Christian Anders – Beat Gitarren Schule, Vol. 1 (1965)

FrontCover1Und jetzt steigen wir mal wieder ganz tief in den Keller der extremen Raritäten deutscher Musikgeschichte:

Es begab sich in jenen Tages des Jahres 1965, dass ein junger Mann namens Antonio Augusto Schinzel-Tenicolo sich daran machte, seinen Altersgenossen das Gitarrenspiel beizubringen, damit man auch ordentlich eine „Beat-Gitarre“ spielen konnte.

Und so erschien dann im gleichem Jahr die „Beat Gitarren Schule“ auf dem Label „Joker Schallplatten“.

Und ein kleiner Rückblick auf die frühen Jahre des Herrn Schinzel-Tenicolo:

Christian Anders (* 15. Januar 1945 in Bruck an der Mur, Deutsches Reich, heute Österreich als Antonio Augusto Schinzel-Tenicolo) ist ein österreichischer Schlagersänger, Musiker und Komponist. Er wirkt auch im Filmgeschäft und als Schriftsteller.

ChristianAnders1965Zum Kriegsende wanderten seine Eltern mit ihm nach Italien, der Heimat seines Vaters, aus. Die ersten neun Jahre seines Lebens verbrachte er auf der Mittelmeerinsel Sardinien, wo er in Cagliari eine italienische Klosterschule besuchte. Als er zehn Jahre war, zog seine Familie mit ihm nach Deutschland und lebte in einem Asylheim in Offenbach am Main. Anders schloss die mittlere Reife ab und begann eine Ausbildung zum Elektroinstallateur.

In seiner ersten Band Christian Anders and the Tonics spielte er Gitarre, sang in einem amerikanischen Klub und schloss sich einer Band an, mit der er umherreiste und sein erstes Geld verdiente. 1966 nahm er ein Tonband auf, schickte es an eine Plattenfirma und erhielt einen ersten Schallplattenvertrag. (Quelle: wikipedia)

Aber bevor er eben zu diesem ersten Schallplattenvertrag kam, hatte er bereits diese LP veröffentlicht:

Mit einer für sein Alter erstaunlichen Seriosität und Ernsthaftigkeit wird dem Hörer nun das kleine ABC des Gitarrenspiels erläutert. Das geht bei den Grundlagen los („Sie sehen hier eine sogenannte Halbresonanz Gitarre, die es Ihnen ermöglicht mit oder ohne Verstärkung zu spielen. Nachdem Sie sich die Erklärungen der Begriffe Hals, Kopf, Schallkörper, Schlagbrett, Bund, Tonabnehmer und Plektrum durchgelesen haben, wenden wir uns nun den 6 Saiten der Gitarre zu“)

Und so geht´s dann weiter. Heute klingt das ganze ziemlich schulmeisterlich („Ich hoffe Sie haben Ihre Lektion gelernt und können G7 und C-Dur einigermaßen greifen“), aber das erhöht den Amüsier-Faktor nur.

Und unweigerlich erinnert man sich an die ersten eigenen Gehversuche, so eine Beat-Gitarre zum klingen zu bringen. Verkrampfte Finger, hochroter Kopf und 07AVerzweiflung im Gesicht.

Immerhin kann man dann am Schluß der 40 Minuten die Begleitgitarre zu den Hits  „Green Green Grass Of Home“ (Tom Jones) und „Memphis Tennessee“ (Chuck Berry) spielen.

Und natürlich konnte sich dieses Projekt nur realisieren lassen, wenn der LP auch ein ausführliches Begleitheft beigelegt wurde, in dem man nicht nur die gesamten Texte nachlesen konnte, sondern auch viele Detailfotografieren das Lernen erleichtern sollten.

Von daher gesehen war das schon ein verdammt ambitioniertes Projekt, wenngleich es sicherlich kein sonderlich großer Erfolg war. Die LP wurde scheinbar von Framus Gitarrenbau unterstützt, denn Christian Anders spielt nicht nur auf einer Framus Gitarre, sondern es wurde der LP auch ein 6seitiger Framus-Katalog beigelegt.

Aber die Erfolge stellten sich für Christian Anders dann ja weniger Jahre später umso heftiger ein.

Und: wie sollte es anders sein, dass auch diese Rarität aus dem Fundes von Mr. Jancy stammen und ich mich mal wiederganz, ganz herzlich bei ihm für diese Leihgabe bedanken möchte !!! Einfach nur super !

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Besetzung:
Christian Anders (guitar)
+
ein paar Studiomusiker zur Begleitung bei „Green Green Grass Of Home“ und „Memphis Tennessee“

 

Titel:

Seite 1:
01. Lektionen 01 – 04

Seite 2:
02. Lektionen 05 – 08

Und hier noch ein paar Beispiele aus dem Beiheft:

10A
21A
23ADie angekündigte „nächste Folge“ der Beat-Gitarren-Schule ist dann übrigens nie erschienen.

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Übrigens, noch einfacher als der C-Dur Griff ist der E moll Griff zu spielen !

Verschiedene Interpreten – Weißt Du noch (70er Jahre)

FrontCover1Also, dieser Sampler, der unter dem Motto „Das teuerste Programm der Welt“ vermarktet wurde, ist schon eine besonders drollige Angelegenheit.

