Gerhard Zwerenz – Der plebejische Intellektuelle (1972)

Zwerenz01A90 Jahre alt ist er geworden …

Gerhard Zwerenz (* 3. Juni 1925 in Gablenz, Sachsen; † 13. Juli 2015 in Oberreifenberg) ist ein deutscher Schriftsteller und ehemaliger Bundestagsabgeordneter und lebt zurzeit in Oberreifenberg im Taunus.

Gerhard Zwerenz wurde in Gablenz/Sachsen als Sohn eines Ziegeleiarbeiters und einer Textilarbeiterin geboren. Er begann nach der Schulzeit eine Kupferschmiedlehre, nahm dann zwei Jahre lang am Zweiten Weltkrieg teil und geriet 1944 nach seiner Desertion zur Roten Armee bei Warschau in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1948 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er wurde zunächst Dozent und dann Volkspolizist. Von 1949 bis 1957 war Zwerenz Mitglied der SED. Von 1952 bis 1956 studierte er Philosophie bei Ernst Bloch in Leipzig. Seit 1956 arbeitete Gerhard Zwerenz als freiberuflicher Schriftsteller. 1957 wurde er aus der SED ausgeschlossen und floh ein halbes Jahr später nach West-Berlin. Gerhard Zwerenz lebte in München, Köln und Offenbach/Main und lebt heute, gemeinsam mit der Autorin Ingrid Zwerenz, in Oberreifenberg/Taunus.

Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

1959 verfasste Gerhard Zwerenz Die Liebe der toten Männer, eine romanhafte Gestaltung des Aufstandes vom 17. Juni 1953. 1961 schrieb Zwerenz die Essaysammlung Ärgernisse – Von der Maas bis an die Memel. Den Essayband Wider die deutschen Tabus brachte er 1962 heraus, genauso wie Gesänge auf dem Markt und Heldengedenktage. Ein Jahr später verfasste er Dreizehn Versuche, eine ehrerbietige Haltung anzunehmen und eine biografische Skizze über Walter Ulbricht.

Mit Casanova oder Der Kleine Herr in Krieg und Frieden verfasste Zwerenz einen Bestseller. In der Gestalt des Helden Michel Casanova wird der Typ des unangepassten Menschen in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen geschildert. Die Folgejahre thematisierte er die Sexualität mit Büchern wie Erbarmen mit den Männern. Ein Roman vom Aschermittwochsfest und den sieben Sinnlichkeiten. 1971 schrieb er den Roman Kopf und Bauch und den Essayband Der plebejische Intellektuelle (Ffm. Collection Fischer [1972]). 1973 dann Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond, eine Kritik der Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik. Die darin prominent agierende Figur eines jüdischen Grundstücksspekulanten – eine kaum verhüllte Karikatur Ignatz Bubis’ – löste bei Erscheinen des Werks einen Skandal aus und brachte dem Autor den Vorwurf antisemitischer Schriftstellerei ein. Zwerenz’ Freund Rainer Werner Fassbinder verarbeitete den Roman einige Jahre später zu seinem ebenso – wenn nicht noch stärker – umstrittenen Theaterstück Der Müll, die Stadt und der Tod. 1980 spielte Zwerenz in dem Rainer Werner Fassbinder-Epos Berlin Alexanderplatz mit. 1986 nahm er mit dem Buch Die Rückkehr des toten Juden nach Deutschland zu den Antisemitismusvorwürfen gegen ihn und Fassbinder Stellung.

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Weiterhin publizierte er Der Widerspruch. Autobiographischer Bericht (1974) und Die Quadriga des Mischa Wolf (1975), worin die von der Staatssicherheit der DDR und deren Leiter des Auslandsnachrichtendienstes Markus Wolf inszenierte Agentenaffäre Guillaume verarbeitet wird. Danach beschloss Zwerenz, seine Werke nur noch als Taschenbücher zu veröffentlichen. 1982 verfasste er Antwort an einen Friedensfreund oder längere Epistel für Stephan Hermlin und meinen Hund und 1989 den Roman Vergiß die Träume Deiner Jugend nicht. Zu seinem 65. Geburtstag 1990 kündigte Gerhard Zwerenz an, dass er nicht mehr schreiben wolle und in Rente gehe.

Während seiner schriftstellerischen Tätigkeit schrieb Zwerenz unter dem Pseudonym Gert Amsterdam auch erotische bis pornografische Literatur. Eines dieser Bücher, Das Kleingeld der Hetären, wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien 1987 als jugendgefährdend indiziert.

1991 erhielt er den Alternativen Georg-Büchner-Preis. Die politischen Schriften Rechts und dumm und Links und lahm schrieb er 1993 und 1994. 2004 schrieb er ein Vorwort für das Buch des einstigen Rechtsextremisten Torsten Lemmer, „Rechts raus“. Außerdem erschien sein gemeinsam mit Ingrid Zwerenz geschriebenes Buch Sklavensprache und Revolte.

