Wolfgang Sauer – Tammy + Dir gehört mein Herz (1957)

FrontCover1Höchste Zeit, dass hier auch mal dem Wolfgang Sauer ein wenig Platz eingeräumt wird:

Wolfgang Sauer (* 2. Januar 1928 in Elberfeld[1]; † 26. April 2015 in Köln) war ein deutscher Jazz- und Schlagersänger, Pianist, Musiker und Rundfunkmoderator.

 

Wolfgang Sauer wuchs in Wuppertal auf, wo seine Eltern ein Elektrogeschäft führten. Bereits im Alter von sieben Monaten erkrankte er am Grünen Star. Als er schulpflichtig wurde, war er bereits fast erblindet. Seither trug er eine dunkle Sonnenbrille, die später zu seinem Markenzeichen wurde. Mit zwölf Jahren kam er in die Deutsche Blindenstudienanstalt nach Marburg, wo er unter anderem Musikunterricht nahm und Klavier, Chorgesang und Kompositionslehre studierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er 1946 das Abitur. Nebenher trat er mit einer Studentenkapelle in amerikanischen Clubs auf, wo er meist Jazzmusik darbot. 1948 hatte Sauer seinen ersten Auftritt im Rundfunk. Da Sauer politischer Journalist, dann Übersetzer werden wollte, studierte er ab 1949 Anglistik und Germanistik an der Universität Köln. In jener Zeit gründete er die No Name Band, ein Jazzensemble, mit dem er 1951 auf Tournee ging.

Wolfgang Sauer01Er musste jedoch das Studium 1952 aus finanziellen Gründen abbrechen. Anschließend widmete er sich wieder der Musik und bekam sein erstes Engagement beim damaligen NWDR in Köln in der Sendung Teemusik. Zusammen mit dem Eilemann-Trio durfte er 14-täglich im Radio Musik machen. Ferner produzierte er Rundfunkaufnahmen mit Kurt Edelhagen in Baden-Baden und Erwin Lehn in Stuttgart. 1953 ging er mit Will Glahé auf Tournee und wurde zum Deutschen Jazzsänger Nr. 1 gewählt. Auf Vermittlung von Nils Nobach erhielt er seinen ersten Plattenvertrag. Für die Electrola nahm er jedoch keine Jazz-Titel, sondern deutsche Schlager auf. Seine ersten Erfolge hießen Eine Melodie geht um die Welt, Du hast ja Tränen in den Augen, Ein kleiner Hund oder Glaube mir, der sich 500.000 Mal verkaufte und zu seinem erfolgreichsten Titel werden sollte, wenngleich dieser Titel wenige Jahre vorher bereits als Mütterlein von Leila Negra und Rudi Schuricke veröffentlicht worden war.

Dennoch sang Sauer neben seinen Schlagererfolgen auch weiterhin Jazz-Titel. Seine Aufnahme von For You My Love (1955) mit einer Combo um Carlo Bohländer, Werner Dies, Glen Buschmann und Hans Podehl verkaufte sich in der Bundesrepublik Deutschland 30.000 Mal und war damit die erfolgreichste deutsche Jazzplatte. Die Platte Night Train mit dem Orchester Erwin Lehn konnte jedoch daran nicht anschließen. Auch führte er 1955 das von Heinz Werner Zimmermann komponierte Geistliche Konzert für Bass, Bariton und Jazz-Orchester auf. Mit Glen Buschmann trat er bis 1958 mehrfach auf dem Deutschen Jazzfestival auf. Sein Jazz-Album Sweet and Swing mit den Orchestern von Paul Kuhn und Berry Lipman aus dem Jahr 1959 verkaufte sich in Australien besser als in Deutschland und wurde erst 2010 wieder veröffentlicht. Es folgten zahlreiche Tourneen und Gastspiele. Er war bis in die 1980er Jahre Stargast als Jazz-Sänger bei den Konzerten der Jazzband Kreisjazzwerkerschaft & Rose Nabinger.

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1962 bekam Sauer von Camillo Felgen das Angebot, als Moderator für Radio Luxemburg zu arbeiten. Prominenz am Plattenteller hieß seine Sendung. Es folgten weitere Verpflichtungen bei der Deutschen Welle und beim Deutschlandfunk. 1964 machte er mit Kurt Edelhagen eine Tournee durch die DDR. Ab 1965 spielte er – bis zum Ende des Jahres 2006 – die Überleitungen am Klavier innerhalb der Sendung Wiederhören macht Freude beim Westdeutschen Rundfunk. 1966 vertrat Sauer die Bundesrepublik Deutschland beim Schlagerfestival in Zoppot/Polen mit dem Titel Mädchen ohne Namen. Ende der 1960er Jahre besang er zwei Langspielplatten mit Volksliedern zusammen mit einem Männergesangverein.

In den 1970er Jahren hatte sich Sauer als Schlagersänger eher der moderneren Musik verschrieben. In jener Zeit hatte er einen weiteren Erfolg mit Tango für den Kommissar. Bei diversen Oldiesendungen im Fernsehen sang er jedoch meist seine alten Erfolgstitel wie Ach, man braucht ja so wenig um glücklich zu sein und Cindy, Oh Cindy. 1982 ging er mit seinen Gesangkollegen Gerd Böttcher, Rocco Granata und Fred Bertelmann auf Oldie-Tour.

