Joseph Haydn – Symphonie Nr 94 G-Dur („Mit dem Paukenschlag“) (Wiener Philharmoniker Josef Krips) (1957)

FrontCover1Ein weiteres Beispiel für die allseits beliebte Edition „Berühmte Künstler – Unsterbliche Musik von Decca Schallplatten aus den 50er Jahren.

Diesmal wird Joseph Haydn mit seiner Symphonie Nr. 94 G-Dur vorgestellt, die auch den Untertitel „Mit dem Paukenschlag“ trägt.

Und hier der Versuch einer musikhistorischen Betrachtung:

Die Sinfonie Nr. 94 G-Dur komponierte Joseph Haydn im Jahr 1791. Das Werk entstand im Rahmen der ersten Londoner Reise, wurde am 23. März 1792 uraufgeführt und trägt den Titel mit dem Paukenschlag bzw. Surprise (englisch: Überraschung). Insbesondere der langsame Satz zählt zu den bekanntesten Werken Haydns.

Zu allgemeinen Angaben bezüglich der Londoner Sinfonien vgl. die Sinfonie Nr. 93. Der deutsche Titel mit dem Paukenschlag bezieht sich auf einen unerwarteten Fortissimoschlag im zweiten Satz. Er ist insofern „etwas unpräzise“, da sich neben den Pauken auch alle anderen Instrumente an dem entsprechenden Schlag beteiligen. In England wurde die Sinfonie mit dem Titel „The Surprise“ (Die Überraschung) bekannt, wobei dieser Titel vermutlich auf den Flötisten Andrew Ashe zurückgeht.

Die beiden zeitgenössischen Haydn-Biographen, Georg August Griesinger und Albert Christoph Dies, berichten in verschiedener Weise zum Hintergrund des Andante:

„Ich fragte Haydn einst im Scherz, ob es wahr wäre, dass er das Andante mit dem Paukenschlag komponiert habe, um die in seinem Konzert eingeschlafenen Engländer zu wecken? „Nein“, erhielt ich zur Antwort, „sondern es war mir daran gelegen, das Publikum durch etwas Neues zu überraschen und auf eine brillante Art zu debütieren, um mir nicht den Rang von Pleyel ablaufen zu lassen, der zur nämlichen Zeit bey einem Orchester in London angestellt war.“

Haydn „Haydn machte mit Verdruß die Bemerkung, daß selbst im zweiten Akt [der Konzerte] der Gott des Schlafs seine Flügel über die Versammlung ausgebreitet hielt. Er sah das für eine Beschimpfung seiner Muse an, gelobte, dieselbe zu rächen, und komponierte zu diesem Endzwecke eine Symphonie, in welcher er da, wo es am wenigsten erwartet wird, im Andante, das leiseste Piano mit dem Fortissimo im Kontrast brachte. Um die Wirkung so überraschend als möglich zu machen, begleitete er das Fortissimo mit Pauken. (…) Haydn hatte die Paukenschläger vorzüglich gebeten, dicke Stöcke zu nehmen und recht unbarmherzig dreinzuschlagen. Diese entsprachen auch völlig seiner Erwartung. Der urplötzliche Donner des ganzen Orchesters schreckte die Schlafenden auf, alle wurden wach und sahen einander mit verstörten und verwunderten Mienen an. (…) Da aber während dem Andante ein empfindsames Fräulein von der überraschenden Wirkung der Musik hingerissen, derselben nicht hinlängliche Nervenkräfte entgegenstellen konnte, deswegen in eine Ohnmacht viel und an die frische Luft geführt werden mußte, so benützten einige diesen Vorfall als Stoff zum Tadel und sagten, Haydn habe bisher immer auf eine galante Art überrascht, doch dieses Mal sei er sehr grob gewesen. Haydn bekümmerte sich wenig um den Tadel; sein Endzweck, gehört zu werden, war vollkommen und selbst für die Zukunft erreicht.

Die große Bekanntheit der Sinfonie beruht in erster Linie auf dem zweiten Satz. Dieser war auch für sich in zahlreichen Instrumentierungen und Bearbeitungen verbreitet, von denen die meisten noch in den ersten Jahren nach der Uraufführung entstanden. U. a. handelt es sich dabei um Textierungen der Hauptmelodie und z. T. auch einiger Variationen in verschiedenen Sprachen. Eine der frühesten Bearbeitung für Klavier und Gesang ist in englisch und italienisch mit den Texten Hither com ye blooming fair bzw. Per compenso offir non sò. Das Menuett wurde 1811 als Teil eines Quodlibets unter dem Namen Rochus Pumpernickl in Bonn veröffentlicht. Hier ist die Melodie verändert und mit einem fremden Trio zusammengestellt worden. Auch Haydn selbst hat den Satz bearbeitet: In der Arie seines 1801 komponierten Oratoriums Die Jahreszeiten lässt er den Ackermann die Melodie dieses Satzes bei der Arbeit auf dem Felde flöten.

Unklar ist, ob Haydn die Melodie des Andante vollständig selbst komponiert oder ganz bzw. teilweise aus einem Volkslied übernommen hat. Ein Kandidat dafür ist bspw. das österreichische Lied Geh im Gässle auf und n’unter. Einerseits eignet sich die Melodie ihren einfachen Intervallen und wiederholten Tönen gut zum Vortrag eines Textes, andererseits sprechen aber gerade die vielen Textierungen gegen die Existenz eines allgemein bekannten Liedes.