Die linke Berliner Tageszeitung junge Welt veröffentlichte im Zusammenhang mit Gerhard Zwerenz’ 80. Geburtstag (2005) im Feuilleton (jW 7. Mai 2005, p. 12) Zwerenz’ zuerst 1948 publizierte Anti-Kriegs-Ballade vom Holzhaufen bei Minsk. (Quelle: wikipedia)

Hier mal einen Essay-Band von Zwerenz, der für mich exemplarisch dokumentiert, auf welchem (aus meiner Sicht: hohem) intellektuellen Niveau die Linke damals die gesellschaftlichen Bedingungen reflektierte. Hier der Überblick über die in dem Band versammelten Essays:

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Mir ist schon klar, dass solche Werke via pdf nicht so ganz einfach zu lesen sind, aber ich will z.B. dringend auf den Beitrag „Vietnam, Untergang der deutschen Presse“ hinweisen.

Einfach deshalb, weil dieser Artikel sehr gut zusammenfasst, was sich damals hinsichtlich des Vietnam-Krieges in Deutschland tat und insbesondere wie die Presse auf die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg reagierte. Ein Beispiel:

„Berlin war am Wochenende Schauplatz eines beschämenden Vorgangs. Mehr als tausend Studenten und andere Jugendliche demonstrierten gegen die Vietnam-Politik der Vereinigten Staaten. Eine Anzahl von ihnen rottete sich vor dem Amerikahaus zusammen, warf Eier gegen die Fassade und setzte die amerikanische Fahne auf halbmast.

Natürlich stoßen Studenten, den den Abzug der Amerikaner aus Vietnam verlangen … in der Öffentlichkeit dieser Stadt auf einhellige Ablehnung … das Gefühl der Verbundenheit mit der amerikanischen Schutzmacht geht durch alle Bevölkerungsschichten. Das bewies zuletzt der Erfolg der vorweihnachtlichen Solidaritätsaktion …

Warum geht der Regierende Bürgermeister Willy Brandt nicht in die Freie Universität und sagt den Studenten in einer großen Versammlung, wie die politischen Zusammenhänge im Vietnam-Krieg wirklich aussehen.

Aufwachen muß auch die Westberliner Polizei, die es zuließ, daß die amerikanische Fahne vor dem Amerikahaus auf halbmast … gesetzt wurde.“ (Bernt Conrad, 7.2.1966 in der „Welt“)

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Wie gesagt: zum Verständnis jener Zeit ist dieser Band mehr als aufschlussreich. Die Essays sind zwischen den Jahren 1966 und 1971 entstanden, davon sind 2 bis dahin unveröffentlicht geblieben. Beigelegt habe ich dann noch eine Besprechung des Büchleins (102 Seiten) von Yaak Karsunke (auch kein Unbekannter in der damaligen Szene).

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Besprechung von Yaak Karsunke

Besprechung von Yaak Karsunke (vermutlich aus der „Frankfurter Rundschau“, 20.5.1972)

Rosenstolz – Live aus Berlin (2003)

FrontCover1Für Kenner der Materie „Rosenstolz“ ist dies wohl ein großartiges Live-Album:

Diese Doppel-CD war fällig. Es ist ja nicht neu, dass Rosenstolz sich stetig neu definiert. Die „Macht Liebe“ Tour Ende 2002 stellt jedoch in vieler Hinsicht einen Meilenstein in der Weiterentwicklung der sympathischen Berliner dar: zum einen knackte diese Tour die Schlösser vieler Sender und Medienanstalten und konnte hierdurch endlich den Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad immens steigern. Zum anderen eröffnete sich für Rosenstolz endlich die Möglichkeit, die Liveperformance ungefiltert in die Heime derer zu bringen, die bei den Konzerten nicht dabei sein konnten.

So beinhaltet die CD „Live aus Berlin“ den kompletten Mitschnitt eines der legendären Heimspiele der Truppe: 24 Live Songs – über zwei Stunden atemberaubendes Spektakel in einer ausverkauften Columbiahalle, und – wie zu erwarten – hundert Prozent ungefiltert hautnah. Da wurde weder geschnitten noch in die große Trickkiste der Produzenten gegriffen.

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Das kommt beim Genuss der Scheibe entsprechend herüber. Man fühlt sich ad hoc als Teil des Ganzen, und in Dolby Surround erlebt man das Konzert sehr intensiv. Für Rosenstolz-Neulinge gilt: Vorsicht, Einstiegsdroge! Etwas schade jedoch, dass der Applaus der Audience zwischen den Songs in großen Teilen der Schere zum Opfer fiel: denn bei kaum einer anderen Band ist die Bindung Künstler – Publikum so sympathisch und zentral wichtig wie hier, wie die textsichere große Schar der Fans deutlich zeigt.

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AnNa, Peter & ihre Crew bringen bei „Live aus Berlin“ ein beeindruckendes Gesamtbild vom Status Quo der Berliner Combo herüber, die sich zu einem Juwel der deutschsprachigen Popszene entwickelt hat. Und noch eines fällt auf: Rosenstolz ist rockiger geworden. Draußen auf der Bühne fällt so mancher bekannter Studio-Track recht delikat aus seinem angestammten Rahmen. Was nicht verwundert: spielen im Studio in erster Linie AnNa und Peter die Songs ein, wirbeln on Stage insgesamt neun Vollblut-MusikerInnen auf der Bühne und leisten ihren Beitrag zum Gesamtwerk. Da kommt nicht eine Note, nicht ein Riff aus der Konservendose – alles ist live und oft ganz neu interpretiert.

