Marlene Dietrich – Der blaue Engel (1930)

FrontCover1.jpgTja, wenn ein Film das Prädikat „legendär“ verdient, dann dieser  …:

Der blaue Engel ist ein deutscher Spielfilm. Er entstand in den Jahren 1929, 1930 unter der Regie von Josef von Sternberg für die UFA. Das Drehbuch des Films schrieben Carl Zuckmayer und Karl Gustav Vollmoeller sowie Robert Liebmann unter Mitwirkung des Autors nach dem Roman Professor Unrat von Heinrich Mann. Der Film zeigt Emil Jannings als Professor Immanuel Rath, einen älteren Lehrer, der sich in die von Marlene Dietrich gespielte Varietésängerin Lola Lola verliebt und daran zugrunde geht.

Die Uraufführung des Films fand am 1. April 1930 im Berliner Gloria-Palast statt. Die gleichzeitig mit denselben Schauspielern entstandene englische Fassung The Blue Angel wurde am 4. Juli in London uraufgeführt.

Und darum geht´s:

Immanuel Rath ist Gymnasialprofessor in einer deutschen Kleinstadt – ein pedantischer und verschrobener Mann, der unter seinen Schülern und stadtweit nur Unrat genannt wird. Eines Tages entdeckt er während des Unterrichts bei einem seiner Schüler eine Fotokarte einer Tingeltangel-Sängerin, die im Hafen-Varieté „Der blaue Engel“ ein Gastspiel gibt. Rath wittert sofort Unzucht und macht sich – aus rein pädagogischen Gründen, wie er sich selbst einzureden versucht – auf den Weg, um das verrufene Lokal in Augenschein zu nehmen.

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Lola Lola – so der Künstlername der Sängerin – ist mit Umziehen beschäftigt, als der Lehrer sie zur Rede stellt. Rath kann – zu seinem eigenen Erstaunen – die Augen nicht von der lasziven, aber gewöhnlichen Schönheit abwenden. Ein Dessous, das der völlig verwirrte Professor zu Hause in seiner Manteltasche findet, gibt ihm einen Grund, Lola wieder aufzusuchen. Er verfolgt eine ihrer Gesangsnummern, verbringt die Nacht mit ihr – und ist ihrem dubiosen Charme so sehr verfallen, dass er den Dienst quittiert, um sie zu heiraten.

Die Sängerin scheint ihrerseits vor allem an Raths Geld interessiert zu sein. Nachdem sein kleines Vermögen aufgebraucht ist, geht es mit der ohnehin merkwürdigen Verbindung bergab. Rath verkommt zusehends, bringt es aber nicht fertig, sich von seiner Frau zu trennen. Als die Truppe wieder in seiner Heimatstadt gastiert und Rath von der Sängerin und dem Zauberkünstler Kiepert zu einer entwürdigenden Clownnummer gezwungen wird, beobachtet er, wie Lola mit dem Artisten Mazeppa anbändelt. Wutentbrannt und tobsüchtig versucht er Lola zu erwürgen, jedoch halten ihn Mitartisten und freiwillige Helfer zurück und Mazeppa steckt ihn sogar in eine Zwangsjacke.

Nachdem er einige Zeit später wieder befreit wird, zieht es ihn zu seiner ehemaligen Schule in sein Klassenzimmer, in dem er festgekrallt am Katheder den Tod findet. (Quelle: wikipedia)

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Der Film thematisiert wohl einer der Urängste der männlichen Welt …  um Gottes Willen nur nicht einer Frau verfallen, die einen dann ins Verderben reißt !

Und natürlich zelebrierte die Marlene Dietrich ein gänzlich anderes Frauenbild als die damalige bürgerliche Welt einer Frau zugestehen wollte (na gut, im Bordell war das dann schon gewünscht…) und sie spielt diese Rolle mit einer verblüffenden Souveränität.

Und nicht nur der Film ist legendär, sondern auch all die Lieder, die Marlene Dietrich quasi als Motto ihres unmoralischen Treibens singt … quasi keck ohne Ende !

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Ja, ja … und ewig lockt das Weib (kolorierte Version des klassischen Filmmotivs)

Ich habe mal vier davon ausgewählt und als ne Art „EP aus dem Hause Riffmaster“ zusammengefasst.

Was soll ich schreiben: Ein Klassiker nach dem anderen … und bis heute unvergessen !

Und da beste daran ist dann noch, dass die Marlene Dietrich ne ganz klare Kante zeugte, als der braune Dreck sich in Deutschland breit machte.