Wolfgang Sauer03Außerdem war Sauer in den 1980er Jahren Stammgast in diversen Unterhaltungssendungen, wie Zum Blauen Bock und Melodien für Millionen, in denen er meist seinen größten Hit Glaube mir! sang. Er war später noch gelegentlich im Fernsehen zu sehen. Von März 2007 bis 2010 arbeitete er beim Kanal4-Patientenfunk der Paracelsus-Klinik in Marl und präsentierte dort jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat von 18:00 bis 19:00 Uhr die Sendung Die schönen Zeiten der Erinnerung.

Mit seiner ersten Ehefrau Gisela († 1988), mit der er seit 1954 verheiratet war, hatte er einen gemeinsamen Sohn. In zweiter Ehe heiratete er 1992 Ingeborg Sauer († 2012). Am 26. April 2015 starb Wolfgang Sauer im Alter von 87 Jahren.

Sauer erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz. (Quelle: wikipedia)

Also, bei dieser Single ist vom profilierten Jzz so rein gar nichts zu hören … wohl aber vom gepflegten Schnulzensänger mit dieser samtweichen Stimme … kann man ja auch mal hören …

Aber die ganze Bandbreite des Wolfgang Sauer … die muss hier noch dargestellt werden.

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Wolfgang Sauer, 1990

Besetzung:
Wolfgang Sauer (vocals)
+
Hanssen Quartett (background vocals)
+
Paul Kuhn Ensemble

BackCover
Titel:
01. Tammy (Livingston/Evans/Bradtke) 2.29
02. Dir gehört mein Herz (Cole/Hawkins/Weingarten) 2.08

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Ernst Ginsberg – Deutsche Lyrik des Barock (1964)

FrontCover1Und gleich nochmal ein wenig Lyrik … allerdings aus einer ganz, ganz anderen Zeit.

Und ich gestehe, ich habe mich diesem Hörbuch (hieß damals allerdings noch nicht so) mehr als schwer getan.

Zum einen stammt diese 10″ LP aus väterlichem Bestand (kein Wunder: etliche schlesische Dichter sind hier vertreten) und diese Aufnahmen stehen für mich für jene Jahre, in denen ich mein Elternhaus immer verknöcherter fand.

Zum anderen ist der Vortraggstil von Ernst Ginsberg so gestaltet, dass ich mich mehrfach an die markige Sprache der Nationalsozialisten erinnerte. Und das genau bei dem Ernst Ginsberg:

Ernst Ginsberg (* 7. Februar 1904 in Berlin; † 3. Dezember 1964 in Zollikon) war ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher, Rezitator, Regisseur und Theaterleiter.

Ginsberg war Sohn eines Augenarztes und kam über München und Düsseldorf 1928 nach Berlin und 1932 nach Darmstadt. Dort als Jude entlassen emigrierte er 1933 in die Schweiz und kam an das Zürcher Schauspielhaus. Außer von Molière spielte er folgende Rollen: Mephisto, Tasso, Franz Moor, Don Carlos, Hamlet. Er war jüdischer Herkunft, ließ sich jedoch 1935 katholisch taufen.

ErnstGinsberg011946 bis 1950 war er Regisseur in Basel, 1944 Herausgeber von Lyrik des 17. Jhs., 1946 des 18. Jhs., 1951 Herausgeber von Else Lasker-Schüler und 1956 von Berthold Viertel.

Nach seiner Emigration wirkte er bis 1962 als Mitglied des Zürcher Schauspielhauses und arbeitete von 1952 bis 1961 gleichzeitig als Schauspieler und Regisseur am Residenztheater (München). Von 1955 bis 1960 war er Leiter der Literaturproduktion der Deutschen Grammophon, als der er 1957 zur Verwirklichung seiner Vision einer „akustischen Handbibliothek der Weltliteratur“ das Plattenlabel Literarisches Archiv ins Leben rief.

Dort wurden und werden bis heute – inzwischen auf CDs – literarische Schallplatten (vornehmlich Sprechplatten) herausgegeben. Sprecher der ersten Stunde des literarischen Archivs waren u. a. berühmte Autoren wie Thomas Mann oder Gottfried Benn. Auch Ginsberg selbst sprach für die Reihe.

Er war auch sehr häufig als Hörspielsprecher im Einsatz. So konnte man ihn beispielsweise auch in zwei Paul-Temple-Hörspielen erleben, so 1957 in dem vom WDR produzierten Mehrteiler Paul Temple und der Fall Gilbert (Regie: Eduard Hermann, mit René Deltgen, Annemarie Cordes und Kurt Lieck), sowie zwei Jahre später in der BR-Produktion Paul Temple und der Conrad-Fall (Regie: Willy Purucker, mit Karl John und Rosemarie Fendel).

