Nicht nur mal so nebenbei …

Europa

Wer nicht wählt, wählt rechts! – Gebt Eure Stimme ab gegen Rassismus und Intoleranz!
Am kommenden Sonntag sind Europawahlen und mit dem Erstarken der Rechtspopulisten in vielen Ländern ist es umso wichtiger, dass Ihr Eure Chance nutzt, mit Eurem Stimmzettel diesen Rechtsrutsch zu stoppen.
Geht wählen und gebt Eure Stimme demokratischen Parteien, die sich für ein geeintes, friedliches und antirassistisches Europa einsetzen!

Die Toten Hosen auf facebook am 22.Mai 2019

So isses!

 

Ich bin dann mal wieder weg …

… und diesmal führt mich mein Weg nach Essen und da werde ich ganz sicher das Museum Folkwang, aber auch die „Villa Hügel“ (ein Pracht- und Protzbau der Industriellenfamilie Krupp)

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Einer meiner Eindrücke bei meinen letzten Besuch der Stadt Essen, 2013

Und ganz sicher wird man dann noch das eine oder andere einfallen.

Am Sonntag, den 26. Mai bin ich dann „wieder dahoam“.

Ich wünsche allen Lesern dieses blog bis dahin eine gute Zeit !

Bernd Strohm – Strohmaufwärts (2000)

FrontCover1Bernd Strohm ist schlicht und ergreifend einer Meister seines Fachs !

Er ist ein „vielsaitiger“ Interpret und ein einfallsreicher Komponist. In seinem facettenreichen Repertoire befinden sich neben anspruchsvollen Bearbeitungen für die Akustikgitarre auch hochkarätige Originale.

Davon kann man sich auf diesem Album überzeugen. Und hier noch ein paar Besprechungen zu diesem kleinen Meisterwerk, nicht dass man glaubt, ich würde übertreiben:

„Strohm zeigt (…), was er kann und das ist eine Menge. (…) Er hat viel Gespür dafür, Stimmungen heraufzubeschwören und mit seiner Musik Bilder zu malen“. (Rheinische Post/Duisburg, 19.07.2000)

„Ein Vergnügen. Basta. Ein kraftvoller Spaß (…) mit viel Selbstsicherheit künstlerischer Finesse und unbestechlichem Timing (…)“. (Akustik Gitarre, 4/2000)

„Der Mann swingt und hat Einfälle“. (Jazz Podium, 9/2000)

„Seine überwiegend vom Blues und folkloristischen Elementen geprägte Gitarrenmusik plätschert dahin wie klares kühles Wasser, ohne je seicht zu wirken. Nicht umsonst sagt Strohm selbst, dasser bei seinen Kompositionen durch stimmungsvolle Erlebnisse inspiriert wird. Das hört man – und wer die Augen schließt, kann es sogar sehen, das Picknick am Bach an einem besonders schönen Sommernachmittag“. (ZDF-Videotext, 04/2001)

So isses und nicht anders … Hören und genießen ist hier das Motto ! Und wer Leo Kottke & Co. mag … kommt an diesem Album eigentlich nicht vorbei !

BerndStrohmBesetzung:
Bernd Strohm (guitar)

Booklet1
Titel:
01. Boomerang (Strohm) 3.41
02. Rise To Fall (Strohm) 3.38
03. Into The Light (Strohm) 2.23
04. Strohmaufwärts (Strohm) 3.49
05. Body And Soul (Green) 3.04
06. Rhein in Flammen (Strohm) 3.26
08. Somewhere Over The Rainbow (Arlen)
09. Romantic Sightseeing (Strohm) 3.46
10. Indras Tanz (Strohm) 2.54
11. There´ll Never Be Another You (Gordon) 2.31
12. Den Sternen ganz nah (Strohm) 3.08
13. Song For George (Johnson) 1.59
14. Interstadial (Strohm) 2.09
15. Satin Doll (Ellington/Strayhorn) 2.34
16. There Is No Greater Love (Symes/Jones) 2.10

CD1

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Heike Makatsch & WDR Big Band – Hilde – Heike Makatsch singt Hildegard Knef (2009)

HeikeHildeFrontCoverEs mag ja sein, dass der Film „Hilde“ nicht unbedingt ein cineastischer Höhepunkt war, aber die zu diesem Film erschienene Cd ist einfach ne Wucht :

Grönemeyer kann nicht tanzen. Heike Makatsch kann nicht singen. Letzteres traf auf Deutschlands Vorzeige-Diva Hildegard Knef ebenfalls zu.

Das Album zeigt sich als erfreuliche Beigabe zum am 12. März 2009 startenden Film „Hilde“, in dem die EX-VIVA-Moderatorin das Leben der Knef mit einer vorzüglichen schauspielerischen Leistung darstellt. Den Soundtrack intoniert sie gleich selbst, mit interessanten und höchst gelungenen Ergebnissen.

Die 14 Titel umfassende CD enthält neben den im Film eingesetzten Nummern einige weitere Tracks aus dem großen Knef-Repertoire. Dass deren Musik bei Heike Makatsch in besten Händen ist, beweist sie gleich zu Beginn mit der gefühlvollen Berlin-Hymne „In Dieser Stadt“. Das atmet den Geist der Knef, klingt aber stets nach Makatsch.

