Rudi Schurike – Zärtliche Serenaden (ca. 1955)

FrontCover1Also, der Rudi Schurike war schon der klassische Schnulzensänger:

Rudi Schuricke (geborener Erhard Rudolf Hans Schuricke; * 16. März 1913 in Brandenburg an der Havel; † 28. Dezember 1973 in München) war ein deutscher Sänger und Schauspieler. Er trat zeitweise auch unter den Pseudonymen Michael Hofer und Rudolf Erhard auf. Von Freunden und Kollegen wurde er später, als er bereits erfolgreich war, oft Rudicke gerufen.

Aus beruflichen Gründen (sein Vater wurde Militärkapellmeister) zog die Familie Schuricke nach Königsberg. Dort besuchte Rudi Schuricke auch die Schule. Danach machte er eine Ausbildung zum Drogisten und arbeitete nebenbei als Zeitungsverkäufer und Chauffeur. Zudem studierte er Gesang und nahm Schauspielunterricht.

Durch Zufall kam er zu einem Gesangsengagement. Als bei einer Live-Radiosendung ein Mitglied der Kardosch-Sänger (einer Gruppe seines Gesangslehrers Istvan Kardos) ausfiel, sprang er ein und blieb von da an bis zur Emigration von Istvan Kardos bei der Gruppe. Die Besetzung bestand aus Zeno Costa (1. Tenor), Rudi Schuricke (2. Tenor), Fritz Angermann (Bariton), Paul von Nyiri (Bass) und Istvan Kardos (Piano).

RudiSchurike011931 erhielt Schuricke das Angebot, bei den Comedian Harmonists mitzusingen. Doch da der 18-jährige gerade selbst eine eigene Gesangsgruppe gegründet hatte, lehnte er ab. Nachdem er zuvor einige Zeit bei den Spree Revellers gesungen hatte, bildete er 1936 das Schuricke-Terzett. Rudi Schuricke sang auch allein als Refrainsänger bei zahlreichen Orchestern (etwa dem von Max Rumpf) und lieh seine Stimme Schauspielern, die in Revuefilmen auftraten.

1949 schließlich hatte er mit dem von Gerhard Winkler komponierten Tangolied Capri-Fischer einen seiner größten Erfolge. Mit diesem Titel erhielt er als einer der ersten Interpreten Deutschlands nach dem Krieg eine Goldene Schallplatte. Mit weiteren Titeln wie „O mia bella Napoli“, „Frauen und Wein“, „Frühling in Sorrent“, „Florentinische Nächte“ und dem selbstkomponierten „Tarantella“ errang er in den 1950er Jahren Spitzenplätze in den Hitparaden.

Mit der aufkommenden Rockmusik und dem Verschwinden der Schellackplatten verschwand Rudolf Schuricke allmählich von der Schlagerbühne. Er arbeitete nun als Hotelier und betrieb einen Waschsalon in München. Nur kurz, aber sehr erfolgreich war ein versuchtes Comeback im Jahre 1970. Mit zwei Melodien von James Last „So eine Liebe gibt es einmal nur“ und „Wenn der Schnee fällt auf die Rosen“ erklomm er noch einmal die Hitparade. Er starb 1973 in München im Alter von 60 Jahren und wurde auf dem Friedhof in Herrsching am Ammersee beigesetzt. (Quelle: wikipedia)

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Rudi Schurike … Der ewige Charmeur

Wer sich mal einen Eindruck verschaffen will, mit wieviel schmachtendem Schmalz damals musiziert und gesungen wurde … kann dies nun bei einem wahrem Großmeister dieses Genres tun. Italien und die Seefahrt sind mehr als einmal thematisch bearbeitet und ich kann mir schon vorstellen, dass bei der damaligen Damenwelt sich da die Herzen weit öffneten …

Meine EP steckt in einer komischen Plastikhülle … und eigenartigerweise erfährt über diese Polydor-Schallplatte (LPH 45 043) in den diversen Quellen, die es ja nun gibt, so gar nichts … hm.

Aber bei „Es war in Monte Carlo“ und „Wovon träumst du, Tatjana“ hört man dann auch noch den unvergessenen Helmut Zacharias auf seiner schmelzenden Violine … Herz, was will der Nostalgiker noch mehr ?

Als bonus habe ich dann die Neufassung von „Frauen und Wein“ aus dem Jahr 1972 beigefügt.

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Rudi Schurike (vermutlich Anfang der 70er Jahre)

 

Besetzung:
Rudi Schurike
+
Alfred Hause mit seinen Tanz-Streichsolisten
RIAS Tanzorchester Berlin unter der Leitung von Werner Müller
Helmut Zacharias mit seinem großem Tanz-Streichorchester

RIAS Tanzorchester

Das RIAS Tanzorchester unter der Leitung von Werner Müller

 

Titel:
01. Das Märchen unserer Liebe (San Marco Glocken) (Jelinek/Harden/Pflanzer/Feltz) 2.59
02. Frauen und Wein (Italienische Eselsfahrt) (Winkler(Hoff) 2.27
03. Dreh dich noch einmal um (Gaze/Balz) 3.28
04. Wenn du fortgehst von mir (Carson/Werner) 3.02
05. Es war in Monte Carlo (Rust) 3.41
06. Im Hafen der Sehnsucht (Gaze/Feltz) 3.25
07. Wovon träumst du, Tatjana (Grothe/Balz) 4.01
08. Bon soir, Madeleine (Gasté/Balz) 2.25
+
09. Frauen und Wein (Italienische Eselsfahrt) (Neufassung 1972) (Winkler(Hoff) 3.17

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Walther R. Schuster – Concerto in G Dur + Präludium und Fige in C Dur (Bach) (1955)

FrontCover1Eine feine alte Scheibe … eingespielt von dem Kirchenorganisten Walther R. Schuster:

Walther R. Schuster (* 17. November 1930 in Eger; † 30. April 1992 in Passau) war ein deutscher Organist und Komponist. Er wirkte von 1952 bis 1992 als Domorganist an der Domorgel des Passauer Domes, der damals größten Kirchenorgel der Welt.

Schuster wurde in Eger, dem heutigen Cheb, als Sohn des damaligen städtischen Kirchenmusikdirektors geboren. Von 1948 bis 1950 studierte er an der Fachakademie für Katholische Kirchenmusik in Regensburg (Orgel bei Franz Xaver Lehner, Klavier bei O. Sigmund, Gregorianik und Dirigieren bei Ferdinand Haberl, Kontrapunkt bei N. Stannek). Von 1950 bis 1952 war er Organist an der St.-Moritz-Kirche (Ingolstadt). Ab 1951 studierte er erneut Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater München. In seinem Hauptfach Orgel wurde er von Karl Richter, einem Schüler Karl Straubes unterrichtet, in Kontrapunkt von Karl Höller, Klavier bei Fritz Linden.

Walther R. Schuster01Noch während seiner Studienzeit wurde er 1952 – außerhalb des eigentlichen Berufungsverfahrens – als Domorganist an die Passauer Domorgel berufen, nachdem der Gewinner des eigentlichen Auswahlspiels Franz Lehrndorfer abgesagt hatte. Schuster war Mitglied der Innviertler Künstlergilde. 1959 heiratete er die Sopranistin Hedy Bogner, die schon 1969 plötzlich verstarb. Sie hinterließ Schuster die Tochter Gaby. 1972 heiratete Schuster die Sekretärin Maria Beer. Neben dem liturgischen Orgelspiel hatte Schuster während des Sommers tägliche halbstündige Orgelkonzerte für Touristen zu spielen, für die er über 70 Konzertprogramme zusammengestellt hatte.

Als ab 1975 im Zuge der Domrenovierung auch die Orgel neu erbaut werden sollte, schlug Schuster zunächst eine 70 Register große Hauptorgel, die Rekonstruktion der spätgotischen Pfeilerorgeln, die Mechanisierung der Chororgel und den Abbau der Fernorgel vor. Da die Orgel damit den Status als größte Kirchenorgel der Welt verloren hätte, musste sich Schuster jedoch stärkeren Interessen beugen.