NotenIn der ersten Fassung des zweiten Satzes war der namensgebende Paukenschlag nicht vorgesehen. Nachdem allerdings gemäß den zeitgenössischen Zeitungsberichten der Paukenschlag bei der ersten Aufführung eine große Wirkung erzielte, muss Haydn ihn schon vorher angebracht und den zweiten Satz aus dem Autograph entfernt haben. Die betreffende Seite ist im enthaltenen Fragment auch durchgestrichen, aber die geänderte Fassung in der Eigenschrift des Komponisten ist bis heute nicht aufgefunden worden.

Beispiele für Aussagen zur Sinfonie Nr. 94:

„Die Symphonie […] weist […] eine einfache und klare tonale Struktur auf. Von ihren vier Sätzen stehen drei in der Haupttonart, G-Dur. Die Einfachheit geht so weit, dass selbst die Einleitung zum ersten Satz und das Trio des Menuetts in G-Dur geschrieben sind. Allein für den zweiten […] Satz wählte Haydn eine andere Tonart, nämlich die Subdominant-Tonart C-Dur, und dieser Satz ist auch der einzige, in dem ein längerer Moll-Abschnitt vorkommt. Im ganzen Werk werden also tonale Spannungen geradezu vermieden.“ (Marie Louise Martinez-Göllner)

„Insgesamt ist die Sinfonie Nr. 94 zwar nicht übermäßig komplex, aber doch auch weniger leicht zu durchschauen, als dies der Beiname suggeriert, der nicht wenige Interpreten dazu bewog, sich allein dem Überraschungseffekt des Paukenschlags zuzuwenden. Die im Vergleich zu den früher angeführten „Londoner Sinfonien“ schwerere Verständlichkeit der Nr. 94 dürfte auch der Grund sein, warum Haydn die schon 1791 komponierte Sinfonie zunächst zurückhielt und erst 1792 als fünfte Sinfonie der Serie aufführen ließ.“ (Michael Walter)

„[Die Sinfonie] hat im Laufe der Haydn-Rezeptionsgeschichte eine für ein tieferes Verständnis dieses Werkes geradezu ruinöse Popularität erlangt: Die ‚Paukenschlag‘-Symphonie nimmt im gängigen Haydn-Repertoire etwa dieselbe Stelle ein wie ‚Eine kleine Nachtmusik‘ im Mozart- oder die ‚Schicksalssymphonie‘ im Beethoven-Repertoire.“  (nformationstext zur Aufführung der Sinfonie Nr. 94 am 2. Oktober 2010 der Haydn-Festspiele-Eisenstadt)

Nun, soweit so gut.

Eingespielt wurde dieses 10″ Album von den sicherlich schon damals angesehenen Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Josef Krips.

Und auch über diesen Josef Krips mag ich ein wenig informieren:

Josef Alois Krips (* 8. April 1902 in Wien; † 13. Oktober 1974 in Genf) war ein österreichischer Dirigent.

Krips war ein Schüler von Eusebius Mandyczewski und Felix Weingartner. Von 1921 bis 1924 wirkte er zunächst als Korrepetitor und Weingartners Assistent, später als Chorleiter und Dirigent an der Wiener Volksoper. Nach einjährigen Engagements als Opernchef in Aussig und erster Kapellmeister in Dortmund wurde er 1926 zum Hofkapellmeister an der Badischen Hofkapelle Karlsruhe und kurze Zeit später zum damals jüngsten Generalmusikdirektor Deutschlands ernannt. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 kehrte er als Dirigent nach Wien zurück und wurde 1935 auch Professor an der Wiener Akademie.

AutogrammkarteKripsNach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 zog Krips nach Belgrad, wo er ein Jahr als Gastdirigent arbeitete. 1939 ging er nach Wien zurück, erhielt aber wegen der jüdischen Herkunft seines Vaters Berufsverbot. Nach einem kurzen Engagement in Budapest arbeitete er heimlich als Korrepetitor und gab Privatstunden, 1943 erhielt er durch einen Freund eine Stelle in einer Lebensmittelfirma und wurde daher nicht zur Wehrmacht eingezogen.

Nach dem Krieg war Krips der einzige österreichische Dirigent, der als unbelastet galt und sofort wieder arbeiten durfte. So wurde Krips zu einem der meistgefragten Dirigenten. Er war der Erste, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Wiener Philharmoniker leitete, und dirigierte bei den ersten Salzburger Festspielen der Nachkriegszeit. In den Jahren 1946 und 1947 leitete er das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Von 1950 bis 1954 war Josef Krips Chefdirigent des London Symphony Orchestra, anschließend, in gleicher Funktion, neun Jahre Leiter des Buffalo Philharmonic Orchestra in New York sowie, von 1963 bis 1970, Chef des San Francisco Symphony Orchestra. Seine letzte Stelle trat er 1970 an, als er Dirigent der Deutschen Oper Berlin wurde. Von 1970 bis 1973 war er Hauptdirigent der Wiener Symphoniker. Als erster österreichischer Dirigent unternahm er eine Tournee durch die Sowjetunion. Krips’ letzter großer Erfolg, Anfang 1974, war eine Neuinszenierung von Così fan tutte an der Grand Opéra Paris.

Eine große Zahl der Aufnahmen von Krips ist immer noch beliebt, beispielsweise die Sinfonien von Beethoven mit dem London Symphony Orchestra, die 1960 aufgenommen wurden und in den 1990er Jahren auf CD erschienen. Bekannt sind auch seine Interpretationen von Mozart-Opern wie Don Giovanni oder Die Entführung aus dem Serail. Mit dem Amsterdamer Concertgebouw-Orchester nahm er 1972–1974 einen acht Langspielplatten umfassenden Zyklus von Mozarts späten 20 Sinfonien auf.