Respekt und Bravo !

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Marlene Dietrich wirft eine Auge auf Friedrich Holländer

Besetzung:
Marlene Dietrich (vocals)
+
Friedrich Holländer und seine Jazz-Symphoniker

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Titel:
01. Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt (Holländer) 3.01
02. Nimm dich in acht vor blonden Frauen (Holländer) 3.12
03. Ich bin die fesche Lola (Holländer/Liebmann) 2.34
04. Kinder, heut‘ abend such ich mir was aus (Holländer/Liebmann) 2.38

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Brecht-Weill – Dreigroschenoper + Mahagony (Lewis Ruth Band mit Lotte Lenya; 1930) (1971)

FrontCover1Hier nun eine historische Rarität:

Die Dreigroschenoper ist ein Theaterstück von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill. Die Uraufführung fand am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin statt. Das „Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern“ wurde die erfolgreichste deutsche Theateraufführung bis 1933, einige Musiknummern wie die Moritat von Mackie Messer wurden Welthits.

Die Handlung kreist um den Konkurrenz- und Existenzkampf zwischen zwei „Geschäftsleuten“, dem Kopf der Londoner Bettelmafia (Peachum), der Bettler erpresst und sie so ausstattet, dass sie das Mitleid der Passanten erregen, und einem Verbrecher (Macheath), der gute Beziehungen zum Polizeichef (Brown) von London hat.

Ort und Zeit der Handlung: Das Stück ist in Soho, einem Londoner Stadtteil, der zum Zeitpunkt der Handlung von zwielichtigen Gestalten beherrscht wird, während des 18. Jahrhunderts angesiedelt. Eine Zeitangabe ist im Stück selbst nicht angegeben. Üblicherweise wird als Zeit 1728 – das Entstehungsjahr der Vorlage – angenommen, oder aber die Entstehungszeit der Dreigroschenoper selbst, also die 1920er Jahre.

„Sie werden jetzt eine Oper hören. Weil diese Oper so prunkvoll gedacht war, wie nur Bettler sie erträumen, und weil sie so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen können, heißt sie ‚Die Dreigroschenoper‘“. (Einleitender Text von Brecht zur Schallplatten-Aufnahme)

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Verlagseinband des Erstdruckes (1928)

Die „Dreigroschenoper“ ist eine Bearbeitung der Beggar’s Opera von John Gay (Text) und Johann Christoph Pepusch (Musik) aus dem Jahr 1728. Vorlage war die deutsche Übersetzung dieser Oper von Elisabeth Hauptmann, von der sich Brecht im Laufe der Arbeit allerdings immer weiter entfernte. Ursprünglich lautete die Bezeichnung: „Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel mit 9 Bildern nach dem Englischen des John Gay. Übersetzung: Elisabeth Hauptmann. Bearbeitung: Bertolt Brecht. Musik Von Kurt Weill“.Die Handlung des Stückes hat im weiteren Sinne einen historischen Hintergrund. Im 18. Jahrhundert gab es in London eine gut organisierte Verbrecherbande, deren Anführer Jonathan Wild war. Diese Bande hatte mehrere Abteilungen, die einerseits Diebstahl und Raub betrieben, andererseits den Opfern die Beute zum Wiederkauf anboten. Zum dritten wurden enge Beziehungen zur Polizei unterhalten und missliebige Komplizen ausgeliefert. Wild wurde 1725 in London hingerichtet. Diese Konstellation griff John Gay für seine Beggar’s Opera auf, Jonathan Peachum trägt in der Oper Züge des Jonathan Wild.

 

Die Dreigroschenoper ist – trotz des Namens, der an die Vorlage angelehnt ist – keine durchkomponierte Oper im engeren Sinn, sondern ein politisch engagiertes Theaterstück mit 22 abgeschlossenen Gesangsnummern, für die keine Opernsänger benötigt werden, sondern singende Schauspieler.