Ernst Ginsberg starb an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Als er sich schon nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen konnte, diktierte er seiner Pflegerin noch, mit Hilfe des Morsealphabets, mit den Augenlidern Gedichte. (Quelle: wikipedia)

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Ernst Ginsberg (frühe 30er Jahre)

Und hier rezitiert Ernst Ginsberg „Deutsche Lyrik des Barock“:

Die bevorzugte Literaturform der Barockzeit war das Gedicht, vor allem das Sonett, übliches Versmaß war der Alexandriner mit 6-hebigen Jamben mit starken Zäsuren, häufig in der Versmitte. Im Barock spielten die äußere Ästhetik und der Wohllaut eine große Rolle. Um diese Wirkung zu erreichen, wurde auf diverse Stilmittel zurückgegriffen, darunter Anaphern, Metaphern, Antithetik, Hyperbolik sowie Allegorien und Repetitio. Stilmittel wie Metaphern und Symbole wurden bevorzugt eingesetzt, um durch bildliche Darstellungen elementare Dinge wie Diesseits und Jenseits, sowie die Rolle des Menschen zu erläutern. Metaphern und Allegorien wie der „Port“ (im Gedicht „Abend“ von A. Gryphius) für eine Heimkehr zu Gott sind typisch. Ebenso wurden Embleme und Allegoresen verwendet, die hinter Namen und Dingen eine tiefere, verborgene Bedeutung erschließen und erkennen lassen.

Der Pfarrerssohn Gryphius zum Beispiel musste als Kind den Herztod seines Vaters mitansehen, nachdem eine brandschatzende Soldateska in dessen Kirche eindrang. (Quelle: wikipedia)

Andreas Gryphius

Andreas Gryphius

Die geistige Grundlage des Barock ist trotz aller Verbindung völlig anders als die der Renaissance. Nicht mehr Optimismus, sondern Pessimismus prägt das Lebensgefühl. Die Zeitereignisse (Dreißigjähriger Krieg) haben den mittelalterlichen Dualismus zwischen Diesseits und Jenseits wiederbelebt und zu einer vertieften Frömmigkeit geführt, deren Hauptelement die Vergänglichkeitsstimmung ist, die Vanitas-Skepsis: „Vanitas, vanitatum, et omnia vanitas / Es ist alles gäntz eytel“ (Gryphius) (Quelle: www.deutschelyrik.de)

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Klar, die Sprache … sie wirkt ein wenig sperrig für unsere heutigen Ohren und – wie schon gesagt – der Vortragstil ist gewöhnungsbedürftig …

Aber so etliche der Zeilen lassen einen dennoch aufhorchen:

Das ist z.B. dieses „Über den Untergang der Stadt Freystadt“, das wohl intensiveste Gedich dieses Albums … und das ist dann auch kein Wunder:

„Ein Jahr später, 1637, brannte nach Abzug einer feindlichen Besatzung die Stadt Freystadt ab, und zwar völlig. Freystadt liegt 40km nordwestlich von Glogau. Der junge Gryphius erlebte den Brand als Augenzeuge“ (aus „Schlesische Lyrik des 17. Jahrhunderts-Blütezeit deutscher Dichtung mitten im großen Krieg“ Vortrag von Wolfgang Beitinger, 2001)

Oder aber auch „Friedenreiches Freudenlied“ von Martin Rickart:

Er hat nach dem so so sehnlich erwarteten  Frieden von Münster und Osnabrück ein Freudenlied gedichtet, das all den Optimismus erklingen läßt, der die folgende überaus schöpferische Epoche erahnen läßt! (aus „Schlesische Lyrik des 17.  Jahrhunderts-Blütezeit deutscher Dichtung mitten im großen Krieg“ Vortrag von Wolfgang Beitinger, 2001)

Und dann gibt es noch einen kleinen 4-Zeiler, der könnte doch glatt von Eugen Roth sein:

Das menschliche Alter:

Ein Kind weiß nichts von sich, ein Knabe denket nicht,
Ein Jüngling wünscht stets, ein Mann hat immer Pflicht,

Ein Alter hat Verdruß, ein Greis wird wieder Kind,
Schau lieber Mensch, was das für Herrlichkeiten sind.

Humor hatten sie also auch noch … trotz der grausigen Jahre jener Epoche.

Und vielleicht wird ja der eine oder andere Leser dieses blog fündig bei Zeilen, die ihn aufhorchen lassen … auszuschließen wäre es nicht.

Die LP (erschienen in der Reihe „Literarisches Archiv“ gegründet von … na … Ernst Ginsberg) hat leider nicht nur ein paar Alterserscheinungen aufzuweisen,  sondern auch noch ein ausführliches Begleitheft mit allen Texten und weiteren Erläuterungen. Vermutlich sind die Aufnahmen bereits 1957 entstanden)

Und dann gab´s ja auch noch den Alan Ginsberg … aber das ist ja ne ganz andere Geschichte *ggg*

 

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Besetzung:
Ernst Ginsberg (Sprecher)

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Titel:

Simon Dach (1605 – 1659):
01. Freundschaftslied 1.27
02. Ihr abgenützten Saiten 1.06

Andreas Gryphius (1616 – 1664):
03. Betrachtung der Zeit 0.37
04. Über den Untergang der Stadt Freystadt 5.53
05. Grabschrift Marianae Gryphiae, seines Brudern Pauli Töchterlein 1.16
06. Über seines jüngsten Sohnes Daniels Geburt 1.16
07. Am Ende 1.24
08. Abend 1.40

Paul Fleming (1609 – 1640):
09. An sich 1.22
10. An Basilenen, nachdem er von ihr gereist war 1.29
11. Auf den Tod eines Kindes 1.08