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Mit dem Kauf der Doppel-CD nimmt man buchstäblich ein Stück Lebensgefühl mit „nach hause“, das verdammt angenehme Kribbeln im Bauch und ein fettes Grinsen im Gesicht, mit garantiert langer Halbwertszeit bis zum nächsten Konzert… dann aber wirklich live! (Linus Schwanke)

Und schau mal an … selbst mir, der nun wahrlich nicht zur Zielgruppe dieser Musik gehört, kann diesem Album so einiges abgewinnen … ich bin erstaunt ! Beherrschen die zwei etwa das Metier der Hypnose ?

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Besetzung:
Lorenz Allacher (saxophone, background vocals)
Jens Carstens (drums)
Zoran Grujovski (piano)
Thomy Jordi (bass)
Peter Koobs (guitar)
Herr Lübke (guitar)
Peter Plate (vocals, keyboards)
Anna R. (vocals)
Anne De Wolff (violin, background vocals)

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Titel:

CD 1:
01.Intro / Macht Liebe (Plate/Humpe/Sommer/AnNa R.) / Fütter deine Angst (Plate/Sommer) 5.15
02. Bastard (Plate/Sommer) 4.42
03. Ich verbrauche mich
04. Lass sie reden (Plate/Sommer/AnNa R.) 3.43
05. Sex im Hotel (Plate/Sommer/AnNa R.) 4.13
06. Heiss (Plate/Sommer/AnNa R.) 3.37
07. Ich geh auf Glas (Plate/Sommer/AnNa R.) 3.17
08. Laut (Plate/Sommer/AnNa R.) 3.59
09. Raubtier (Plate&/Lübke/Sommer/AnNa R.) 5.01
10. Lachen (Plate/Sommer/AnNa R.) 6.25
11. Wenn du jetzt aufgibst (Plate/Sommer/AnNa R.) 4.13
12. Der Moment (Plate/Sommer/AnNa R.) 4.50

CD 2:
13. Komm doch mit (Plate/Sommer/AnNa R.) 4.16
14. Die Zigarette dannach (Plate/Sommer/AnNa R.) 3.16
15. Megapower (Schlampenfieber) (Plate/AnNa R.) 3.47
16. Nur einmal noch (Plate/AnNa R.) 3.55
17. Es tut immer noch weh (Plate/Sommer/AnNa R./Lübke) 4.13
18. Es könnt‘ ein Anfang sein (Plate/Sommer/AnNa R.) 5.25
19. Königin (Plate/AnNa R.) 4.54
20. Sternraketen (Plate/Sommer/AnNa R.) 5.10
21. Die Schlampen sind müde (Plate/Sommer/AnNa R.) 4.55
22. Tag in Berlin (November) (Plate/Sommer/AnNa R.) 3.05
23. Das verkaufte Lachen (Plate/Sommer/AnNa R./Lübke) 3.47
24. Herzensschöner (Plate/AnNa R.) 4.35

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Verschiedene Interpreten – Ins Land der Franken fahren (1964)

FrontCover1Die Leute von Tempo Schallplatten in Pullach-Grosshesselohe (bei München) waren wohl so ab 1963 ganz beseelt, denn ihr Mundartkomiker Herbert Hisel  hatte doch einen beträchtlicher Erfolg.

Und so kam es wohl, dass man die „fränkische Note“ des Labels mit einer LP erweitern konnte.

Man produzierte „eine musikalische, höchst humoristische Frankenreise“, dabei handelte es sich um einen Live-Mitschnitt einer „öffentlichen Aufnahme“.

Und natürlich war der Herbert Hisel der Conférencier, der launing durch das musikalische Programm auf Seite 1 führte und hin und wieder mit seinen Kalauern das Publikum erfreute.

Zu hören sind dann Steff Lindemann und seine Nürnberger Stadtmusikanten, Das Dalheimer Trio und die Alfelder Moidla und diese Kapellen waren sicherlich sehr erfreut, dass sie im Dunstkreis von Herbert Hisel ihren Bekanntheitsgrad erhöhen konnten.

Auf Seite 2 ist er dann als Solist zu hören und zwar mit seiner allseits bekannten Nummer „Der Stammtischbruder“: Einerseits ein wirklich abstrus-abgedrehter Humor (und von daher wieder mal genau meine Kragenweite), andererseits – die Zeiten haben sich halt geändert – schon auch ganz schön heftig frauenfeindlich …

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Alternatives Frontcover

Titel:
01. Steff Lindemann + seine Nürnberger Stadtmusikanten: Frankenlied (Becker/v.Scheffel) 1.47
02. Steff Lindemann + seine Nürnberger Stadtmusikanten: Rothenburger Dreher (Traditional) 2.45
03. Herbert Hisel: Die goldene Maus (Hisel) 1.42
04. Das Dahlheimer Trio: Fränkische Volksweise (Traditional) 1.51
05. Die Alfelder Moidla: Wenn i glei net von Fieraboh bin (Traditional) 3.10
06. Herbert Hisel: Der Humor der Franken (Hisel) 2.34
07. Steff Lindemann + seine Nürnberger Stadtmusikanten: Wo ist denn as Gergla (Traditional) 3.01
08. Das Dahlheimer Trio: Fränkische Polka (Traditional) 2.37
09. Die Alfelder Moidla: Ansage + Draußen vor der Wirtshautür (Traditional) 3.03
10. Herbert Hisel: Der Stammtischbruder (Hisel) 13.08
11. Auf Wiedersehen im schönen Frankenland 0.14

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Verschiedene Interpreten – World Star Festival – Zugunsten der UNO Welthungerhilfe (1969)

FrontCover1Nein, die hier präsentierte Musik hat ja überhaupt nichts mit den Klängen zu tun, denen man hier ansonsten begegnen kann.