Die Idee zur Aufführung der „Dreigroschenoper“ entstand im Frühjahr 1928 im Zusammenhang mit der geplanten Wiedereröffnung des Berliner Schiffbauerdamm-Theaters (heute Spielort des Berliner Ensembles), für die Brecht dem neuen Direktor des Theaters, Ernst Joseph Aufricht ein halbfertiges Manuskript als erste Premiere für sein renoviertes Haus anbot. Aufricht, der von dem Stoff sofort angetan war, nahm ihn an – gar nicht wissend, dass er damit auch den jungen Komponisten Kurt Weill, den Brecht von Anfang an für die Vertonung der Texte vorgesehen hatte, mitverpflichtete. Aufricht zweifelte anfänglich, ob der für seine Atonalität bekannte Weill der richtige Mann für die Musik war. Brecht und Weill wollten gemeinsam eine neue Form des Musiktheaters entwickeln. Gemäß Brechts Idee vom „epischen Theater“ sollte das Geschehen auf der Bühne die Zuschauer nicht in eine illusionäre Welt hineinziehen, sondern sie vielmehr zur kritischen Reflexion anregen.

Die Dreigroschenoper konnte nur geschrieben werden, weil Brechts Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann 1926 Presseberichte über den anhaltenden Theatererfolg der wiederentdeckten Beggar’s Opera von John Gay gelesen hatte, die seit 1920 in London und anderen englischen Städten wiederaufgeführt wurde, und ihre Übersetzung Brecht vorlegte. Die im Bettlermilieu spielende Satire war bei ihrer Erstaufführung 1728 in London Stadtgespräch und brach bei ihrer Neuaufführung im Jahr 1920 mit fast 1500 Aufführungen alle Rekorde. Von März bis Mai 1928, erarbeiteten Brecht und Hauptmann gemeinsam eine erste Textfassung, einen großen Teil des Theaterstücks schrieb Hauptmann dann selbst, wurde aber später im Zuge der weltweiten Erfolgsgeschichte nie entsprechend genannt oder gewürdigt (das Programmheft der Uraufführung nennt noch: Die Dreigroschenoper von John Gay, übersetzt von Elisabeth Hauptmann in der Bearbeitung von Bert Brecht)

Besetzungszettel der Uraufführung.

Besetzungszettel der Uraufführung. Die Angabe von Lotte Lenya als Jenny fehlt.

Brecht geriet wegen der bevorstehenden Eröffnung des Theaters in Zeitdruck und beschloss, mit Weill zum Arbeiten für einige Wochen an die Riviera zu fahren. Doch vorher regelte er in einem Vertrag mit dem Verlag Felix Bloch Erben die Gewinnbeteiligung. Brecht bestand auf 62,5 Prozent. Weill erhielt 25, Elisabeth Hauptmann 12,5 Prozent. Im Juni und Juli arbeiten Brecht und Elisabeth Hauptmann dann an der französischen Riviera gemeinsam mit Weill und dessen Frau Lotte Lenya an der Endfassung.

Brecht benutzte für die Dreigroschenoper einige Lieder von François Villon, die in der Übersetzung von K. L. Ammer (Karl Anton Klammer) erschienen waren. Die Tatsache, dass er diese Quelle nicht angegeben hatte, veranlasste den Kritiker Alfred Kerr zu heftiger Kritik. Im Mai 1929 erhob er scharfe Vorwürfe gegen Brecht im Berliner Tageblatt. Brecht räumte daraufhin seine „Laxheit in Fragen geistigen Eigentums“ ein (betroffen waren rund fünf Prozent der Verse). Laut Friedrich Torberg (Die Tante Jolesch) musste Brecht an Klammer eine nicht unbeträchtliche Abschlagssumme zahlen, wofür dieser einen Weingarten erwarb und den dort gekelterten Wein „Dreigroschenwein“ nannte. Für die Neuausgabe der K.-L.-Ammerschen Villon-Ausgabe schrieb Brecht ein Sonett, das mit den Worten endete: „Nehm jeder sich heraus, was er grad braucht! Ich selber hab mir was herausgenommen …“Brecht hatte für die Oper ursprünglich den Titel Gesindel vorgesehen und sie im Juni 1928 unter dem Titel Die Ludenoper vom Verlag Felix Bloch Erben als Bühnenmanuskript vervielfältigen lassen. Erst Lion Feuchtwanger machte nach einem Probenbesuch den Vorschlag, das Stück Dreigroschenoper zu nennen.

 

Rudyard Kiplings Ballade Screw-Guns hatte Brecht zum Kanonen-Song angeregt. Die Quelle war: Kanonen (Rudyard Kipling) aus Balladen aus dem Biwak (übersetzt von Marx Möller); Vita Verlag, Berlin 1911.