Das Album enthält „Goldene Schallplatten und Super-Oldies der 50er- und 60er Jahre“ und dabei ist eine höchst skurille Mixtur aus unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen entstanden.

Da ist zum einen das höchst laszive „Fever“ von Peggy Lee zu geniessen, um anschließend den albernen Fred Bertelmann mit seinem „Singenden Vagagund“ zu hören.

Im Prinzip hören wir hier eben jede Menge jener Lieder, die sich oftmals ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben wie z.B. „Milord“ von Edith Piaf oder „Ein Schiff wird kommen“ (Lale Andersen)

Aber dann auch Knaller wie den „Babysitter-Boogie“ (von dem unvergessenem Ralf Bendix) oder gar das exotische, weil aus Japan stammende „Sukiyaki“ Lied.

Ach … es gäbe ja so viel zu schreiben, zu vielen Liedern gäbe es zu viele persönliche Geschichten …

Aber, die Macher dieser LP schwankten wohl ein wenig hin und her: So etliche der Lieder (oder auch Schmachtfetzen) waren alles andere als Hits … Wer kennt z.B. die Chaplin Komposition „Konzert für Dirigent und Orchester“ inder Fassung des Das Hoffnung Sinfonie Orchester (anhören !), oder eine Alma Cogan, die den „Tennessee Waltz“ auf deutsch trällert … oder gar einen Hans-Arno Simon ?

Alma Cogan

Alma Cogan

Und zum anderen hat man all die Hits und Schlager so zusammengeschnitten, dass daraus letztlich nur kleine Appetithäppchen geworden sind … kein Wunder, wenn man versucht sage und schreibe 28 Lieder auf eine LP zu bringen.

Das nenn´ ich dann einen musikalischen coitus interruptus … oder aber auch: eine musikalische Reise der besonderen Art, die Lust darauf macht … so manch, so etliche der Künstler wieder mal genauer unter die Lupe zu nehmen … Belina, Esther Ofarim und Gilbert Becaud z.B. …

Und dann am Ende dieser abenteuerlichen, schon fast aberwitzigen Reise (bei der dann u.a. plötzlich auch noch Yehudi Menuhin & Stephane Grapelli auftauchen) dann auch noch das Lied „Kinderspiele“ von Esther Ofarim … und da taucht in meiner Erinnerung meine erste Ehefrau auf, die damals, in den 80er Jahren dieses Lied mit all ihrer mütterlichen Liebe unseren Töchtern immer und immer wieder vorgesungen hat …. und ich empfinde für all diese Stunden des gemeinsamen musizierens (ich war als Gitarrist beteiligt) tiefe Dankbarkeit.

Und so kommt es, dass ich dieses Album, so billig es auch konzipiert wurde (diese LP war Teil einer 5 LP´s umfassenden Box) , in mein Herz geschlossen habe.

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Titel:
01. Les Paul & Mary Ford: The World Is Waiting For The Sunrise (Seitz/Lockhart) 1.40
02. Die Schaumburger Märchensänger: Der fröhliche Wanderer (Müller/Siegesmund) 1.13
03. Hans-Arno Simon: Anneliese (Simon) 1.39
04. Peggy Lee: Fever (Davenport/Cooley) 1.30
05. Fred Bertelmann: Der lachende Vagabund (Lowe/Moesser) 1.34
06. Tony Renis: Quando, Quando, Quando (Renis/Testa) 1.37
07. Ralf Bendix und die kleine Elisabeth: Babysitter-Boogie (Parker/Relin) 1.09
08. Edith Piaf: Milord (Moustaki/Monnot) 1.37
09. Nat King Cole: Ramblin´Rose (J.Sherman/N.Sherman) 1.25
10. Lale Andersen: Ein Schiff wird kommen (Hadjidakis/Busch) 1.44
11. Kyu Sakamot: Sukiyaki (Ei/Nakamura) 1.46
12. Heino: Jenseits des Tales (Götz/Münchhausen) 1.40
13. Bobbie Gentry: Ode To Billie Joe (Gentry) 1.01
14. Christian Anders: Geh nicht vorbei (Heider/Relin) 1.40
15. Das Hoffnung Sinfonie Orchester: Konzert für Dirigent und Orchester (Chaplin) 1.04
16. 3 Travellers: Cement Mixer (Gaillard/Ricks) 1.40
17. Marlene Dietrich: Puff, der Zauberdrachen (Yarrow/Lipton/Oldorp) 1.40
18. Golden Gate Quartett: Joshua Fit The Battle Of Jericho (Traditional) 1.41
19. Yehudi Menuhin & Stephane Grapelli: Jealousy (Gade) 1.41
20. Liza Minelli: Gypsy In My Soul (Bolland(Jaffe) 1.59
21. Larry Adler: Le Rififi (Phillipe/Gérard) 1.36
22. Botho Lucas Chor: Danke (Schneider) 1.42
23. Alma Cogan: Tennessee Waltz (Stuart/King/Hansen) 1.42
24. Adamo: Inch´Allah (Adamo) 1.39
25. Belina: Man hat uns nicht gefragt (Hollaender) 1.44
26. Gilbert Becaud: Nathalie (Becaud/Delanoe) 1.38
27. The Beach Boys: Sloop John B. (Traditional) 1.03
28. Esther Ofarim: Kinderspiele (Ferstl/Heine) 1.34

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