Friedrich von Logau – Sinngedichte (1604 – 1655):
12. Die Welt ein Buch 0.46
13. Der Frühling 0.37
14. Deutschland wider Deutschland 0.17
15. Die schamhafte Zeit 0.15
16. Heutige Weltkunst 0.22
17. Die tausend goldnen Jahre 0.19
18. Auf einen Ehrgeizigen 0.14
19. Der deutsche Krieg 0.12
20. Der Tod 0.14
21. Ein Vertriebener redet nach seinem Tode 0.20
22. Die tapfere Wahrheit 0.20
23. Das neue Jahr 0.30
24. Das menschliche Alter 0.22
25.  Die Poeten 0.13

Martin Rickart (1586 – 1649):
26. Friedenreiches Freudenlied 1.58

Christian Weise (1642 – 1708):
27. Nachsprung zum Hochzeitstanz 0.49
28. Unvermutete Betrachtung des hereinbrechenden Alters 3.04

Johann Christian Günther (1695 – 1723):
29. Trost-Aria 1.41

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Martin Rickart

Verschiedene Interpreten – Glasl vor´m Aug´(Vienna Midnight Cabaret) (1957)

FrontCover1Und jetzt ein wahres Schmankerl aus den der Wiener Kabarett-Szene der 50er Jahre … ein Schmankerl, das sich gewaschen hat … ob der Hinterfotzigkeit der Texte.

Rafael Wagner über diese Jahres des Kabaretts in Wien:

„Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt der musikalische Anteil eine noch nie da gewesene Qualität
an.
Zeitgleich mit den neuen Aufnahme-und Verbreitungsmöglichkeiten der Medien –Schallplatten und Fernsehsendungen –erreicht das Kabarett ungeahnte Erfolge und eine Verbreitung, wie es sie noch nie in diesem Genre gegeben hat (Hilscher 2003, S. 928-929).

In den 1950er Jahren, die auch als die Goldene Zeit des Kabaretts bezeichnet wird, sind diese Erfolge zum großen Teil einer Gruppe zuzuschreiben, welche bis heute das  Namenlose Ensemble genannt wird. Neben anderen, sich abwechselnden Teilnehmern sind berühmte 3 Kabarettisten wie Helmut Qualtinger und Carl Merz ein fixer Bestandteil diese Gruppierung.

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Bronner spielt Klavier, Peter Wehle steht daneben

Mit ihren Liedinterpretationen, Sketches und Conférencen gestalten sie Erfolgsprogramme wie Glasl vor’m Aug (1957), Spiegel vor’m Gesicht(1958) oder  Dachl über’m Kopf (1959) erheblich mit. Zuständig für die Musik sind jedoch zum größten Teil Gerhard Bronner, Peter Wehle und Georg Kreisler, die eine Vielzahl an Kabarettliedern schreiben, welche sich teils sogar weit über den Kabarettbühnenrand hinaus verbreiten und sich – auf Schallplatte gepresst – bis über hunderttausend Mal verkaufen (Bronner
1995, S.21).

Auch wenn für das Kabarett –  oder nach dessen Theorie – unter anderem eine gewisse Aktualität obligatorisch ist und ihm deswegen der Hang zur Kurzlebigkeit zugeschrieben wird, gelten die oben genannten auch heute noch als DIE österreichischen Musikkabarettisten schlechthin. Mit ihren Tätigkeiten als Liederschreiber, Barbesitzer oder Radiosendungsgestalter haben sie sogar einen maßgeblichen Einfluss auf die österreichische Popularmusik – Szene.

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Helmut Qualtinger Single „Weil mir so fad is“ (1957)

„Das Gift Georg Kreislers […] und die intelligente jüdische Weiterführung der Tradition durch Bronner und Wehle boten Ventile. Und es entstand, was als Austropop später kurze Zeit europäische Bedeutung erhalten sollte“ (Flotzinger/Gruber 1995, S.255)

Bronner und Wehle pflegen eine lange und produktive Freundschaft über viele
Jahre, in denen sie als Duo tausende (sic!) von Liedern komponieren, Welttourneen
bestreiten und im Fernsehen und im Radio tätig sind. Auch wenn der dritte der oben
erwähnten grundsätzlich in den selben Tätigkeitsbereichen zur selben Zeit vergleichbar eifrig und erfolgreich ist, unterscheiden sich jedoch Wertvorstellung und Anspruch zu sehr, was die Zusammenarbeit dieser drei Künstler nur eine von kurzer Dauer werden lässt. Kurz NACHDEM diese begann und kurz BEVOR sie wieder endete, wird jedoch zusammen eine zweiteilige Schallplattenreihe aufgenommen, in der alle drei Musikkabarettisten einen Teil ihrer damaligen, eigens komponierten Kabarettlieder zusammenfassen:

Vienna Midnight Cabaret(1957) und Vienna Midnight Cabaret II (1958).
So unterschiedlich oder parallel ihre Lebenswege bis zu und nach diesen Aufnahmen
auch gewesen sein mögen: Hier wurde ein (=sechs) Stück Zeit – und  Musikkabarettgeschichte festgehalten, in denen drei der bedeutendsten Kabarettisten und Kabarettliederschreiber der späten 1950 Jahre ihr Werk in Form von insgesamt 50 Liedern präsentieren.  (aus der Diplomarbeit „Musik und Humor – Bronner + Kreissler – Wehle“, 2013)

Kreissler&Co

Georg Kreisler, Carl Merz, Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger

Dringendste Hörempfehlug meinerseits: Bitterböse Texte z.B. über die heilige Kuh „Auto“ über die Nacktposen von manchen Frauen auf den Herrenmagazines …

Und es fällt auf, dass die mitwirkende weibliche Künstlerin, Louise Martini sowas von keck zu Werke gehen … ein Genuss !