1992 bat er um vorzeitige Entlassung aus dem Dienst. Sein Nachfolger wurde am 1. März Hans Leitner, ein Schüler seines früheren Mitbewerbers Franz Lehrndorfer. Er verstarb nur wenige Wochen später am 30. April in Passau an akutem Kreislaufversagen. Er ist auf dem Innstadtfriedhof begraben. (wikipedia)

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Nun gut, der Kenner weiß natürlich, dass die Orgelkompositionen von Bach zu den Meisterwerken der klassischen Orgelmusik zählen.

Interessant ist aber die Geschichte von dem „Concerto in G für 2 Manuale und Pedal“

Das Concerto in G für 2 Manuale und Pedal wurde Jahre hindurch für die Bachsche Umarbeitung für die Orgel eines Violinkonzertes von Vivaldi gehalten. Neuere Forschungen weisen aber eindeutig daraufhin, daß die Vorlage ein Violinkonzert des Herzogs Johann Ernst von Sachsen-Weimar (1696 – 1715) ist. Dieser junge Fürst verschied kaum 19jährig zu Frankfurt am Main nach einer langen Krankheit.

Herzog Johann Ernst war ein persönlicher Freund Bachs. Im vorliegenden Werk ist von einer getreuen Übertragung keineswegs die Rede. Bach greift die Themen auf und entwickelt sie nach eigenem Ermessen. Was durch Bachs Hände gegangen ist, trägt nunmal den Stempel seines Genies, gleichgültig, ob es sich um ursprüngliches oder anderweitig entnommenes Gedankengut handelt. (Paul Douliez, Hüllentext)

Ein Lob der Musikforschung und ein Lobauf diese Musik !

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Besetzung:
Walther R. Schuster (organ)

Kirchenorgel Dom Passau

Titel:

Concerto in G für 2 Manuale und Pedal: 
01. Allegro (Bach/Ernst) 4.02
02.Grave (Bach/Ernst) 3.07
03. Presto (Bach/Ernst) 2.35

04. Präludium und Fuge in C-Dur (Bach) 10.59

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Anna Seghers – Das siebte Kreuz (Hörspiel) (1955 / 1968)

FrontCover1Zurück aus Rhein Hessen … und es war ein sehr intensiver Urlaub, ein Urlaub von dem wir z.B. durch das Wetter verwöhnt wurden, aber auch ein Urlaub, der mich tief eintauchen ließ in die deutsche Geschichte – von der Nibelungen-Sage bis hin, ja bis hin zum KZ Osthofen – und in diesem sehr speziellem KZ (es existierte „nur“ bis 1934) stieß ich auf Anna Seghers:

Anna Seghers (* 19. November 1900 in Mainz; † 1. Juni 1983 in Ost-Berlin; gebürtig Netty Reiling, verheiratet als Netty Radványi) war eine deutsche Schriftstellerin.

Anna Seghers war das einzige Kind des Mainzer Kunst- und Antiquitätenhändlers Isidor Reiling und seiner Frau Hedwig (geb. Fuld). Ihr Großvater mütterlicherseits war der Frankfurter Rechtsanwalt Salomon Fuld. Der Vater war Mitglied und anteiliger Bauträger der 1879 eingeweihten neuorthodoxen Synagoge in der Flachsmarktstraße. Sie besuchte ab 1907 eine Privatschule, dann ab 1910 die Höhere Mädchenschule in Mainz, das heutige Frauenlob-Gymnasium. Im Ersten Weltkrieg leistete sie Kriegshilfsdienste. 1920 absolvierte sie das Abitur. Anschließend studierte sie in Köln und Heidelberg Geschichte, Kunstgeschichte und Sinologie. 1924 promovierte sie an der Universität Heidelberg mit einer Dissertation über Jude und Judentum im Werk Rembrandts.

1925 heiratete sie den aus einer jüdischen Familie stammenden ungarischen Soziologen László Radványi, der sich von da an Johann Lorenz Schmidt nannte. Mit ihm hatte sie zwei Kinder. Das Ehepaar zog nach Berlin, wo es von 1925 bis 1933 im Bezirk Wilmersdorf wohnte. 1926 wurde der Sohn Peter geboren, der heute Pierre Radványi heißt. In der Weihnachtsbeilage 1924 der Frankfurter Zeitung hatte die junge Autorin ihre erste Erzählung Die Toten auf der Insel Djal mit Antje Seghers signiert. Die Erzählung Grubetsch erschien 1927 unter dem Künstlernamen Seghers (ohne Vornamen), worauf Kritiker einen Mann als Autor vermuteten. Das Pseudonym entlieh sie dem von ihr geschätzten niederländischen Radierer und Maler Hercules Seghers (der Name wurde auch Segers geschrieben).

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1928 wurde Tochter Ruth geboren. In diesem Jahr erschien auch Seghers’ erstes Buch Aufstand der Fischer von St. Barbara unter dem Pseudonym Anna Seghers. Für ihr Erstlingswerk erhielt sie auf Vorschlag von Hans Henny Jahnn noch im selben Jahr den Kleist-Preis. Ebenfalls 1928 trat sie der KPD bei und im folgenden Jahr war sie Gründungsmitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. 1930 reiste sie erstmals in die Sowjetunion. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Anna Seghers kurzzeitig von der Gestapo verhaftet; ihre Bücher wurden in Deutschland verboten und verbrannt. Wenig später konnte sie in die Schweiz fliehen, von wo aus sie sich nach Paris begab.

Im Exil arbeitete sie an Zeitschriften deutscher Emigranten mit, unter anderem als Mitglied der Redaktion der Neuen Deutschen Blätter. 1935 war sie eine der Gründerinnen des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller in Paris. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Einmarsch deutscher Truppen in Paris wurde Seghers’ Mann in Südfrankreich im Lager Le Vernet interniert. Anna Seghers gelang mit ihren Kindern die Flucht aus dem besetzten Paris in den von Philippe Pétain regierten Teil Südfrankreichs. Dort bemühte sie sich in Marseille um die Freilassung ihres Mannes sowie um Möglichkeiten zur Ausreise. Erfolg hatten ihre Bemühungen schließlich beim von Gilberto Bosques geleiteten mexikanischen Generalkonsulat, wo Flüchtlingen großzügig Einreisegenehmigungen ausgestellt wurden. Diese Zeit bildete den Hintergrund des Romans Transit (erschienen 1944).

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Gedenktafel am Haus Anna-Seghers-Straße 81, in Berlin-Adlershof

Im März 1941 gelang es Anna Seghers, mit ihrer Familie von Marseille aus über Martinique, New York, Veracruz nach Mexiko-Stadt auszuwandern. Ihr Mann fand dort Anstellung, erst an der Arbeiter-Universität, später auch an der Nationaluniversität. Anna Seghers gründete den antifaschistischen Heinrich-Heine-Klub, dessen Präsidentin sie wurde. Gemeinsam mit Ludwig Renn rief sie die Bewegung Freies Deutschland ins Leben und gab deren gleichnamige Zeitschrift heraus. 1942 erschien ihr Roman Das siebte Kreuz – in einer englischen Ausgabe in den USA und auf Deutsch in Mexiko. Im Juni 1943 erlitt Anna Seghers bei einem Verkehrsunfall schwere Verletzungen, die einen langen Krankenhausaufenthalt notwendig machten. 1944 verfilmte Fred Zinnemann Das siebte Kreuz – der Erfolg von Buch und Film machten Anna Seghers weltberühmt; nach ihrem Tod machte Hans Werner Henze diesen Roman 1996 in einer Nachdichtung von Hans-Ulrich Treichel zur Grundlage seiner 9. Sinfonie.