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Die Produktion verzichtet darauf, die ursprünglichen Arrangements einfach nachzuspielen. Sämtliche Titel sind
neu arrangiert. Die WDR-Big Band präsentiert die alten Songs in einem frischen und mitunter gar überraschend neuen Gewand. Der Spagat zwischen Bewahrung des Ursprünglichen und gleichzeitiger Blutauffrischung gelingt unangestrengt und effektiv. Die Gesangs-Einspielungen fanden im Berliner Tonstudio Nucleus statt, in dem die Knef 1997 ihr letztes reguläres Album einspielte. Als Mit-Produzent zeichnet Jens Kuphal verantwortlich, der damals zusammen mit Till Brönner die Sängerin betreute.

Heike Makatschs Gesangsstimme steht vor ähnlichen Problemen wie das große Vorbild. Besonders deutlich wird ihre Verwandtschaft in den gelegentlich wackeligen Höhen ihrer Adaption von „Aber Schön War Es Doch.“ Mit miesmutiger Nörgelei hat diese Erkenntnis indes nichts zu tun: Der Knef ging es ebenso, und das gehört(e) einfach zu deren Stil. Heike Makatsch begeht, trotz frappanter Ähnlichkeit in der Intonation, nie den Fehler, lediglich eine Kopie des Originals abzubilden. Oft klingt ihre Stimme einige Nuancen wärmer, wo die Knef harsch und knarzig Giftpfeile in Richtung Hörer abschoss.

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Besonderer Höhepunkt: der ewige Klassiker „Für Mich Soll’s Rote Rosen Regnen“. Für die Neueinspielung entschied man sich für einen Mix aus dem abgespeckten Live-Arrangement der späten sechziger/frühen siebziger Jahre, hier mit Ergänzung des großen Orchesters. Der eigentliche Walzertakt rückt in den Hintergrund und macht einer jazzigeren Variante Platz. Erst gegen Ende setzt die Big Band ein, die den Song aber niemals mit ihrem fülligen Klang erschlägt. Kleiner Wermutstropfen am Rande: Der berührende Schlager „Irgendwo Auf Der Welt Gibt’s Ein Kleines Bisschen Glück,“ den Heike zusammen mit Roger Cicero im Film singt, ist leider nicht auf dem Album enthalten.

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Als Extra zum Schluss hält „Hilde“ einen bislang unveröffentlichten Titel aus der Feder der Altmeisterin bereit, der während der Sessions zum Studioalbum „17 Milimeter“ entstand, aber nie eingespielt wurde. Hildegard Knefs langjähriger musikalischer Begleiter, der Komponist und Musiker Hans Hammerschmidt, bearbeitete und vollendete das Fragment. Dank Heike Makatsch erblickt „It’s After Eight“ nun swingend und vorwärtstreibend das Licht der Welt. „Heike Makatsch Singt Hildegard Knef:“ Eine charmante, unterhaltsame Produktion mit Spaß-Garantie beim (Neu-) Entdecken alter Lieblinge und zum Hineinschnuppern für zukünftige Fans. (Artur Schulz)

Also: eine großartige Hommage an die nicht minder großartigen Hildegard Knef- Ein ganz besonderes Lob geht dabei natürlich auch an die WDR Big Band, die wirklich famos auspielt.

Und: wenn ich daran denke, wie diese Heike Makatsch als albernes Viva-Mädchen anfing … und sich dann wirklich sehr ernsthaft weiterentwickelte, kann ich nur sagen: Hut ab – Respekt !

Und natürlich wird es wieder mal höchste Zeit, mich mit dem Original zu beschäftigen !

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Besetzung:
Wim Both (trumpet)
Rob Bruynen (trumpet)
Mattis Cederberg (trombone)
Frank Chastenier (piano)
Ulla van Daelen (harp)
Hans Dekker (drums)
Martin Esser (percussion)
John Goldsby (bass)
Andy Haderer (trumpet)
Paul Heller (saxophone, clarinet, flute)
Dave Horler (trombone)
Bernt Laukamp (trombone)
Heike Makatsch (vocals)
John Marshall (trumpet)
Jens Neufang (saxophone, clarinet, flute)
Ludwig Nuss (trombone)
Klaus Osterloh (trumpet)
Olivier Peters saxophone, clarinet, flute)
Paul Shigihara (guitar)
Karolina Strassmayer
Heiner Wiberny (saxophone, clarinet, flute)
+
Cologne Voices (background vocals)
WDR Rundfunkorchester (strings)

Hilde02Titel:
01. In dieser Stadt (Niessen) 3.32
02. Lass mich bei dir sein (Noris/Knef) 2.01
03. Vergiss sie, sie hat dich nie geliebt (Hammerschmid/Knef) 3.34
04. Von mun an ging’s bergab (Hammerschmid/Knef) 2.45
05. Nichts haut mich um aber du (I Get A Kick Out Of You) (Porter/Mleinek) 3.47
06. So oder so ist das Leben (Mackeben/Beckmann) 2.03
07. Ich brauch Tapetenwechsel (Hammerschmid/Knef) 2.53
08. Aber schön war es doch (Niessen/Relin) 3.07
09. Ich zieh mich an und langsam aus (Hammerschmid/Knef) 3.17
10. Halt mich fest (Hammerschmid/Knef) 2.39
11. Ich bin zu müde um schlafen zu gehen (Niessen/Knef) 3.30
12. Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hammerschmid/Knef) 3.00
13. Wieviel Menschen waren glücklich (Hammerschmid/Knef) 4.05
14. It’s After Eight (Hammerschmid/Knef) 2.27