Am 1. August 1928 war Probenbeginn am Theater am Schiffbauerdamm (Berlin) unter der Regie von Erich Engel. Die musikalische Leitung hatte Theo Mackeben; es spielte die Lewis Ruth-Band. Das Bühnenbild wurde von Caspar Neher entworfen. Besetzt waren: Harald Paulsen, Peter Lorre, Rosa Valetti, Carola Neher, Kurt Gerron, Kate Kühl, Ernst Busch und Naphtali Lehrmann. Kurt Weill trug zu Beginn seine Lieder vor und überzeugte den Regisseur Erich Engel und Direktor Aufricht, seiner Frau Lotte Lenya die Rolle der Spelunken-Jenny zu übertragen. In ihren Erinnerungen schrieb Lotte Lenya, dass die Produktion unter keinem guten Stern stand und in der Stadt Gerüchte über ein „völlig unzugängliches“ Stück, das Brecht geschrieben hätte, verbreitet wurden.

Bald begann eine Pechsträhne: Carola Nehers Mann, der Dichter Klabund, litt an Tuberkulose und musste nach einem Anfall in ein Sanatorium nach Davos. Als sich seine Lage verschlimmerte, brach Neher die Proben ab und fuhr zu ihm. Nach Klabunds Tod kam Neher am 18. August wieder nach Berlin zurück und wurde bei den Proben zweimal ohnmächtig, bis ihr ein Arzt das Auftreten untersagte. Später bekannte sie, dass sie Brechts Songs, die er teilweise von dem Französischen Dichter François Villon abgeschrieben hatte, nicht ertragen konnte, da Villon Klabunds Lieblingsdichter gewesen war. Eine Woche vor der Premiere übernahm Roma Bahn von ihr die Rolle der Polly.

Die letzten Tage vor der Premiere waren von Auseinandersetzungen zwischen dem Regisseur und dem Autor über die Songs geprägt, es wurde sogar vorgeschlagen, die Musik ganz zu streichen. Peter Lorre, der die Rolle des Jonathan Peachum spielen sollte, stieg aus, für ihn sprang kurzfristig Erich Ponto ein. Als der Regisseur Erich Engel nach einem Streit um den Schlusschoral entnervt das Handtuch warf, übernahm Brecht in letzter Minute selbst die Regie, außer ihm glaubte aber niemand mehr an eine Premiere. Harald Paulsen, der Darsteller des Mackie Messer, verlangte plötzlich eine bessere Einführung seiner Figur mit einem Lied, das auf sein Erscheinen vorbereiten sollte. Brecht schrieb einen Text und Weill vertonte ihn über Nacht: Es war die Moritat, die zum populärsten Lied des Schauspiels werden sollte. Eine weitere Panne passierte mit dem Besetzungszettel: der Name von Lotte Lenya, die die Jenny spielte, wurde versehentlich weggelassen.

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Lotte Lenya + Kurt Weill

Karl Kraus, der manchmal an den Proben zur Dreigroschenoper-Uraufführung teilgenommen hatte, steuerte während der Generalprobe die zweite Strophe des „Eifersuchtsduetts“ bei, da seiner Meinung nach das Publikum von einer nicht genug haben würde.

Die Uraufführung fand am 31. August 1928 statt und war einer der größten Erfolge der Theatergeschichte, allerdings nicht sofort. Zunächst herrschte eisige Stimmung und offensichtliche Ablehnung im Zuschauerraum. Erst mit dem Kanonensong brach das Eis. Beifallsstürme erklangen, das Publikum trampelte, der Song musste sogar wiederholt werden. Von da an wurde jeder Satz beklatscht und die Dreigroschenoper wurde zum größten Theatererfolg der Weimarer Republik.

Bereits im Januar 1929 wurde sie an 19 deutschen Theatern sowie in Wien, Prag und Budapest gespielt. Die eingängigsten Songs – Die Moritat von Mackie Messer, das Lied von der Seeräuber-Jenny oder die Ballade vom angenehmen Leben − wurden in der ganzen Stadt nachgepfiffen. Die Dreigroschenoper sollte später das erfolgreichste deutsche Stück des 20. Jahrhunderts werden. Allein zum Ende der Saison 1928/29 verzeichnete man 4000 Aufführungen in 200 Inszenierungen – schon damals ein Jahrhundertrekord. Elias Canetti schrieb später: „Es war eine raffinierte Aufführung, kalt berechnet. Es war der genaueste Ausdruck dieses Berlin. Die Leute jubelten sich zu, das waren sie selbst, und sie gefielen sich. Erst kam ihr Fressen, dann kam ihre Moral, besser hätte es keiner von ihnen sagen können. das nahmen sie wörtlich.“

1933 wurde »Die Dreigroschenoper« von den Nazis verboten. Das Stück war bis dahin in 18 Sprachen übersetzt und mehr als 10.000 Mal an europäischen Bühnen aufgeführt worden. Ihre erste Wiederaufführung im Nachkriegs-Berlin erlebte sie bereits im August 1945 am Hebbel-Theater mit Hubert von Meyerinck in der Hauptrolle. 1949 spielten die Münchner Kammerspiele eine von Brecht veränderte Fassung mit Hans Albers als Macheath.