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Anna Seghers mit Georg Lukacs auf der „Welt Friedenskonferenz“, Paris, 1949

1947 verließ Seghers Mexiko und kehrte nach Berlin zurück, wo sie anfangs als Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands in West-Berlin lebte. Auf dem Ersten Deutschen Schriftstellerkongress im Oktober 1947 hielt sie eine viel beachtete Rede über das Exil und den Freiheitsbegriff. In diesem Jahr wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. 1950 zog sie nach Ost-Berlin und wurde zum Mitglied des Weltfriedensrates und zum Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste berufen. Im Jahr 1951 erhielt sie den Nationalpreis der DDR und unternahm eine Reise in die Volksrepublik China. 1952 wurde sie Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR und blieb es bis 1978. 1955 zogen Anna Seghers und ihr Mann in die Volkswohlstraße 81 (seit 1984 Anna-Seghers-Straße) in Berlin-Adlershof, wo sie bis zu ihrem Tod wohnten. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts befindet sich in der Wohnung die Anna-Seghers-Gedenkstätte, ein Museum zu Leben und Werk der Autorin.

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Grab von Anna Seghers auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Als 1957 Walter Janka, dem Leiter des Aufbau-Verlages, der ihre Bücher verlegte, wegen angeblicher „konterrevolutionärer Verschwörung“ der Prozess gemacht wurde, nahm Anna Seghers dazu nicht öffentlich Stellung. Beim Ausschluss von Heiner Müller aus dem Schriftstellerverband im Jahre 1961 stimmte sie dagegen. 1975 wurden ihr der Kulturpreis des Weltfriedensrates sowie die Ehrenbürgerschaft von (Ost-)Berlin verliehen. 1978 trat sie als Präsidentin des Schriftstellerverbandes zurück und wurde dessen Ehrenpräsidentin. Im selben Jahr starb ihr Mann. Im Jahre 1979 schwieg Anna Seghers zu den Ausschlüssen von neun kritischen Autoren aus dem Schriftstellerverband. 1981 wurde ihr die Ehrenbürgerwürde ihrer Geburtsstadt Mainz verliehen. Sie starb am 1. Juni 1983 und wurde, nach einem Staatsakt in der Akademie der Künste der DDR, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.

Die frühen Werke Anna Seghers’ können der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden. In der Exilliteratur spielte sie nicht nur als Organisatorin eine wichtige Rolle, sondern schrieb mit Transit und Das siebte Kreuz auch zwei der literarisch bedeutendsten Romane dieser Zeit. Ihre späteren, in der DDR erschienenen Romane sind dem Sozialistischen Realismus verpflichtet. Sie zeigen eine schematische Figurenführung und irritieren durch ihre Parteitreue, die nicht zuletzt auf die zahlreichen offiziellen Funktionen (u. a. als Präsidentin des Schriftstellerverbandes) zurückgeführt werden kann. Im Gegensatz zu den Romanen der fünfziger und sechziger Jahre behalten die späten Erzählungen ihre literarische Gültigkeit. Bis ins hohe Alter bewies Seghers darin eine erzählerische Frische, die nicht zuletzt daher rührte, dass sie immer wieder Stoffe aus der Renaissance, aus Ostasien, der Karibik oder Mexiko aufgriff, die sie sowohl einfühlsam und kenntnisreich wie auch mit großer Erfindungs- und Gestaltungsgabe – jenseits aller Klischees – literarisch großartig zu erzählen verstand. (wikipedia)

Berlin, Anna Seghers, Ehrenbürgerschaft Mainz

Anna Seghers wurde 1983 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Mainz verliehen. Aus diesem Anlaß waren in ihrer Berliner Wohnung (v.l.n.r.) Dr. Storch (FDP), A. Seghers, Oberbürgermeister Jocke Fuchs, Wegell (FDP), Klaus Bölling, Bürgermeister Dr. Keim sowie Dr. Harder, Präsident der Gutenberg-Universität Mainz und andere Persönlichkeiten anwesend.

Und hier eine Hörspielfassung ihres wohl größten Werks: „Das siebte Kreuz “ (ursprünglich ein Hörspiel des DDR-Radio aus dem Jahr 1955, 1968 dann als Doppel-LP auf dem Label Litera erschienen):

Das siebte Kreuz ist ein Roman von Anna Seghers über die Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager während der Zeit des Nationalsozialismus.

1938 begann Anna Seghers die Arbeit an ihrem Roman im Exil in Südfrankreich. Da sie keine Recherchen an den Örtlichkeiten des Romans durchführen konnte, griff sie auf eine Region als Schauplatz zurück, die sie als gebürtige Mainzerin kannte. Das von ihr zugrundegelegte Konzentrationslager Osthofen befand sich auf einem damals stillgelegten Fabrikgelände nahe Worms.

Bereits 1939 erschien das erste Kapitel in der Moskauer Zeitschrift „Internationale Literatur“.[1] 1942 wurde der komplette Roman in den USA in englischer Sprache und im mexikanischen Exilverlag „El Libro Libre“ („Das Freie Buch“) in deutscher Sprache veröffentlicht. Ebenfalls 1942 wurde in den USA eine Comic-Fassung verlegt.[2] Durch den Abdruck in zahlreichen Zeitungen Amerikas dürfte die complete pictorial version damals bis zu 20 Millionen Leser erreicht haben. 1944 erschien eine überarbeitete und gekürzte Ausgabe für die auf den europäischen Kriegsschauplatz entsandten US-Soldaten. Später wurde von Anna Seghers das weitere Leben einiger Romanfiguren in Erzählungen fortgeführt („Das Ende“, „Die Saboteure“, „Vierzig Jahre der Margarete Wolf“).

Erstausgabe

Die Erstausgabe (1942)

1937 bricht Georg Heisler mit sechs Mitgefangenen aus dem Konzentrationslager Westhofen bei Worms aus. Der KZ-Kommandant Fahrenberg befiehlt, die Entflohenen innerhalb von sieben Tagen zurückzubringen. Er lässt die Kronen von sieben Bäumen kappen und an den Stämmen in Schulterhöhe je einen Querbalken anbringen, so dass sieben Kreuze entstehen, eines für jeden Flüchtigen. Sechs der Entflohenen werden entweder gefasst oder kommen auf der Flucht um, doch das siebte Kreuz bleibt frei. Georg Heisler gelingt schließlich die Flucht in Richtung der Niederlande.

Jeder der sieben Flüchtigen mit ihren unterschiedlichen Berufen und Biografien steht für eine soziale Schicht. Auch die Vertreter des Nationalsozialismus, allen voran der Lagerkommandant SA-Scharführer Fahrenberg, verkörpern politische Haltungen in Nazi-Deutschland. Zusammen mit den Randfiguren des Romans entsteht ein Querschnitt durch die Gesellschaft dieser Zeit.

Der Roman schildert in sieben Kapiteln die siebentägige Flucht Heislers, die nur gelingen konnte, weil Heisler bei all seinem Mut kein Individualist ist wie die anderen Flüchtigen, sondern als Kommunist Rückhalt bei seinen Genossen im Untergrund findet. Aber auch gutwillige Deutsche, politisch nicht organisiert, helfen ihm auf seiner Flucht.

Comic

US-Comic (1942)

Georg und sechs andere KZ-Insassen fliehen früh morgens bei einem Arbeitseinsatz außerhalb ihres Lagers, nachdem sie einen Wärter niedergeschlagen haben. Mit Hundestaffeln und Scheinwerfern sucht man nach ihnen. Als sie sich außerhalb des Lagers befinden, klettern die Wärter Mannsfeld, Ibst und Meißner über einen Abhang, um die Flüchtlinge einzufangen. Albert Beutler wird gefangen, den anderen gelingt zunächst die Flucht. Der Kommandant Fahrenberg lässt das Gebiet weiträumig absperren, sieben Platanen kappen und an jeden Stamm ein Querbrett nageln. Nach dem Ausbruch der Häftlinge schwört Fahrenberg, dass er die Häftlinge in sieben Tagen wieder beisammenhat.

Georg Heisler kriecht durch die Kanalisation und gelangt auf ein Feld. Er geht ins nächste Dorf, wo er in einem Schuppen etwas zum Anziehen stiehlt. Um heil aus diesem Dorf herauszukommen, nimmt er ein Maschinenteil mit einem Artikelschein daran an sich, um sich damit auszuweisen. In Buchenau angekommen, rastet er. Alle Tore schließen sich, und er versteckt sich hinter einem Holzstapel. Georg gelingt schließlich die Flucht aus dem Dorf, indem er über die Mauer klettert. Er will nach Frankfurt zu seiner Liebsten Leni. Bei der Mitfahrt auf einem Brauereifahrzeug wird er auf einer Landstraße zwischen Oppenheim und Mainz abgesetzt.