CD1
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Filmplakat

Gerhard Bronner und Peter Wehle – Die Schnulze als Wille und Vorstellung (1960)

FrontCover1.jpgEin dreifaches Hoch auf das Wiener Kabarett in den 50er und 60er Jahren, hier vertreten durch Gerhard Bronner und Peter Wehle:

Gerhard Bronner (* 23. Oktober 1922 in Wien-Favoriten; † 19. Jänner 2007 in Wien) war österreichischer Komponist, Autor, Musiker und Kabarettist.

Gerhard Bronner wuchs in der Favoritener Senefeldergasse in bescheidenen Verhältnissen als dritter Sohn des jüdisch-proletarischen Ehepaars Jakob und Rosa Bronner auf. Seiner eigenen Aussage zufolge lernte er erst in der Mittelschule hochdeutsch zu sprechen, zuvor hatte er nur den Favoritner Dialekt beherrscht. Bronners Vater war Tapezierer, seine Mutter verdingte sich als Näherin.

Gerhard Bronner war der Nachzügler der Familie: Sein ältester Bruder Emil war 15 Jahre älter als er, Bruder Oskar, der zehn Jahre älter war als Bronner, zog ihn quasi groß. Emil und Oskar Bronner waren engagierte Sozialdemokraten und auch beim Schutzbund tätig, Emil wurde im Bürgerkrieg 1934 getötet.

Als Kind lernte Bronner durch seine Brüder den damaligen Jungsozialisten und späteren österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky kennen. Ein Schulfreund von ihm war außerdem der spätere Schauspieler Otto Tausig.

Erste musikalische Gehversuche unternahm Gerhard Bronner bei den Roten Falken, zu denen ihn sein Bruder Oskar brachte. Dort spielte er bei den „Pfeiferlbuben“, der musikalischen Abteilung der sozialistischen Kinder- und Jugendorganisation, zunächst Trommel, später etwas Gitarre. Wieder war es Oskar, der sein Talent erkannte und beschloss, ihm eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen. Durch Zufall kam Bronner als Fünfjähriger zu einem eigenen Klavier und erhielt auch kurze Zeit Unterricht. Zwei Jahre später erlebte er einen Auftritt des Kabarettisten Hermann Leopoldi und beschloss, Musikhumorist zu werden.

Gerhard BronnerBronner bekannte sich stets zur jüdischen Kultur, lebte aber nicht religiös. Bis 1935 besuchte Bronner das Gymnasium, das er mit fünf „Nicht genügend“ im Wintersemester verlassen musste. 1938 verlor er nach dem „Anschluss Österreichs“ seine Stelle als Lehrling eines Schaufensterdekorateurs. Außerdem wurden sein Vater und sein Bruder im KZ Dachau inhaftiert. Für diese Haft musste die Familie auch noch eine wöchentliche Gebühr von 20 Reichsmark aufbringen.

Angesichts seiner finanziell und existenziell aussichtslosen Lage verließ Gerhard Bronner im Mai 1938 als Fünfzehnjähriger Österreich allein und ging über die grüne Grenze in die Tschechoslowakei. Im selben Jahr starb sein Bruder Oskar im Konzentrationslager Dachau. Der Vater war im Sommer wieder aus dem KZ entlassen worden.

Gerhard Bronner lebte zunächst in Brünn, wo er sich als Fensterputzer, Kofferträger und Straßensänger verdingte. Als seine Aufenthaltsgenehmigung ablief, wurde er an die Grenze zurückgebracht, ein gutmütiger Polizist ließ ihn aber laufen, als ihm klar wurde, welches Schicksal Bronner im Deutschen Reich erwarten würde. Bronner kehrte nach Brünn zurück und bekam von der Liga für Menschenrechte eine zweite Aufenthaltsgenehmigung auf den Namen Harry Braun ausgestellt. Sein Glück währte allerdings nicht lange, denn als das Münchner Abkommen geschlossen wurde, mussten alle Flüchtlinge Tschechien verlassen.

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Gerhard Bronner mit dem Helmut Qualtinger (50er Jahre)

Bronner reiste ohne gültige Papiere weiter und musste unter anderem unbemerkt die Donau durchschwimmen, um nach Konstanza zu gelangen, von wo aus er es auf ein Schiff nach Palästina schaffte. Einer seiner damaligen Freunde, der Gerhard Bronner auch einige Male weiterhalf, war Erich Lessing.

Bronner verdiente sich dort seinen Lebensunterhalt als Straßensänger, Barpianist und Komponist, schließlich als Leiter des Musikprogramms des Ablegers der BBC in Palästina. Als die Engländer 1948 abzogen, bekam er die Einladung, in der Zentrale in London weiter für den Sender zu arbeiten. Auf dem Weg dorthin besuchte er auf Betreiben seiner damaligen Gattin kurz Wien; er wollte nicht in dieser Stadt, die er nicht mehr als seine Heimat betrachtete, bleiben.