Hannah Arendt behauptet in ihrem Buch Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft 1951, das Stück habe „das genaue Gegenteil von dem, was Brecht mit ihm gewollt hatte“ bewirkt – die Entlarvung bürgerlicher Heuchelei. Das „einzige politische Ergebnis des Stückes war, daß jedermann ermutigt wurde, die unbequeme Maske der Heuchelei fallen zu lassen und offen die Maßstäbe des Pöbels zu übernehmen.“ (Quelle: wikipedia)

Hier also die 1939 entstanden Schallplattenaufnahmen dieses Klassiker und zwar in der Uraufführungsbesetzung. Erstaunlich gut die Klangqualität. Und dies war nicht die einzige Wiederveröffentlichung.

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Alternatives Front + Back Cover

Als Zugabe gibt´s dann noch Auszüge aus der französichen Filmfassung (ebenfalls 1930) sowie aus der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ mit dem legendären Klassiker „Alabama Song“ (wer erinnert sich noch an die Fassung des Songs von den „Doors“) und dann auch noch die mir bis dato unbekannte „Ballade vom Seeman Kuttel-Daddeldu“.

Eigentlich könnte und müsste man ja noch viel mehr berichten … aber … Nur noch soviel:

Lotte Lenya, die als Kind von ihrem trunksüchtigen Vater jeden Tag verprügelt worden war, brachte es auf fünf Ehen (zwei mit Kurt Weill). Nach dem Tod Weills heiratete sie den schwulen Schauspieler George Davis, 1962 (mit 64 Jahren) den 27 Jahre jüngeren Maler Detwiler. Von ihrem letzten Ehemann, der wie die beiden davor alkoholkrank war, ließ sie sich 1973 nach zwei Jahren scheiden.

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Bertolt Brecht – Lotte Lenya – Kurt Weill

Besetzung:
Lewis Ruth Band – Jazzorchester unter der Leitung von Theo Mackeben
+
Kurt Gerron (Ausrufer)
+
Gesang bei 01. – 13.:
Erika Helmke – Lotte Lenja – Erich Ponto – Willy Trenk-Trebitsch (vocals)

Gesang bei 14. – 17:
Albert Préjean – Jacques Henley – Margo Lion

Gesang bei 18. + 19:
Lotte Lenja – The Three Admirals

Gesang bei 20.:
Kurt Gerron (mit Orchester)

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Titel:

Die Dreigroschenoper, Auszüge (aufgenommen. 7.12.1930):

1. Akt:
01. Ouvertüre und Moritat von Mackie Messer 2.09
02. Seeräuberjenny 3.15
03. Kanonensong 1.34
04. Liebeslied 1.49
05. Barbarasong 2.08
06. Erstes Dreigroschen-Finale

2. Akt:
07. Abschied 1.27
08. Zuhälterballade 1.43
09. Ballade vom angenehmen Leben 1.21
10. Eifersuchtsduett 1.23
11. Zweites Dreigroschen-Finale 2.10

3. Akt:
12. Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens 1.36
13. Moritat und Schlusschoral 3.21

Aus der französischen Fassung des Dreigroschen-Films (aufgenommen 27.11.1930):
14. Chant des Canons (Kanonensong) 2.19
15. Chant d’amour (Liebeslied) 3.03
16. Tangoballade Zuhälterballade) 3.25
17. Ballade de la vie agréable (Ballade vom angenehmen Leben) 2.06

Aus „Mahagonny“ (aufgenommen 24.2.1930):
18. Denn wie man sich bettet so liegt man 3.02
19. Alabama Song 3.07

Die Ballade Vom Seemann Kuttel-Daddeldu (aufgenommen 5.9.1930):
20. Die Ballade Vom Seemann Kuttel-Daddeldu (Grosz/Ringelnatz) 5.58

Texte: Bertolt Brecht
Musik: Kurt Weill

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MeineFrau

Comedian Harmonists – Ein guter Freund + 3 (1965)

FrontCover1„Veronika, der Lenz ist da“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“ – das sind heute Klassiker. Sie überlebten auch die Nachkriegszeit. Zu dieser Zeit waren ihre Interpreten, die Comedian Harmonists, fast vergessen. Die Karriere der unerhört erfolgreichen Sängergruppe war 1935 von den Nazis endgültig unterbunden worden: Drei der sechs Mitglieder waren Juden.