Filmbild

Aus dem gleichnamigen US-Film (1944)

Vom nächsten Dorf aus gelangt Georg per Straßenbahn nach Mainz. Dort begibt er sich in den Dom, um in einer Nische zu schlafen. Er zieht seinen Sträflingsanzug aus und gibt sich als Kirchgänger aus. Da seine Hand durch Scherben verletzt ist, geht er am nächsten Morgen zur Behandlung in eine jüdische Arztpraxis.

Georg geht rheinabwärts und tauscht mit einem Schiffer die Kleidung. Mit einem Angler namens „Hechtschwänzchen“ wandert er weiter. Als ihn ein Polizist anspricht, flieht er. Er läuft in ein Industriegebiet, und da er nicht verfolgt wird, kauft er sich an einer Bude ein Bier und überredet eine Bierfahrerin, ihn mitzunehmen. Diese setzt ihn hinter Mainz-Mombach ab und Georg schläft in einem Schuppen. Am nächsten Morgen überquert er den Rhein mit der Fähre und gelangt per Anhalter nach Höchst und von dort aus nach Frankfurt-Niederrad. Voller Hoffnung klopft er bei Leni an, aber die ist inzwischen mit einem Nationalsozialisten liiert und gibt vor, Georg nicht zu erkennen. Georg „stürmt“ die Wohnung und lässt etwas zum Essen mitgehen.

Diverse Buchausgaben

Diverse Buchausgaben

Nachdem er den Schienen gefolgt ist, steht er vor dem Haus, welches ihm der tote Belloni (dem bei der Flucht über die Dächer in die Füße geschossen wurde und der vom Dach fiel) beschrieben hatte. Frau Marelli gibt ihm Kleidung und 8 Mark, die ihr Belloni zu viel gegeben hatte. Er folgt einem Mädchen auf ihr Zimmer und legt sich dort nieder. Später wacht er durch Geräusche auf und flieht aus dem Fenster.

Am Eschenheimer Turm in Frankfurt trifft er Füllgrabe. Dieser will sich stellen und Georg mitnehmen. Nun will Georg nach Botzenbach. Da er weiß, dass alle aus seiner Familie bewacht werden, will er jemanden vorschicken, und er denkt dabei an Paul Röder.

Röder wohnt in Frankfurt-Bockenheim in der Brunnengasse 12. Paul ist da, er nimmt ihn mit in die Wohnung, Georg erzählt aber nicht gleich, dass er aus Westhofen ausgebrochen ist. Paul will ihm helfen, deswegen geht er zu Herrn Schenk in die Moselgasse. Schenk ist in Westhofen, und seine Frau wohnt seit drei Monaten nicht mehr dort. Danach geht Paul zu Herrn Sauer, doch der will Georg nicht kennen, da er Paul für einen Spitzel der Gestapo hält. Deswegen bringt Röder Georg zu seiner Tante Katharina Grabber, die ein Fuhrunternehmen besitzt und Georg einstellt und versteckt.

Paul organisiert mit Hilfe des alten Arbeitskollegen und Kommunisten Fiedler für Georg eine Unterkunft bei einem gewissen Doktor Kreß in der Riederwaldsiedlung. Am nächsten Morgen kommt Fiedlers Ehefrau mit einem Umschlag, in dem sich ein Zettel mit dem Ort, ein gefälschter Pass und etwas Geld befinden. Georg soll am nächsten Tag um 5:30 Uhr an der Anlegestelle an der Kasteler Brücke in Mainz am Schiff „Wilhelmine“ sein. Georg wird von Kreß in Kostheim abgesetzt und geht zur Kasteler Brücke. Dort zeigt er dem Wachposten seinen Pass und gelangt auf den Kahn.

Alle anderen Entflohenen werden entweder gefasst oder sind tot. Fahrenberg lässt die lebenden Flüchtlinge an die Platanen binden. Fahrenberg und Zillich werden als Kommandanten ausgetauscht. Unter der neuen Leitung von Sommerfeld und Uhlenhaut werden alle sieben Platanen gefällt. Ob Fahrenberg anschließend in einem Hotel Selbstmord begeht, bleibt offen; es wird jedoch sehr glaubhaft angedeutet.

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Georg Heisler:
Der Kommunist Georg Heisler ist die zentrale Figur des Romans; als Einziger der sieben Flüchtlinge überlebt er, indem er in die Niederlande flüchtet. Seine Jugend ist geprägt von unbeständigen Freundschaften.

Ernst Wallau
Der ehemalige Betriebsrat und Abgeordnete Wallau ist ebenfalls einer der sieben Flüchtlinge und ist für Heisler Vorbild und geistige Hilfe. Nachdem er gefasst wird, redet er nicht und wird schließlich von Zillich erschlagen.

Füllgrabe
Füllgrabe ist ein wohlhabender Kaufmann, der an Kommunisten spendete, bevor er in das Konzentrationslager kam. Über ihn wird gesagt, dass er die Flucht schaffen könne. Er kannte Heisler bereits von früher und trifft sich mit ihm in Frankfurt, wo Füllgrabe ihn überreden will, sich mit ihm bei der Gestapo zu stellen, was Heisler jedoch ablehnt. Füllgrabe geht schließlich zur Gestapo und stellt sich.

Anna Seghers Darstellung von Westhofen basiert auf Berichten von Gefangenen aus dem KZ Sachsenhausen. Der Name „Westhofen“ spielt auf das KZ in Osthofen an, einem Nachbarort des Orts Westhofen im rheinland-pfälzischen Landkreis Alzey-Worms. Das KZ Osthofen war 1934 allerdings bereits aufgelöst worden. Möglicherweise diente die reale Flucht von Max Tschornicki aus dem KZ Osthofen als Vorlage.

Seghers wollte mit ihrem Roman zeigen, dass Häftlinge aus einem Konzentrationslager ausbrechen konnten, und zwar mit Hilfe Gleichgesinnter, dass der Faschismus in Hitler-Deutschland bekämpft wurde, und dass die Nationalsozialisten nicht allmächtig waren.

In der DDR wurde der Roman Das siebte Kreuz als Pflichtlektüre auch im Deutschunterricht der Oberschulen besprochen, zumal Anna Seghers 1952–1978 Präsidentin des Deutschen Schriftstellerverbands in der DDR war. Das siebte Kreuz wurde als einziges Werk einer Frau in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen, zudem ist es Teil der ZEIT-Schülerbibliothek. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete es 1988 als Meisterwerk der deutschen Literatur und als den bedeutendsten deutschen Roman über das Leben während des „Dritten Reiches“ und nahm es in seinen 2002 erschienenen Kanon der deutschen Literatur auf. (wikipedia)

Und wir hören so ein Hörspiel, das ob der Intensität einem die Kehle zuschnürten könnte …

Und wenn´s nach mir ging, müsste dieses Werk weiterhin Pflichtlektüre in deutschen Schulen sein …

Als Beigabe gibt´s dann noch die 8seitige Broschüre „Anna Seghers – Mainzer Weltliteratur“ (2003), die ich im KZ Osthofen entdeckt habe … eine kurze Übersicht über Leben und Werk der Anna Seghers.