Es fanden sich aber nach kurzer Zeit viele Aufgaben, vom Barpianisten bis zum Musikredakteur im Rundfunk, so dass die Weiterreise nach London aufgeschoben und schließlich abgesagt wurde. Er begann beim Sender „Rot-Weiß-Rot“. Seit dieser Zeit bestand auch eine Freundschaft mit Hans Weigel, der ihn ebenfalls zum Bleiben in Wien überredete.

Nach seiner Rückkehr nach Wien erfuhr Gerhard Bronner über die Israelitische Kultusgemeinde auch erstmals vom Schicksal seiner Eltern, zu denen der Briefkontakt während seines Aufenthaltes in Palästina abgerissen war: Sie waren im Oktober 1943 von den Nationalsozialisten nach Minsk deportiert worden.

GerhardBronner, 1963

Gerhard Bronner, 1963

Am 12. November 1952 hatte die Kabarettrevue „Brettl vor’m Kopf“ Premiere. Die fünfzehn Nummern des Programms stammten aus der Feder von Gerhard Bronner, Michael Kehlmann, Carl Merz und Helmut Qualtinger. Danach wurde zunächst eine Spielpause eingelegt, weil Gerhard Bronner und Michael Kehlmann nach Hamburg gingen, da dort das erste und einzige Fernsehstudio im deutschen Sprachraum war und beide in diesem damals völlig neuen Medium arbeiten wollten. Bronner war bis 1955 musikalischer Leiter der Unterhaltungsabteilung beim NDR, wo er dann auch die hochdeutsche Fassung vom „g’schupften Ferdl“ als „Der blasse Gustav“ herausbrachte, der dann von vielen, heute kaum noch bekannten Gruppen, wie etwa „Die drei Jools“ oder „Die drei Travellers“, nachgespielt wurde.

1955 kehrte Gerhard Bronner nach Wien zurück und pachtete die „Marietta-Bar“, die bald ein beliebter Künstlertreff wurde, und engagierte für diese u. a. Peter Wehle und Georg Kreisler. 1956 pachtete er gemeinsam mit Kreisler das „Intime Theater“ in der Liliengasse. Dort brachte das „namenlose Ensemble“ (neben Gerhard Bronner, Merz, Qualtinger, Kehlmann, Kreisler, Wehle, Louise Martini u. a.) das Kabarettprogramm „Blattl vor’m Mund“ und weitere heraus. Als ihnen 1958 der Vertrag gekündigt wurde, spielten sie das nächste Programm „Spiegel vor’m Gsicht“ im Fernsehen (ORF). Übertragen wurde zu Anfang aus dem „Bürgertheater“, später aus dem „Stadttheater“ (Etablissement Ronacher).

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Gerhard Bronner und Peter Wehle, 1965

1959 übernahm Gerhard Bronner das „Neue Theater am Kärntnertor“, wo das Programm „Dachl überm Kopf“ Premiere hatte. Als sich 1961, besonders durch den Weggang von Qualtinger, der von nun an lieber Theater spielen wollte, die Gruppe auflöste, bildete er mit dem Programm „Wedel sei der Mensch“ ein neues Ensemble, unter anderem mit Felix Dvorak, der später ein prominenter Theater- und Fernsehkomiker wurde. Danach führte Gerhard Bronner das Theater bis 1966 fort.

Die „Travnicek-Dialoge“ mit Helmut Qualtinger (Autoren: Merz und Qualtinger) sind nicht nur in die österreichische Kabarettgeschichte eingegangen. Viele Lieder, die Qualtinger zugeschrieben werden, stammen aus Gerhard Bronners Feder.

In den 1960er Jahren war Bronner, der dabei Regie führte, mit der österreichischen TV-Kabarettserie Das Zeitventil: Das aktuelle Fernsehbrettl überaus erfolgreich. Mit ihm traten unter anderem Peter Wehle, Kurt Sobotka, Max Böhm, Ernst Stankovski, Peter Orthofer, Gerhard Steffen, Eva Pilz, Peter Frick, Heinz Holecek, Edith Leyrer, Johann Sklenka und Dolores Schmidinger in den beliebten Sendungen auf. Man befasste sich, bei Bedarf sehr bissig, mit der aktuellen Politik Österreichs und anderen kabarettistisch brauchbaren Themen. ORF III strahlte 2012 einige dieser Sendungen neuerlich aus.

Kabarett-Handbuch

Quelle: Kabarett-Handbuch

Er arbeitete aber nicht nur mit bekannten Kabarettisten, sondern entdeckte damals auch junge Talente, denen er Lieder schrieb. So wurde Marianne Mendt mit der Glock’n, die 24 Stundn leit bekannt.

Von 1979 bis 1988 leitete Gerhard Bronner das Kabarett Fledermaus, die frühere Marietta-Bar.

Für den ORF und den früheren Süddeutschen Rundfunk (SDR) moderierte Bronner die Sendung „Schlager für Fortgeschrittene“ und wirkte im Radiokabarett „Der Guglhupf“ mit. Dort wie auch auf der Bühne in der „Fledermaus“ trat Bronner mit Wehle auf. Mit dabei war auch Lore Krainer, die er aus Graz holte. Er wurde auch bekannt als Übersetzer von Ephraim Kishons Satiren (nachdem Friedrich Torberg 1979 verstorben war), schuf 1969 eine Wiener Fassung von My Fair Lady und bearbeitete das Musical Cabaret.