Krips war drei Mal verheiratet: In erster Ehe (1925) mit Maria Heller († 1930) aus Aussig, in zweiter (1947) mit Maria(nne) (Mitzi) Weinlinger geborener Willheim (* 1897, † 9. April 1969), in dritter (9. Oktober 1969) mit Harrietta Procházka (* 1938)

Josef Krips wurde auf dem Neustifter Friedhof in einem Ehrengrab bestattet (Gruppe 16, Reihe 4, Nummer 30). 1988 wurde die Kripsgasse in Wien-Liesing nach ihm benannt. (Quelle: wikipedia)

Anzumerken gilt es noch, dass die Klangfülle dieser Aufnahme schon recht beeindruckend ist und dass diese Symphonie wahrlich seine eindrucksvollen Momente hat.

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Besetzung:
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Josef Krips

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Titel:
01. Satz 1: Adagio cantabile – Vivace assai 6.44
02. Satz 2: Andante 6.11
03. Satz 3: Menuett (Allegro molto) 5.10
04. Satz 4: Finale (Allegro molto) 3.54

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Dietrich Fischer-Dieskau – Hugo Wolf – Mörike Lieder (1957)

FrontCover1Und nun wenden wir uns wieder mal dem Kunst-Lied zu …

Hier hören wir Kompositionen von Hugo Wolf:

Hugo Wolf (* 13. März 1860 in Windischgrätz; † 22. Februar 1903 in Wien) war ein österreichischer Komponist und Musikkritiker, der insbesondere mit seinen „Möriker Liedern“ zu großer Popularität kam:

„Die insgesamt 53 Mörike-Lieder, die alle zwischen Februar und November 1888 entstanden sind, zählen zu den Höhepunkten des rund 300 Titel umfassenden lyrischen Œuvres von Hugo Wolf. Mit ihnen sind seine Künstlerpersönlichkeit und musikalische

Hugo Wolf

Hugo Wolf

Schaffensweise voll ausgeprägt. Originalität und Avanciertheit mancher dieser Lieder hat er später nicht mehr überboten.“ (Kurt Malisch)

Und dann der Eduard Friedrich Mörike: (* 8. September 1804 in Ludwigsburg, Kurfürstentum Württemberg; † 4. Juni 1875 in Stuttgart, Königreich Württemberg) war ein deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer. Er war auch evangelischer Pfarrer, haderte aber bis zu seiner frühen Pensionierung stets mit diesem „Brotberuf“.

Mörike wurde zu Lebzeiten als bedeutendster deutscher Lyriker nach Goethe bezeichnet. Trotz der späten Ehrungen erkannten aber nur wenige seine literarische Bedeutung. Jakob Burckhardt gehörte zu ihnen, oder Theodor Storm und Iwan Turgenew. Mörike galt lange Zeit als ein typischer Vertreter des Biedermeier, der die vertraute und enge Heimat besingt. Georg Lukács tat ihn ab als einen der „niedlichen Zwerge“ unter den Dichtern des 19. Jahrhunderts.[30] Heute erkennt man das Abgründige in Mörikes Werk und die Modernität seiner radikalen Weltflucht. (Quelle: wikipedia)

Eduard Mörike

Eduard Mörike

Interpretiert wurden auf dieser EP insgesamt 5 Lieder aus dem Hugo Wolf Zyklus von Dietrich Fischer-Dieskau:

Dietrich Fischer-Dieskau (* 28. Mai 1925 in Berlin; † 18. Mai 2012 in Berg) war ein deutscher Sänger (Bariton), Dirigent, Maler, Musikschriftsteller und Rezitator.

Fischer-Dieskau gilt als einer der bedeutendsten Lied- und Opernsänger des 20. Jahrhunderts. Mit über 400 Schallplatten ist er der Sänger, von dessen Interpretationen die meisten Einspielungen auf Tonträgern überhaupt existieren dürften.

Nach seinem Tod lobte sein Kollege René Kollo Fischer-Dieskau als „stimmlich einfach prädestiniert für das Lied“ und vom Wesen her als „sehr reizend, sehr hilfreich, sehr freundschaftlich“.[8] Brigitte Fassbaender sagte, der Sänger sei „ein hoch empfindsamer Mensch von großer geistiger Klarheit“ gewesen. „Für alle, die mit ihm gearbeitet haben, war er immer in hohem Maße auch Vorbild. Er war einfach eine natürliche, große Autorität.“ (Quelle: wikipedia)

Dieter Fischer-Dieskau

Dietrich Fischer-Dieskau

Nun gut … hören wir hier also prachtvolle Lieder für das Bürgerbildungstum … vergangene romantische Empfindungen könnten wach werden … ich suche sie allerdings noch. Will sagen: Mir bleibt diese musikalische Welt verschlossen. Und ich glaub, als Schüler haben wir ganz albern über diese Texte gekichert …

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Alternatives Backcover

Besetzung:
Dietrich Fischer-Dieskau (vocals)
Gerald Moore (piano)

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Titel:
01. Fussreise (Am frisch geschnittenen Wanderstab) 2.31
02. Der Gärtner (Auf ihrem Leibrößlein) 1.23
03. Begegnung (Was doch heut nacht ein Sturm gewesen) 1.25
04. Gesang Weyla’s (Du Bist Orplid) 1.48
05. Verborgenheit (Laß, o Welt, o laß mich sein) 2.51