BackCover

Besetzung:
Aribert Grimmer (Hermann)
Harry Hindemith (Georg)
Ernst Kahler (Pelzer)
Willy A. Kleinau (Paul)
Franz Kutschera (Füllgrabe)
Paul Lewitt (Dr. Löwenstein)
Werner Pledath (Overkamp)
Horst Preusker (Fischer)
Horst Schönemann (Bunsen)
Paul Streckfuß Aldinger
Renate Thormelen (Gerda Kreß)
Gerry Wolff (Peter Kreß)

Bearbeitung und Regie: Hedda Zinner

Beispiel01

Titel:
01. Das siebte Kreuz 1.17.21

Text: Anna Seghers

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Beispiel02

Und dann noch dieses … weil ich ja mittlerweile 65 Jahre alt geworden bin:

Glück

Johannes Brahms – Doppelkonzert – Konzert für Violine und Violoncello (ca. 1960)

FrontCover1Nach all den Niederungen deutscher Schlagermusik endlich mal wieder ein Beitrag aus dem Bereich der E-Musik, der durchaus zuweilen avantgardistische Züge trägt.

Das Doppelkonzert a-Moll für Violine, Violoncello und Orchester op. 102 des deutschen Komponisten Johannes Brahms (1833–1897) ist ein wichtiger Beitrag für die in der Spätromantik kaum gepflegte Instrumentalgattung Doppelkonzert bzw. Sinfonia Concertante. Brahms komponierte sein letztes Orchesterwerk 1887 in der Schweiz, im selben Jahr wurde es in Köln mit den Solisten Joseph Joachim und Robert Hausmann uraufgeführt.

Vielfach wird darauf hingewiesen, dass Johannes Brahms mit seinem Doppelkonzert versuchte, die stark abgekühlte Verbindung zu dem befreundeten Geiger Joseph Joachim wiederzubeleben. Brahms hatte 1880 bei der Scheidung Joachims von seiner Frau Amalie für diese Partei ergriffen, was ihm Joachim nachhaltig verübelte. Das Werk steht aber auch in einer kompositorischen Konsequenz: Brahms schrieb während seines Sommeraufenthalts 1886 im schweizerischen Thun mehrere Instrumentalwerke für Violine bzw. Cello (2. Cellosonate F-Dur op. 99, 2. Violinsonate A-Dur op. 100, 3. Klaviertrio c-Moll op. 101). Das Doppelkonzert a-Moll für Violine, Violoncello und Orchester op. 102 wurde im darauffolgenden Jahr 1887 bei einem erneuten Sommeraufenthalt in Thun komponiert. Auch hatte der Cellist Robert Hausmann Brahms schon Jahre zuvor um ein Konzertstück für Violoncello gebeten. Dem Brahms-Biographen Max Kalbeck zufolge ging in dem Werk Material zu einer geplanten 5. Sinfonie auf, was jedoch als Spekulation gelten muss, die weder durch Werkmanuskripte noch Werkgestalt gestützt wird.

JohannesBrahmsAm 24. Juli 1887 schrieb Brahms aus Thun an Joachim:  […] mache Dich auf einen kleinen Schreck gefasst! Ich konnte derzeit den Einfällen zu einem Konzert für Violine und Violoncello nicht widerstehen, so sehr ich es mir auch immer wieder auszureden versuchte. […] Vor allem aber bitte ich in aller Herzlichkeit und Freundlichkeit, daß Du Dich nicht im geringsten genierst. Wenn Du mir eine Karte schickst, auf der einfach steht: „ich verzichte“, so weiß ich mir selbst alles Weitere und genug zu sagen. […]“

Joachim reagierte positiv, so dass Brahms ihm bereits wenige Tage später die Solostimmen zusandte. Am 23. September 1887 kam es in Baden-Baden zu einem ersten Probedurchspiel mit Orchester vor wenigen geladenen Gästen (darunter Clara Schumann) mit den Solisten Joseph Joachim und Robert Hausmann, den Orchesterpart übernahm das Baden-Badener Kurorchester unter Leitung von Brahms. Die Uraufführung – mit denselben Solisten und wiederum unter Brahms’ Leitung – fand am 18. Oktober 1887 im Kölner Gürzenich mit dem Gürzenich-Orchester statt.

Die Aufnahme des Werks im Brahmsschen Freundeskreis war gespalten, ähnlich auch die öffentlichen Beurteilungen. Hans von Bülow, Dirigent der Berliner Erstaufführung am 6. Februar 1888, bezeichnete es als „famose Komposition“. Clara Schumann konstatierte: „[…] Als Composition ist es höchst interessant, geistvoll… es ist aber nirgends ein so frischer warmer Zug als in Vielen andern seiner Sachen.“ Während Joachim 1903 feststellte: „[…] möchte ich seinem Doppelkonzert fast den Vorrang vor dem Violinkonzert zugestehen“, äußerte Theodor Billroth gegenüber Eduard Hanslick: „Trostlos, langweilig, die reine Greisenproduktion.“

Die Aufführungsdauer beträgt etwa 32 bis 35 Minuten.

Das Doppelkonzert von Brahms, zwei Jahre nach seiner 4. Sinfonie entstanden, ist das letzte Orchesterwerk des Komponisten. Formal ist es – anders als das viersätzige 2. Klavierkonzert – wieder an der gängigen dreisätzigen Konzertform orientiert. Die Besetzung mit zwei Solisten und Orchester weist auf die Doppelkonzerte der Barockzeit und die Sinfonia Concertante der Klassik zurück, das Werk hebt sich aber in seiner starken Verzahnung der Solistenparts mit dem Orchestersatz davon ab. Das motivisch-thematische Material wird in für den Komponisten typischer Weise mit großer Ökonomie verarbeitet.

I Allegro

Der breit angelegte, dicht gearbeitete Kopfsatz wird durch eine viertaktige Tutti-Einleitung eröffnet, der sich eine kadenzartige Einleitung der beiden Solisten anschließt, bevor die eigentliche Tutti-Exposition folgt. Das von den Bläsern intonierte Seitenthema spielt deutlich auf den Beginn des 22. Violinkonzerts a-Moll von Giovanni Battista Viotti an, eines Werks, das sowohl Brahms wie auch Joseph Joachim sehr schätzten. Die Durchführung wird von den Solisten dominiert. In der Reprise wendet sich das Seitenthema nach A-Dur, bevor eine knappe Coda den Satz wieder in a-Moll beschließt.

II Andante

Der Satz ist dreiteilig und beginnt in D-Dur. Auf zwei aufsteigende Quarten in Holzbläsern und Hörnern folgt ein gesangliches Hauptthema. Beide Solisten werden häufig in parallelen Oktaven geführt. Der Mittelsatz in F-Dur speist sich aus einem choralartigen Holzbläserthema. Auf die Wiederholung des variierten D-Dur Teiles folgt eine Coda, der das thematische Material des Mittelteils zugrunde liegt.

III Vivace non troppo

Hier wird die Form eines Sonatenrondos verwendet, der Ablauf entspricht dem Schema A-B-A1-C-A2-B2-A3. Bestimmend ist ein einprägsames unruhig-tänzerisches Thema, das zunächst vom Solocello angestimmt wird. Der in a-Moll beginnende Satz nicht ohne dramatische Episoden und mit teils „ungarisierend“ wirkenden Terzen- und Sextgängen wandelt sich zunehmend in freundlicheren Dur-Charakter und schließt mit einer kurzen, wirkungsvollen Coda in A-Dur. (wikipedia)

BruonWalter+Yehudi Menuhin

Bruno Walter + Yehudi Menuhin (1931)

Diese Aufnahme entstand im Jahre 1954 mit den Solisten Isaac Stern und Leonard Rose und wurde für den deutschen Markt ca. 1960 als 10 inch LP veröffentlicht. Dirigent war Bruno Walter:

Bruno Walter (* 15. September 1876 in Berlin als Bruno Walter Schlesinger; † 17. Februar 1962 in Beverly Hills, Kalifornien, USA) war ein deutsch-österreichischer Dirigent, Pianist und Komponist. Er zählt zu den bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Walter war Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses (1929–1933), Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker (1947–1949) und ständiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker.

Bruno Walter musste als Jude Deutschland verlassen, nachdem ihm das Nazipack bereits 1933 massiv bedrohten. Er flüchtete nach Österreich, musste dann aber 1939 in die USA auswandern.