1988 übersiedelte Gerhard Bronner in die USA, wo er sich in Florida niederließ. „Kurz danach war in den Wiener Zeitungen zu lesen, dass ich ein Steuerflüchtling wäre“, schrieb Bronner dazu in seinen Memoiren und begründete seine Übersiedlung so:

„Im Mai 1986 starb mein langjähriger Partner und Freund Peter Wehle. Vorher waren schon Friedrich Torberg, Robert Gilbert und Carl Merz gestorben. Ich fühlte mich furchtbar allein. Im Juni 1986 wurde Kurt Waldheim österreichischer Bundespräsident. Von diesem Moment an wurde der offene Antisemitismus in Österreich wieder salonfähig. Ich hatte stets antisemitische Zuschriften bekommen – aber sie waren immer anonym. Nach der Wahl Waldheims waren sie es nicht mehr. (…) Da wusste ich, dass ich nicht mehr lang in diesem Land leben würde.“

(Zu den von Bronner genannten Verstorbenen gehört auch Helmut Qualtinger, der im September 1986 starb.)

„Ich übersiedelte also in mein Haus in Florida. Vorher aber meldete ich dies meinem zuständigen Referenten im Finanzministerium. (… …) Ich hatte also bei einer eventuellen Rückkehr nach Wien mit einer Gefängnisstrafe zu rechnen. Also blieb ich in Florida (… …).“

GerhardBronner4.jpgEine von Robert Jungbluth initiierte Spendenaktion unter Freunden und Bewunderern ermöglichte die Begleichung von Bronners Geldstrafe (die Steuerschuld hatte sich der Fiskus bereits durch Pfändung von Honoraren Bronners geholt). Er kehrte 1993 nach Wien zurück, wo er wieder auftrat.

Am 31. Dezember 2006 bestritt er einen Auftritt im Wiener Theater Akzent, der aufgezeichnet wurde. Bronner sang seine großen Erfolge, etwa Der g’schupfte Ferdl oder Der Papa wird’s schon richten.

Gerhard Bronner starb 84-jährig am 19. Jänner 2007 in einem Wiener Krankenhaus an den Folgen eines Schlaganfalls. Das Begräbnis fand am 26. Jänner auf dem Wiener Zentralfriedhof statt. Nach der Trauerfeier in der Zeremonienhalle der neuen israelitischen Abteilung, bei der unter anderem Bundespräsident Heinz Fischer als Redner auftrat, wurde Bronner in der alten israelitischen Abteilung in einem ehrenhalber gewidmeten Grab neben den Literaten Arthur Schnitzler und Friedrich Torberg beigesetzt. Die Aufzeichnung von Bronners letztem Auftritt wurde vom ORF unter dem Titel Ein Abend mit Gerhard Bronner ausgestrahlt.

Wie am 9. November 2014 berichtet wurde, haben die Erben Bronners seinen umfangreichen schriftlichen und bildlichen Nachlass nun der Österreichischen Nationalbibliothek geschenkt. Es handelt sich um elf große Kartons, die unter anderem auch Gemeinschaftsarbeiten mit Elfriede Ott, Eva Pilz und Michael Kehlmann enthalten. (Die Originalhandschrift zum 1952 entstandenen Lied Der g’schupfte Ferdl kam bereits 1972 als persönliche Schenkung Bronners an die Bibliothek.)

Bronner war drei Mal verheiratet, sein Sohn aus erster Ehe Oscar Bronner ist der Gründer und Herausgeber der Tageszeitung Der Standard. Oscar ist nach Bronners älterem Bruder benannt, der im Konzentrationslager umkam. In zweiter Ehe war er mit der Schauspielerin Bruni Löbel verheiratet, der gemeinsame Sohn Felix ist freiberuflicher Pianist und Klavierlehrer. Aus der dritten Ehe stammen die Kinder David (Popmusik-Produzent) und Vivien (Fernsehproduzentin und Drehbuchreferentin). Bronners dritte Ehefrau Margaret starb 41-jährig an Krebs, am Tag nach ihrem Tod wurde die Satiresendung „Der Gugelhupf“ (1978) erstmals ausgestrahlt.

In seiner Autobiografie „Spiegel vorm Gesicht“ gibt Bronner an, dass ihn sein Vater nach dem Dramatiker Gerhart Hauptmann benannt haben soll. Jakob Bronner sah eine Aufführung des Stückes „Die Weber“ und beschloss seinen Nächstgeborenen nach dem Autor zu benennen. Beim Ausstellen der Geburtsurkunde passierte ein Fehler und deshalb wurde aus Bronner ein Gerhard mit „d“ anstatt mit „t“. Sein für Juden untypischer Vorname wurde schon anfangs stets mit „Gertl“ abgekürzt, während seiner Zeit in Israel nannte sich Bronner „Jehuda“, abgekürzt „Juda“. (Quelle: wikipedia)

Und das ist wieder mal so eine Biographie … bei der einem der Atem stockt …

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Peter Wehle (* 9. Mai 1914 in Wien; † 18. Mai 1986 ebenda) war ein österreichischer Komponist, Autor und Kabarettist.