„Jetzt werden wir ganz albern: Ga-ga-gack-gack-gack-gack-gack …“

Auch hinter dem Gackern eines Huhns steckt sehr viel Arbeit, wenn fünf Stimmen und ein Klavier es so perfekt und komisch intonieren wie die Comedian Harmonists. Mit der auf absolute Präzision gebauten Leichtigkeit ihrer Lieder machten sie Weltkarriere, just zu der Zeit, als der Himmel sich über Deutschland und der Welt verdunkelte – unter den Klängen heiterer Nonsens-Schlager.

Das alles ahnte kein Mitglied der kleinen, noch vorläufig zusammengesetzten Sängertruppe, die sich am 29. Dezember 1927 in Berlin gründete. Ihr Erfinder war – auch wenn das später, in weniger harmonischen Zeiten, strittig werden sollte – der 21-jährige Harry Frommermann: „Der gar nicht singen konnte, und trotzdem Töne von sich gab“, wie der Pianist Erwin Bootz viele Jahre später freundlich lästerte. Frommermann hatte ein Vorbild: die US-amerikanische A Capella-Gruppe „Revellers“. Artistische Wunder, gegründet auf penibelste Tongenauigkeit, Artikulation und Stimmengleichheit.

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Comedian Harmonists (Ensemble, v.l.n.r): Robert Biberti (Bass), Erich A. Collin (2. Tenor), Erwin Bootz (Pianist), Ari Leschnikoff (1. Tenor), Roman Cycowski (Bariton), Harry Frommermann (3. Tenor)

So etwas wollte der – übrigens hochmusikalische – Frommermann auch haben. Von seiner Anzeige im Berliner Lokalanzeiger erzählte er selbst: „Achtung, selten: Sänger gesucht, Tenöre, Bässe, nicht über 24 Jahre“

Trotz der verhältnismäßig guten Konjunktur des Jahres 1927 gab es in Berlin Heerscharen hungriger Künstler. Circa 70 von ihnen standen also tags darauf vor Frommermanns eiskalter Dachwohnung auf der Treppe bis zur Straße hinaus. Nur ein einziger schien singen zu können: Robert Biberti. Der kannte immerhin andere Sänger, Chor-Profis, die sich von Frommermanns Arrangements im Stil der Revellers überzeugen ließen. Alle ahnten: Hier lag die Chance, aus der großen Masse schlecht bezahlter Künstler aufzusteigen.

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„Wir haben gearbeitet, Tag und Nacht, acht Monate, hier, vor der Vorstellung, nach der Vorstellung, sogar haben wir hier in der Garderoben abends später geschlafen bis zum nächsten Tag“, erinnerte sich Ari Leschnikoff.
Etwas E-Musik zwischendurch besser

Ein paar zwischenmenschliche Klärungen später stand das Personal der Comedian Harmonists fest. Erster und zweiter Tenor: Ari Leschnikoff und Erich Collin, Bariton: Roman Cycowski, Bass: Robert Biberti, Tenor-Buffo: Harry Frommermann, zuständig für musikalische Faxen und Lautmalerei. Dazu der konzertreife Pianist Erwin Bootz, der auch gern Arrangements schrieb, zum Beispiel das Boccherini-Menuett.

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Während die Revellers nur Jazz und Schlager sangen, wussten die Comedian Harmonists, dass sich im kulturstolzen Deutschland etwas E-Musik zwischendurch besser machen würde. 1928 gelang auf der Bühne des Berliner Schauspielhauses der Durchbruch. Die Jahre des Erfolgs begannen, mit Filmauftritten, mit Tourneen durch ganz Europa und darüber hinaus, mit Geld, Geltung und Groupies.

„Das Wichtigste war die Comedian Harmonists, nicht Biberti, nicht Frommermann, die Comedian Harmonists“, sagte der Bariton Roman Cykowski viel später, im schmerzlichen Rückblick auf das wenig harmonische Ende der Gruppe. Die geriet mit ihren drei jüdischen Mitgliedern Cykowski, Frommermann und Collin nach 1933 unter Druck. Noch zwei Jahre schützte sie ihre immense Beliebtheit, die sie auch bei Nazis genossen, aber die größere Linie gaben andere vor: Leute wie der Reichsrundfunkintendant Heinrich Glasmeier.