Aber dennoch gehört diese LP hier in diesen blog: Sie wurde eigens für den deutschen Markt produziert und der Zweck ist wahrlich ein edler:

Zugunsten der UNO Welthungerhilfe gibt es hier ein munteres Stell-dich-ein überwiegend amerikanischer Unterhaltungskünstler der Spitzenklasse: Namen wie Diana Ross, Dionne Warwick, Herb Alpert & The Tijuana Brass, Tom Jones, Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. oder Barbra Streisand sprechen für sich. Das war damals die Oberliga des amerikanisch Show-Business.

Und dementsprechend hören wir jenen großartig-schmalzigen Sound, der einfach zur Unterhaltungsmusik dazugehört, wie die Butter auf das Brot.

Aber für mich sind auch wirkliche Perlen auf diesem Album zu hören gewesen: Der großartige Ray Charles mit „Georgia On My Mind“, oder „The Beat Goes On“ (Sonny & Cher). Bei „Homeward Bound („simon & Garfunkel) muss ich eh immer mitträllern und als besondere Überraschung: Der ebenfalls großartige Randy Newman Song „I Think It’s Gonna Rain Today“ in einer gar nicht mal übel vorgetragenen Fassung von  Dusty Springfield.

Und wie gesagt, der Zweck dieser Benefiz-LP ist mehr als ehrenwert … und dann lese ich so Zeilen wie:

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Also mit Verlaub: Die Bekämpfung des Hungers auf der Welt … wie das unpolitisch gehen soll, erschließt sich mir nicht. Aber natürlich, hätten unsere „amerikanischen Freunde“ es gar nicht gerne gehabt, wäre man damals deutlicher auf die Ursachen des Hungers in der Welt eingegangen. Und heute mögen sie es wohl noch immer nicht.

Erfreulicher ist, dass man sich bei dieser Benefiz-LP wirklich Mühe gemacht hat. Zu jedem Song gibt es erläuternde Texte und die Welthungerhilfe kann auch ihre „unpolitischen“ Anliegen ausführlich erläutern und dann erfährt man noch, dass es damals so eine Art „ehrenamtliche Beratergruppe“ gab, die aus Beart Kaempfert, Leonard Bernstein und André Previn bestand (war natürlich nur so eine Art PR-Gag, aber immerhin).

Das alles war im Jahr 1969 … und heute schreiben wir das Jahr 2015, allzuviel hat sich bezüglich dieses Themas nicht geändert (doch, doch: ein wenig schon) … Und schon wieder kann ich mich so richtig aufregen …

BackCover1Titel:
01. Diana Ross & The Supremes: The Happening (E. Holland/Dozier/B. Holland) 2.47
02. Dionne Warwick: What The World Needs Now Is Love (Bacharach/David) 3.07
03. Ray Charles: Georgia On My Mind (Carmichael/Gorrel) 3.37
04. Herb Alpert & The Tijuana Brass: Cowboys And Indians (Lake) 2.51
05. Simon & Garfunkel: Homeward Bound (Simon) 2.26
06. Tom Jones: For The First Time In My Life (Greines) 2.44
07. Sonny & Cher: The Beat Goes On (Bono) 3.25
08. The Bee Gees: The Singer Sang His Song (M.Gibb/B.Gibb/R.Gibb) 3.06
09. Shirley Bassey: I’ve Got A Song For You (Stillman/Holmes) 2.25
10. Andy Williams: May Each Day (Wyle/Greene) 2.50
11. Julie Andrews: Thoroughly Modern Millie (Cahn/v. Heusen) 2.43
12. Paul Mauriat & His Orchestra: I’ll Go On Loving Her (Je L’Aimerai Toujours) (Aznavour) 2.10
13. Sammy Davis Jr.: Talk To The Animals (Bricusse) 2.55
14. Dusty Springfield: I Think It’s Gonna Rain Today (Newman) 3.13
15. Frank Sinatra: September Of My Years (Cahn/v. Heusen) 3.12
16. Barbara Streisand: He Touched Me (Levin/Schafer) 3.08

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Erläuterungstext02

Chor des Musikgymnasiums Schloß Belvedere – Das Buchenwaldlied (2015)

FrontCover1Im März 2015 konnte ich ein paar Tage in Weimar verbringen.

Und natürlich ging mir mein Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald an die Nieren … und wenn man sich allein mit dem sog. „Buchwaldlied“ beschäftigt, kann es einen nur frösteln.