Peter Wehle besuchte als Bub das Wiener Schottengymnasium, das seinen Worten zufolge Franz Grillparzer, Johann Nestroy, Johann Strauss und Kaiser Karl als prominente Schüler verzeichnete. Er sollte die väterliche Rechtsanwaltskanzlei übernehmen und studierte deshalb an der Universität Wien Jus. Das Studium, von einjährig-freiwilligem Militärdienst in der Breitenseer Kaserne unterbrochen, schloss er im März 1939 mit der Promotion ab.

Bereits während des Studiums war er als Barpianist tätig und schrieb auch Chansons für Kabaretts und Revuebühnen. Er legte auch die Kapellmeisterprüfung ab. Damals lernte er Gert Fröbe und Curd Jürgens, beide Ensemblemitglieder des Deutschen Volkstheaters, kennen.

Peter Wehle

Im Zweiten Weltkrieg hatte Wehle vom Jänner 1940 an Militärdienst zu leisten, vorerst in Frankreich. In Wien musste sein Vater, anonym angezeigt, seine Anwaltskanzlei binnen 24 Stunden verlassen, da Großvater Wehle, 1888 verstorben, getaufter Jude war. Die Anzeige traf auch beim Divisionskommando Wehles ein. Sein Batteriechef, Hauptmann Obermayer (richtig: Hubert Obermair) erläuterte ihm, dass er abrüsten oder degradiert werden müsste. Denn als „Vierteljude“ dürfe er nicht Vorgesetzter von „Ariern“ sein. Der Plan, ihn auf die Offiziersschule zu schicken, sei jedenfalls hinfällig. Obermair, später unter den ersten Offizieren des österreichischen Bundesheers der Zweiten Republik, hat es jedoch Wehle zufolge auf sich genommen, die Anzeige zu ignorieren und ihn als Unteroffizier weiter dienen zu lassen.

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Louise Martini, Peter Wehle und Gunther Philipp

Später war seine Einheit an der Ostfront eingesetzt. Auf Grund seines Sprachtalents konnte er sich in Frankreich, Russland und in der Ukraine mit Einheimischen verständigen und wurde oft zu Dolmetschdiensten herangezogen. Kurz vor der deutschen Niederlage in der Schlacht von Stalingrad wurde Wehle im Herbst 1942 auf Initiative einer Wiener Brieffreundin zu einer Dolmetschkompanie nach Wien versetzt, wo er Serbisch lernte.

In Wien befreundete er sich mit Gunther Placheta, den er bei einem bunten Abend in einem Reservelazarett kennenlernte, und lernte 1943 Neugriechisch, da ihm ein Freund die Versetzung nach Griechenland organisieren wollte. Er wurde im April 1943 auch tatsächlich nach Saloniki versetzt. Dort wurde er als Klavierspieler und Chansonnier im Soldatensender tätig, anschließend beim Soldatensender Belgrad, wo er Theo Mackeben und Evelyn Künnecke begegnete und als Soldat seine Kenntnisse in Italienisch und Serbisch einzusetzen hatte.

Peter Wehle

Peter Wehle, 1975

1944 wurde er nach Wien versetzt. Die Betreiber dieser Versetzung beabsichtigten, damit nach Kriegsende ihre Einstellung gegen das NS-Regime nachweisen zu können. In den letzten Kriegstagen flüchtete er nach Tirol und wurde nach einem Intermezzo als rechtskundiger Sekretär des Politikers Ludwig Draxler in Innsbruck am Theater in Salzburg tätig.

Mit Gunther Philipp (später durch Rolf Olsen ersetzt), Fred Kraus und mit der ehemaligen Staatsopernballerina Eva Leiter gründete er 1948 das Kabarettensemble Die kleinen Vier. Als Leiter heiratete, trat Hilde Berndt an ihre Stelle, die bis zur letzten Vorstellung dem Ensemble die Treue hielt. 1949 vermittelte Franz Antel den kleinen Vier die Mitwirkung an einer großen, öffentlichen Sendung des Bayerischen Rundfunks, die weitere Engagements des Ensembles in ganz Westdeutschland und in der Schweiz nach sich zog. Auf der Tournee lernte er Vico Torriani und Caterina Valente, beide damals am Anfang ihrer Showkarriere, kennen. Wehles Erinnerungen zufolge hat sich das Ensemble nie offiziell aufgelöst, war jedoch in den 1950er Jahren auf Grund anderer Verpflichtungen der Mitglieder immer schwerer zusammenzuholen. Um 1970 kam es aber in München noch einmal zu einem Nostalgieauftritt in Originalbesetzung.

In Wien spielte Wehle 1948 im Theater in der Josefstadt in William Saroyans Stück Time of our life mit Maria Andergast, Lotte Lang, Attila Hörbiger, Leopold Rudolf und Paul Hubschmid unter der Regie von Rudolf Steinboeck einen halb verhungerten Neger; wie er waren Kurt Sowinetz und Ernst Stankovski als Anfänger auf der Bühne.

1948 lernte er Gerhard Bronner kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Bronner schrieb 1992, Wehle habe ein unwahrscheinliches Talent gehabt, neben den Dingen zu leben, und schrieb ihm einen Adlerblick für das Unwesentliche zu. 2002 sagte Bronner in einem Interview: Der Wehle war ein katholischer Monarchist. Gemeinsam verfassten Bronner und Wehle im Laufe der Jahre über 1000 Texte und Melodien.

