alles – Das Medienmagazin mit dem vollständigem Monatsprogramm (Oktober 1979)

allesOktober1979_01AEs gab da mal in Deutschland eine Zeit, da bemühte man sich, ein kritisches Medienmagazin auf dem Markt zu placieren und mit Medien wurden damals – Ende der 70er Jahre – Fernsehen, Radio, Kino und Video“ verstanden.

Und so entstand das Magazin „alles“ und es erschien im Karl W. Pawek Verlag, Hamburg.

Manch einer wird den Namen Karl W. Pawek noch dunkel in Erinnerung haben. Er gehört wohl für längere Zeit der „konkret“ Redaktion (Herausgeber: Herman Gremliza) an. Und als dieses Heft vom Oktober 1979 (es war die erste Ausgabe !) erschien, war es „Der Zeit“ wert, darüber zu berichten:

„Ein ehemaliger Gremliza-Mann, Karl W. Pawek, hat den Sprung in die Selbständigkeit gewagt. Mit seiner Zeitschrift „alles – Das Medienmagazin mit dem vollständigen Monatsprogramm“ ging er in einen Markt, der nicht gerade unterbesetzt ist. Die Programmzeitschriften von Springers Hörzu bis Burdas Bild + Funk bringen es auf gut 13 Millionen Exemplare, und die Beilagen von rtv bis BWZ erreichen zusammen fast 7 Millionen. Doch mit ‚alles‘ „wird alles besser“ – wie die Newcomer in einer Anzeige behaupten. Zumindest für die Leser, die die bunte Welt der etablierten Blätter satt haben, alles möchte ein Publikum „radikal-demokratisch humanistischer Prägung bis hin zu liberalem Kulturbürgertum“ ansprechen. Das fünf Mark teure und 116 Seiten starke Monatsheft, das zunächst in einer Auflage von 80 000 gedruckt wird, soll möglichst in einem halben Jahr auf 14tägiges Erscheinen umgestellt werden.“ (Die Zeit, 5. Oktober 1979)

Und mit einem bemerkenswerten Elan ging die Zeitschrift daran, den traditionellen TV-Zeitschriften die Stirn zu bieten, hier ein Auszug aus dem Vorwort (auf Seite 6):

Vorwort

Gut gebrüllt !

Und bereits die erste Ausgabe konnte beeindrucken: Da gab es diverse Medien-Splitter, Artikel über „Das Wort zum Sonntag“ (verfasst von Pfarrer Heinrich Albertz !), den damals sensationellen Rockpalast, Margarete von Trotta, Copollas Acopalypse Now und über den „Skandal“ Auftritt von Nina Hagen im legendären „Club 2“ des ORF (einem TV-Format, das heute kaum einer noch kennt, das aber zum besten gezählt werden muss, was das deutschsprachigen Fernsehen jemals produzierte), in dem sie die Freuden weiblicher Masturbation ziemlich eindeutig demonstrierte.

Und zum schmunzeln ist der Beitrag über das Chaos bei den damals unterschiedlichen Video-Formaten (von VHS über Betamax und Video 2000).

Und es war mir die Mühe wert, auch das Fernsehprogramm (auf einem deutlich billigeren Papier) des Oktobers 1979 einzuscannen … nicht nur wegen der Vollständigkeit … sondern auch um zu zeigen: es gab eine Zeir vor dem Privatfernsehen, wo uns Sendungen wie „Dschungel-Camp“ erspart geblieben sind.

Ich weiß grad nicht, wie viele Ausgaben es von diesem irrwitzigem Projekt gab (in meinem Keller lagern noch etliche Exemplare), ich weiß nur, gäbe es dieses Magazon noch heute, ich würde es weiterhin kaufen …  denn gerade heute wäre eine kritisch-distanzierte Berichterstattung über all diesen Medien bitter notwendig.

Hier ein paar Vorschau-Bilder, bevor es – wie gewohnt – zur Präsentation geht:

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