Musik: Hugo Wolf
Texte: Eduard Mörike

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Malcom Arnold + Orchester Mitch Miller – Die Brücke am Kwai + 4 (1957)

FrontCover1… kicher …

Und da schrieb die Graugans:

„… sag mal, haste den River Kwai Marsch womöglich auch … nein, kann nicht sein oder?“

Und deshalb mal wieder ein wenig Filmmusik aus den 50er Jahren und zwar von einem Film, der auch in Deutschland beeindruckte:

Die Brücke am Kwai ist ein Spielfilm von David Lean aus dem Jahre 1957, der auf dem gleichnamigen Roman von Pierre Boulle basiert. Zum Teil weichen Roman und Film jedoch voneinander ab. Die titelgebende Brücke ist historisch, sie überquert in der thailändischen Stadt Kanchanaburi den Fluss Khwae Yai.

Der Film handelt von einer Gruppe britischer Kriegsgefangener in einem japanischen Lager in Burma. Die Gefangenen sollen eine hölzerne Eisenbahnbrücke über den Kwai errichten. Damit die Brücke termingericht fertiggestellt wird, teilt der japanische Lagerkommandant (Oberst) Saito auch die britischen Offiziere zur Arbeit ein. Der Kommandeur des gefangengenommenen Bataillons, der Offizier Lieutenant Colonel (Oberstleutnant) Nicholson, widersetzt sich diesem Befehl. Er beruft sich dabei auf die zweite Genfer Konvention von 1929, die Japan allerdings nicht unterschrieben hatte. Saito reagiert mit drastischen Strafen. Nicholson lenkt schließlich ein.

IllustrierteFilm-Bühne1Nicholson bemüht sich darum, dass seine Soldaten ihren Stolz und ihre Würde behalten und sich nicht wie einfache Sklavenarbeiter von den japanischen Bewachern erniedrigen lassen. Er will Saito die Überlegenheit der britischen Soldaten beweisen, indem er eine technisch aufwendigere Brücke in kürzerer Zeit errichtet, obwohl er sich bewusst sein muss, damit dem Feind zu helfen. Nicholson setzt sich schließlich durch, die Offiziere werden von der körperlichen Arbeit befreit und erhalten Führungstätigkeiten. Die Aufgabe treibt die Soldaten zu Höchstleistungen, und die Brücke wird rechtzeitig fertiggestellt. Saito muss nach der Fertigstellung indirekt die Überlegenheit der Gefangenen eingestehen.

Zur gleichen Zeit ist Commander Shears aus dem Gefängnislager geflohen. Er wird von den Einwohnern gepflegt, aber als er sich erholt hat, wird er sofort wieder rekrutiert, um bei der Sprengung der Brücke mitzuhelfen, da er sich in diesem Gebiet besonders gut auskennt.

Die Handlung des Films endet (im Unterschied zum Buch) mit der Zerstörung der erbauten Holzbrücke durch die Alliierten, welche Nicholson zu verhindern sucht, weil die Brücke für ihn mehr geworden ist als eine Brücke für den Feind: Für ihn ist sie ein Symbol des Widerstandes und des Überlebenswillens seiner Soldaten.

Tatsächlich wurden in Kanchanaburi, 111 km WNW von Bangkok, Kriegsgefangene zum Bau von zwei Brücken gezwungen. Zuerst wurde eine Holzbrücke errichtet und fünf Monate später zusätzlich eine stählerne Brücke. Beide wurden durch die Alliierten zerstört, die Holzbrücke zuerst. Die Stahlbrücke wurde 1946 von einer japanischen Firma wiederaufgebaut. 1971 wurde sie instand gesetzt; sie ist heute noch in Betrieb (♁14° 2′ 27″ N, 99° 30′ 13″ O). (Quelle: wikipedia)

Filmbild

Dass der Film in Deutschland erfolgreich war, zeigt ja auch diese Single/EP (mit 5 Titeln), der dann auf den Markt gebracht wurde, handelte es sich doch den „besten Film des Jahres !“.

Und natürlich kennen wir alle den River Kwai-Marsch … denn diese Musik tönte jahrelang als Werbemusik für die Marke „Underberg“ im Fernsehen. Dass auch die andere Kompositionen sich stark an der Marschmusik orientieren, verwundert angesichts des Filmes nicht wirklich.

Filmplakat

Besetzung:
Mitch Miller Orchester unter der Leitung von Malcolm Arnold

BackCover1Titel:
01. River Kwai-Marsch 2.25
02. Der Sieg des Colonel Nicholson 1.54
03. Der Bau der Brücke 2.55
04. Die Feier im Lager 1.22
05. Finale 2.13

Musik: Malcolm Arnold

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Verschiedene Interpreten – Nächte in Rio (1957)

FrontCover1.JPGIn den 50er Jahren war ja die Bundesrepublik voller Begeisterun für die Exotik aus aller Welt … das galt natürlich auch für Südamerika und vermutlich insbesondere für Brasilien, zumindest für jenes Brasilien, wie es sich Lieschen Müller vorstellte.

Diese Faszination wurde natürlich auch von diversen Orchestern genutzt, um mit „exotischen“ Melodien auf sich aufmerksam zu machen.

So ist auch dieses 10″ Album zu erklären und zu vertehen.