Volker Hagedorn schrieb 2012 in „Der Zeit“, Walter sei wohl „der berühmteste Dirigent unter all den Musikern, den Komponisten und den Musikwissenschaftlern, die in der Zeit des ‚Dritten Reiches‘ in die USA emigrierten“. Es seien damals mindestens 1500 europäische Musiker über den Atlantik geflüchtet, „wohl der größte Talenttransfer der Weltgeschichte“. Zu etwa 97 Prozent sei das Exil „rassistischer Verfolgung“ geschuldet gewesen.

Es gibt natürlich Unmengen von Aufnahmen dieses Konzertes und ich maße mir nicht an, diese Aufnahme im Kontext anderer Interpretationen zu bewerten (dazu fehlt mir schlicht und ergreifend der Überblick). Aber diese Version wird zumindest als „süffig“ bezeichnet, wenngleich sie nicht zu den Referenzaufanhmen gezählt wird. So wird es zumindest in einer wirklich interessanten aus ausführliche Analyse dieses Werkes (9 Seiten ! – ist der Präsentation beigelegt) der schweierischen Zeitschrift „ANALOGUE AUDIO ASSOCIATION (AAA)“ dargestellt.

Anhören sollte man sich das Werk dennoch, denn insbesondere Isaac Stern zündet ein furioses Feuerwerk nach dem anderen ab !

Originalcover1954

Cover der Originalausgabe (die noch weitere Brahms-Werke enthält) aus dem Jahr 1955

Besetzung:
Leonard Rose (violoncello)
Isaac Stern (violin)
+
New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Bruno Walter

BackCover1Titel:
01. Allegro 16.03
02. Andante 7.10
03. Vivace non troppo 8.23

Musik: Johannes Brahms

LabelA1

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Josef Lanner – Hofball-Tänze + Die Schönbrunner (1955)

FrontCover1Es mag ja sein, dass Josef Lanner neben Johann Strauß (Vater) der Begründer des Wiener Walzers war … Heutzutage ist er jedoch – im Gegensatz zu Strauß – so ziemlich in Vergessenheit geraten.

Joseph Lanner (* 12. April 1801 in Sankt Ulrich bei Wien; † 14. April 1843 Döbling bei Wien) war ein österreichischer Komponist und Violinist. Er gilt neben Johann Strauss (Vater) als Begründer des Wiener Walzers.

Geboren ist er im Haus an der Mechitaristengasse 5 im 7. Wiener Bezirk. Über seine Anfänge als Musiker ist sehr wenig bekannt. Bereits als Kind begann er Tanzstücke zu komponieren. Seine musikalische Laufbahn begann er nach Abschluss einer Ausbildung zum Graveur als Violinist. Im Alter von 12 Jahren trat er dem Orchester seines Lehrmeisters Michael Pamer bei, wo er später auch Johann Strauss sen. kennenlernte, dessen langjähriger Freund, aber auch musikalischer Konkurrent, er werden sollte. Später leitete er ein Orchester, das aus einem von ihm gegründeten Terzett hervorgegangen war.

Im Jahre 1829 wurde er zum Musikdirektor der Redoute berufen; kurze Zeit später nahm er zusätzlich die Leitung der Wiener Regimentskapelle wahr. Es folgten mehrere Anstellungen als Musikdirektor in verschiedenen Hotels.
Denkmal von Johann Strauss Vater (links) und Joseph Lanner im Wiener Rathauspark

JosefLanner01

osef Lanner, Lithographie von Josef Kriehuber, um 1825

Joseph Lanner war ein sehr produktiver Komponist. Die Anzahl seiner Kompositionen geht in die Hunderte. Sein musikalisches Erbe umfasst vor allem Walzer, Ländler, Galoppe, Potpourris und Tänze sowie Märsche. In seinen Kompositionen ist erstmals auch die typische Struktur zu finden, die für den Wiener Walzer charakteristisch werden sollte. Seine bekanntesten Walzer sind der Pesther Walzer, Die Werber, Die Hofballtänze und Die Schönbrunner. Er zählte neben Johann Strauß sen. zu den herausragenden Tanzkapellmeistern Wiens seiner Zeit.

Joseph Lanner war ab 1828 mit Franziska Jahns verheiratet. Ihre Kinder waren die Tänzerin Katharina Lanner, der Komponist August Lanner und die ebenfalls hochbegabte, früh verstorbene Franziska Karoline Lanner (1836–1853). Lanner, der am 21. September 1842 von seiner Frau gerichtlich geschieden wurde, lebte ab ca. 1838 mit der Wiener Fleischhauerstochter Marie Kraus zusammen. Am 6. Oktober 1843 kam in Oberdöbling sein posthumer Sohn Joseph Carl Maria Kraus zur Welt.

Lanner verstarb 1843 im Alter von 42 Jahren an Typhus im Haus an der Gymnasiumstraße 87 im 18. Bezirk. Er wurde zuerst am alten Döblinger Friedhof in Oberdöbling beigesetzt, der später aufgelassen wurde. Nach seiner Exhumierung wurden er und Strauß-Vater am 13. Juni 1904 nebeneinander auf den Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nummer 16; Strauß: Nummer 15) in Ehrengräber umgebettet. Lanners Grabmal wurde vom k.u.k. Hof-Steinmetzmeister Sommer & Weniger gestaltet. Die alten Grabsteine von Lanner und Strauß-Vater wurden bei der Gestaltung des 1928 an Stelle des Friedhofs eröffneten Strauß-Lanner-Parks (Siehe Weblinks!) mit einbezogen.

Im Jahr 1894 wurde in Wien Döbling (19. Bezirk) die Lannerstraße nach ihm benannt. (Quelle: wikipedia)

Grab

Ehrengrab von Josef Lanner auf dem Wiener Zentralfriedhof

Auch wenn er heutzutage kaum noch bekannt ist, im Jahre 1955 veröffentlichte die Deutsche Grammophon Gesellschaft eine Single (!) mit zwei seiner wohl bekanntesten Werken. Und man muss kein begeisterter oder gar begnadeter Tänzer sein, um diesen Walzermelodien genussvoll lauschen zu können.

AlternativesFrontCover.jpg

Alternatives Frontcover

Besetzung:
Bavaria-Sinfonie Orchester unter der Leitung von Edmund Nick

BackCove1r

Titel:
01. Hofball – Tänze 6.53
02. Die Schönbrunner 7.13

Musik: Josef Lanner

LabelA1

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Verschiedene Interpreten – Wien singt – Wiener Lieder – Potpourri vom Oscar Reisinger (1955)

FrontCover1Ein wenig rätselhaft ist das schon mit dem Oscar Reisinger. Denn man findet eigentlich keinerlei biographische Informationen über ihn (aber jede Menge von Notenheften). Er war wohl ein Komponist und Arrangeur der leichten Muse und hatten neben Wiener Lieder dann auch „rheinisches Liedgut“ bearbeitet. Er war wohl in den 60er Jahren „Abteilungsleiter für gehobene Unterhaltungsmusik“ beim Westdeutschen Rundfunk, Köln.

Wie auch immer: Hier präsentiert er ein buntes Potpourri mit populären Liedern, die man halt so ganz und gar mit Wien verbindet:

„Das Wienerlied ist ein Lied, das aus Wien stammt und die Stadt Wien zum Thema hat oder etwas charakteristisch Wienerisches besingt (nach Harry Zohn ein Lied „aus, über und für Wien“). Daher ist der Text meist wienerisch. Es verbreitet Gemütlichkeit und Humor (auch schwarzen Humor und Spott), stammt aus der Welt der Kleinkunst in den Singspielhallen und wurde gelegentlich zum Volkslied. Leichtlebigkeit und Vergänglichkeit (Vanitas) werden melancholisch, unbeschwert oder auch satirisch betrachtet. Oft wird im Wienerlied selbstreferentiell das klingende Lied aus Wien besungen.

Am beliebtesten war das Wienerlied vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre.“ (Quelle: wikipedia)

Die Mitwirkenden waren allerdings z.T. auch waschechte Wiener/innen (Herbert Ernst Groh war allerdings Schweizer, Willy Hofmann wurde in Frankfurt geboren), und hatten damals allesamt in der Operetten-Szene einen guten Namen.