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Beide waren in den 1950er Jahren auch Mitglieder der als Namenloses Ensemble bekannten Kabarettgruppe, zu der auch Michael Kehlmann, Helmut Qualtinger, Georg Kreisler, Louise Martini, Carl Merz und weitere wechselnde Partner gehörten. Bronner und Wehle riefen 1978 die sonntägliche satirische Rundfunksendung Der Guglhupf ins Leben, die bis 2009, mit Lore Krainer und Herbert Prikopa, wöchentlich gesendet wurde.
Komponist

Darüber hinaus war Peter Wehle als Komponist unter anderem für Marika Rökk, Johannes Heesters, Paul Hörbiger, Willi Forst, Eddie Constantine, Peter Cornelius, Peter Alexander und Marianne Mendt tätig. Für Da sprach der alte Häuptling der Indianer, (Musik: Werner Scharfenberger), interpretiert von Gus Backus, erhielt er in den 1950er Jahren eine Goldene Schallplatte.

1974 promovierte Wehle erneut, und zwar in Germanistik; aus seiner Dissertation[10] entstand zuerst das Buch Die Wiener Gaunersprache und dann Sprechen Sie Wienerisch?, ein etymologisches Wörterbuch des Wiener Dialekts.

Peter Wehle ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 128). Peter Wehle ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet. Im Jahr 2014 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) der Wehleweg nach ihm benannt.

Peter Wehles 1967 geborener Sohn Peter jun. ist ebenfalls als Kabarettist, Musiker und Schriftsteller tätig. (Quelle: wikipedia)

Gerhard Bronner and Peter Wehle,1965

Gerhard Bronner und Peter Wehle, 1965

Und hier auf dieser EP aus dem Jahr 1960 hören wir beide … und beide sind in Höchstform:

Bei „Die Schnulzenentbindung“ lauschen wir der Entstehung einer Schnulze … die dem (Vico) Schloriani gut zu Gesicht gestanden hätte.

Die Kunstfiguren „Opitz und Zwirschina“ hätte man eigentlich weiter entwickeln können: Hier hören wir sie als Fußball-Experten (eine sehr geistreiche Auseinandersetzung mit diesem Lied findet sich in dem von mir sehr geschätzten blog namens „Deutsche Lieder. Bamberger Anthologie“ und zwar hier) und dann noch

„Zyankali “ … viel rabenschwärzer geht es nicht, die Musik stammt übrigens von dem Us Kompinisten Lionel Newman.

Also: Wer hier nicht zuhören will … dem kann ich auch nicht mehr helfen …

Oder: Ein dreifaches Hoch auf das Wiener Kabarett in den 50er und 60er Jahren

Gerhard Bronner und Peter Wehle, 1957

Gerhard Bronner und Peter Wehle als „Der Opitz und der Zwirschina“, 1957

Besetzung:
Gerhard Bronner (vocals, piano)
Peter Wehle (vocals)
+
Instrumentalbegleitung (bei 01.)
K. Werner und sein Orchester (bei 02.)

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Titel:
01. Die Schnulzenentbindung (Bronner/Wehle) 7.12
02. Der Opitz und der Zwirschina (Bronner/Wehle) 5.13
03. Zyankali (Newman/Bronner) 3.25

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Zentrale Erkenntnis dieser EP:

„Über Blinddarmentzündung kann ich keinen Schlager schreiben“

 

Ich bin dann mal wieder unterwegs …

und erneut führt mich mein Weg nach Hurghada/Ägypten (in der Hoffnung, dass ich diese 9 Tage ohne Hiobsbotschaften erleben kann).

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Hurghada  ist das größte ägyptische Tourismuszentrum am Roten Meer. Hurghada hat etwa 160.000 Einwohner, davon etwa 10.000 ohne legale Aufenthaltspapiere, meist aus den Nilstädten. (Quelle: wikipedia)

Ich fahre mit gemischten Gefühlen … aus unterschiedlichen Gründen. Andererseits ist es schon so, dass mein Akku ein wenig arg leer ist … insbesondere meine beruflichen Verpflichtungen strengen mich zusehens an …

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Ich wünsche allen Lesern dieses blogs wiedermal eine wunderbare Zeit, bleiben Sie mir gewogen und ich bin dann wieder am 11.4. im Lande …

Markus Hoffmann – Deadwood (Pete Dexter) (Hörbuch) (2012)

FrontCover1.jpgDas war jetzt ne lange Geburt … immerhin galt es 6 CD´s  zu „konsumieren“ mit einer Gesamtspieldauer von 450 Minuten. Das war ne Menge Holz !