Eingespielt wurde es von den Orchestern Max Greger, Kurt Edelhagen sowie Horst Wende und seinen Solisten.

Und wir hören hier eben verträumt-schwungvolle Melodien vom „Zuckerhut“, der Max Greger nützt seinen Tanztee in Rio zu ein paar „avantgardistischen“ Ausflügen und so haben wir eine nette nostalgische Erinnerung in der Hand.

Und wenn man mal ehrlich ist: Im Grunde genommen machen Quado Nuevo heue nichts anders, freilich auf einem ganz anderen musikalischem Niveau … sie verwenden exotische Klänge wie den Tango für ihre großrtig Musik …

Und auf einen Titel wie „Rumba Kautschuk“ muss man auch erstmal kommen.

Ach ja … und diese alten Cover-Illusrationen … mir gefallen sie noch heute.

Horst Wende

Horst Wende

Titel:
01. Orchester Max Greger: Rumba Kautschuk (Bochmann) 1.58
02. Horst Wende und seine Solisten: Mexico-Mambo (del Gado) 2.57
03. Orchester Kurt Edelhagen: Barcelona (Wilczek) 2.52
04. Orchester Max Greger: Tanztee in Rio (Teil 1) 3.06
04.1. Mambo-Italiano
04.2.Mambo-Jambo
04.3.Cherry-Pink Mambo
05. Orchester Kurt Edelhagen: Guatemala (Farguarsan) 2.26
06. Horst Wende und seine Solisten: Das sind die Nächte von Rio (Jary) 2.45
07. Orchester Max Greger; Tanztee in Rio (Teil 2) 3.02
07.1. Die Carmen sagt si-si
07.2. Yours
07.3. La Cucaracha
08. Horst Wende und seine Solisten: Loca-Rumba (Calle) 2.43

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Verschiedene Interpreten – Hits im Doppelpack (2013) (CD 1)

FrontCover1Die Grundidee dieser CD Edition ist schon amüsant:

Man nehme: Original-Schlager und Hits der 50er  vornehmlich aus den USA und stelle sie den dann später folgenden deutschen Cover-Versionen gegenüber und dann gibt es nicht nur ein buntes Stell-Dich-Ein mit Stars dieser Jahre (Willy Hagara, Bibi Johns etc.), sondern es laufen einem auch jede Menge unbekannte Musikanten über den Weg (Jörg Maria Berg, Bob & Eddy, Hula Hawaiian Quartett9

Und wenn auch die meisten Original-Versionen geschmeidiger sind, so gibt es immer wieder deutsche Interpretationen, die einen aufhorchen lassen, z.B. die von der Evelyn Künnecke und natürlich die famose Inge Brandenburg.

Und so manche Songs sind schon ein wenig keck, man ist fast geneigt zu vermerken, dass sich hier ein unsittliches Gedankengut breit gemacht hat, dass doch sehr bedenklich ist !

Und somit ist diese Präsentation durchaus vergnüglich … mehr als eine Prise Nostalgie wird frei Haus geliefert und das schönste ist, ja, dass weitere 9 Exemplare dieser Art folgen werden !

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Titel:
01 . Mcguire Sisters: Sugartime (Phillips/Echols) (1957) 2.32
02. Willy Hagara: Nur In Portofino (Phillips/Echols/?) (1957) 2.20

03. Glenn Miller: Chattanooga Choo Choo (Gordon/Warren) (1941) 3.16
04. Bully Buhlan: Kötschenbroda Express (Gordon/Warren(?) (1947) 5.14

05. Dean Martin: Bella Bimba (DeMejo) (1952) 2.47
06. Bibi Johns: Bella Bimba (DeMejo/Feltz) (1953) 3.07

07. Johnny Ray: Hernando’s Hideaway (Ross) (1954) 2.24
08. Evelyn Künneke: Hernando’s Hideaway (Ross/Adler/Neumann (1956) 3.01

09. Jimmie Rodgers: Woman From Liberia (Whiting/Rodgers) (1958) 2.07
10. Ted Herold: Isabell (Whiting/Rodgers/Bradtke) (1960) 2.01

11. Franky Lymon: Goody Goody (Vars/Dunham/Mercer) (1957) 2.12
12. Inge Brandenburg: Goody Goody (Vars/Dunham/Mercer/Holland) (1960) 2.08

13. Perez Prado: Patricia (Prado) (1958) 2.20
14. Jörg Maria Berg: Prado (Prado/Beckmann) (1958) 2.52

15. Kay Starr: Rock And Roll Waltz (Allen) (1955) 2.58
16. Evelyn Künneke: Boogie im Dreivierteltakt (Allen/Bradtke) (1956) 2.50

17. Ken Colyer´s Skiffle Group: Casey Jones (Traditional) (1954) 2.33
18. Bob & Eddy: Casey Jones (Traditional/Roda/Petersen) (1959) 2.42

19. Bing Crosby: Jim, Johnny & Jonas (Bond) (1954) 3.03
20. Hula Hawaiian Quartett: Jim, Johnny & Jonas (Bond/Heinzli) (1954) 3.09

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Wolfgang Sauer – Tammy + Dir gehört mein Herz (1957)

FrontCover1Höchste Zeit, dass hier auch mal dem Wolfgang Sauer ein wenig Platz eingeräumt wird:

Wolfgang Sauer (* 2. Januar 1928 in Elberfeld[1]; † 26. April 2015 in Köln) war ein deutscher Jazz- und Schlagersänger, Pianist, Musiker und Rundfunkmoderator.