Hier die Historie des Liedes, erzählt von Stefan Heymann, einem ehemaliger Häftling (geschrieben 1945):

Ende 1938 erklärte der damalige Lagerführer Rödl „Alle anderen Lager haben ein Lied, wir müssen auch ein Buchenwald-Lied bekommen. Wer eines macht, bekommt 10 Mark.“ Es wurden nun viele Entwürfe von „Dichtern“ und „Komponisten“ gemacht, aber sie taugten alle nichts oder fanden bei der SS-Führung keinen Beifall. Nur das Lied, das dann ja auch zur offiziellen „Buchenwald-Hymne“ erklärt wurde, setzte sich durch, weil der damalige Kapo der Poststelle, ein BVer, über die nötigen Verbindungen bei, der SS verfügte. Der genannte Kapo bezeichnete sich als Verfasser von Wort und Melodie des Liedes.

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Eingangstor zum KZ Buchenwald: Zynischer geht´s nicht mehr.

 

In Wahrheit ist das Lied von zwei österreichischen Häftlingen gemacht: der Text von

Textblatt

Textblatt des Buchenwaldliedes: Das Blatt wurde im Spätsommer 1983 bei Renovierungsarbeiten im 2. Obergeschoss des Kammergebäudes gefunden.

Löhner-Beda, dem Librettisten Lehars, die Musik von Leopoldi, einem Wiener Kabarettsänger. Text und Melodie des Liedes mußten auf den Blocks in der Freizeit eingeübt werden, bis es eines Tages nach dem Abendappell – es war Ende Dezember 1938, bitterkalt und alles tief verschneit – hieß: „Das Buchenwald-Lied singen!“ Selbstverständlich konnte das beim ersten Mal (11.000 Menschen standen auf dem Appellplatz) nicht klappen.

Wütend ließ der stinkbesoffene Rödl aufhören und gab den Befehl, dass jeder Block auf dem Appellplatz solange für sich üben müsse, bis das Lied klappe. Man kann sich denken, welch infernalisches Konzert auf dem Platz losging. Als Rödl merkte, daß es auf diese Weise nicht ging, ließ er Strophe für Strophe gemeinsam singen und immer aufs neue wiederholen. Erst nachdem das ganze Lager auf diese Weise etwa vier Stunden in bitterster Kälte gestanden hatte, gab er den Befehl zum Abmarsch. Aber während sonst jeder Block einfach kehrt machte und im Lager zurückging, war es diesmal anders.

In Zehnerreihen ausgerichtet, musste jeder Block am Tor bei Rödl und anderen betrunkenen SS-Führern stramm vorbeimarschieren und dabei das Buchenwald-Lied singen. Wehe dem Block, der nicht genau ausgerichtet ankam oder bei dem das Singen noch nicht ganz nach Rödls Wunsch klappte! Er mußte unbarmherzig zurück und nochmals vorbeimarschieren. Endlich, gegen 10 Uhr abends, kamen wir ausgehungert und steif gefroren auf unsere Blocks. Diese Szene im tiefsten Winter, als die hungernden und frierenden Menschen im grellen Licht der Scheinwerfer im tiefen, grellweißen Schnee auf dem Appellplatz singend standen, hat sich jedem Teilnehmer unauslöschlich ins Gedächtnis gegraben.

Rödl, der das Lied bestellt hatte, den man als Initiator betrachten kann, zuletzt SS-Standartenführer in der Ukraine, blieb konsequent, beging 1945 Selbstmord, indem er unter sich eine Handgranate zündete. Und die fünf Direktoren, die den Textdichter totprügeln ließen? Alle fünf waren eng mit Auschwitz verbunden, alle fünf nach dem Krieg angeklagt.

ArthurRödl

Artur Rödl

Und hier der Text:

Buchenwaldlied

Wenn der Tag erwacht, eh´ die Sonne lacht,
Die Kolonnen ziehn zu des Tages Mühn
Hinein in den grauenden Morgen.
Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot,
Und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot
Und im Herzen, im Herzen die Sorgen.

O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
Weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen
Wie wundervoll die Freiheit ist!

O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
Und was auch unsere Zukunft sei –
Wir wollen trotzdem „ja“ zum Leben sagen,
Denn einmal kommt der Tag –
Dann sind wir frei!

Unser Blut ist heiß und das Mädel fern,
Und der Wind singt leis, und ich hab sie so gern,
Wenn treu, wenn treu sie mir bliebe!
Die Steine sind hart, aber fest unser Schritt,
Und wir tragen die Picken und Spaten mit
Und im Herzen, im Herzen die Liebe!

O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
Weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen
Wie wundervoll die Freiheit ist!

O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
Und was auch unsere Zukunft sei –
Wir wollen trotzdem „ja“ zum Leben sagen,
Denn einmal kommt der Tag –
Dann sind wir frei!

Die Nacht ist so kurz und der Tag so lang,
Doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang,
Wir lassen den Mut uns nicht rauben!
Halte Schritt, Kamerad, und verlier nicht den Mut,
Denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut
Und im Herzen, im Herzen den Glauben!

O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen,
Weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen
Wie wundervoll die Freiheit ist!

O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
Und was auch unsere Zukunft sei –
Wir wollen trotzdem „ja“ zum Leben sagen,
Denn einmal kommt der Tag –
Dann sind wir frei!