Und auch musikalisch hat man sich jede Menge einfallen lassen …

Wie gesagt: wahres Schmankerl aus den der Wiener Kabarett-Szene der 50er Jahre !

Louise Martini

Louise Martini

Besetzung:

Gerhard Bronner – Georg Kreisler – Martini – Carl Merz – Helmut Qualtinger – Peter Wehle
+
Orchester des intimen Theaters, Wien unter der Leitung von Kurt Werner
+
Kurt Werner (piano bei 05. – 07.)

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Titel:
01. …Weil mir so fad is (Freizeit die ich meine) (Bronner) 5.35
02. Das becoverte Girl (Kreisler/Bronner) 11.21
03. Der Kreisverkehr (Perpetuum Automobile) (Bronner/Wehle) 6.08
04. Der dialektische Materialismus-Rock (Bronner) 3.14
05. Der Jedermann-Kollapso (Bronner) 2.54
06. Die alte Engelmacherin (Bronner) 5.01
07. Einen Juke will er sich machen (Die Musikbox) (Wehle) 5.47

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Italienischer Bergsteiger-Chor (Societa Alpinisti Tridentini) – Echo der Dolomiten (1957)

FrontCover1Diese EP aus dem Jahr 1957 fungierte unter der Rubrik „Heimatklänge und Volksmusik“, was eigentlich ziemlich dreist ist, denn hier singt ein italienischer Chor und der nannte sich eigentlich „Societa Alpinisti Tridentini“. Und das war kein Phantasiename:

Die Società degli Alpinisti Tridentini (SAT, auch S.A.T.) ist ein Alpiner Verein im Trentino.

Der Verein wurde am 2. September 1872 in Madonna di Campiglio als Società Alpina del Trentino gegründet. Seit 1920 ist die SAT eingegliedert in den Club Alpino Italiano (CAI), hat sich als „gruppo provinciale“ jedoch teilweise Autonomie vom Hauptverein bewahrt.[1]

Der Verein hat fast 27.000 Mitglieder, aufgeteilt in 83 Sektionen und 6 Gruppen. Er besitzt 34 Schutzhütten, 12 Biwaks und ist für die Wartung von über 5000 Kilometern an Wegen und Klettersteigen im Trentino verantwortlich.

Am Sitz der Società degli Alpinisti Tridentini in Trient befinden sich auch Museum, Archiv und Bibliothek des Vereins. (Quelle: wikipedia)

Briefmarken

1972 wurde dieser Verein von der italienischen Post mit seiner Sonderedition gewürdigt.

Also … wir hören hier einen stimmungsvollen Männerchor, der natürlich auch La Montanara singen muss.

Aber dann gibt es noch eine wirklich Perle der a-capella Musik: „La sposa morta“ … einfach nur beeindruckend …

Unterstützung hatte dieses Bergsteiger Ensemble übrigens von einem Antonio Pedrotti (14. August 1901 – 15. Mai 1975 in Trento), der in Italien damals ein ganz großen Namen als Komponist und Dirigent hatte.

Und dann gibt es noch zu berichten, dass diese Aufnahmen auch in Großbritanien erschienen sind … man glaubt es kaum.

Logo

Das Logo von „Societa Alpinisti Tridentini“

Besetzung:
Societa Alpinisti Tridentini

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Titel:
01. La Montanara (Pigarelli/Ortelli) 3.30
02. Teresina, va ti vesti (Traditional) 2.20
03. La sposa morta (Traditional) 2.36
04. E salta for so pare (Traditional) 1.57

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Dieter Hildebrandt – Hans J. Diederich (Münchner Lach- und Schießgesellschaft) – Bette sich wer kann (1957)

frontcover1Prädikat: legendär !

Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft wurde als politisches Kabarett 1956 vom Journalisten Sammy Drechsel und Dieter Hildebrandt gegründet. Sammy Drechsel war bis zu seinem Tod 1986 Leiter und Regisseur des Kabaretts. Zusammen mit Dieter Hildebrandt und Klaus Peter Schreiner schrieb er auch rund 80 Prozent der Texte. Die musikalische Leitung hatte Walter Kabel inne, der auch komponierte.
Die Lach und Schieß hat ein eigenes Theater in der Schwabinger Ursulastraße, nahe der Münchner Freiheit.
Dieter Hildebrandt zeigte im Februar 1952 anlässlich eines Faschingsfestes der Theaterwissenschaftler an der Universität München zusammen mit seinen Kommilitonen Gerd Potyka, Klaus Peter Schreiner und Guido Weber im Schwabinger Kellerlokal Alte Laterne ein improvisiertes Programm mit Sketchen. Der Erfolg beim Publikum hatte zur Folge, dass die Wirtin die Studenten einlud, zweimal pro Woche gegen Freibier und warmes Abendessen aufzutreten.