 

Wolfgang Sauer wuchs in Wuppertal auf, wo seine Eltern ein Elektrogeschäft führten. Bereits im Alter von sieben Monaten erkrankte er am Grünen Star. Als er schulpflichtig wurde, war er bereits fast erblindet. Seither trug er eine dunkle Sonnenbrille, die später zu seinem Markenzeichen wurde. Mit zwölf Jahren kam er in die Deutsche Blindenstudienanstalt nach Marburg, wo er unter anderem Musikunterricht nahm und Klavier, Chorgesang und Kompositionslehre studierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er 1946 das Abitur. Nebenher trat er mit einer Studentenkapelle in amerikanischen Clubs auf, wo er meist Jazzmusik darbot. 1948 hatte Sauer seinen ersten Auftritt im Rundfunk. Da Sauer politischer Journalist, dann Übersetzer werden wollte, studierte er ab 1949 Anglistik und Germanistik an der Universität Köln. In jener Zeit gründete er die No Name Band, ein Jazzensemble, mit dem er 1951 auf Tournee ging.

Wolfgang Sauer01Er musste jedoch das Studium 1952 aus finanziellen Gründen abbrechen. Anschließend widmete er sich wieder der Musik und bekam sein erstes Engagement beim damaligen NWDR in Köln in der Sendung Teemusik. Zusammen mit dem Eilemann-Trio durfte er 14-täglich im Radio Musik machen. Ferner produzierte er Rundfunkaufnahmen mit Kurt Edelhagen in Baden-Baden und Erwin Lehn in Stuttgart. 1953 ging er mit Will Glahé auf Tournee und wurde zum Deutschen Jazzsänger Nr. 1 gewählt. Auf Vermittlung von Nils Nobach erhielt er seinen ersten Plattenvertrag. Für die Electrola nahm er jedoch keine Jazz-Titel, sondern deutsche Schlager auf. Seine ersten Erfolge hießen Eine Melodie geht um die Welt, Du hast ja Tränen in den Augen, Ein kleiner Hund oder Glaube mir, der sich 500.000 Mal verkaufte und zu seinem erfolgreichsten Titel werden sollte, wenngleich dieser Titel wenige Jahre vorher bereits als Mütterlein von Leila Negra und Rudi Schuricke veröffentlicht worden war.

Dennoch sang Sauer neben seinen Schlagererfolgen auch weiterhin Jazz-Titel. Seine Aufnahme von For You My Love (1955) mit einer Combo um Carlo Bohländer, Werner Dies, Glen Buschmann und Hans Podehl verkaufte sich in der Bundesrepublik Deutschland 30.000 Mal und war damit die erfolgreichste deutsche Jazzplatte. Die Platte Night Train mit dem Orchester Erwin Lehn konnte jedoch daran nicht anschließen. Auch führte er 1955 das von Heinz Werner Zimmermann komponierte Geistliche Konzert für Bass, Bariton und Jazz-Orchester auf. Mit Glen Buschmann trat er bis 1958 mehrfach auf dem Deutschen Jazzfestival auf. Sein Jazz-Album Sweet and Swing mit den Orchestern von Paul Kuhn und Berry Lipman aus dem Jahr 1959 verkaufte sich in Australien besser als in Deutschland und wurde erst 2010 wieder veröffentlicht. Es folgten zahlreiche Tourneen und Gastspiele. Er war bis in die 1980er Jahre Stargast als Jazz-Sänger bei den Konzerten der Jazzband Kreisjazzwerkerschaft & Rose Nabinger.

Wolfgang Sauer02

1962 bekam Sauer von Camillo Felgen das Angebot, als Moderator für Radio Luxemburg zu arbeiten. Prominenz am Plattenteller hieß seine Sendung. Es folgten weitere Verpflichtungen bei der Deutschen Welle und beim Deutschlandfunk. 1964 machte er mit Kurt Edelhagen eine Tournee durch die DDR. Ab 1965 spielte er – bis zum Ende des Jahres 2006 – die Überleitungen am Klavier innerhalb der Sendung Wiederhören macht Freude beim Westdeutschen Rundfunk. 1966 vertrat Sauer die Bundesrepublik Deutschland beim Schlagerfestival in Zoppot/Polen mit dem Titel Mädchen ohne Namen. Ende der 1960er Jahre besang er zwei Langspielplatten mit Volksliedern zusammen mit einem Männergesangverein.

In den 1970er Jahren hatte sich Sauer als Schlagersänger eher der moderneren Musik verschrieben. In jener Zeit hatte er einen weiteren Erfolg mit Tango für den Kommissar. Bei diversen Oldiesendungen im Fernsehen sang er jedoch meist seine alten Erfolgstitel wie Ach, man braucht ja so wenig um glücklich zu sein und Cindy, Oh Cindy. 1982 ging er mit seinen Gesangkollegen Gerd Böttcher, Rocco Granata und Fred Bertelmann auf Oldie-Tour.

Wolfgang Sauer03Außerdem war Sauer in den 1980er Jahren Stammgast in diversen Unterhaltungssendungen, wie Zum Blauen Bock und Melodien für Millionen, in denen er meist seinen größten Hit Glaube mir! sang. Er war später noch gelegentlich im Fernsehen zu sehen. Von März 2007 bis 2010 arbeitete er beim Kanal4-Patientenfunk der Paracelsus-Klinik in Marl und präsentierte dort jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat von 18:00 bis 19:00 Uhr die Sendung Die schönen Zeiten der Erinnerung.

