester Unterstützer für seinen Erhalt. Der Deutsche Kulturrat hat die Philharmonie im Juli 2012 auf die neu ins Leben gerufene Rote Liste Kultur gesetzt (Kategorie 1: von Schließung bedroht). Im Oktober 2012 wurde das Orchester von Kategorie 1 auf Kategorie 2 eingestuft und gilt somit als gefährdet. Aktuell (April 2013) ist die Gefährdung aufgehoben (Kategorie 4).

Der Haupttätigkeitsbereich des 78-köpfigen Orchesters ist der ostwestfälische Raum, es tritt aber auch über Deutschland und Europa hinaus mit jährlich insgesamt etwa 120 Konzerten in Erscheinung. Erfolgreiche Tourneen haben die Nordwestdeutsche Philharmonie in Ländern wie Japan, Holland, Italien, Frankreich, Spanien und den USA bekannt gemacht. Bis heute existieren über 200 Platten- und CD-Einspielungen mit dem Ensemble. Neben der Konzerttätigkeit ist das Orchester mit einem schul- und konzertpädagogischen Programm in der Jugendarbeit tätig.

Probenraum und Sitz des Orchesters befinden sich innerhalb des Stadtpark-Schützenhofs auf dem Stiftberg, wo auch die Herforder Konzerte gegeben werden. (Quelle: wikipedia)

Auf dieser 10inch EP gibt es zwei Stücke: Einmal den Klassiker „Rhapsody In Blue“ von George Gerswhin (immer wieder ein Genuss !) und dann das sog. „Warschauer Konzert“ des Briten Richard Addinsell:

Das „Warschauer Konzert“ stammt aus dem britischen Film „Dangerous Moonlight“. Der Film erzählt die Geschichte eines polnischen Pianisten der zu Beginn des zweiten Weltkriegs nach Großbritannien flieht um dort als Pilot gegen die Deutschen zu kämpfen. Musikalischer Höhepunkt ist eine Konzertszene in der das besagte Werk zur Aufführung gelangt. Ursprünglich war die Verwendung von Sergei Rachmaninows zweitem Klavierkonzert vorgesehen gewesen und in der Tat nahm Addinsell denn auch stilistische Anleihen aus diesem und anderen Werken seines russischen Kollegen (Addinsells Komposition wird auch heute noch öfters zusammen mit Rachmaninows Konzert eingespielt). Der Film wurde ein durchschlagender Erfolg wozu die Musik ganz erheblich beitrug (deren Hauptthema übrigens von einer Rumba stammt die Addinsell in den 20er Jahren als Student in Oxford komponiert hatte). Man kann das „Warschauer Konzert“ wohl mit Fug und Recht als einen der ersten Hits der Filmmusikgeschichte bezeichnen.

Das Erscheinungsjahr dieser EP ist wieder mal ein wenig rätselhaft: Viele Quellen geben das Jahr 1060 an. Das halte ich allerdings für ne Mär, denn der Dirigent dieses Orchersters, Wilhelm Schüchter schied bereits im Jahre 1955 aus. Und das Titelfoto stammt aus dem Warner Bros. Film „Rhapsodie in Blau“ (1945), der in Deutschland 1948 in die Kinos kam. Von daher vermute ich mal, dass man die frühen 50er Jahre als Erscheinungsjahr benennen könnte.

Das Label „Imperial“ war ein Sub-Label der „Electrola Gesellschaft m.b.H.

NordwestdeutschePhilharmonie

Die Nordwestdeutsche Philharmonie im Jahre 2014

Besetzung:
Herbert Heinemann (piano)
+
Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung von Wilhelm Schüchter

BackCover1Titel:
01. Rhapsody In Blue (Gerswhin) 14.51
02. Warschauer Konzert (Addinsell) 8.26

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Bayerisches Rundfunkorchester (Willy Mattes) – Warschauer Konzert (ca. 1958)

FrontCover1Eine spannende Entdeckung, dieses Werk des britischen Komponisten Richard Addinsell (* 13. Januar 1904 in London; † 14. November 1977 ebenda), hier dargeboten in einer Einspielung des Bayerischen Rundfunkorchesters unter der Leitung von Willy Mattes und damals (in einem Land vor unserer Zeit) vom „Bertelsmann Schallplattenring“ unters Volks gebracht.