Eine gute Woche später, am 25. Februar 1952, fand das offizielle Debüt des Kabaretts Die Namenlosen mit dem lakonischen Titel Ihr erstes Programm statt. Auch nach dem Fest blieb die Truppe zusammen. Das zweite Programm trug den Namen Es ist so schön, privat zu sein und beschäftigte sich mit der Wiederbewaffnungsdebatte. Die Truppe gastierte damit im Juli 1955 täglich im Café Freilinger in der Leopoldstraße.

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Münchner Lach- und Schießgesellschaft, 1957

Sportreporter Sammy Drechsel vermittelte schließlich das Schwabinger Lokal Das Stachelschwein von Fred Kassen in der Ursulastraße als dauerhaften Auftrittsort. Ab dem dritten Programm Die Nullen sind unter uns, das am 3. November 1955 Premiere hatte, übernahm Drechsel die Regiearbeit. Im Spätsommer 1956 machten sich Hildebrandts Kollegen selbständig. Die Namenlosen wurden nun von Drechsel und Hildebrandt 1956 zur Münchner Lach- und Schießgesellschaft weiterentwickelt. Der Name entstand nach einer Idee von Oliver Hassencamp als Paragramm auf Wach- und Schließgesellschaft.

Drechsel gelang es, zusätzlich zu Hildebrandt drei bereits profilierte Kabarettisten für das Projekt zu gewinnen. Die Erstbesetzung der Münchner Lach- und Schießgesellschaft bestand aus Ursula Herking, Klaus Havenstein (beide von der Kleinen Freiheit), Hans Jürgen Diedrich (von den Amnestierten) und Dieter Hildebrandt. Das erste dreistündige Programm Denn sie müssen nicht, was sie tun hatte am 12. Dezember 1956 in dem überfüllten Lokal Premiere und wurde von der ARD im März 1957 ausgestrahlt. Themen waren unter anderem der Betrieb in einem Managerbüro und in einer Werbeagentur. Von da an gehörte eine jährliche Ausstrahlung der aktuellen Kabarettprogramme zum Sendeschema der ARD, am Silvesterabend unter dem Titel Schimpf vor 12. (wikipedia)

Hier Auszüge aus ihrem vermutlich 2. Programm „Bette sich wer kann“ …  (Die Premiere war am 25.4.1957, in der ARD wurde das Programm dann 9.1.1958 ausgestrahlt).
Und damals schrieb Die Zeit zu diesem Programm folgendes:
Nun danket alle ab!“ – „Der Bruch der Welt durch Welt im Bruch.“ – „Drei Miezen im Brunnen …“ Vier Kabarettisten suchen einen Titel: Titelsucht. Damit fängt es an… Aber „wie man sich bettet, so schallt es heraus“, meinen sie am Ende (der ersten Nummer), und so einigen sie sich auf: „Bette sich wer kann.“
„Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ heißt das kleine Ensemble aus Schwabing, das jetzt Nähe Kurfürstendamm gastiert. Berlin ist hin.
Ursula Herking, alte Bekannte aus großer Kabarett-Nachkriegszeit, bajuwarisch angereichert, kehrt sie von der Isar für lachende Stachelschweinswochen an die Spree zurück.
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Dieter Hildebrandt, Ursula Noack, Klaus Havenstein, Jürgen Diedrich in den 1950er Jahren

Angereichert? Um Dieter Hildebrandt vor allem, einen Texter vom Range Erich Kästners. Zufällig nicht aus Sachsen, sondern von Breslau-Lerge!
Angereichert um zwei Hamburger: Hans Jürgen Diedrich, klein und blitzlustig, und Klaus Havenstein, mindestens 300 ccm Humor-Hub unter der Narrenhaube.
Bajuwarisch? Nur der Name „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“! Sonst alles erfreulich überprovinziell. Wie nennt man das? Haben wir wirklich nur das gespreizte „gesamt-deutsch“ dafür?
„Sissy ist eine Ostmark wert“, bemerkt die Herking unnachahmlich trocken in der Romy-Schneider-Parodie. „Tu felix Austria schneidere! Blatz, blaß heim ins Reich.“ „Der deutsche Film ist uns zu Subventionen …“
Die Späße bleiben trotz Würze immer sanguinisch, während wir die vertrauten Stachelschweine, in deren „Ewiger Lampe“ die „Lachgesellschaft“ hospitiert, eher cholerisch kennen. Der Berliner Witz ist sägender und kreischt auch mehr. Diese Neu-Münchner liefern literarischen Feinschnitt, alles überflüssige Fett ist wegtrainiert aus ihren blitzgescheiten Texten.
Politik? Maßvolle Opposition nach oben und rechts. Aber auch: „Was dem einen sin Ul-bricht, dem andern sein Genick.“ Das war selbst dem Berliner Publikum eine Windung zu viel, es saß verdutzt. Aber sonst Schmunzeln über drei Stunden und gemütliche Sympathie: „Das Leben ist triste – verdammt dazu biste.“ (T. K., Berlin, Die Zeit vom 5. September 1957)
Und schon damals waren Dieter Hildebrandt und Hans J. Dietrich die heimlichen Stars des Ensembles, denn Polydor entschied sich damals, ausschließlich die langen Solobeiträge der beiden auf einer LP zu veröffentlichen:
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Nun, die Texte sind natürlich insofern antiquiert, weil sie natürlich die damaligen Themen aufs Korn nehmen …. aber Wortwitz und Sprachkunst … Esprit und pfiffige Wendungen … die kann man heute noch genießen und so manches Thema … ist gar nicht soooo  veraltet … auch wenn sich die Namen verändert haben.
Lach- und Schiessgesellschaft/ Personen
Besetzung:
Hans J. Diedrich
Dieter Hildebrandt
+
Heinz Briola (bass)
Fred Kassen (piano)
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Titel:

01. Musikalische Einleitung (Sammy-Fox) (Kabel) 9.18
02  Der Schlafwagenschaffner (Hildebrandt) 26.59
03. Der Bettelstudierte (Kabel/Schreiner) 11.13
04. Der Charaktermime (Kabel/Schreiner) 12.47
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(Diesmal ohne Passwort)

Heinz Munsonius und seine Solisten – Akkordeon-Plaudereien (1957)

frontcover1Ja, ja … die „gute alte Zeit“ … und von ihr verkündet diese Single aus dem Jahr 1957.

Heinz Munsonius (* 7. September 1910 in Berlin; † 23. Februar 1963) war ein deutscher Akkordeonist, Arrangeur, Komponist und Bandleader der Swing-Ära. Er zählt mit Albert Vossen und Will Glahé zum „Dreigestirn der großen Akkordeonisten“ Deutschlands in den 1930er bis 50er Jahren.

Munsonius begann mit 14 Jahren auf Wunsch seiner Eltern eine Ausbildung zum Schriftsetzer; daneben nahm er Unterricht in Klavier und Musiktheorie. Als er während der Weltwirtschaftskrise keine Arbeit in seinem Beruf fand, suchte er sein Auskommen als Virtuose auf dem Piano-Akkordeon. Er begann als Begleitsolist eines Musical-Clowns, der als Comic Strip Figur „Adamson“ die Varietébühnen Europas bereiste. Die Musikindustrie wurde bald auf Munsonius’ Akkordeonspiel aufmerksam; schließlich wurde er von der Plattenfirma Kristall/Imperial unter Vertrag genommen.

Munsonius leitete ab den späten 1930er Jahren in Berlin ein eigenes Studioensemble (Heinz Munsonius mit seinen Solisten), mit dem Aufnahmen für das Label Kristall und bis Mitte 1943 für Imperial entstanden. Darunter waren neben Instrumentalnummern auch Lieder, u. a. mit den Sängern Rudi Schuricke (Stern von Rio, Imperial 17307), Günter Blumberg (Leb wohl, Adieu, auf Wiedersehn), Erwin Hartung (Psst Blondine / Dort an der Mühle), und der Sängerin Anita Spada (Lied eines jungen Wachtpostens.) sowie mit dem Günther Arndt Kinderchor (Der fröhliche Wanderer). In seiner Band spielten Helmuth Friedrich, Helmut Zacharias, Fred Pelzer, Willy Berendt, Karl Grassnick, Heinz Glagau, Freddie Brocksieper, Franz Teddy Kleindin und Charly Tabor. Ferner wirkte er in dieser Zeit als Musiker bei Aufnahmen von Michael Jary und seinem Orchester (Odeon, 1939). Einige seiner Kompositionen, wie „Techtelmechtel“, wurden auch von anderen Orchestern interpretiert, wie dem von Will Glahé. Seine Kompositionen und viele Arrangements für Akkordeon erschienen in Form von Notenblättern. Munsonius arbeitete zu jener Zeit in enger Freundschaft mit dem Musiker und Komponisten Heinz Gerlach (Tanzende Finger) zusammen, bis die beiden 1943 zur Wehrmacht eingezogen wurden, wo Munsonius als Akkordeonvirtuose bei der Truppenbetreuung eingesetzt war.

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In der Nachkriegszeit formierte Munsonius erneut ein Orchester, mit dem er ab Mai 1947 für Odeon (mit den Elskamp Brothers, Home on the Range, 1947), Amiga (Klatschbasen) und noch 1953 für Telefunken aufnahm. Im Bereich des Jazz war er zwischen 1938 und 1953 an 48 Aufnahmesessions beteiligt. Heinz Munsonius starb 1963 an den Folgen einer Gelbsucht-Erkrankung, die er sich während des Russland-Feldzugs zugezogen hatte. (Quelle: wikipedia)

Na und dann tauchen wir malein in jene Klänge, früher mal populär waren.und unwillkürlich erscheinen vor meinem Augen jene Krimes-Szenarien, die meine Kinderaugen ganz groß werden ließen. Ein prachtvoller Soundtrack für Fahrgeschäfte  der unterschiedlichsten Art.

Und von daher: hier ein kleiner Nostalgietrip, den man sich ja auch mal gönnen kann … ist ja nur eine Single.

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Besetzung:
Heinz Munsonius und seine Solisten

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Titel:

01. Akkordeon-Plaudereien (Teil 1): (4.26)
01.1. Tanzende Finger
01.2. Fliegende Blätter
01.2. Quecksilber
01.4. Kurz Und Gut

02. Akkordeon-Plaudereien (Teil 2): (4.23)
02.1. Springende Punkte
02.2, Im Gänsemarsch
02.3. Kleiner Mohr
02.4. Huckepack
02.5. Karo Sieben

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Männerchor des Wiesentals + Hans Schöpflin – 50 Jahre Schöpflin-Haagen (1957)

frontcover1Und jetzt schlag ich einen ganz großen Bogen … von der Gründung einer Textilfabrik im Jahr 1929 über ein Großversandhaus bis hin zu einer bemerkenswerten Stiftung (gegründet 2001), die es noch heute gibt:

Schöpflin war eine deutsche Textil-Manufaktur und ein Versandhaus in Lörrach (Baden-Württemberg).