Mit seiner ersten Ehefrau Gisela († 1988), mit der er seit 1954 verheiratet war, hatte er einen gemeinsamen Sohn. In zweiter Ehe heiratete er 1992 Ingeborg Sauer († 2012). Am 26. April 2015 starb Wolfgang Sauer im Alter von 87 Jahren.

Sauer erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz. (Quelle: wikipedia)

Also, bei dieser Single ist vom profilierten Jzz so rein gar nichts zu hören … wohl aber vom gepflegten Schnulzensänger mit dieser samtweichen Stimme … kann man ja auch mal hören …

Aber die ganze Bandbreite des Wolfgang Sauer … die muss hier noch dargestellt werden.

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Wolfgang Sauer, 1990

Besetzung:
Wolfgang Sauer (vocals)
+
Hanssen Quartett (background vocals)
+
Paul Kuhn Ensemble

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Titel:
01. Tammy (Livingston/Evans/Bradtke) 2.29
02. Dir gehört mein Herz (Cole/Hawkins/Weingarten) 2.08

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Ernst Ginsberg – Deutsche Lyrik des Barock (1964)

FrontCover1Und gleich nochmal ein wenig Lyrik … allerdings aus einer ganz, ganz anderen Zeit.

Und ich gestehe, ich habe mich diesem Hörbuch (hieß damals allerdings noch nicht so) mehr als schwer getan.

Zum einen stammt diese 10″ LP aus väterlichem Bestand (kein Wunder: etliche schlesische Dichter sind hier vertreten) und diese Aufnahmen stehen für mich für jene Jahre, in denen ich mein Elternhaus immer verknöcherter fand.

Zum anderen ist der Vortraggstil von Ernst Ginsberg so gestaltet, dass ich mich mehrfach an die markige Sprache der Nationalsozialisten erinnerte. Und das genau bei dem Ernst Ginsberg:

Ernst Ginsberg (* 7. Februar 1904 in Berlin; † 3. Dezember 1964 in Zollikon) war ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher, Rezitator, Regisseur und Theaterleiter.

Ginsberg war Sohn eines Augenarztes und kam über München und Düsseldorf 1928 nach Berlin und 1932 nach Darmstadt. Dort als Jude entlassen emigrierte er 1933 in die Schweiz und kam an das Zürcher Schauspielhaus. Außer von Molière spielte er folgende Rollen: Mephisto, Tasso, Franz Moor, Don Carlos, Hamlet. Er war jüdischer Herkunft, ließ sich jedoch 1935 katholisch taufen.

ErnstGinsberg011946 bis 1950 war er Regisseur in Basel, 1944 Herausgeber von Lyrik des 17. Jhs., 1946 des 18. Jhs., 1951 Herausgeber von Else Lasker-Schüler und 1956 von Berthold Viertel.

Nach seiner Emigration wirkte er bis 1962 als Mitglied des Zürcher Schauspielhauses und arbeitete von 1952 bis 1961 gleichzeitig als Schauspieler und Regisseur am Residenztheater (München). Von 1955 bis 1960 war er Leiter der Literaturproduktion der Deutschen Grammophon, als der er 1957 zur Verwirklichung seiner Vision einer „akustischen Handbibliothek der Weltliteratur“ das Plattenlabel Literarisches Archiv ins Leben rief.

Dort wurden und werden bis heute – inzwischen auf CDs – literarische Schallplatten (vornehmlich Sprechplatten) herausgegeben. Sprecher der ersten Stunde des literarischen Archivs waren u. a. berühmte Autoren wie Thomas Mann oder Gottfried Benn. Auch Ginsberg selbst sprach für die Reihe.

Er war auch sehr häufig als Hörspielsprecher im Einsatz. So konnte man ihn beispielsweise auch in zwei Paul-Temple-Hörspielen erleben, so 1957 in dem vom WDR produzierten Mehrteiler Paul Temple und der Fall Gilbert (Regie: Eduard Hermann, mit René Deltgen, Annemarie Cordes und Kurt Lieck), sowie zwei Jahre später in der BR-Produktion Paul Temple und der Conrad-Fall (Regie: Willy Purucker, mit Karl John und Rosemarie Fendel).

Ernst Ginsberg starb an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Als er sich schon nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen konnte, diktierte er seiner Pflegerin noch, mit Hilfe des Morsealphabets, mit den Augenlidern Gedichte. (Quelle: wikipedia)

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Ernst Ginsberg (frühe 30er Jahre)

Und hier rezitiert Ernst Ginsberg „Deutsche Lyrik des Barock“:

Die bevorzugte Literaturform der Barockzeit war das Gedicht, vor allem das Sonett, übliches Versmaß war der Alexandriner mit 6-hebigen Jamben mit starken Zäsuren, häufig in der Versmitte. Im Barock spielten die äußere Ästhetik und der Wohllaut eine große Rolle. Um diese Wirkung zu erreichen, wurde auf diverse Stilmittel zurückgegriffen, darunter Anaphern, Metaphern, Antithetik, Hyperbolik sowie Allegorien und Repetitio. Stilmittel wie Metaphern und Symbole wurden bevorzugt eingesetzt, um durch bildliche Darstellungen elementare Dinge wie Diesseits und Jenseits, sowie die Rolle des Menschen zu erläutern. Metaphern und Allegorien wie der „Port“ (im Gedicht „Abend“ von A. Gryphius) für eine Heimkehr zu Gott sind typisch. Ebenso wurden Embleme und Allegoresen verwendet, die hinter Namen und Dingen eine tiefere, verborgene Bedeutung erschließen und erkennen lassen.