Es zählt zu den bekanntesten Werke Addinsells und wurde für den Film Dangerous Moonlight (1941) komponiert, eine dem Stil Sergei Rachmaninows angenäherte Rhapsodie für Klavier und Orchester, die unter dem Namen Warsaw Concerto (Warschauer Konzert) Weltruhm erlangte.

Auf der Rückseite dieser „Hi Fi Langspielplatte“ (mit 45 U/m) ist dann dazu zu lesen:

„Es ist eine Komposition voll sattem Farbenglanz und reich zerklüfteter Seelenlandschaften, eine ungewöhnliche Elegie von jäh aufbrechender und dunkel glühender Leidenschaft, die dann plötzlich zurücksingt in eine bezaubernde Lyrik, die in reicher Nuancierung ungestillte Sehnsucht, süßen Schmerz und neue Hoffnung empfinden läßt“.

Da stellt man sich dann schon ein wenig die Frage: „Was hat denn der Autor dieser Zeilen frühmorgens für ein Kraut geraucht“ ?

Unabhängig davon: Es ist wirklich eine packende Komposition und von daher bin ich den Bertelsmännern doch recht dankbar, dass sie damals diese Single unters Volk gebracht haben … Und hier feiert sie ihre Auferstehung …

Richard Addinsell

Richard Addinsell

Noch ein Wort zu dem Dirigenten Willy Mattes:

Willy Mattes (* 4. Januar 1916 in Wien als Wilhelm Franz Josef Mattes; † 30. Juli 2002 in Salzburg) war ein österreichischer Komponist, Arrangeur und Dirigent, der sowohl bekannte Schlager, als auch zahlreiche Filmmusiken komponierte.

Nach Absolvierung der Matura 1935 und der Dirigentenklasse 1937 in Wien, ist Mattes bis 1939 Theaterkapellmeister in Oldenburg und Leipzig. Anschließend arbeitet er als Arrangeur und Komponist bei den Filmgesellschaften Ufa und Tobis, für die er seine ersten eigenständigen Filmmusiken schreibt.

Von 1944 bis 1951 ist Mattes als Dirigent bei Sveriges Radio in Stockholm tätig, anschließend beim Bayerischen Rundfunk in München und von 1964 bis 1974 beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. Dort hat 1964 auch das von Mattes komponierte Konzertstück für Klavier und Orchester Swedish Rapsody seine Uraufführung, das 1966 in dem US-amerikanischen MGM-Film Madame X zu hören ist. In den Credits verbirgt er sich hinter dem Pseudonym Charles Wildman, das er gelegentlich bei internationalen Filmarbeiten benutzte. Von 1975 bis 1980 ist er Abteilungsleiter für U-Musik beim RIAS in Berlin. Ab 1981 ist er Gastdirigent beim Norddeutschen Rundfunk in Hannover.

Mattes war in erster Ehe mit der Schauspielerin und Tänzerin Margit Symo und in zweiter Ehe mit der ehemaligen Miss Germany und Miss Europa Christel Schaack verheiratet. Er ist der Vater der Schauspielerin Eva Mattes. (Quelle: wikipedia)

Und die Eva Mattes, nun ja, das ist ein anderes Kapitel bundesdeutscher Kulturgeschichte …

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Besetzung:
Christian Schmitz-Steinberg (piano)
+
Das Bayerischer Rundfunkorchester unter der Leitung von Willy Mattes

 

WillyMattes

Titel:
01. Warschauer Konzert (Teil 1) 3.38
02. Warschauer Konzert (Teil 2) 4.31

Komposition: Richard Addinsell

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