Aber, das hat sich gelohnt:

Und darum geht´s :

Dakota-Territorium, 1876. Der legendäre Revolverheld Wild Bill Hickok und sein Freund Charlie Utter erreichen mit einem Treck, der aus Cheyenne kommt, die Goldgräberstadt Deadwood. Obgleich von Alter und Krankheit gezeichnet, ist Wild Bill immer noch in der Lage, jeden Mann in einem fairen Duell zur Strecke zu bringen. Er aber möchte nichts weiter, als seine Tage in Ruhe im Saloon verbringen. Nur ist Deadwood kein Ort, an dem man Ruhe findet. Hier herrscht das Gesetz des Stärkeren. Und so trachtet bald schon mehr als ein Mann nach Wild Bills Leben. Denn er ist einer der wenigen, die in dieser Stadt noch Recht von Unrecht unterscheiden können. In ‚Deadwood‘ stützt sich Pete Dexter auf historische Quellen und schildert den Wilden Westen so, wie er tatsächlich war: schmutzig, korrupt, voller Gier und roher Gewalt. Doch seine Haltung ist die eines lakonisch erzählenden Chronisten. Und so wird aus einem Tatsachenroman über die Anfänge Amerikas fast beiläufig eine menschliche Komödie voller Melancholie und schwarzem Humor. (Pressetext)

Rezensionsnotiz „Die Tageszeitung“, 26.11.2011
Pete Dexters im Original bereits 1986 erschienenen Spätwestern „Deadwood“ findet Frank Schäfer einfach „grandios“. Denn diese wunderbar komische, parodistische Überzeichnung des Genre-Stereotyps hat den Rezensenten bestens amüsiert. Mit Freude folgt er Dexters syphilitischen Revolverhelden Wild Bill Hickok und seinem Partner Colorado Charley Utter auf ihrer „Mission“ in das archaische und verwahrloste „Deadwood“, in dem Rassismus, Chauvinismus und Mord an der Tagesordnung sind. Dabei begegnet dem Kritiker ein vielfältiges Figurenensemble, das die „gesellschaftliche Verwahrlosung“ aus verschiedenen Perspektiven sichtbar macht und damit, so Schäfer, das Genre Western um eine soziale Komponente erweitert. In Kombination mit Dexters „hartgekocht-lakonischem Dialogwitz“ sorgt dies für restlose Begeisterung beim Rezensenten.

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Ab 2005 gab´s dann auch den US-TV-Serie von „Deadwood“ (Pete Dexter beklagte sich später über etliche Ungereimtheiten bei dieser Serie)

Rezensionsnotiz „Frankfurter Rundschau“, 07.09.2011
Statt glorreicher Revolverhelden zeigt Pete Dexter in seinem Roman einen wirklich wilden Westen – dreckig, rassistisch und mitleidlos. Ein „großartiger, lebenspraller (Wildwest-)Roman“ ist ihm damit gelungen, findet Sylvia Staude. Besonders gefallen hat ihr Dexters schneidender Humor mit einem Hang zum Absurden. „Wild Bill“, Westernheld und „Menschenkiller“ wird beim Kartenspiel plötzlich erschossen und nach seinem Tod kommen allerlei Saufkumpanen und Ex-Geliebte zu Wort, die ganz unterschiedliche Geschichten über den gefürchteten Revolverhelden erzählen. Die Ausgewogenheit und die leicht lakonische Distanz, mit der Dexter seine Hauptfigur beschreibt, hat Staude Spaß gemacht. „Deadwood“ ist für sie das skurrile Gegenbild eines klassischen Westerns.

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Auch dieses Bild stammt von der o.g. TV-Serie

Ergänzend noch diese Kurzbio über den  Autor:

Pete Dexter, 1943 in Michigan geboren, arbeitete über fünfzehn Jahre als Zeitungsreporter in Philadelphia. Nachdem er im Zuge einer kontroversen Berichterstattung angegriffen und krankenhausreif geschlagen wurde, gab er seinen Beruf auf. Heute lebt er als freier Schriftsteller im Bundesstaat Washington. Pete Dexter gilt als einer der profiliertesten Drehbuchautoren Amerikas und veröffentlichte bislang sieben Romane, darunter ‚God’s Pocket‘ und ‚Paris Trout‘, für den er 1988 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.

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Und natürlich muss der hervorragende Sprecher dieser Hör-CD erwähnt werden:

Markus Hoffmann, Schauspieler und Sprecher, arbeitete schon früh neben dem Theater auch beim Rundfunk. Inzwischen hat er mehr als 50 Hörbücher aufgenommen – zwei davon wurden mit der „Goldenen Schallplatte“ des Deutschen Phonoverbandes ausgezeichnet. (Presse-Info)

So ein Buch muss man erstmal lesen können … Hier hören wir einen absoluten Profi … umso mehr macht daher dieses Hörbuch (auf das man sich freilich einlassen muss … denn leichte Kost ist das nicht …. denn hier begegnen wir skrupellosen Mördern und verzweifelten Huren und, und, und …)

Aber: Sofern man die Zeit hat, kann ich hier nur eine dringende Empfehlung aussprechen.

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Website von arkus Hoffmann

Besetzung:
Markus Hoffmann /Sprecher)
+
Bearbeitung: Simone Gohla und Astrid Lukas

Regie: Hannes Hametner

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Titel:

CD 1:
Kapitel 01 – 11 / 01.19

CD 2:
Kapitel 12 – 19 / 01.10

CD 3:
Kapitel 20 – 29 / 01.15

CD 4:
Kapitel 30 – 37 /01.05

CD 5:01.18
Kapitel 38 – 47 / 01.18

CD 6:
Kapitel 48 – 57 / 01.18

Text: Pete Dexter
Deutsche Übersetzung: Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt

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CDs

Erneut mein Dank an Graugans für die Inspiration !