Amon Düül – Paradieswärts Düül (1970)

frontcover1Grundsätzlich vergebe ich ja bei frühen Krautrock Aufnahmen sehr großzügig meine Sympathiepunkte (na ja … ich als Kind jener Zeit …. )

Das fällt mir hier jedoch schon ein wenig arg schwer, und das hat nichts damit zu tun, dass die Frühgeschichte von Amon Düll so einfach gar nicht nachzuvollziehen ist:

Amon Düül ist eine deutsche Rockband, die sich im Zuge der Studentenbewegung der 1960er Jahre bildete und in verschiedenen Formationen bis in die Gegenwart besteht. Die Band gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Krautrock.

1967 gründete sich in der Leopoldstraße in München eine Künstler-Kommune, die sich nach dem ägyptischen Gott Amon samt einem nicht eindeutig erklärbaren Zusatz „Düül“ benannte. Schon bald erlangten die Kommunarden durch ihre musikalischen Sessions bei den Happenings und Demonstrationen der politisierten Jugend Kultstatus. Man konnte sich jedoch auf kein gemeinsames musikalisches Konzept einigen. Eine Fraktion der Kommunarden vertrat den libertären Weg der künstlerischen Freiheit und nahm jeden auf, der Musik machen wollte, ob er nun singen oder spielen konnte oder auch nicht. Die andere Fraktion war in dieser Hinsicht konservativ eingestellt und legte Wert auf musikalisches Können. Bei den unter anderem von Rolf-Ulrich Kaiser und Tangerine Dream initiierten Essener Songtagen 1968 kam es dann zum offiziellen Bruch, als statt einer Band gleich zwei desselben Namens auftraten, Amon Düül und Amon Düül II. Fortan ging man getrennte Wege und es sollte auch nicht nur bei diesen beiden Formationen bleiben.

Amon Düül spielte überwiegend improvisierte Musik ohne Songstruktur. Der häufige Mitgliederwechsel der Formation trug nicht zur Ausbildung eines konkreten musikalischen Charakters bei. Viele der Musiker standen der Kommune 1 in Berlin nahe.

Man spielte bevorzugt schockierende Anti-Musik. Die Titel trugen Namen wie Mama Düül & ihre Sauerkrautband spielt auf oder Ein wunderhübsches Mädchen träumt von Sandosa. In kurzer Zeit wurden unter Regie von Peter Meisel, Mitinhaber der Hansa Musik Produktion, vier Alben veröffentlicht, meist gleichzeitig mit den Alben der „Konkurrenz“ Amon Düül II. Zwar wurden die Alben mit so kuriosen Titeln wie Collapsing – Singvögel rückwärts oder Disaster – Lüüd Noma von der Kritik verrissen, von den Fans jedoch innig geliebt. Heute sind sie Raritäten und zählen zu den psychedelischen Höhepunkten des Krautrock-Genres. 1970 traten Amon Düül zum letzten Mal auf. (Quelle: wikipedia)

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Die Kommunarden von Amon Düül

Love is Peace! Das hier ist ein lupenreines Hippie-Album. Und man muss schon diese Art von gitarrenschrammeliger, freigeistiger Hippie-Musik mit viel Bongogetrommel und Flötentönen mögen, um diese Scheibe genießen zu können. Pink Floyd hatten auf ihrem Filmalbum More in Ansätzen schon die gleiche Richtung eingeschlagen. Auffällig ist zunächst einmal, dass es sich um ein stark akustisch geprägtes, meditatives Album mit einigen psychedelischen Verfremdungen handelt. Dies schafft schon eine andere, relaxtere, reinere Atmosphäre als auf dem wüsten, lärmigen Debut.
Und Atmosphäre ist denn auch das Stichwort unter dem man Para Dieswärts Düül hören sollte. Gerade das Wiederholungsmoment, das langsame Variieren der Motive, erzeugt magische, hypnotische Wirkung. Dabei verstehen es die Düüls dennoch – beispielsweise in dem jamartigen Longtrack den Übergang zur psychedelischen Spielstunde – ihre Musik im genannten Rahmen spannungsreich und innovativ zu gestalten.
Auf dem zweiten Album der Musikkommune sind übrigens nicht nur zwei Kollegen von Amon Düül II zu hören, sondern das Kollektiv um den Leopold-Bruder Ulrich und Helge Filanda ist ein komplett anderes als auf dem Debut. Vielleicht erklärt auch dies den Unterschied im Klangbild.
Para Dieswärts Düül ist ein Vehikel für eine Zeitreise. Aber darüber hinaus ist es auch ein sehr stimmungsvolles Stück Kraut, das man auch heute noch kontemplativ genießen kann. Mit oder ohne Droge, aber vielleicht mit Räucherstäbchen…? Und schön laut stellen. (Christian Rode)

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Also ganz so wohlwollend fällt meine Urteil nicht aus:

Okay, die Instrumentalpassagen können gelegentlich überzeugen (zuweilen sie allerdings auch mehr als kläglich) … die Gesangspassagen sind mitunter schauderhaft … da hilft auch das beste dope nichts mehr …

Dennoch: als historisches Artefakt einer aufbrechenden Zeit nicht unwichtig … ein breites Grinsen muss man sich ja nicht verkneifen …

Und: Da haben es dann Amon Düll II schon besser verstanden …

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Single Front+Back Cover

Besetzung:
Ella Bauer (harp, bongos)
Dadam (guitar, bass, vocals)
Helge Filanda (percussion)
Hansi (flute, percussion)
Lemur (percussion, guitar, vocals)
Ulrich Leopold (bass, piano, guitar, vocals)
Noam (percussion)

backcover

Titel:
01. Love Is Peace 17.13
02. Snow Your Thirst and Sun Your Open Mouth 9.28
03. Paramechanische Welt 7.40
+
04. Eternal Flow (Single A Seite) 4.13
05. Paramechanical World (Single B Seite)  5.44

Musik und Texte: Amon Düül

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