Der Pfarrerssohn Gryphius zum Beispiel musste als Kind den Herztod seines Vaters mitansehen, nachdem eine brandschatzende Soldateska in dessen Kirche eindrang. (Quelle: wikipedia)

Andreas Gryphius

Andreas Gryphius

Die geistige Grundlage des Barock ist trotz aller Verbindung völlig anders als die der Renaissance. Nicht mehr Optimismus, sondern Pessimismus prägt das Lebensgefühl. Die Zeitereignisse (Dreißigjähriger Krieg) haben den mittelalterlichen Dualismus zwischen Diesseits und Jenseits wiederbelebt und zu einer vertieften Frömmigkeit geführt, deren Hauptelement die Vergänglichkeitsstimmung ist, die Vanitas-Skepsis: „Vanitas, vanitatum, et omnia vanitas / Es ist alles gäntz eytel“ (Gryphius) (Quelle: www.deutschelyrik.de)

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Klar, die Sprache … sie wirkt ein wenig sperrig für unsere heutigen Ohren und – wie schon gesagt – der Vortragstil ist gewöhnungsbedürftig …

Aber so etliche der Zeilen lassen einen dennoch aufhorchen:

Das ist z.B. dieses „Über den Untergang der Stadt Freystadt“, das wohl intensiveste Gedich dieses Albums … und das ist dann auch kein Wunder:

„Ein Jahr später, 1637, brannte nach Abzug einer feindlichen Besatzung die Stadt Freystadt ab, und zwar völlig. Freystadt liegt 40km nordwestlich von Glogau. Der junge Gryphius erlebte den Brand als Augenzeuge“ (aus „Schlesische Lyrik des 17. Jahrhunderts-Blütezeit deutscher Dichtung mitten im großen Krieg“ Vortrag von Wolfgang Beitinger, 2001)

Oder aber auch „Friedenreiches Freudenlied“ von Martin Rickart:

Er hat nach dem so so sehnlich erwarteten  Frieden von Münster und Osnabrück ein Freudenlied gedichtet, das all den Optimismus erklingen läßt, der die folgende überaus schöpferische Epoche erahnen läßt! (aus „Schlesische Lyrik des 17.  Jahrhunderts-Blütezeit deutscher Dichtung mitten im großen Krieg“ Vortrag von Wolfgang Beitinger, 2001)

Und dann gibt es noch einen kleinen 4-Zeiler, der könnte doch glatt von Eugen Roth sein:

Das menschliche Alter:

Ein Kind weiß nichts von sich, ein Knabe denket nicht,
Ein Jüngling wünscht stets, ein Mann hat immer Pflicht,

Ein Alter hat Verdruß, ein Greis wird wieder Kind,
Schau lieber Mensch, was das für Herrlichkeiten sind.

Humor hatten sie also auch noch … trotz der grausigen Jahre jener Epoche.

Und vielleicht wird ja der eine oder andere Leser dieses blog fündig bei Zeilen, die ihn aufhorchen lassen … auszuschließen wäre es nicht.

Die LP (erschienen in der Reihe „Literarisches Archiv“ gegründet von … na … Ernst Ginsberg) hat leider nicht nur ein paar Alterserscheinungen aufzuweisen,  sondern auch noch ein ausführliches Begleitheft mit allen Texten und weiteren Erläuterungen. Vermutlich sind die Aufnahmen bereits 1957 entstanden)

Und dann gab´s ja auch noch den Alan Ginsberg … aber das ist ja ne ganz andere Geschichte *ggg*

 

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Besetzung:
Ernst Ginsberg (Sprecher)

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Titel:

Simon Dach (1605 – 1659):
01. Freundschaftslied 1.27
02. Ihr abgenützten Saiten 1.06

Andreas Gryphius (1616 – 1664):
03. Betrachtung der Zeit 0.37
04. Über den Untergang der Stadt Freystadt 5.53
05. Grabschrift Marianae Gryphiae, seines Brudern Pauli Töchterlein 1.16
06. Über seines jüngsten Sohnes Daniels Geburt 1.16
07. Am Ende 1.24
08. Abend 1.40

Paul Fleming (1609 – 1640):
09. An sich 1.22
10. An Basilenen, nachdem er von ihr gereist war 1.29
11. Auf den Tod eines Kindes 1.08

Friedrich von Logau – Sinngedichte (1604 – 1655):
12. Die Welt ein Buch 0.46
13. Der Frühling 0.37
14. Deutschland wider Deutschland 0.17
15. Die schamhafte Zeit 0.15
16. Heutige Weltkunst 0.22
17. Die tausend goldnen Jahre 0.19
18. Auf einen Ehrgeizigen 0.14
19. Der deutsche Krieg 0.12
20. Der Tod 0.14
21. Ein Vertriebener redet nach seinem Tode 0.20
22. Die tapfere Wahrheit 0.20
23. Das neue Jahr 0.30
24. Das menschliche Alter 0.22
25.  Die Poeten 0.13

Martin Rickart (1586 – 1649):
26. Friedenreiches Freudenlied 1.58

Christian Weise (1642 – 1708):
27. Nachsprung zum Hochzeitstanz 0.49
28. Unvermutete Betrachtung des hereinbrechenden Alters 3.04

Johann Christian Günther (1695 – 1723):
29. Trost-Aria 1.41

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Martin Rickart