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2014 wurde dann dieses Lied von dem Chor des Musikgymnasiums Schloß Belvedere im Schloß Belvedere aufgenommen, wohl als notweniger Baustein der Erinnerungskultur an jene Zeiten. Und so löblich dieses Unterfangen auch war, dieser feinsinnig inszenierte Chor triff irgendwie die Dramatik und  und vor allem die Tragik dieses Liedes nicht. Deshalb habe ich mir erlaubt, zwei weitere Versionen (von unbekannten Chören) mit einzupacken … die sind weit weniger geschliffen, sondern rau und vielleicht auch ungelenk … aber gerade deshalb passender … Desweiteren befindet sich in der Präsentation ein Artikel der „Thüringischen Landeszeitung“ vom 22.08.2010, in dem Ivan Ivanji, ein weiterer ehemaliger Häftling dieses KZ´s ausführlich über dieses Lieb berichtet.

Und dann sei noch auf das lesenwerte booklet dieser CD (ja, sie hat nur einen Song zu bieten) hingewiesen. Dort finden sich ebenfalls diverse weitere Informationen …

Und: Natürlich haben meine Tage in Weimar auch viel erfreuliche Aspekte gehabt … auch davon wird hier im Laufe der nächsten Tage zu berichten sein.

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Besetzung:
Chor des Musikgymnasiums Schloß Belvedere unter der Leitung von Annette Schicha

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Titel:
01. Das Buchenwaldlied 3.50
+
02. Das Buchenwaldlied (Verion 2 – unbekannte Interpreten) 2.22
03. Das Buchenwaldlied (Version 3 – unbekannte Interpreten) 1.28

Musik: Hermann Leopoldi
Text: Fritz Löhner-Beda

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Leichenstapel im Hof des Krematoriums mit Kränzen als Zeichen der Totenehrung (23.April 1945, fotografiert von Sergeant Sutler)


Und damals las ich noch zur gleichen Zeit, dass dem Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU) aufgrund von Drohungen aus der rechtsradikalen Szene (es wurde ihm die Enthauptung angedroht), Personenschutz gewährt wurde. Grund für die Drohungen: Die geplante Unterbringung von 40 Asylbewerbern in der Gemeinde Tröglitz.

Herta Talmar + Sándor Kónya – Paganini (Franz Lehar) (Querschnitt) (1961)

FrontCover1Diese  Operette in drei Akten von Franz Lehár, Text von Knepler und Jenbach wurde am 30. Oktober 1925  uraufgeführt. Und zur Handlung lässt sich folgendes berichten:

Der berühmte Geiger Paganini lernt in einer Waldschenke Fürstin Anna, die Schwester Napoleons, kennen. Beide entbrennen in Liebe zueinander. Am Hof der Fürstin leben sie ihrer Leidenschaft. Da erfährt der Kaiser davon und droht Paganini mit Verhaftung, wenn er nicht sofort verschwindet. Anna ist entschlossen, ihrer Liebe alles zu opfern. Da zeigt ihr die eitle Sängerin Bella eine ihr selbst von Paganini gewidmete Romanze. Anna fühlt sich hintergangen. Sie überläßt Paganini seinem Schicksal. Beim Abschiedskonzert am Abend spielt Paganini so hinreißend und versöhnt damit die Fürstin versöhnt. Nach schwerem inneren Kampf trennt sich die Fürstin von Paganini und gibt ihn der Welt und seiner Kunst zurück. (Quelle: operettenfuehrer.de)

Und zwei Sänger/innen stehen im Mittelpunkt dieser Operette von Franz Lehar:

Herta Talmar (* 4. Juli 1920 in Salzburg; † 24. Juni 2010 ebenda) war eine österreichische Operettensängerin und Schauspielerin.

Herta Talmar stand im Alter von elf Jahren erstmals auf einer Theaterbühne; in der Operette Die Kaiserin von Leo Fall am Salzburger Landestheater. Ihre Gesangsausbildung erhielt sie am Salzburger Mozarteum. 1952 trat sie am Landestheater Salzburg als Gast in der Operette Ballnacht in Florenz von Edwin Burmester (Musik nach Motiven von Johann Strauß) auf; daraufhin wurde sie dort fest engagiert. Von 1952 bis 1957 war Talmar dann Ensemblemitglied am Salzburger Landestheater. Sie trat dort in zahlreichen Operettenproduktionen auf, unter anderem in Die gold’ne Meisterin (1953), Abschiedswalzer von Ludwig Schmidseder (1953, mit Hubert Marischka als Partner), Marietta von Walter Kollo (1953), Ihr letzter Walzer von Oscar Straus (1954) und im August 1956 mit Johannes Heesters in Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe. Ab 1957 war Talmar freischaffend tätig, gab Gastspiele und sang hauptsächlich für den Rundfunk. Ihr Repertoire umfasste schwerpunktmäßig die Operette, jedoch auch das Musical, das Volkslied, volkstümliche Wiener Lieder und Schlager.