Die Textilfabrik wurde im Jahre 1929 von dem Unternehmer Wilhelm Schöpflin (1881–1952) gegründet. Von 1837 bis 1937 betrieben die Gebrüder Großmann im Ortsteil Brombach das bis 1914 erfolgreichste Textilunternehmen Deutschlands. Dieses Unternehmen wurde von Schöpflin übernommen.

Im Jahre 1948 startete Hans Schöpflin (1906–1985), der Sohn des Gründers, ein Großversandhaus mit dem Schwerpunkt Textilwaren. Es wurden Garne, Strick- und Häkelwolle, aber auch Fertigprodukte wie Teppiche angeboten. Vom Firmensitz im Ortsteil Haagen warb er mit Sprüchen wie „Wer den Pfennig ehrt, nach Haagen fährt“ oder „Schöpflin Haagen – weitersagen“. Das Versandhaus wurde 1964 von Quelle übernommen, wobei der Markenname Schöpflin noch fast 40 Jahre erhalten blieb.

Die Logistikzentrale für das Versandhaus Schöpflin in Lörrach wurde bereits Anfang der 1970er Jahre mit einer vollautomatisierten Fördertechnik betrieben, die mittels Barcodelesern durch Computer gesteuert war. Die Krise in der Textilindustrie führte 1976 zunächst zur Schließung der Spinnerei. Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1989 wurde ein Versandstandort in Bücknitz (Brandenburg) aufgebaut. Dieser Standort wurde bis zur Schließung des Unternehmens beibehalten.

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Katalogseite, 1954

Der Konkurrenzkampf unter den Versandhäusern brachte auch die Firma Schöpflin in Bedrängnis. Laut Gutachten eines Unternehmensberaters, der einen Sanierungsvorschlag erarbeiten sollte, wurden etwa ein Drittel aller Waren von den Schöpflin-Kunden wieder zurückgeschickt. Die Ankündigung, den Standort in Lörrach 1999 aufzugeben, führte zu heftigen Auseinandersetzungen bis hin zu Kirchenaustritten und einem Boykottaufruf gegen den Mutterkonzern Quelle. Die vom Quelle-Management getroffene Entscheidung bedeutete für den Ort vorübergehend leere Fabrik-, Büro- und Geschäftsgebäude. Der Versand erfolgte bis zuletzt vom Standort Bücknitz aus.

Nach der Schließung des Großversandhauses Schöpflin GmbH übernahm das Unternehmen Mode & Preis Versandhandels GmbH dessen Geschäftsräume und einen Teil der Mitarbeiter. Mode & Preis kam im Jahre 2005 mit 110 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von fast 150 Millionen Euro. Mode & Preis wurde zunächst von der Münchner Investmentgesellschaft Aurelius übernommen und Anfang 2010 geschlossen.
Sonstiges
Wilhelm und Hans Schöpflin sind Ehrenbürger von Lörrach. Mit seinen Geschwistern Albert und Heidi gründete Hans Schöpflin die unabhängige und gemeinnützige Schöpflin Stiftung.[6] Diese finanziert u.a. den freihandelskritischen KMU-Verband Movement for Responsibility in Trade Agreements.(Quelle: wikipedia)

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Diverse Kataloge

Nun, anlässlich des 50jährigen Firmenjubiläums gab´s dann diese Flexi-Single … die mehr als durchwachsene Klangqualität erklärt sich eben aus den Faktoren „Flexi“ und bald „60 Jahre alt“ …

Wir hören einen markig-sentimentalen Männerchor und dann die kurze und stolze Ansprache eines ehemaligen 75jährigen  Mitarbeiters der Firma und dann preist auf Seite 2 der damalige Firmenchef Hans Schöpflin sein „Familienunternehmen“ an ….  Heutzutage hat da wieder mal einen sehr hohen Drolligkeitswert … damals meinte man das auch so, wie man es eben aufnahm.

Viel wichtiger ist allerdings, dass die drei Kinder jenes Hans Schöpflins – über viele „Umwege“ auf die Idee kamen, die „Schöpflin-Stiftung“ zu gründen … eine Stiftung, die es in sich hat:

stiftung

Und die Stiftung hat sich auch zum Thema TTIP Gedanken gemacht … eine Broschüre zu diesem Thema lege ich deshalb einfach mal der Präsentation bei.

Schon eigenartig … da entdeckt man in seinem Stapel von Singles diese kleine Kuriosität, beschäftigt sich ein wenig mit dem Unternehmen und es öffnet sich ein ganz neuer Kosmos … der mir vorher völlig unbekannt war …

studietitel

Besetzung:
Männerchor des Wiesentals (bei 01.)

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Titel:
01. Im schönsten Wiesengrunde (Traditional) 3.07
02. Ansprache (1) 0.57
03. Ansprache 2 (Hans Schöpflin präsentiert sein Familienunternehmen) 3.58

labels

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Eine wahrlich bewegende Familiengeschichte