Thematisch handelt es sich bei den Lieder natürlich häufig um den guten Wein und die schönen Maderln … nun ja … nicht wirklich überraschend.

Und wenn man bedenkt, dass diese Single nun mehr als 60 Jahre alt ist … krieg ich schon ein wenig Ehrfurcht.

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Alternative Frontcover

Mitwirkende:
Herta Talmar – Herbert Ernst Groh – Willy Hofmann – Horst Winter – Das Sunshine-Quartett – Das Comedien Quartett – Hermann Hagestadt und sein Orchester

BackCover1

Titel:

01. Wiener Lieder-Potpourri von Oscar Reisinger (Teil 1) (7.28):
01.1. Heut´kommen d´Engerl auf Urlaub nach Wien
01.2. Fein, fein, schmeckt uns der Wein
01.3. I hab die schönen Maderln net erfunden
01.4. Draußen im Sievering blüht schon der Flieder
01.5. Leichtes Blut
01.6. Es steht ein alter Nußbaum
01.7. Wien bleibt Wien
01.8. Ich kenn ein kleines Wegerl im Helental
01.9. Sag´ beim Abschied leise Servus

02. Wiener Lieder-Potpourri von Oscar Reisinger (Teil 2) (7.05):
02.1. Ich muß mal wieder in Grinzing sein
02.2. Jetzt trink ma noch a Flascherl Wein
02.3. Wiener Blut
02.4. Drunt´ in der Lobau
02.5. Mei Muatterl war a Weanerin
02.6. Ich weiß auf der Wieden ein kleines Hotel
02.7. Es wird a Wein sein
02.8. Wien, Wien, nur du allein

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Max Greger – Bayerisches Bilderbuch + Münchner Bilderbogen (1955)

FrontCover1Von Hamburg nach München:

Hm, der Max Greger … hat eine wahrlich bewegte Biographie … hier ein paar Daten bis zum Jahr 1955:

Max Greger ist ein deutscher Unterhaltungsmusiker, Big-Band Leader und Dirigent. Nach Kriegsende spielt der Saxophonist mit seinem Max-Greger-Sextett in amerikanischen Clubs sowie im Bayerischen Rundfunk. 1959 hat Greger mit seinem Orchester den Durchbruch, als er 36 ausverkaufte Konzerte in der Sowjetunion gibt. Es folgt ein langjähriger Vertrag mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen, wo Greger mit seiner Band ständiger Gast bei Live-Shows ist.

1926:
2. April: Max Greger wird in München-Giesing als Sohn eines Metzgermeisters geboren.

1936:
Sein Großvater schenkt ihm ein Akkordeon und legt damit den Grundstein für Gregers musikalische Entwicklung. Neben der Aufbau-Schule Studium der Klarinette und des Saxophons am Münchner Konservatorium.

1944/45:
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieg wird Greger noch zum Kriegsdienst eingezogen.

1945:
Nach Kriegsende spielt Greger in kleinen Jazz-Orchestern vor allem in amerikanischen Offzierscasinos.

1948 – 1955:
Gründung seines ersten Jazzorchesters unter dem Namen „Max-Greger- Sextett“. Greger spielt für den Bayerischen Rundfunk und in amerikanischen Clubs. Es folgen erste Schallplattenaufnahmen mit eigenen Tanz- und Schlagerkompositionen wie „Auf Bergeshöhen“, „Rock ’n‘ Roll Boogie“, „Verliebte Trompeten“, „Max & Sax“, „Looping Blues“, „Keiner küßt wie Du“, „Teenager Cha Cha“ und „Rock Twist“. (Quelle:

Und der Maxl Greger hat wohl einen gewaltigen Spaghat hingelegt, als er in diesen Jahren (und auch später) immer wieder zwischen versierter Jazzmusik und volkstümlichen Klängen hin- und her geschwankt ist.

Hier eine seiner Singles, in denen er das bayerische-volkstümliche Element geradezu zelebriert: „Bayerisches Bilderbuch + Münchner Bilderbogen“ heißen die Potpourri´s, die hier auf dieser Telefunken Single aus dem Jahr 1955 erklingen.

Geboten werden bekanntere („) und unbekanntere Lieder aus den bayerischen Breitengraden … und wie so oft bei solchen Klängen, denke ich mir … die Touristen werden sich erfreuen …

Und weil mir der Max Greger als Jazzmusiker viel sympathischer ist, habe ich noch eine kurze, aber heiße Session mit Max Greger und Louis Armstrong aus den 60er Jahren dazugepackt.

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Louis Armstrong + Max Greger (irgendwann in den 60er Jahren)

Irgendwie waren diese Klängen zumindest so erfolgreich, dass es nicht nur eine spanische Ausgabe im Jahre 1958 erschienen, sondern, dass man dann noch im Jahre 1963 eine weitere Veröffentlichung dieser Aufnahmen in die Tat umsetzte.

SpanischeAusgabe1958.jpg

Besetzung:
Max Greger und seine Münchner Musikanten
+
Otto Storr und die kleine Terz (vocals)

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Titel:
01. Bayerisches Bilderbuch (Teil 1) (3.37)
01.1. Haushammer Plattler (Traditional)
01.2. Weg zum Herzen (Freundorfer)
01.3. Klarinetten-Ländler (Traditonal)
01.4. Geh mach dei Fensterl auf (Jurek)
01.5. Berchtesgadener (Traditional)

02. Bayerisches Bilderbuch (Teil 2) (3.19)
02. 1. Bandl Tanz (Traditional)
02.2. Holzhacker-Buam (Wagner)
02.3. Gamsgebirg (Traditional)
02.4. Tölzer Schützenmarsch ( Krettner)
02.5. Bier her, Bier her (Traditional)
02.6. Ein Prosit (Traditional)

03. Münchner Bilderbogen (Teil 1) (3.10)
03.1. In München steht ein Hofbräuhaus (Gabriel)
03.2. Trink, trink, trink Brüderlein, trink (Lindemann)
03.3. Heut´ hab ich schon mein Fahnderl (Siely)
03.4. Geh ma´ mal nüber (Kreutzer)

04. Münchner Bilderbogen (Teil 2) (3.23)
04.1. So wie du … Schunkelwalzer (Waldmann)
04.2. Münchner Schäffler Tanz (Traditional)
04.3. A Maß Bier (Traditional)
04.4. So lang der alte Peter (Traditional)
04.5. Watschentanz (Traditional)
+
05. Darling Nelly Gray (max Greger + Louis Armstrong-live) (Handby) 2.29

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Wiederveröffentlichung1963

Vorder + Rückseite der Wiederveröffentlichung im Jahre 1963

Verschiedene Interpreten – Mozart – Flötenkonzert Nr. 2 + Hornkonzert Nr. 4 (1955)

FrontCover1Mindestens so interessant und spannend wie diese beiden Mozartwerke für Flöte und Horn ist das Label, auf dem diese Aufnahmen so ca. 1955 erschienen sind. Anfangs war ich ein wenig irritiert, eine deutsche Hülle und dann ein englischsprachiges Label, das brachte ich irgendwie nicht zusammen.

Also begann ich mich ein wenig mit dem Label „Musical Masterpiece Society“ zu beschäftigen. Und das kam dabei raus:

Nach dem zweiten Weltkrieg gründeten die Brüder Sam und David Josefowitz in New York das Unternehmen Musical Masterpiece Society als Tochterunternehmen der Concert Hall Society. Sie nahmen klassische Musik mit weniger bekannten Künstlern auf und konnten so ihre Schallplatten zu günstigen Preisen Abonnenten anbieten. Das Aufkommen von Vinyl, das im Gegensatz zum vorherigen Schellack unzerbrechlich war, machte es möglich, die Platten mit der Post zu verschicken.

Ab den 50er Jahren waren die Josefowitz-Brüder auch auf dem europäischen Markt tätig und hatten gerade hier in Deutschland viele Abonnenten. (der Radionist)

Und dann fand ich u.a.noch folgende Notiz aus dem Billboard Magazine (26. März 1955); dort wird berichtet, dass o“Concert Hall with its Musical Masterpiece Society, Opera Society and Jazztone is operating in virtually all European countries: Holland, France, Germany, Italy. The biggest operation is in West Germany. There most of the records are pressed“.