HertaTalmarBekannt wurde Talmar insbesondere durch ihre zahlreichen Operettenquerschnitte, die in den 1950er und 1960er Jahren entstanden und exklusiv bei Polydor auf Schallplatten veröffentlicht wurden. Aufgenommen wurde fast das gesamte, gängige Operettenrepertoire, unter anderem Wiener Blut, Der Bettelstudent, Gasparone, Der Vogelhändler, Die lustige Witwe, Der Graf von Luxemburg, Der Zarewitsch, Das Land des Lächelns, Paganini, Die Csárdásfürstin, Gräfin Mariza, Die Zirkusprinzessin, Die Dollarprinzessin, Ein Walzertraum, Der Vetter aus Dingsda, Schwarzwaldmädel, Im weißen Rößl, Saison in Salzburg, Viktoria und ihr Husar und Die Blume von Hawaii. Talmar sang in diesen Aufnahmen, unter der musikalischen Leitung des Operettendirigenten Franz Marszalek, stets die Sopran-Partie mit wechselnden Tenor-Partnern wie Sándor Kónya, Fritz Wunderlich, Franz Fehringer und Reinhold Bartel; weitere Interpreten waren häufig Peter Alexander, Willy Hofmann, Rita Bartos und Renate Holm. Darüber hinaus entstand in den 1950er Jahren bei Polydor eine Reihe von sog. Komponistenbildern. Hier bildete Herta Talmar oft ein Sängerpaar mit Herbert Ernst Groh. Mit dem Orchester Kurt Edelhagen wurde auch ein Querschnitt des Musicals My Fair Lady produziert, in dem Talmar allerdings nur die Lady Eliza sang, während das Blumenmädchen Eliza von der Kabarettistin und Diseuse Cissy Kraner interpretiert wurde.

Talmar nahm in den 1950er und 1960er Jahren beim Rundfunk zahlreiche Gesamtaufnahmen von Operetten und musikalischen Lustspielen auf, meistens beim Westdeutschen Rundfunk mit Franz Marszalek. Unter der musikalischen Leitung von Marszalek entstanden Operettengesamtaufnahmen wie Der fidele Bauer (1954), Die Försterchristl (1955), Ein Walzertraum (1954), Adrienne (1956), Gasparone (1956) und Auf der grünen Wiese von Jara Beneš (1959). Aufgrund ihrer angenehmen Sprechstimme und ihres schauspielerischen Talents übernahm Talmar immer auch die Sprechrolle der jeweiligen Partie; häufig wurden in vergleichbaren Produktionen für Sänger und Schauspieler getrennte Interpreten verpflichtet. Daneben wurden unzählige Einzeltitel aus Operetten aufgenommen. Darunter finden sich viele Raritäten.

Talmars Rundfunkaufnahmen beim Westdeutschen Rundfunk wurden, soweit sie erhalten sind, in den letzten Jahren weitgehend, teilweise auch auf mehreren Labels (Line Music, Membran, Hamburger Archiv für Gesangskunst), auf CD veröffentlicht. 1958 entstand beim Westdeutschen Rundfunk mit Talmar auch eine Aufnahme von Lehárs Die Lustige Witwe mit Fred Liewehr als Danilo.

HertaTalmar2Im Februar 1955 entstand beim Bayerischen Rundfunk eine Rundfunkaufnahme des musikalischen Lustspiels Das kleine Café von Robert Stolz, in dem Talmar neben Christl Mardayn und Peter Alexander sang. Im Juli 1955 folgte mit Talmar, ebenfalls beim Bayerischen Rundfunk in München, ein musikalisches Potpourri mit Musik aus dem Film Die Deutschmeister; unter der musikalischen Leitung von Robert Stolz sangen neben Talmar die Tenöre Herbert Ernst Groh und Ferry Gruber. Ende 1955 entstand in Wien beim Österreichischen Rundfunk eine Aufnahme der Operette Venus im Grünen von Oscar Straus, in der Waldemar Kmentt Talmars Tenor-Partner war.

In den 1960er Jahren wirkte Talmar bei einigen Operettenverfilmungen (Die Kaiserin, Der Vetter aus Dingda, Der Bettelstudent, Gasparone, Paganini, Eine Nacht in Venedig) mit, die für das Fernsehen entstanden. Sie lieh dabei ihre Gesangsstimme unter anderem den Schauspielerinnen Gerlinde Locker, Birgit Bergen und Gardy Granass.

Nach Beendigung ihrer Gesangskarriere Mitte der 1960er Jahre trat Talmar als Schauspielerin auf, unter anderem 1968 am Münchner Volkstheater. Talmar lebte zuletzt in Salzburg, wo sie im Juni 2010 kurz vor ihrem 90. Geburtstag verstarb. (Quelle: wikipedia)

Und dann war da noch der Sándor Kónya:

Sándor Kónya (* 23. September 1923 in Sarkad; † 20. Mai 2002 auf Ibiza) war ein ungarischer Opernsänger und Hochschullehrer.

Kónya studierte Gesang zunächst bei Ferenc Székelyhidy an der Franz-Liszt-Akademie in Budapest. Das Studium hat er sich über eine Arbeit beim Schlachthof finanzieren müssen. Im Zweiten Weltkrieg wurde er ungarischer Soldat. Nach Kriegsende 1945 kam er nach Westdeutschland und wurde mit anderen ungarischen Soldaten im Internierungslager Hamm gefangen gehalten. In Ostbevern gab er 1946 in der Gaststätte Sendker mit einer kleinen ungarischen Varieteegruppe einen bunten Abend. Der Volksschullehrer Anton Giesert und Alfons Lehmkuhle sprachen ihn, durch einen Begleitoffizier, der dolmetschen musste, wegen seines Talentes an. Sie prophezeiten ihm, dass er mal Wagner-Arien singen könne.