Heinrich Glasmeier

Heinrich Glasmeier: Am 4. Mai 1945 flüchtete Glasmeier vor den anrückenden US-Truppen und ist seitdem verschollen. Abweichend von dieser Darstellung gibt Ernst Klee den 31. Januar 1945 als Todesdatum an

1935 nützte der Gruppe auch ihre Pflege des deutschen Volkslieds nichts mehr. Es folgten die Trennung, die Emigration der jüdischen Mitglieder, der lange Weg in die Vergessenheit. Erst in den 70er-Jahren brachte ein Film von Eberhard Fechner die verstreuten Comedian Harmonists und ihre Geschichte zurück, inklusive ihrer traurigen Zwistigkeiten um Namensrechte und Geld. Aber auch ihre Musik. (Beatrix Novy)

Nicht vergessen darf aber auch der Film „Comedian Harmonists“ (1997) des Regisseurs Joseph Vilsmaier.

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Hier nun mal zum Einstieg in die Welt der Comedian Harmonists eine EP aus dem Jahr 1965 (entstanden sind sie samt und sonders im Jahr 1930). Ursprünglich waren diese Zusammenstellung von 4 Liedern bereits 1957 erschienen und zwar im Rahmen der kleinen Serie „Unvergänglich – Unvergessen“:

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Nun denn, man möge den albernen a-capella Klängen lauschen und sich ob der Albernheit erfreuen … Angesichts der dann damals bald eintretenden Tragödien fällt einem das nicht immer so ganz leicht … klingt wie so ein Tanz auf dem Vulkan.

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Besetzung:
Robert Biberti (Bass)
Erich Collin (Tenor)
Roman Cycowski (Bariton)
Harry Frommermann (Tenor-Buffo)
Ari Leschnikoff (Tenor)
+
Erwin Bootz (piano)

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Titel:
01. Wochenend und Sonnenschein (Ager/Amberg) 3.11
02. Veronika, der Lenz ist da (Jurmann/Rotter) 2.33
03. Liebling, mein Herz läßt dich grüßen (Heymann/Gilbert) 3.17
04. Ein Freund, ein guter Freund (*) (Heymann/Gilbert) 2.20

(*) aus dem Film „Die Drei von der Tankstelle“, 1930

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Reichsmusikkammer

 

Billy Mo – Wenn die Elisabeth (nicht so schöne Beine hätt´) + Wenn ich die blonde Inge (1960)

FrontCover1Und jetzt ein wenig Platz für ein ganz besonderes Unikum der deutschen Schlagerszene in den 60er Jahren:

Prof. Dr. Peter Mico Joachim
Wer?
Die Rede ist von Billy Mo, der am 22. Februar 1923 auf Trinidad geboren wurde und von dem kaum jemand weiß, dass er diese Titel und Namen trägt.
Billy Mo, unter diesem Pseudonym machte sich der Musiker einen Namen. Als Waise aufgewachsen, verschlug es ihn 1945 als (exzellenten!) Trompeter nach London, wo er unter anderem mit Stars wie Winifred Atwell und der Ivor Curzon Band auftrat. 1956 kam Mo nach Hamburg. In der Folgezeit entstanden hochwertige Swing-Einspielungen; sie unterstrichen nachdrücklich das außergewöhnliche solistische Können des Musikers, das bis heute viel zu selten gewürdigt wurde.
Seine Qualität als Trompeter bewies er auch für Bert Kaempfert: Das wundervolle Solo auf dessen gefühlvollem, unvergessenem Hit „Mitternachts-Blues“ (1958) spielte Billy Mo. Im selben Jahr begann Mo dann mit deutschsprachigen Swingaufnahmen. Ab 1960 gelangen ihm Hitparaden-Erfolge wie: „Wenn die Elisabeth“ (1960), „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ (Platz 1, 1963), „Bierdeckel-Polka“ (1963), Das „Humbta-Täterä“ (1964) und „Der Salontiroler“ (1964). Drei Jahre später gehörte Mo zu den künstlerischen Gästen der ersten Farbsendung im deutschen Fernsehen.
Auch wenn danach die Zeit der Hits vorüber war, konnte man Mo immer wieder bei Oldie-Veranstaltungen mit seinem unverwüstlichen Tirolerhut-Schlager antreffen. Das Privatleben des stets freundlichen, ungekünstelten und zurückhaltenden Stars sorgte nie für Aufsehen. Mit Ehefrau Sylvia wohnte er in den letzten Jahren in Wunstorf bei Hannover. Im Dezember 2001 traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag: Mo war in seinem Haus zusammengebrochen und erlitt eine Gehirnblutung, nachdem er wenige Stunden zuvor noch auf der Bühne gestanden hatte. Am 4. Juli 2002 verlieh ihm der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel das Bundesverdienstkreuz für sein Leben und Wirken.