Soweit meine kleine Labelkunde.

Ich habe es vorhin schon erwähnt, die Aufnahmen sind Klasse und eingedenk der Tatsache, dass die Scheibe nun bald 60 Jahre alt ist, ist sie in einer exzellenten Verfassung.

Für den Schweizer Flötisten Aurèle Nicolet war es wohl eine seine ersten Aufnahmen (wenn ich eine französischsprachige Seite richtig verstanden habe, sind die Aufnahmen Anfang der 50er Jahre entstanden.

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Autogrammkarte

Aurèle Nicolet legte dann eine beeindruckende internationale Karriere hin. Das kann man von dem Hornisten Jan Zwagman der hier zusammen mit dem Niederländischem Symphonie Orchester musiziert, leider nicht behaupten. Ich glaube es noch eine zwei Schallplatte von ihm, dann versank er wohl in der Versenkung.

Der geneigte Leser dieses blogs wird vielleicht registriert haben, dass ich mich im zunehmenden Maße auch mit historischen Musikaufnahmen der Klassik beschäftige. Ich vermute mal, dieser Trend wird anhalten, ohne dass ich all jene anderen Sparten der Musik dabei vernachlässigen möchte.

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Anzeige, 1956

Besetzung:
Aurèle Nicolet (flute)
+
Symphonie Orchester Winterthur unter der Leitung von Henry Swoboda (01. + 03.)

Jan Zagman (horn)
+
Niederländisches Symphonie Orchester unter der Leitung von Otto Ackermann

BackCover1

Titel:

Flötenkonzert Nr. in D-Dur, K.314:
01. Allegro Aperto 7.56
02. Andante Ma Non Troppo 4.42
03. Allegro 5.24

Hornkonzert Nr. 4 in Es-Dur, K.495:
04. Allegro Moderato 7.26
05. Romanza (Andante) 3.25
06. Rondo (Allegro vivace) 4.02

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

LabelB1

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Rundfunkkammerorchester Michael Scholowsky – Eine kleine Nachtmusik (ca. 1955)

FrontCover1.jpgSieht man auch nicht mehr alle Tage … ne Neckermann Single aus den 50er Jahren:

Die Geschichte des Neckermann Imperiums hat auch viel mit der sog. Arisierung im III. Reich zu tun:

„Wie viele strebsame junge Männer ging Neckermann im Dritten Reich nach Berlin. Dort hatte er den Referenten des Wirtschaftsministeriums schon vorher oft seinen Kummer über die „sturen“ Würzburger Händler geklagt. In Berlin bot ihm das Bankhaus Hardy & Co. im Jahre 1938 das der Arisierung unterworfene Textil-Versandgeschäft „Wäschemanufaktur Carl Joel“ zum Kauf an. Mit dem Kauf dieses Betriebes hatte der junge Neckermann nun endlich die passende Branche gefunden. Alles, was er sich wünschte – Massenproduktion, Massenabsatz und Verzicht auf Zwischenhandelsstufen – , war im Versandgeschäft möglich. Neckermann zahlte für Joels Betrieb rund eine Million Mark. Seine Neider sagen, er habe damit das Geschäft seines Lebens gemacht. “ (Der Spiegel, 44/1955; damals widmete Der Spiegel dem Neckermann eine Titelstory; diese liegt der Präsentation bei.)

Nun ja, und die Neckermänner wollten dann natürlich so ab 1953 auch Schallplatten verkaufen:

„Nach dem Radiogerät baute das Frankfurter Versandhaus einen Phono-Super (Radiogerät mit Plattenspieler). Und als auch die Schallplatten-Industrie sich weigerte, ihn zu beliefern, produzierte Neckermann kurzerhand Platten in eigener Regie. Das Ergebnis: Seine Langspielplatten sind um etwa die Hälfte billiger als die über den Ladentisch verkauften. Systematisch erweiterte der trutzige Kaufmann sein Elektro-Sortiment.“ (Der Spiegel, 44/1955)

NeckermannSchallplattenspieler

Ein Neckermann Schallplattenspieler aus den 50er Jhren

Und hier haben wir also so eine Schallplatten, sie kommt als Single daher, erfordert aber 33 Upm … das nannte man damals „Kleine Langspielplatte“.

Wir hören den klassischen  Gassenhauer „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart, dargeboten von dem „Rundfunkkammerorchester“ unter der Leitung von Michael DerSpiegel1955Scholowsky.

Über diesen Michael Scholowsky konnte ich jetzt erstmal nichts in Erfahrungen bringen, außer dass er in den 50er Jhren bei diverse Billigproduktionen diverser Labels mitgewirkt hat.

Und hier hören wir auch ganz sicher keine Referenzaufnahme dieses Klassikers; aber immerhin die Klangqualität hat fast das Prädikat „astrein“ … schon ein wenig verwunderlich, bedenkt man, wieviele Jahrzehnte diese Single auf dem Buckel hat.

Ansonsten istz dies halt ein kleiner Beitrag zur Geschichte der Schallplatte im Nachkriegsdeutschland.

Ach ja … der Josef Neckermann war mir in alle den Jahren nie sonderlich sympahtisch …

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Alternatives Front + Back Cover

Besetzung:
Rundfunkkammerorchester Michael Scholowsky

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Titel:

Eine kleine Nachtmusik (KV. 525)
01. Erster Satz 4.12
02. Zweiter Satz 4.23
03. Dritter Satz 2.17
04. Vierster Satz 4.10

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

LabelB1

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EliteLabel

Diese Aufnahme erschien dann selbst in Dänemark und zwar auf dem Elite Label

Die Colorados – Die allerbeste Baiao Band – Schon in der Schule (1955)

FrontCover1Eine etwas sehr rätselhafte Single aus dem Jahr 1955 …

Dieses Combo nannte sich „Die Colorados und die Colorado Band“ und man zelebrierte auf beiden Seiten der Single dem brasilianischen Tanzstil „Baião)

Baião (auch baiano oder abaianado) ist ein Tanz und sehr einflussreicher Rhythmus in der brasilianischen música nordestina, der Musik des Nordostens. Dieser Grundrhythmus liegt mit variierenden Instrumentierungen den meisten Stilen dieser Region zugrunde: Forró, Côco, Ciranda und Embolada. Der Baião ist aus dem Volkstanz Baiano hervorgegangen, der aus Bahia stammt und erstmals 1842 erwähnt wurde. Typische Instrumente des Baião sind das Pandeiro, Zabumba, Akkordeon (Sanfona), Triangel und Gitarre (Violão). (Quelle: wikipedia)

Nun und diese Single ist für ihr Alter nicht nur erstaunlich gut erhalten, sondern sie klingt auch erstaunlich gut, zumindest für jene Zeitgenossen, die mit südamerikanischen Rhythmen und Klängen was anfangen können.

Leider finden sich über diese Single so gar keine Informationen. Erst dachte ich, es könnte sich um ein Frühwerk von Ronny handeln (der ja Anfang der 60er Jahre zusammen mit Rolf Simson eine gleichnamige Band gegründet hat). Aber angesichts der so ganz anderen Musik (mit Verlaub: Ronny war ganz sicher keiner, der südamerikanische Lieder zum besten geben konnte), war das eine Täuschung.

Es bleibt also rätselhaft, wer sich hinter diesem Namen verbirgt. Aber eins ist sicher: irgendwie waren sie ihrer Zeit voraus; die Deutschen hatten damals ja erst Bella Italia zu entdecken … da musste Südamerika erstmal hinten anstehen.

ElectrolaHülle1

Mein Flohmarkt – Exemplar steckt „fälschlicherweise“ in einer Firmenhülle von Electrola

Besetzung:
Die Colorados und die Colorado Band

Single

Titel:
01. Die allerbeste Baiao Band (D´Arena/Bradtke) 2.50
02. Schon in der Schule (Oldörp/Niessen/Bradtke) 2.48

LabelA1

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