SandorKonya01„Da reifte in Giesert und mir der Gedanke, einem so jungen Talent zu helfen. […] Wir rieten Kónya, er solle bei passender Gelegenheit aus dem Hammer Internierungslager fliehen und dann zu uns nach Ostbevern kommen. Eines Tages stand er als „Flüchtling“ vor der Tür. Wir nahmen ihn auf, und er half in der Landwirtschaft und verrichtete gekonnt alle anfallenden Arbeiten.“ (Alfons Lehmkuhle)

Da der Rücktransport nach Ungarn drohte, nutzte er eine günstige Gelegenheit zur Flucht und lebte als Displaced Person illegal in Ostbevern und lernte dort Deutsch. Heinz Dressel dem er in Münster vorsang, vermittelte ihn an den Gesangspädagogen Professor Frederick Husler in Steinhude, auf dessen Grundstück er sich zunächst häuslich niederließ und auch seine Frau Anneliese kennenlernte. So setzte er seine Gesangsausbildung ab 1946 an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold bei Professor Husler fort.

Die erste Karrierestation des jungen lyrischen Tenors war Bielefeld, wo er einige Jahre blieb. Dort debütierte er 1951 als Turiddu in der Oper „Cavalleria rusticana“. Dort sang er auch später seinen ersten Lohengrin mit riesigem Erfolg. Einige Jahre lang trat er unter dem Namen Alexander Kónya auf. 1955 gelang ihm der Sprung an die Städtische Oper in Berlin. Es dauerte nicht lange und er sang auch als Gast in Hamburg, München und Stuttgart. 1958 holte Wieland Wagner ihn als „Lohengrin“ nach Bayreuth, den er noch und wie kein anderer, mit lyrischem Ansatz sang, wofür er Weltruhm erlangte. Sandor Konya gestaltete diese Titelpartie in Richard Wagners Oper im Laufe seiner weltweiten Karriere in mehr als 300 Aufführungen. Seine Stimme entwickelte sich langsam zum lyrischen Heldentenor. Die Stimmfarbe dunkelte nach, behielt aber ihre Strahlkraft und Fülle. Im Rahmen der Bayreuther Festspiele übernahm er auch die Rolle des Walter von Stolzing in Wagners Die Meistersinger von Nürnberg und, 1960, den Parsifal. Im selben Jahr gab Konya sein Debüt an der Mailänder Scala und ein Jahr später an der New Yorker Met.

SandorKonya02Die Ausdruckskraft seiner Stimme ist dokumentiert auf vielen Platten und CDs. Das gilt auch für eine Reihe von Operettenaufnahmen der Firma Polydor. Unter dem Dirigat von Franz Marszalek sang Kónya die dankbaren Tenorpartien in „Das Land des Lächelns“, „Paganini“, „Ein Walzertraum“, „Die Fledermaus“, „Der Zigeunerbaron“, „Wiener Blut“ und „Viktoria und ihr Husar“. Das italienische Fach spielte Konya zum großen Teil damals auf Deutsch ein, wie es seinerzeit üblich war.

Im späteren Verlauf seines Lebens hat Sándor Kónya sein Können und seine Erfahrungen als Professor an der Stuttgarter Musikhochschule an viele junge Sängerinnen und Sänger weitergegeben.

Lange Zeit hatte er seinen Wohnsitz in Steinhude am Steinhuder Meer.

Auf Ibiza, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, war er Mitbegründer und Präsident des Kulturvereins „Pro Arte“, der wesentlich zum Aufbau einer klassischen Musikkultur auf Ibiza beigetragen hat.

Im Alter von 78 Jahren starb er auf Ibiza. (Quelle: wikipedia)

Tja, zwei Biogaphien von Operetten/Opernsängern aus der 2. Reihe, denn einen Status wie ihn z.B. Anneliese Rothenberger oder Rudolf Schock hatten, erreichten sie nie.

Hier aber nun der allseits beleibte Queschnitt einer ach so tragischen Operette und mit Titeln wie „So ein Mann ist eine Sünde wert“ oder „Gern hab‘ ich die Frau’n geküsst“ kann man sich auf eine anrüchig-frivole Operette freuen.

AlternativesFront+BackCover

Alternatives Front+BackCover aus dem Jahre 1964

Besetzung:
Sándor Kónya (vocals)
Herta Talmar (vocals)
+
Grosser Chor und Grosses Operetten-Orchester unter der Leitung von Franz Marszalek

BackCover1

Titel:
01. Einleitung + Schönes Italien 2.27
02. Wenn ich spiel‘ 1.31
03. So ein Mann ist eine Sünde wert 0.56
04. Niemand liebt dich so wie ich 2.11
05. Gern hab‘ ich die Frau’n geküsst 3.13
06. Wer will heut‘ nacht mein liebster sein 1.16
07. Deinen süssen Rosenmund 0.53
08. Liebe, du Himmel auf Erden 2.12

Musik: Franz Lehár
Text: Paul Knepler und Bela Jenbach

LabelB1

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