Billy Mo verstarb am 16.7.2004 an den Folgen eines Herzversagens. (Quelle: Oldieforum)

Live

Oder auch:

Wohl kaum ein anderer Schlagersänger der 60er Jahre ist so sehr mit einem Kleidungsstück verbunden wie Billy Mo. Mit Titeln wie „Das Fräulein Gerda“ oder „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ hat der karibische Jazz-Trompeter im Nachkriegsdeutschland schon einige Hits gelandet, da wird er 1962 mit seinem Sensationserfolg „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ zum Unterhaltungsstar.

Das Lied beschert Mo nicht nur einen Nummer-eins-Hit, sondern auch sein Markenzeichen. Von nun an ist er fast nur noch mit Trompete – und eben einem „Tirolerhut“ – zu sehen.

Geboren wird Billy Mo am 22. Februar 1923 unter dem Namen Peter Mico Joachim auf Trinidad. Sein Vater ist ein deutscher Offizier, der in Kamerun stationiert ist. Groß wird Mo in einem Waisenhaus auf Trinidad. Auf der Karibikinsel sammelt er als Musiker auch erste Banderfahrungen.

GrabsteinMitte der 40er Jahre geht Mo nach London, um an der dortigen Musikhochschule Trompete und Gesang zu studieren. 1953 promoviert er dort. Ein Jahr später übersiedelt er nach Hamburg, wo er als Jazz-Trompeter auf sich aufmerksam macht. In der Komödie „Drillinge an Bord“ mit Heinz Erhardt und Trude Herr hat er 1959 einen Auftritt als Bordmusiker und Kleinkrimineller. In der Folge erobert er sich im schunkelsüchtigen Nachkriegsdeutschland einen festen Platz im Unterhaltungsrepertoire.

Dabei wird der promovierte Musiker als „Negerstar“ oftmals auf alkoholgeschwängerte humoristische Clownerien und exotische Zweideutigkeit abonniert – und eben auf sein Markenzeichen. „Wenn ich die blonde Inge (… abends nach Hause bringe)“, „Herr Wirt, wo ist mein Hut“ oder „Zu viel Rum unterm Hut“ lauten einige der Titel, mit denen er Erfolge feiert.

An den Erfolg von „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ kann Mo ein Jahr später mit „Humba Täterä“ anknüpfen – einem Karnevalsschlager von Toni Hämmerle, den er mit der Mainzer Karnevalsikone Ernst Neger einspielt. Nebenbei tritt er aber immer wieder, von der breiten Öffentlichkeit unbeachtet, auch in Jazzklubs auf.

2002 wird Billy Mo das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Da hat er bereits einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich nie mehr richtig erholen wird. Er stirbt 2004 in Hannover im Alter von 81 Jahren an Herzversagen. Seinen Grabstein schmückt eine Trompete – und ein Tirolerhut. (Quelle: WDR)

Und wenn ich das recht überblicke hat mit „Wenn die Elisabeth (nicht so schöne Beine hätt´)“ seine dritte Single veröffentlicht. Und: beide Lieder sind ja eigentlich Lieder aus der Weimarer Republik und deshalb habe ich es mir erlaubt, die Original-Versionen als Ergänzungen in das kleine Päckchen zu packen.

Dann wünsch´ ich mal vergnügtes Schmunzeln …

BillyMo

Besetzung:
Billy Mo (vocals, trumpet)
+
Sammy Bird und sein Orchester

BackCover1

Titel:
01. Wenn die Elisabeth (nicht so schöne Beine hätt´) (Katscher/Farkas/Herczeg) 2.42
02. Wenn ich die blonde Inge (nach Hause bringe) (Schwarz) 2.12
+
03. Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt‘ (Austin Egen – 1930) (Katscher/Farkas/Herczeg) 2.28
04. Wenn ich die blonde Inge nach Hause bringe (Dajos Béla – 1929) (Schwarz) 2.58

LabelB1

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AustinEgenSchellack

Das Original aus dem Jahr 1930